Caritas España
Bogotá (Fides) – Am 8. September wurde der Tag des Entwicklungshelfers begangen, der von der spanischen Entwicklungszusammenarbeit ins Leben gerufen wurde, um die Arbeit der Menschen zu würdigen, die sich durch Entwicklungsprojekte und humanitäre Hilfe in den am stärksten benachteiligten Regionen der Welt für die Förderung der Rechte und Menschenwürde eines jeden Einzelnen einsetzen.
Nach Angaben der spanischen Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (AECID) aus dem Jahr 2025 sind über 2.300 Spanier und Spanierinnen außerhalb des Landes in diesem Bereich tätig. Zu ihnen gehört Manuel Gutiérrez Chaparro, Entwicklungshelfer der Caritas Spanien in Kolumbien und Venezuela, der in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Einsatzjubiläum in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit feiert. Sein Erfahrungsbericht wurde der Agentur Fides von der Caritas Spanien anlässlich dieses Tages zur Verfügung gestellt.
Die Entwicklungshelfer der Caritas arbeiten Seite an Seite mit lokalen Organisationen und Gemeinschaften in Gebieten, die von Armut, Konflikten, Vertreibung oder Notlagen geprägt sind. Ihr Engagement verbindet Projektmanagement mit der Präsenz vor Ort, dem Zuhören und der Stärkung lokaler Kapazitäten. Das Ziel ist nicht, diejenigen zu ersetzen, die in der Region verwurzelt sind, sondern Prozesse zu begleiten, in denen die Gemeinschaften selbst die Hauptrolle spielen.
Dieses Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit formte sich für Manuel seit seinen frühesten Erfahrungen. Nach seinem Pädagogikstudium absolvierte er einen Freiwilligendienst an einer Schule in Nicaragua und begann 2005, mit der spanischen Caritas zusammenzuarbeiten. Dort bildete er sich in der Konzeption und Leitung von Kooperationsprojekten weiter und schlug damit einen Weg ein, der ihn später nach Nicaragua, in die Dominikanische Republik und nach Kolumbien führen sollte.
Gerade dieses letzte Land wurde zu einem entscheidenden Meilenstein auf seinem Weg. „Ich bin fast zufällig dort gelandet, für ein zweijähriges Projekt, und habe entdeckt, dass dies mein Platz in der Welt war.“ Seitdem arbeitet er in Gebieten, die von Ungleichheit, Zwangsvertreibung und bewaffneten Konflikten geprägt sind, darunter Chocó im Norden der Pazifikregion, eines der am schwierigsten zu erreichenden Gebiete des Landes.
„Für mich ist die Entwicklungszusammenarbeit nicht nur ein Beruf: Sie ist eine Art, in der Welt zu stehen“, erzählt er. Bei der Arbeit an der Seite der vertriebenen indigenen Gemeinschaften, die in ihre Gebiete zurückkehren konnten, begegnete er Geschichten von Menschen, die sich trotz aller Widrigkeiten dafür einsetzten, ein würdevolles Leben aufzubauen. „Ich habe das auch bei den Frauen gesehen, die nach Jahren des Schweigens gemeinschaftliche Prozesse leiten und zu Bezugspunkten für den Wandel werden.“
Es sind Erfahrungen, die sein Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit tief geprägt haben. Die Begleitung, so Manuel, muss dazu beitragen, dass die Gemeinschaften zu Protagonisten ihrer eigenen Prozesse werden, ohne dabei Abhängigkeiten zu schaffen. Die Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit, erklärt er, „besteht darin, sie zu begleiten, ihre Fähigkeiten zu stärken und ihnen Ressourcen und Wissen zur Verfügung zu stellen“. Es geht nicht darum, an die Stelle der Menschen vor Ort zu treten: Die Menschen, die dort leben, kennen die Bedürfnisse und bleiben auch dann vor Ort, wenn ein Projekt endet oder der Entwicklungshelfer in sein Heimatland zurückkehrt.
Heute führt ihn seine Arbeit von einem Treffen in Bogotá mit den Teams der Caritas Kolumbien zu einer Bootsfahrt entlang der Pazifikküste oder nach Venezuela, um dort Gemeinden und lokale Teams zu treffen. „Jedes Umfeld hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Leid und auch seine eigenen Formen des Widerstands“, erklärt er. Es ist eine Arbeit, die umsichtiges Handeln, Kenntnisse der jeweiligen Gegebenheiten und eine enge Abstimmung mit den lokalen Organisationen erfordert. In solchen Situationen musste Manuel oft erkennen, wie begrenzt die Handlungsmöglichkeiten angesichts der enormen Bedürfnisse sind.
In Venezuela erlebte er zudem eine der härtesten Erfahrungen seiner Karriere: die humanitäre Hilfe nach den Erdbeben im Juni 2026. Er unterstützte die Caritas Venezuela und die Diözesanteams dabei, die dringendsten Bedürfnisse in den Bereichen Ernährung, Wasser, Gesundheit, Unterkunft und Schutz zu decken.
Und auch wenn ein wesentlicher Teil seines Alltags der Verwaltung, den Projekten, der Koordination und den Verhandlungen gewidmet ist, hätte all dies, wie er bemerkt, ohne die Menschen, die dahinter stehen, keinen Sinn. „Was mir am meisten gefällt, ist die Arbeit mit den Menschen“, betont er. Zuhören, Verstehen und Begleiten ermöglichen es, hinter jedem Einsatz konkrete Geschichten, Familien und Gemeinschaften zu entdecken, die mit schwierigen Situationen konfrontiert sind.
Nach zwanzig Jahren fasst er einen Großteil dessen, was er gelernt hat, in einem Satz zusammen: „Nah sein, erst zuhören, bevor man Vorschläge macht, begleiten, ohne sich an die Stelle der Betroffenen zu setzen.“
(LGR) (Fides-Agentur 15/9/2026)