Fides News - German (Standard)https://www.fides.org/Aus dem Archivder FidesagenturdeDie auf unseren Internetseiten veröffentlichten Inhalte unterliegen einer Licenza Creative Commons. ASIEN/MALAYSIA - Der erste Priester der indigenen Berawan-Gemeinschaft auf Borneo: „Warum nicht ich?“https://www.fides.org/de/news/78212-ASIEN_MALAYSIA_Der_erste_Priester_der_indigenen_Berawan_Gemeinschaft_auf_Borneo_Warum_nicht_ichhttps://www.fides.org/de/news/78212-ASIEN_MALAYSIA_Der_erste_Priester_der_indigenen_Berawan_Gemeinschaft_auf_Borneo_Warum_nicht_ichMiri – Vor zehn Jahren hörte der junge Joel Rut Markus die Predigt eines niederländischen Missionars: Pater Guido Gockel predigte in Iban, einer der lokalen Sprachen von Sarawak im malaysischen Teil der Insel Borneo.<br />Joel Rut Markus, ein einheimischer Katholik aus dem indigenen Volk der Berawan, war davon tief beeindruckt. Er fragte sich, „warum ein niederländischer Priester sich die Mühe gemacht hatte, die lokale Sprache zu lernen und in ihr zu predigen“. Diese Erfahrung ließ ihn über seine eigene Berufung nachdenken. Eine Frage begann ihn zu beschäftigen: „Wie könnte ich selbst den Gemeinschaften vor Ort das Evangelium verkünden – in ihren Sprachen und in ihrer Kultur?“<br />Das Thema ließ ihn nicht mehr los. „Warum nicht du? Warum nicht ich?“, fragte er sich. Sie führte ihn dazu, intensiver über Gottes Ruf nachzudenken und schließlich die Berufung zum Priestertum anzunehmen.<br /><br />Nun hat die Diözese Miri im malaysischen Teil Borneos die Priesterweihe von Joel Rut Markus gefeiert. Er ist der erste Priester aus der Gemeinschaft der Berawan, einem indigenen Volk der Region.<br />Die Feier fand am 16. September in der Kirche St. Dominikus und Rosenkranz in Taman Tunku statt. Mehr als 3.000 Gläubige nahmen daran teil. Für die katholische Gemeinschaft der Diözese Miri war es ein besonderer Moment. Zu ihr gehören die Katholiken des gesamten nördlichen Teils des Bundesstaates Sarawak.<br />Nach seiner Entscheidung für den Priesterberuf begann Joel seine Ausbildung im Seminar. Vier Jahre verbrachte er am College General in Penang. Anschließend studierte er weitere viereinhalb Jahre am St. Peter's College in Kuching. Der Abschluss seiner Ausbildung ist für die Gemeinschaft von Miri Anlass zu großer Freude.<br /><br />Während der Eucharistiefeier rief Bischof Richard Ng von Miri die jungen Menschen erneut dazu auf, über eine Berufung zum Priestertum nachzudenken. „Der Weg der Priesterausbildung erfordert viele Jahre der Vorbereitung sowie Geduld, Ausdauer und die Bereitschaft, Gottes Gnade anzunehmen und seinen Willen zu tun“, sagte der Bischof.<br />Mit Blick auf den Weg von Pater Joel ermutigte Richard Ng die Jugendlichen, bei einer möglichen Berufung nicht zu zögern. Die Diözese Miri brauche „Arbeiter für ihren Weinberg“, betonte er.<br /><br />Pater Joel wird seinen priesterlichen Dienst in der Kirche zur Heiligen Familie in Lapok beginnen. Seine Weihe ist ein bedeutender Moment für die katholische Gemeinschaft der Berawan. Zugleich erhält die Diözese Miri einen weiteren einheimischen Priester für die pastorale Arbeit unter den verschiedenen indigenen Gemeinschaften Sarawaks. Sie erstreckt sich über den Norden Sarawaks. Sarawak ist einer von zwei malaysischen Bundesstaaten auf der Insel Borneo; der andere ist Sabah. Zu den katholischen Gemeinschaften der Region gehören zahlreiche indigene Bevölkerungsgruppen. Für sie sind Sprache und Kultur wichtige Bestandteile des Glaubens und des gemeinschaftlichen Lebens.<br />Die Berawan gehören zur größeren Gruppe der indigenen Bevölkerungen im Landesinneren Sarawaks. Diese werden allgemein als Orang Ulu bezeichnet. Nach Angaben der örtlichen Behörden zählt die Gemeinschaft im Bezirk Baram rund 7.000 Menschen, die 17 Dörfern leben.<br />Ihr Siedlungsgebiet liegt vor allem im Einzugsgebiet des Flusses Baram sowie entlang der Flüsse Tinjar und Tutoh. Dort gibt es verschiedene Gemeinschaften, die traditionell um gemeinschaftliche Wohnhäuser organisiert sind. Diese Bauform ist für viele indigene Völker Sarawaks typisch.<br /><br />Das traditionelle Leben der Berawan war eng mit dem Wald, den Flüssen und der Landwirtschaft verbunden. Reis wurde angebaut, außerdem wurde gefischt und gejagt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich diese Lebensweise tiefgreifend verändert. Der Zugang zu Bildung hat die Möglichkeiten für die jüngeren Generationen erweitert. Gleichzeitig haben die Umwandlung großer Flächen in Palmölplantagen und die zunehmende Versandung der Flüsse den Raum für einige traditionelle Praktiken eingeschränkt.<br />Die Sprache ist ein zentraler Bestandteil der Identität der Gemeinschaft. Bis vor kurzem wurde Berawan vor allem mündlich überliefert. Erst 2024 wurde in Miri ein vergleichendes Glossar der Berawan-Sprache vorgestellt.<br /><br />Auch die religiöse Dimension spiegelt die Geschichte und die Veränderungen der Gemeinschaft wider. Überlieferte animistische Traditionen bestehen neben Gruppen, die sich dem Christentum angeschlossen haben. In einigen Gemeinschaften gibt es auch Muslime.<br />Im größeren Kontext Sarawaks ist das Christentum unter den indigenen Bevölkerungsgruppen besonders verbreitet. Die Diözese Miri zählt rund 120.000 Katholiken bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 950.000 Menschen. Ihre katholische Gemeinschaft besteht zu einem großen Teil aus Angehörigen der Dayak- und Orang-Ulu-Völker.<br /><br />Diese Bevölkerungsgruppen haben den christlichen Glauben angenommen und ihn zunehmend in ihr Leben integriert. Zugleich haben sie wichtige Elemente ihrer kulturellen Identität bewahrt.<br />In diesem Zusammenspiel von Sprache, indigener Kultur und christlichem Glauben steht auch die Berufung von Pater Joel. Sein Wunsch, das Evangelium in der Sprache und Kultur der lokalen Gemeinschaften zu verkünden, wird zu einem Zeichen des interkulturellen Austauschs. Zugleich steht seine Berufung für das Wachstum einer Kirche, die sich durch die eigenen Völker und deren Traditionen entfalten kann.<br /><br /> <br />Sat, 26 Sep 2026 08:52:22 +0200Fulton J. Sheen wurde seliggesprochen. Kardinal Tagle: „Selig ist das Tongefäß, das seine Kraft aus Jesus schöpft“https://www.fides.org/de/news/78214-Fulton_J_Sheen_wurde_seliggesprochen_Kardinal_Tagle_Selig_ist_das_Tongefaess_das_seine_Kraft_aus_Jesus_schoepfthttps://www.fides.org/de/news/78214-Fulton_J_Sheen_wurde_seliggesprochen_Kardinal_Tagle_Selig_ist_das_Tongefaess_das_seine_Kraft_aus_Jesus_schoepft<br />Von Marie-Lucile Kubacki<br /><br />St. Louis – St. Louis, Missouri, 24. September. Für viele Pilger begann der Tag früh. Einige eilten zu den Eingängen des America’s Center, des weitläufigen Kongresszentrums im Stadtzentrum. Es liegt unweit des Stadions der legendären örtlichen Baseballmannschaft, der Cardinals.<br /><br />Im Inneren des riesigen Kongresszentrums, das beinahe wie eine kleine Stadt wirkt, erinnert eine Ausstellung an das Leben von Erzbischof Fulton J. Sheen. Ein nachgebildetes typisch amerikanisches Wohnzimmer ausgestattet mit einem Fernseher. Darauf laufen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Life Is Worth Living, seiner Fernsehsendung aus den 1950er Jahren. Auf einem Tisch liegen Ausgaben des Magazins Life, darunter eine Ausgabe zum Thema Kommunismus – ein Hinweis auf ein Thema, das Sheen in seinen Sendungen häufig aufgriff.<br />Die Ausstellung bietet eine vielfältige Auswahl an Ständen. Händler verkaufen Sheen-Devotionalien, darunter Rosenkränze, Gedenkmünzen und Heiligenbilder. An einem weiteren Stand gibt es Lego-Figuren von Priestern, die eine Messe feiern, darunter auch eine Sammlerfigur von Sheen. Universitäten stellen ihre Studienprogramme vor, Ordensgemeinschaften und Verbände sind vertreten, ebenso Buchhandlungen.<br />Am Stand der Militärseelsorge der US-Armee drängen sich Kinder, um schwarze und gelbe Plastikarmbänder mit dem Slogan „Be all you can be“ zu bekommen.<br />Draußen zieht sich eine lange Schlange für die Beichte entlang. Daneben stehen Gruppen an Tischen und wärmen sich mit großen Bechern amerikanischen Kaffees die Hände.<br /><br />Erinnerungen in Schwarz-Weiß<br /><br />Die Pilger sind nach Angaben von Bischof Louis Tylka aus Peoria aus 49 US-Bundesstaaten und mehr als zehn weiteren Ländern angereist. Bei einer Pressekonferenz berichtete er von großem Interesse aus Italien, Polen und Brasilien.<br />„Wir kommen aus der Diözese Peoria, und meine Tochter ist aus der Erzdiözese Seattle eingeflogen, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen“, erzählt Colleen Murphy Fides. Die lebhafte, adrette Frau um die 70 erinnert sich daran, als Kind gemeinsam mit ihrem Vater Sheens Fernsehsendung gesehen zu haben.<br /><br />„Wenn man ihm in die Augen sah, hatte man das Gefühl, er spreche direkt mit einem selbst und mit niemand anderem“, sagt sie. Auch seine Marienverehrung spricht sie an. Nun bittet sie Sheen, über ihre Kinder und Enkelkinder zu wachen und sie zu beschützen.<br />Für María Cervantes, eine spanischsprachige Katechetin der Pfarrei St. Boniface in Lafayette im Bundesstaat Indiana, ist Sheen „ein Beispiel dafür, wie man in einem gewöhnlichen Leben zur Heiligkeit gelangen kann“. Entscheidend seien dabei Spiritualität und die Aufmerksamkeit für die alltäglichen Momente.<br /><br />Ihr Pfarrer hatte Sheen einer Gruppe von Katecheten vorgestellt und ihnen geholfen, die Reise zu organisieren. So kam sie nach St. Louis.<br />Jim Sabatier und Marty Stark reisten aus Oxford im Bundesstaat Mississippi an. Sabatier erinnert sich daran, Sheen in den 1960er Jahren gemeinsam mit seinen Eltern und seinen sieben Geschwistern im Schwarz-Weiß-Fernsehen gesehen zu haben.<br />„Ich erinnere mich nur daran, dass er seinen Mantel abnahm und dann … er war wirklich etwas Besonderes“, erzählt Stark. „Auch seine Augen und seine Stimme haben mich beeindruckt. Ich erinnere mich daran, wie er mit sehr ordentlicher Handschrift an die Tafel schrieb.“<br />Alle strömen nun zur großen Kuppel des America’s Center. Das Gebäude wurde für große Sportveranstaltungen und andere Massenveranstaltungen errichtet und ist für einen Tag des Gebets und der Feier vorbereitet worden.<br /><br />Das Programm begann bereits Stunden vor der Seligsprechungsmesse. Ansprachen, Musik und Zeugnisse sollten die Pilger auf die Feier einstimmen und sie in eine Atmosphäre des Gebets führen. Die Größe des Veranstaltungsortes macht die Versammlung besonders eindrucksvoll. Trotz der Zehntausenden Menschen bleibt es im Inneren meist still und achtsam.<br />Vor Beginn der Liturgie bezeichnet Bischof Tylka die Seligsprechung als Höhepunkt jahrelangen Gebets und monatelanger Vorbereitung.<br />„Durch ihn konnten wir dem Herrn begegnen und jener wunderbaren Botschaft, die er immer wieder verkündet: Gott hat dich geliebt“, sagt der Bischof. Die Feier sei nicht nur für die Diözese Peoria oder die Kirche in den Vereinigten Staaten von Bedeutung, sondern für die Weltkirche.<br />Eine von Sheen getragene Bischofsmütze wurde während des Programms vor der Messe auf der Bühne präsentiert.<br /><br />„Selig, wenn der Auferstandene mit euch wirkt“<br /><br />Während der Messe wird James Fulton Engstrom eine Reliquie überreichen: ein Fragment des Unterkiefers von Sheen. Engstrom war als Kind 61 Minuten lang ohne Herzschlag und Atmung gewesen. Seine Genesung wurde als Wunder anerkannt, das der Fürsprache Sheens zugeschrieben wird.<br />Bei der Pressekonferenz erklärte seine Mutter Bonnie Engstrom, die Familie habe ihrem Sohn vor seiner Geburt den Namen Sheen gegeben und ihn unter dessen Schutz gestellt.<br />In die Kuppel zieht eine lange Reihe von Priestern und Bischöfen ein. 89 Bischöfe sowie rund 1.000 Priester, 850 Ordensleute, 850 Seminaristen und 260 Diakone hatten sich angemeldet. Kardinal Luis Antonio Tagle, der der Feier vorsteht, wirkt beim Einzug sichtlich bewegt.<br />In seiner Predigt bezeichnet er die Seligsprechung nicht als Ehrung einer Berühmtheit. Sie sei vielmehr die Anerkennung eines Lebens, das von einer Sendung geprägt war: der Verkündigung des Evangeliums und dem Dienst am Nächsten, insbesondere an den Armen und besonders schutzbedürftigen Menschen.<br />Sheens Popularität als Fernsehmoderator und Autor, so der Kardinal, habe ihn nicht aus sich heraus zum Seligen gemacht. Seine Bedeutung habe vielmehr darin gelegen, auf denjenigen zu verweisen, auf den er selbst verwies – auf Christus – und Beziehungen zu den Menschen aufzubauen.<br /><br />„Die eigene Weisheit statt der Weisheit Jesu zu verkünden, bedeutet, das Wort Gottes zu verfälschen. Das ist keine Mission, das ist keine Seligkeit“, mahnt der Kardinal.<br /><br />„Selig und schön sind eure Füße, wenn ihr die Erlösung und den Frieden Gottes verkündet“, fährt er unter Bezug auf den Propheten Jesaja fort. „Durch Land, Wasser und Luft zu reisen und zerstörerische Worte zu verkünden oder gewalttätige Taten zu begehen, ist keine Mission; es ist keine Seligkeit. Selig seid ihr, wenn der auferstandene Herr mit euch wirkt und das Evangelium, das ihr verkündet, durch Zeichen und Wunder bestätigt.“<br /><br />Und weiter: „Selbstgenügsamkeit und Selbstbehauptung sind ein schlechtes Zeichen. Das ist keine Mission, keine Seligkeit. Ein Missionar wird von Jesus erkannt und ist dazu berufen, ihn und sein Evangelium kennenzulernen. Er ist dazu berufen, demütig mit Jesus zu arbeiten. Auf diesem Weg lernt ein Missionar sich selbst in Jesus kennen.“<br />„Selig seid ihr, wenn Jesus euch sieht, euch kennt, euch ruft, euch sendet und mit euch wirkt. Selig seid ihr, wenn ihr euer wahres Ich und eure Botschaft erkennt, weil Jesus euch und ihr Jesus kennt. Selig sind die authentischen Missionare.“<br /><br />Ein seliger „Türwächter“<br /><br />Kardinal Tagle erinnert an eine Antwort Sheens, als Papst Pius XII. ihn fragte, wie viele Menschen er bekehrt habe. Sheen habe geantwortet, er habe sie nicht gezählt, um nicht in Versuchung zu geraten zu glauben, die Bekehrungen seien sein Verdienst.<br />Er beschrieb sich selbst lediglich als „Türwächter“, der die Menschen manchmal an die offene Pforte des Hauses Gottes führen könne.<br />Für den Kardinal bringt dieses Bild eine zentrale Eigenschaft von Sheens Wirken zum Ausdruck: die Demut hinsichtlich der Rolle des Predigers und das Vertrauen in die Botschaft.<br /><br />Tagle erinnert außerdem an Sheens Aufmerksamkeit für die Armut. Er zitiert dessen berühmten Beitrag beim Zweiten Vatikanischen Konzil 1964: „Wie nur ein verwundeter Christus einen skeptischen Thomas bekehren konnte, so kann nur eine von Armut verwundete Kirche eine skeptische Welt bekehren.“<br />Einige Gläubige nicken bei diesen Worten schweigend.<br /><br />Die Seligsprechung und die Wunden der Stadt und der Welt<br /><br />Die Seligsprechung findet im Stadtzentrum statt, in einem lebhaften, überwiegend von Geschäften geprägten Viertel. Die Lebensbedingungen unterscheiden sich jedoch stark innerhalb der Stadt.<br />In St. Louis lag die Armutsquote 2024 bei 20,6 Prozent, gegenüber 12,1 Prozent im Landesdurchschnitt. Auch die Eigentumsdelikte lag deutlich über dem nationalen Durchschnitt.<br />Im Jahr 2024 wurden in St. Louis 150 Morde registriert. Die Mordrate gehörte zu den höchsten. In einer Untersuchung von 24 Städten lag St. Louis an erster Stelle. 2025 ging die Rate jedoch zurück.<br /><br />Die Stadt ist weiterhin von tiefen sozialen und ethnischen Spaltungen geprägt. Diese wurden teilweise durch jahrzehntelange Segregation und Ungleichheit zwischen den einzelnen Stadtvierteln beeinflusst.<br /><br />Der Kardinal erinnert anschließend an eine Geschichte, die Sheen selbst erzählt hatte. Sie ereignete sich bei einem Besuch bei Menschen mit Lepra in Uganda.<br />Sheen hatte silberne Kreuze mitgebracht, die er den Kranken schenken wollte. Als er angesichts der entstellten Hand eines Mannes zunächst zurückwich, wurde ihm bewusst, dass das Kreuz, das er verschenken wollte, Christus darstellte, der die menschliche Verwundbarkeit angenommen hatte.<br />Daraufhin berührte er die Hand des Mannes und drückte sie, berichtet der Kardinal. Er beschreibt Sheen deshalb als „501. Menschen, der an Lepra erkrankt war“.<br /><br />Zum Abschluss sagt Tagle: „Selig das Tongefäß, das seine Kraft aus Jesus schöpft! Selig der Evangelisierer, der durch das Betrachten und Berühren der Wunden des auferstandenen Christus in den verwundeten Brüdern und Schwestern selbst verwandelt wird. Selig der Missionar, der tief in das Herz der Armen eindringt, um dort Jesus zu begegnen. Selig Fulton J. Sheen!“<br /><br />Der Rosenkranz mit fünf Farben<br /><br />Nach diesen Worten wird die Eucharistiefeier in einer für die Größe der Menschenmenge überraschenden Stille fortgesetzt. Die Schlangen zur Kommunion bewegen sich langsam und feierlich. Anschließend kehren die Pilger zu ihren Plätzen zurück, um die Messe abzuschließen.<br />Unter ihnen ist Michael Krzyzanowski, ein Veteran der US-Armee. Er hörte zum ersten Mal von Sheen, als er Mitte der 1960er Jahre ein Priesterseminar besuchte. Er hatte überlegt, Priester zu werden, entschied sich jedoch für einen anderen Weg.<br />Sheen bewahrte er dennoch im Herzen. „Er war einfach einer der Bischöfe, die in den Vereinigten Staaten bekannter waren als andere. Für mich ist er ein großer Mann des Jahrhunderts“, sagt er lächelnd.<br />In der Stille unter der Kuppel klingen seine Worte beinahe wie ein Gebet. Dann verschwindet er in der Menge. Die Menschen verlassen das America’s Center. Sie nehmen die Erinnerung an diesen Tag mit sich. In den am Eingang verteilten Pilgertaschen tragen sie außerdem einen Missionsrosenkranz mit fünf Farben.<br /><br /><br />Fri, 25 Sep 2026 12:57:20 +0200EUROPA/NORDIRLAND - Dromantine: 100 Jahre menschlicher Schicksale, Geschichten und missionarischer Ereignisse, die an einem ganz besonderen Ort miteinander verflochten sindhttps://www.fides.org/de/news/78216-EUROPA_NORDIRLAND_Dromantine_100_Jahre_menschlicher_Schicksale_Geschichten_und_missionarischer_Ereignisse_die_an_einem_ganz_besonderen_Ort_miteinander_verflochten_sindhttps://www.fides.org/de/news/78216-EUROPA_NORDIRLAND_Dromantine_100_Jahre_menschlicher_Schicksale_Geschichten_und_missionarischer_Ereignisse_die_an_einem_ganz_besonderen_Ort_miteinander_verflochten_sindDromantine – Ein Jahrhundert der Ausbildung, des Gebets und des missionarischen Lebens: Dafür steht Dromantine, das Haus der Gesellschaft für Afrikamissionen in Nordirland. Über Generationen hinweg hat es Missionare begleitet und sich im Laufe der Jahre verändert, ohne seine Identität zu verlieren.<br /><br />Am 21. September 1926 kamen 47 Seminaristen aus dem SMA-Seminar an der Blackrock Road in Cork nach Dromantine in der Grafschaft Down. Acht Tage später, am 29. September, wurde das Haus offiziell als Priesterseminar der SMA eingeweiht. „Damit begann ein außergewöhnliches Kapitel“, heißt es in einer Mitteilung, die der Ivorer Pater Brice Ulrich Afferi vom Kommunikationsbüro der SMA an die Nachrichtenagentur Fides sandte.<br />Die Entscheidung, das Seminar nach Dromantine zu verlegen, fiel in eine Zeit starken Wachstums der Gesellschaft für Afrikamissionen in Irland. Die vorhandenen Räumlichkeiten reichten nicht mehr aus, um die wachsende Zahl junger Männer aufzunehmen, die der Gesellschaft beitreten wollten. Pater Morris Slattery, damals Oberer der SMA in Irland, war bereits seit Längerem auf der Suche nach einem geeigneten Standort.<br />Die Gelegenheit bot sich mit dem Kauf von Dromantine House. Nachdem die erforderlichen Genehmigungen erteilt und die Renovierungsarbeiten abgeschlossen waren, verlegte die SMA ihre Studenten an den neuen Standort. Damit begann eine fast fünf Jahrzehnte dauernde Zeit der missionarischen Ausbildung.<br /><br />Zwischen 1926 und 1972 wurden in Dromantine Generationen von Männern für das missionarische Priestertum ausgebildet. Während der Zeit, in der das Haus als Priesterseminar diente, wurden 587 Studenten zu Priestern geweiht. Viele von ihnen gingen anschließend als Missionare in Länder wie Ägypten, Nigeria, Ghana, Sambia und Liberia.<br />Für die SMA war Dromantine daher weit mehr als ein Gebäude zur Ausbildung von Seminaristen. Es wurde zu einem Ort, an dem Männer, die sich zur Mission berufen fühlten, darauf vorbereitet wurden, Grenzen, Kulturen und Kontinente zu überschreiten und ihre Berufung in den Dienst der Kirche zu stellen.<br /><br />Mit den Veränderungen, die das Zweite Vatikanische Konzil für die Priesterausbildung brachte und die der menschlichen, geistlichen und pastoralen Dimension größere Bedeutung gaben, wurden die Studenten der SMA schrittweise in die regulären Seminare integriert.<br />Dieser Übergang begann 1969 und wurde 1972 mit dem Weggang der letzten Seminaristen aus Dromantine abgeschlossen. Das Haus erhielt eine neue Bestimmung und wurde zu einem Zentrum für Exerzitien und Konferenzen umgebaut. Im Jahr 2001 öffnete es offiziell wieder seine Türen.<br />Die Funktion des Gebäudes hatte sich verändert, nicht aber seine Bestimmung zur Gastfreundschaft. Dromantine begann, eine weitaus größere Gemeinschaft von Menschen aufzunehmen, die einen Ort für Gebet, Besinnung, Bildung, Begegnung und gemeinschaftliches Leben suchten.<br /><br />Im Laufe der Jahre gab es viele Gründe, aus denen Menschen durch die Türen von Dromantine kamen: geistliche Exerzitien und Zeiten der Stille, Begegnungen und Bildungsprogramme, gemeinschaftliche Initiativen und Sommerlager.<br />Auf diese Weise bewahrte das Haus einen Teil seines ursprünglichen Charakters und passte sich zugleich neuen Bedürfnissen an. Seminaristen gehen heute nicht mehr wie vor einem Jahrhundert durch seine Gänge. Dennoch ist Dromantine weiterhin eng mit der Ausbildung, dem Gebet und der Mission der Gesellschaft für Afrikamissionen verbunden.<br />Das hundertjährige Bestehen bietet deshalb Anlass, auf die Vergangenheit zurückzublicken, aber auch den langen Weg zu würdigen, den das Haus zurückgelegt hat: vom Landsitz zum Priesterseminar, vom Zentrum für missionarische Ausbildung zum Ort für Exerzitien und Konferenzen, von einem Haus, das vor allem mit der Präsenz der SMA-Seminaristen verbunden war, zu einem Ort, der heute einer weitaus größeren Gemeinschaft offensteht.<br /><br />Heute, hundert Jahre nach der Ankunft der ersten Seminaristen, empfängt Dromantine weiterhin Menschen, die Gebet, Besinnung, Gemeinschaft und Regenration suchen. Das Gebäude hat sich verändert. Seine Funktion hat sich weiterentwickelt. Auch die Menschen, die seine Schwelle überschreiten, sind andere als jene, die 1926 hier ankamen.<br />Doch Dromantine bleibt ein Ort der Begegnung. Hier wird der Glaube gepflegt, kreuzen sich Lebensgeschichten, und der missionarische Geist der Gesellschaft für Afrikamissionen lebt weiter.<br />Es sind daher nicht nur hundert Jahre eines Gebäudes. Es sind hundert Jahre menschlicher Schicksale, Geschichten und miteinander verbundenen missionarischen Erfahrungen an einem ganz besonderen Ort.<br /><br /> <br />Fri, 25 Sep 2026 12:28:49 +0200ASIEN/VIETNAM - Der Weihbischof von Saigon: „Wir stehen den Migranten und ihren Familien zur Seite und verkünden das Evangelium inmitten der Komplexität einer Großstadt“https://www.fides.org/de/news/78198-ASIEN_VIETNAM_Der_Weihbischof_von_Saigon_Wir_stehen_den_Migranten_und_ihren_Familien_zur_Seite_und_verkuenden_das_Evangelium_inmitten_der_Komplexitaet_einer_Grossstadthttps://www.fides.org/de/news/78198-ASIEN_VIETNAM_Der_Weihbischof_von_Saigon_Wir_stehen_den_Migranten_und_ihren_Familien_zur_Seite_und_verkuenden_das_Evangelium_inmitten_der_Komplexitaet_einer_GrossstadtHo-Chi-Minh-Stadt – Eine Metropole im stetigen Wandel, wirtschaftliches Zentrum Vietnams und Anziehungspunkt für Millionen Menschen aus allen Teilen des Landes: In diesem Umfeld erfüllt die katholische Kirche von Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, ihren pastoralen Auftrag. Dabei steht sie täglich vor Herausforderungen, die mit Mobilität, Arbeit, Familie und gesellschaftlichen Veränderungen verbunden sind.<br /><br />„Saigon ist das wirtschaftliche Zentrum des Landes und zieht viele Migranten aus ganz Vietnam an. Sie kommen zum Studium oder zur Arbeit“, berichtet Bischof John Baptist Nguyen Quang Tuyen, Weihbischof von Ho-Chi-Minh-Stadt, gegenüber dem Fidesdienst.<br />Nach Schätzungen des Bischofs hat die Stadt rund acht Millionen Einwohner. Hinzu kommen etwa sieben Millionen Menschen, die dauerhaft oder vorübergehend zum Studium oder zur Arbeit zugewandert sind. Diese Binnenmigration prägt den Großraum im Süden Vietnams seit Jahrzehnten. Ho-Chi-Minh-Stadt und die umliegenden Industrieprovinzen sind zu einem der wichtigsten Ziele vietnamesischer Migranten geworden – mit spürbaren Folgen auch für das Leben der katholischen Gemeinden.<br />In einer Stadt, die von dieser starken Mobilität geprägt ist, bemüht sich die Kirche, Menschen aus anderen Provinzen nicht an den Rand zu drängen. „Die Kirche kümmert sich um die Migranten, die zum Studium oder zur Arbeit kommen. Wir organisieren monatliche Treffen für sie“, erklärt Bischof Nguyen Quang Tuyen.<br /><br />Viele junge Menschen kommen allein in die Stadt und leben weit entfernt von ihren Familien und den Pfarrgemeinden ihrer Heimat. In den Gemeinden vor Ort finden sie einen wichtigen Anlaufpunkt. „Diese Migranten bewahren einen tiefen Glauben. Sie haben Durst nach Beziehungen und Gemeinschaft und bleiben der Kirche verbunden“, beobachtet der Bischof.<br />Die Pfarrei bleibt damit ein zentraler Ort der Aufnahme und Integration. „Die Pfarrei ist weiterhin das pulsierende Herz der Gemeinschaft, und die Menschen spüren das“, betont er.<br /><br />Der lebendige Charakter des kirchlichen Lebens zeigt sich auch in der Teilnahme an der Liturgie. „In Vietnam gibt es keinen Unterschied zwischen ‚Gläubigen‘ und ‚Kirchgängern‘“, erklärt der Bischof. „Man spricht nicht davon, welcher Prozentsatz der Getauften am Sonntag zur Messe geht. Die Getauften nehmen an der Sonntags-Eucharistie teil, da sie Quelle und Nahrung für ihr Leben ist.“<br />In einigen Pfarreien der Erzdiözese, etwa in einer Gemeinde, die den Redemptoristen anvertraut ist, werden deshalb, wie der Bischof berichtet, „am Herrentag sogar zehn Messen“ gefeiert, um den Bedürfnissen der Gläubigen gerecht zu werden. „Die Kirche stellt sicher, dass ein jeder die Eucharistie empfangen kann, und bei allen Messen ist die Kirche immer voll“, sagt er.<br /><br />Die Erzdiözese Ho-Chi-Minh-Stadt gehört zu den größten katholischen Gemeinschaften Vietnams. Kirchlichen Angaben zufolge zählt sie mehr als 700.000 Katholiken und 205 Pfarreien. Damit ist sie die zweitgrößte Diözese in einem Land, in dem es nach Angaben der Vietnamesischen Bischofskonferenz insgesamt rund 7,5 Millionen Katholiken gibt. Das entspricht etwa 7,4 Prozent der rund 101 Millionen Einwohner Vietnams.<br />Das starke und rasche Wachstum der Stadt bringt auch neue soziale Verwundbarkeiten mit sich. Zu den Bereichen, mit denen sich der Bischof unmittelbar befasst, gehört die Situation der Familien. Nguyen Quang Tuyen ist für die Familienpastoral und die kirchlichen Basisgemeinschaften zuständig.<br />„Eine der Herausforderungen, die wir in Vietnam sehen, ist die einfache Scheidung“, sagt er. „Vor allem junge Menschen haben diesbezüglich wenig Hemmungen. Bei den ersten Schwierigkeiten im Eheleben beantragen sie die Scheidung und erhalten sie innerhalb von sechs Monaten.“<br /><br />Doch unabhängig von den rechtlichen Verfahren gehe es vor allem um die konkreten Lebensbedingungen vieler Familien: „Die Schwierigkeiten des Lebens, die Arbeitszeiten, die Beziehungen zu den Kindern.“ Hinzu komme der Einfluss der digitalen Kultur.<br />„Soziale Medien und Geräte wie Mobiltelefone und Tablets führen dazu, dass die Familien nicht mehr so viel Zeit miteinander verbringen. Die Kinder wachsen mit einer Kultur auf, die durch digitale Medien vermittelt wird.“<br />Angesichts dieser Veränderungen versucht die Familienpastoral dabei zu unterstützen, „die Beziehungen innerhalb der Familie zu stärken – menschliche und geistliche Beziehungen“.<br /><br />Die Antworten darauf sind konkret. „Wir organisieren Wochenenden, die dem Austausch, der gemeinsamen Reflexion und dem Gebet gewidmet sind“, berichtet der Bischof. Hinzu kommt ein Weg der Vorbereitung auf die Ehe, der zugleich der Begleitung des Ehelebens dient.<br />Ziel sei es, Paare nicht nur auf das Sakrament der Ehe vorzubereiten, sondern sie auch beim Aufbau familiärer Beziehungen zu begleiten, die den Herausforderungen des Alltags standhalten können. „Nicht allein, sondern mit Christus, der seine Gnade schenkt – das ist die erste und eigentliche Unterstützung“, betont Nguyen Quang Tuyen.<br />Das Bildungsengagement der Kirche setzt sich auch durch Katechese für Kinder, Jugendliche, Familien und Erwachsene fort. „Unsere Bildungsarbeit geht innerhalb der Kirche weiter, mit Katechesen und Treffen, die sonntags oder an einem Wochentag stattfinden“, berichtet der Bischof.<br /><br />Die Erzdiözese verfügt – wie die gesamte Kirche in Vietnam – über keine katholischen Schulen, da diese gesetzlich nicht zugelassen sind. Umso wichtiger ist die Pfarrei für die Weitergabe des Glaubens, die Bildung der jungen Generation und die Begleitung der Familien.<br />Daneben spielen die Ordensgemeinschaften eine wichtige Rolle. Viele von ihnen haben in Ho-Chi-Minh-Stadt eigene Ausbildungs- und Studienhäuser. „Die Stadt ist damit auch ein großes Zentrum des vietnamesischen Ordenslebens, und dessen positive Auswirkungen sind auf allen Ebenen spürbar“, erklärt der Bischof.<br /><br />Die soziale Dimension ist dabei nicht von der pastoralen zu trennen. Nach Angaben der Erzdiözese engagieren sich die Katholiken der Stadt seit Langem in karitativen und sozialen Aktivitäten, insbesondere für Migranten und besonders schutzbedürftige Menschen.<br />Die Unterstützung von Migranten und die Beteiligung an den karitativen Aktivitäten der Pfarreien seien „bedeutende Elemente des Lebens der Ortskirche“, sagt der Bischof.<br /><br />In der Millionenstadt versucht die Kirche, ihre pastorale Arbeit auf die konkreten Bedürfnisse der Menschen auszurichten und zugleich den Kontakt zu den staatlichen Behörden zu pflegen. „In Städten wie Saigon ist dieses Verhältnis einfacher, es gibt einen Modus vivendi“, beobachtet Nguyen Quang Tuyen.<br /><br />In ländlichen und abgelegenen Gebieten könne die Situation anders sein. „In den Dörfern sind die Beziehungen schwieriger“, sagt der Bischof. Dort gebe es eine stärkere Kontrolle und bisweilen auch Spannungen, die mit der Vorsicht lokaler Amtsträger zusammenhängen.<br />Trotz der gesellschaftlichen Veränderungen und Schwierigkeiten beobachtet der Bischof einen tief im Alltag verwurzelten Glauben: „Wir sehen, dass der Glaube lebt: Trotz der Herausforderungen beten die Familien abends und gehen gemeinsam in die Kirche, sie engagieren sich in der Nächstenliebe.“<br /><br />Darin sieht Nguyen Quang Tuyen die Aufgabe der Kirche in der vietnamesischen Millionenmetropole: Es gehe nicht nur darum, eine tief verwurzelte religiöse Tradition zu bewahren. Vielmehr müsse die Kirche die Menschen durch den raschen gesellschaftlichen Wandel begleiten, Ankommende aufnehmen, Familien unterstützen, junge Menschen bilden und die Pfarrei als Ort der Begegnung, des Gebets und der Solidarität erhalten.<br />In einer Stadt, in der sich Millionen Menschen auf der Suche nach Arbeit, Bildung oder neuen Möglichkeiten bewegen, möchte die Kirche eine Gemeinschaft sein, die aufnimmt und integriert, den Menschen „nahe“ ist und ihnen weiterhin das Wertvollste schenkt, was sie besitzt: das Evangelium.<br /><br /> <br /><br /><br /><br /><br />Fri, 25 Sep 2026 07:54:30 +0200DER PAPST IN FRANKREICH/VII - Der Historiker Dumont: Der Besuch von Leo XIV. entspricht den Erwartungen eines „neuen missionarischen Aufschwungs“https://www.fides.org/de/news/78213-DER_PAPST_IN_FRANKREICH_VII_Der_Historiker_Dumont_Der_Besuch_von_Leo_XIV_entspricht_den_Erwartungen_eines_neuen_missionarischen_Aufschwungshttps://www.fides.org/de/news/78213-DER_PAPST_IN_FRANKREICH_VII_Der_Historiker_Dumont_Der_Besuch_von_Leo_XIV_entspricht_den_Erwartungen_eines_neuen_missionarischen_AufschwungsVon Marie-Lucile Kubacki<br /><br />Paris – Der Historiker Martin Dumont hat soeben ein Werk über die lange Geschichte der Beziehungen zwischen den Päpsten und Frankreich veröffentlicht: La France dans la pensée des papes .<br /><br />Anlässlich der Reise von Papst Leo XIV. nach Frankreich zeichnet Dumont die wichtigsten Etappen dieser Beziehung nach – von der Bezeichnung Frankreichs als „älteste Tochter der Kirche“ bis zu den späteren Reflexionen der Päpste angesichts der Veränderungen im französischen Katholizismus. Nach seiner Einschätzung findet der Besuch Leos XIV. in einem Frankreich statt, das nach den Worten von Papst Franziskus zu einer „zu evangelisierenden Peripherie“ geworden ist, zugleich aber auch in einer Phase der Neuorientierung des französischen Katholizismus.<br /><br />Anhand der Geschichte der Papstreisen folgt Martin Dumont einem bis heute aktuellen roten Faden: Jenseits der Verteidigung eines kulturellen Erbes oder von Einfluss gehe es um die Berufung der Kirche in Frankreich, einen „neuen missionarischen Aufschwung“ zu finden, aus ihren geistlichen Schätzen zu schöpfen, Christus zu verkünden und den Menschen zu dienen.<br /><br /><br />Ihr Buch zeichnet die lange und häufig bewegte Geschichte der Beziehungen zwischen den Päpsten und Frankreich nach. Welche Zeichen der Zeit prägen vor diesem Hintergrund den Besuch Leos XIV. im Vergleich zu den Reisen anderer Bischöfe von Rom?<br /><br />-Wenn wir an die Reisen von Franziskus nach Marseille im September 2023 und nach Ajaccio im Dezember 2024 denken, sind die jeweiligen Herausforderungen unterschiedlich. Die von Franziskus besuchte Insel Korsika und der Wallfahrtsort Lourdes, den Leo XIV. aufsucht, sind jedoch durch die Volksfrömmigkeit stärker miteinander verbunden, als man zunächst denken könnte. Ein deutlicher zeitlicher Einschnitt zeigt sich eher im Vergleich mit dem Besuch Benedikts XVI. in Paris und Lourdes im Jahr 2008. <br /><br />Schon damals war die religiöse Praxis stark zurückgegangen. Die Zahlen haben sich seither jedoch keineswegs verbessert. Frankreich ist heute, in den Worten von Papst Franziskus, „eine zu evangelisierende Peripherie“. Der Besuch von Papst Leo findet allerdings in einem besonderen Kontext statt: Zum einen rückt ein besonders angespannter Präsidentschaftswahlkampf näher. Zum anderen befindet sich der französische Katholizismus in einem Prozess der Neuordnung und wird von widersprüchlichen Strömungen geprägt. <br /><br />Zugleich ist bekannt, dass Leo XIV. Augustiner ist. Das Programm seines Pontifikats steht im Zeichen des Friedens – „des entwaffneten und entwaffnenden Friedens“ – und sein geistlicher Ansatz lässt sich mit den Worten „zwei Herzen in einem“ zusammenfassen.<br /><br /><br />Frankreich wurde lange als „älteste Tochter der Kirche“ bezeichnet. Der Ausdruck ist heute umstritten, gehört aber weiterhin zum katholischen Selbstverständnis. Was sagt diese Formel über die Entwicklung der Beziehung zwischen der Kirche von Rom und der heutigen französischen Gesellschaft aus?<br /><br />-„Älteste Tochter der Kirche, aber nicht die treueste“, sagte Papst Franziskus 2016. Damit fasste er gewissermaßen die römische Haltung zusammen, die einen historisch überholten Ausdruck verwendete, um einem geliebten katholischen Volk Lob oder auch Ermahnung auszusprechen. <br /><br />Was den Monarchen des Ancien Régime betrifft, der als „ältester Sohn der Kirche“ bezeichnet wurde, entstand die Formel „älteste Tochter der Kirche“ im 19. Jahrhundert zunächst aus der Feder von Frédéric Ozanam, einem der Gründer der Gesellschaft vom heiligen Vinzenz von Paul, und später durch die Predigten von Pater Lacordaire in Notre-Dame.<br /><br />Papst Leo XIII. machte die Bezeichnung 1896 anlässlich des 14. Jahrhunderts der Taufe Chlodwigs weithin bekannt. Für Rom bot sie eine Möglichkeit, die aufeinanderfolgenden politischen Veränderungen in Frankreich zur Kenntnis zu nehmen und sich zugleich weiterhin auf diese Weise an das christliche Volk zu wenden: Politische Systeme kommen und gehen, die Gläubigen bleiben. Die Formel sollte dazu ermutigen oder dazu aufrufen, Christus und dem Stuhl Petri treu zu bleiben.<br /><br /><br />Welche Momente jenseits der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem französischen Staat waren während der Papstbesuche besonders bedeutsam? Welche Worte der Päpste haben dazu beigetragen, das christliche Bewusstsein zu wecken?<br /><br />-Natürlich denkt man zunächst an den Appell Johannes Pauls II. am 1. Juni 1980 im Pariser Vorort Le Bourget: „Frankreich, älteste Tochter der Kirche, bist du den Verheißungen deiner Taufe treu?“ Der Satz klingt bis heute nach und wurde immer wieder aufgegriffen. <br />Doch auch andere Momente haben die Papstreisen geprägt: Benedikt XVI. sprach 2008 im Élysée-Palast von einer „gesunden Laizität“ und ging in seiner Rede im Collège des Bernardins auf die Rolle des Christentums in der europäischen Kultur ein.<br />Franziskus wiederum zeigte sich in Marseille empört über die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ angesichts der wachsenden Zahl von Migranten, die im Mittelmeer ums Leben kommen.<br /><br />Hinzu kommt Johannes Pauls II. Rede bei der UNESCO im Mai 1980, in der er angesichts der totalitären Systeme die Gewissensfreiheit würdigte. Und schließlich gab es jenen wortlosen Moment, als Benedikt XVI. bei seinem Besuch im Elternhaus von Bernadette Soubirous tief bewegt war.<br /><br /><br />Die französische Missionsgeschichte hat den Katholizismus tief geprägt. Leo XIV. stammt aus den Vereinigten Staaten und damit aus einer anderen Missionsgeschichte, die allerdings anfangs ebenfalls von einem gewissen französischen Einfluss geprägt war. Mit welchen Worten kann Leo XIV. die Kirche in Frankreich angesichts dieser beiden parallelen Geschichten erreichen?<br /><br />-Es könnte hilfreich sein, auf die persönliche Geschichte von Papst Leo und auf Libres sous la grâce, eine Sammlung von Texten des damaligen Pater Robert Prevost, zurückzugreifen.<br />2003 sagte er anlässlich der Eröffnung eines Treffens der europäischen Augustinerprovinzen, er verspüre „eine gewisse Zurückhaltung, zu viel zu sprechen, da ich kein Europäer bin “.<br /><br />Nun ist Prevost Papst geworden. Die Franzosen in Paris und Lourdes ebenso wie die Europäer in Metz werden ihm zuhören! Vielmehr sollte man seine Worte jedoch im Licht seiner Erfahrungen in Peru und seiner Zeit als Generalprior der Augustiner betrachten und sich mit seinen Texten auseinandersetzen.<br /><br />Zu nennen sind insbesondere seine Worte in Brünn im September 2006 über die Nähe des Hirten zu den Menschen und zu den Christen, über die Bedeutung des Gebets und darüber, nicht zurückzublicken. Oder seine Aussage: „Mission ist nicht Erfolg, sondern die Verkündigung des Reiches“, die er in seiner Predigt im September 2010 in Biñan auf den Philippinen formulierte.<br />Oft wird vergessen, dass Johannes Paul II. bereits vor 40 Jahren in Lyon, in der Nachfolge Pauls VI., denselben Gedanken ausgesprochen hatte: „Kirche von Frankreich, lasst euch von den jungen Kirchen ansprechen, die eure Missionare gegründet haben. Vielleicht haben sie euch einen neuen Aufbruch zu geben!“<br /><br /><br />Welche wichtigste Lehre ergibt sich aus der Geschichte der Beziehungen zwischen den Päpsten und Frankreich für die Sendung der Kirche heute?<br /><br />-Eine Art Zusammenfassung findet sich vielleicht in der Botschaft, die Leo XIV. im Mai 2025 an die französischen Bischöfe anlässlich des 100. Jahrestags der Heiligsprechungen von Jean Eudes, Therese von Lisieux und dem Pfarrer von Ars richtete. Darin ermutigte er die französischen Katholiken, sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und aus ihren geistlichen Schätzen zu schöpfen, um einen „neuen missionarischen Aufschwung“ hervorzubringen.<br /><br />Die verschiedenen Appelle aus Rom an die „älteste Tochter der Kirche“ – von dem späteren Papst Pius XII. bei seinem Besuch in Notre-Dame 1937 bis zu Papst Franziskus und Leo XIV. – hatten letztlich genau dieses Anliegen: die „Berufung“ Frankreichs als eine vor allem geistliche und der Nächstenliebe verpflichtete Bestimmung hervorzuheben. Sie soll der Verkündigung der Liebe Christi zu den Menschen dienen.<br /><br /><br />Fri, 25 Sep 2026 07:36:07 +0200AFRIKA/NIGER - Kanadier, Australier und Amerikaner geben dem nigerianischen Urangeschäft neuen Auftriebhttps://www.fides.org/de/news/78218-AFRIKA_NIGER_Kanadier_Australier_und_Amerikaner_geben_dem_nigerianischen_Urangeschaeft_neuen_Auftriebhttps://www.fides.org/de/news/78218-AFRIKA_NIGER_Kanadier_Australier_und_Amerikaner_geben_dem_nigerianischen_Urangeschaeft_neuen_AuftriebNiamey – Die Militärjunta in Niger will die Uranindustrie des Landes wiederbeleben. Dazu unterzeichnete sie ein Abkommen mit dem australischen Unternehmen Atomic Eagle. Gemeinsam gründeten der Staat Niger und das Unternehmen die Madaouela Mining Company .<br /><br />Atomic Eagle hält 60 Prozent an dem Unternehmen, der nigrische Staat 40 Prozent. MAMICO soll die Uranförderung in den Minen von Madaouela in der Region Agadez im Zentrum des nördlichen Landesteils wieder aufnehmen.<br />Das Abkommen sieht eine anfängliche Zahlung von zehn Millionen US-Dollar an Lizenzgebühren vor. Zudem sind Investitionen in die lokale Entwicklung und in den Ausbau der Kapazitäten der Bergbauverwaltung vorgesehen. Nach Angaben des Bergbauministeriums sollen durch das Projekt außerdem rund 1.000 Arbeitsplätze für junge Menschen in Niger entstehen.<br />Das Vorkommen von Madaouela verfügt über geschätzte 52.843 Tonnen Uranoxid. Grundlage dieser Schätzung sind Erkundungsarbeiten des früheren Lizenzinhabers GoviEx Uranium Inc., der die Lizenz 2016 erhalten hatte.<br /><br />Das Abkommen begleitet eine Auseinandersetzung, die nach der Enteignung des Projekts zulasten von GoviEx im Jahr 2024 entstanden war. GoviEx und Tombador Iron fusionierten im November 2025 zu Atomic Eagle. Im Rahmen der nun getroffenen Vereinbarung wird das neue Unternehmen das eingeleitete Schiedsverfahren innerhalb von sieben Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens zurückziehen.<br />Das mit dem australischen Beteiligten geschlossene Abkommen wurde nur wenige Tage nach einer anderen wichtigen Entwicklung im nigrischen Uransektor unterzeichnet. Das kanadische Bergbauunternehmen Global Atomic erhielt die Zustimmung des Verwaltungsrats der US International Development Finance Corporation für eine Fremdfinanzierung von bis zu 414,2 Millionen US-Dollar. Die Mittel sind für das Uranminenprojekt Dasa vorgesehen, das ebenfalls in der Region Agadez liegt.<br />Das Dasa-Vorkommen wird von der Société Minière de Dasa betrieben. An dem in Niger ansässigen Unternehmen hält Global Atomic 80 Prozent, die nigrische Regierung 20 Prozent.<br /><br />Das Vorkommen wurde 2010 entdeckt und 2020 autorisiert. Seit 2022 wird dort Uran abgebaut. Die vollständige Entwicklung des Projekts hat sich jedoch mehrfach verzögert. Nun wird erwartet, dass die Fertigstellung der Mine in der ersten Hälfte des Jahres 2028 erfolgt. Die Inbetriebnahme ist für die zweite Jahreshälfte vorgesehen.<br />Der Bergbausektor Nigers wurde historisch von der französischen Industrie dominiert, zunächst von Areva und später von Orano. Vor dem Hintergrund der Verschlechterung der Beziehungen zu Frankreich und der Annäherung an Russland verstaatlichte Niamey die örtliche Tochtergesellschaft.<br /><br />Orano, das zu 90 Prozent im Besitz des französischen Staates ist, hat daraufhin mehrere rechtliche Schritte gegen Niger eingeleitet. Das Unternehmen wirft den nigrischen Behörden vor, seine Vermögenswerte im Land beschlagnahmt zu haben.<br />Trotz der russischen Präsenz im Land und der durch dschihadistische Gruppen verursachten Unsicherheit scheinen angelsächsische Bergbauunternehmen bei Investitionen in den nigrischen Uransektor derzeit auf keine größeren Hindernisse zu stoßen.<br /><br /> <br />Fri, 25 Sep 2026 12:19:08 +0200SELIGSPRECHUNG VON FULTON SHEEN/VI - Die Vesper für Fulton Sheen: „Durch die Freundschaft mit Christus heilig geworden”https://www.fides.org/de/news/78209-SELIGSPRECHUNG_VON_FULTON_SHEEN_VI_Die_Vesper_fuer_Fulton_Sheen_Durch_die_Freundschaft_mit_Christus_heilig_gewordenhttps://www.fides.org/de/news/78209-SELIGSPRECHUNG_VON_FULTON_SHEEN_VI_Die_Vesper_fuer_Fulton_Sheen_Durch_die_Freundschaft_mit_Christus_heilig_gewordenVon Marie-Lucile Kubacki<br /><br />Saint Louis – Auf dem Weg zur Kathedrale fällt ein weißer Chevrolet-Express-Kleinbus auf. An seinem Fenster steht ein Schild: „Katholiken aus Alabama auf dem Weg, um den ehrwürdigen Diener Gottes Fulton Sheen zu feiern.“<br />In der Kathedrale wird die Menge immer größer. Viele kommen aus den Diözesen Saint Louis und Peoria, andere von weiter her. Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen sowie Laien füllen die Kirche. Einige Frauen tragen eine Mantilla, andere elegante Kleider oder Kostüme. Sweatshirts mischen sich mit festlicher Kleidung.<br /><br />Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft sind zum Abendgebet am Vorabend der Seligsprechung von Erzbischof Fulton J. Sheen zusammengekommen. Kameras richten sich auf die Pilger. Sie werden gefragt, woher sie kommen und was Sheen für sie bedeutet. Einige der älteren Teilnehmer erinnern sich an Fernsehsendungen, die ihre Eltern oder Großeltern als Kinder sahen. Die meisten waren selbst zu jung, um seine Sendungen erlebt zu haben. Sie kennen ihn vielmehr als geistliche Persönlichkeit und als Pionier katholischer Rundfunk- und Fernseharbeit. Viele sagen, sie hätten bei diesem Ereignis dabei sein wollen, weil sie es als „historischen Moment“ betrachten.<br /><br />Die Predigt von Bischof Barron<br /><br />Erzbischof Mitchell Rozanski von Saint Louis steht der Vesper vor. Die Atmosphäre ist feierlich. Vier US-amerikanische Kardinäle – Seán O’Malley, Raymond Burke, Blaise Cupich und Robert McElroy – führen die Prozession an. Auch Kardinal Luis Antonio Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung, nimmt am Gebet teil.<br />Die klaren Stimmen des Chores stimmen die Hymne „Nimm diesen Hymnus an, edler Priester“ an. Es folgt der Psalm: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“ Nach der Lesung aus dem Ersten Petrusbrief, in der dazu aufgerufen wird, die Herde bereitwillig und durch das eigene Beispiel zu führen, hält Bischof Robert Barron die Predigt. Er leitet die Diözese Winona-Rochester im US-Bundesstaat Minnesota und gründete die katholische Medienorganisation „Word on Fire“.<br /><br />Barron sagt der versammelten Gemeinde, Sheen sei von Beginn an „Vorbild und Inspirationsquelle“ für seine eigene Arbeit gewesen. Er bezeichnet ihn als eine Schlüsselfigur der modernen Kirchengeschichte. Sheen habe den Weg für die Evangelisierung der Welt durch elektronische Medien bereitet. Auf dem Höhepunkt seiner Fernsehkarriere habe er Millionen Menschen erreicht.<br />Doch der Ruhm des Predigers steht nicht im Mittelpunkt der Predigt. Die entscheidende Frage lautet: Was hat ihn heilig gemacht? Barrons Antwort: die Freundschaft mit Christus.<br /><br />Das Christentum, wie Sheen es vermittelt habe, sei keine abstrakte Philosophie und auch nicht einfach eine Sammlung moralischer Überzeugungen. Es gehe um die Beziehung zu einer lebendigen Person. Um diese Freundschaft zu erläutern, greift Barron auf Sheens Autobiografie „Treasure in Clay“ und auf die Berufung des Propheten Jesaja zurück. Er beschreibt drei Etappen des geistlichen Lebens: die Begegnung mit der Heiligkeit Gottes, die Erkenntnis der eigenen Schwachheit und die Antwort auf Gottes Ruf.<br /><br />Die Gnade komme an erster Stelle, betont Barron. Das geistliche Leben beginne nicht mit persönlichen Ambitionen oder Erfolgen. Es beginne mit der Erkenntnis, dass Gott am Werk sei. Im Leben Sheens sei diese Gnade bereits in seiner Kindheit sichtbar gewesen: bei seiner Taufe in El Paso im US-Bundesstaat Illinois, in der Vorhersage eines Bischofs, dass der junge Ministrant eines Tages in Löwen studieren werde, und in dem Moment, als Sheen als Seminarist seine Glaubenserfahrung wie von Licht erfüllt erlebte.<br />Barron hebt auch Sheens Marienverehrung hervor und besonders seine tägliche „Heilige Stunde“ der Anbetung vor dem Allerheiligsten. Das Gebet sei für Sheen ein Weg gewesen, in der Gegenwart Christi zu bleiben und sich auf seinen Dienst vorzubereiten.<br /><br />Die Gnade, sich als Sünder zu erkennen<br /><br />Diese Bereitschaft sei auch mit Sheens Erfahrung verbunden gewesen, die eigenen Schwächen anzuerkennen, so Barron. In „Treasure in Clay“ räumt Sheen ein, die Ehren und Privilegien seiner Stellung sowie die Anerkennung als Professor und populärer Prediger geschätzt zu haben.<br />Das Bild im Titel des Buches bringe diesen Gegensatz zum Ausdruck: ein kostbarer Schatz in einem zerbrechlichen Gefäß. Für Barron war Sheens Bereitschaft, seine eigene Eitelkeit und seine Fehler anzuerkennen, kein Widerspruch zu seiner Heiligkeit. Sie sei vielmehr ein wesentlicher Bestandteil davon gewesen. Sich selbst als Sünder zu erkennen, so Barron, erwachse nicht aus der Abkehr von Gott, sondern aus der Begegnung mit dem Licht der Gnade.<br /><br />Sheen in der Tradition der missionarischen Heiligen<br /><br />Anschließend spricht Barron über die Mission. „Sobald der Jünger Christi in die Gnade eingetaucht und gereinigt ist, wird er ausgesandt“, sagt er. Er zeichnet diesen Weg anhand von Sheens Studien in Löwen, seiner Lehrtätigkeit und seiner Rundfunk- und Fernsehsendungen nach.<br />Sheen habe das Denken des heiligen Thomas von Aquin auf die Fragen seiner Zeit anwenden wollen, erklärt Barron. Deshalb habe er bewusst „die Kunst, die Wissenschaft, die Philosophie und die Literatur der säkularen Welt“ studiert. Seine Lehre sollte nach außen offen und auf die Mission ausgerichtet sein.<br />Sheen habe Radio und Fernsehen als Mittel verstanden, um die Reichweite seiner Arbeit zu vergrößern. „Er wusste, dass dies die Grenzen seines Hörsaals exponentiell erweitern würde“, sagt Barron mit Blick auf Sheens Entscheidung, in der Sendung „The Catholic Hour“ aufzutreten.<br /><br />Später stellten einige Wissenschaftler und Akademiker infrage, ob komplexe katholische Lehren einem breiten Fernsehpublikum vermittelt werden könnten. Sheen ließ sich davon nicht abschrecken. „Er war natürlich akademisch bestens qualifiziert, verfügte aber auch über außergewöhnliche Fähigkeiten für die Massenkommunikation“, sagt Barron. „Und er zeigte, dass eine umfassende Darstellung des Glaubens auf der größtmöglichen Bühne Platz finden konnte.“<br />Für Barron macht dies Sheen zu einem Vorläufer des Auftrags der Kirche, das Evangelium in der Welt von heute zu verkünden. „Ich glaube, dass Fulton Sheen schlechthin der Heilige der Neuevangelisierung ist“, sagt er.<br /><br />Barron stellt diesen missionarischen Auftrag in den Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Papst Johannes XXIII. habe es als ein missionarisches Konzil verstanden. Es sollte „allen Menschen das Licht Christi“ bringen, die Kirche über „ihre schützenden Mauern“ hinausführen und mit der Gesellschaft insgesamt in Kontakt bringen.<br />Barron erinnert an die Lehre Pauls VI. in „Evangelii nuntiandi“, wonach die Evangelisierung der wesentliche Auftrag der Kirche sei. Johannes Paul II. habe die Neuevangelisierung anschließend in den Mittelpunkt seines Pontifikats gestellt. Auch die nachfolgenden Päpste hätten diesen Weg fortgesetzt.<br />Sheen habe sich diese Vision des Konzils leidenschaftlich zu eigen gemacht, so Barron. Zugleich habe er deren Schwerpunkt während seines gesamten Wirkens vorweggenommen: „Wer nach einer neuen Sprache sucht, um das Evangelium in unsere Kultur zu tragen; wer das alte Wort mit brennendem Herzen verkündet; wer es wagt, dafür die uns zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel einzusetzen, steht heute in der Schuld Fulton Sheens.“<br /><br />Missionarische Heilige in den Mosaiken der Kathedrale<br /><br />Als Bischof Barron seine Predigt beendet, richten sich die Blicke der Betenden auf die Mosaike der Kathedrale. „Schauen Sie zum südlichen Querschiff“, hatte Michael Pera, Provinzarchivar der Ordensgemeinschaft vom Heiligsten Herzen Jesu, zuvor empfohlen.<br />Dort ist Rose Philippine Duchesne in einem von Hildreth Meière entworfenen Mosaik dargestellt. Die in Frankreich geborene Ordensfrau kam 1818 mit vier Mitschwestern der von Madeleine Sophie Barat gegründeten Ordensgemeinschaft in die Vereinigten Staaten. Sie gingen nach Missouri, um Schulen zu gründen.<br /><br />Weitere missionarische Gestalten sind in der dem heiligen Ludwig, dem Patron der Stadt, geweihten Kirche dargestellt. Der heilige Isaac Jogues, ein französischer Jesuitenmissionar und Märtyrer von Neufrankreich, erscheint gemeinsam mit dem heiligen René Goupil. Dieser französische Laienbruder der Jesuiten aus dem 17. Jahrhundert wurde während der Mission in Nordamerika zum Märtyrer. Ebenfalls dargestellt ist die heilige Kateri Tekakwitha, die erste Heilige aus dem Kreis der indigenen Völker Nordamerikas, die als „Lilie der Mohawks“ bekannt ist.<br />Hinzu kommt die heilige Francesca Saverio Cabrini, die in Italien geboren wurde und die Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu gründete.<br /><br />Gemeinsam erinnern diese Gestalten an die Geschichte der katholischen Mission in Nordamerika: die Arbeit unter den indigenen Gemeinschaften, das Zeugnis der ersten Märtyrer und die pastorale Präsenz der Kirche unter Immigranten.<br />Sheen gehört zu dieser Geschichte, legt Barrons Predigt nahe. Nicht, weil er neue Medien eingesetzt habe, sondern weil er sie in den Dienst einer Mission gestellt habe, die lange vor Radio und Fernsehen begonnen hatte.<br /><br />Die Vesper geht zu Ende. Auf den Stufen der Kathedrale bleiben die Pilger noch eine Weile stehen und unterhalten sich in der Abendluft. Eine Familie tritt auf Barron zu und bittet um seinen Segen.<br />In einem Supermarkt hält ein junger Mann einen Priester an. „Was ist das für eine Menschenmenge?“, fragt er. Das Gespräch kommt auf Fulton Sheen.<br />„Kennen Sie Fulton Sheen?“<br />„Nein …“<br />Daraufhin beginnt der Priester, ihm von Sheen zu erzählen.<br /><br /><br />Thu, 24 Sep 2026 13:44:17 +0200ASIEN/INDONESIEN - Nach dem Erdbeben: Der Traum von einem sicheren Zuhause für Hunderte Familien auf Floreshttps://www.fides.org/de/news/78208-ASIEN_INDONESIEN_Nach_dem_Erdbeben_Der_Traum_von_einem_sicheren_Zuhause_fuer_Hunderte_Familien_auf_Floreshttps://www.fides.org/de/news/78208-ASIEN_INDONESIEN_Nach_dem_Erdbeben_Der_Traum_von_einem_sicheren_Zuhause_fuer_Hunderte_Familien_auf_FloresMaumere – Mehr als einen Monat nach dem Erdbeben vom 15. August 2026, das die indonesische Insel Flores erschütterte , ist der Notstand noch nicht beendet. Die Erde bebt weiterhin, wenn auch mit geringerer Intensität. Viele Familien verbringen aus Angst vor einer Rückkehr in ihre Häuser noch immer die Nächte in Zelten.<br />In der Region Manggarai, die zu den am stärksten betroffenen Gebieten gehört, haben die Kamillianer rund 20 Dörfer erreicht. Sie verteilten Lebensmittelpakete an etwa 400 Familien und stellten 100 Zelte für Menschen bereit, die ihre Häuser verloren haben oder verlassen mussten. „Unser erster Einsatz galt vor allem den besonders schutzbedürftigen Familien, insbesondere Kindern und älteren Menschen“, berichtet Pater Luigi Galvani MI, Missionar auf der Insel Kupang, gegenüber Fides.<br /><br />Nun richtet sich der Schwerpunkt auf den Wiederaufbau. „Der Notstand ist mit dem Ende der ersten Hilfsmaßnahmen keineswegs vorbei“, betont der Ordensmann. Die Kamillianer wollen rund 30 Familien beim Bau einfacher, aber sichererer Unterkünfte unterstützen, die die Zelte und provisorischen Hütten ersetzen sollen. Geplant sind 30 Häuser mit einer Größe von etwa 3 x 5 oder 4 x 6 Metern. Sie sollen aus Ziegeln, Zement und Sand errichtet und mit Blechdächern versehen werden.<br /><br />Auch die Schulen leiden weiterhin unter den Folgen des Erdbebens. Zahlreiche Einrichtungen sind noch geschlossen. In einigen Dörfern wurden Zelte zu provisorischen Klassenräumen umfunktioniert. In Ruteng, dem am stärksten betroffenen Gebiet, wurde das Krankenhaus als unsicher eingestuft. Kranke und Verletzte werden deshalb in einer behelfsmäßigen, in Zelten eingerichteten Einrichtung versorgt.<br />„Der Weg des Wiederaufbaus wird lang und anspruchsvoll sein“, sagt Pater Galvani. Dennoch blickten die Menschen auf Flores weiterhin mit der Kraft ihres Glaubens und im Vertrauen auf die Solidarität all jener nach vorn, die bereit seien, ihr Leid mit ihnen zu teilen.<br />Die Kamillianer wollen die betroffenen Familien weiterhin begleiten und sie beim Aufbau ihrer Häuser und ihres Gemeinschaftslebens unterstützen. „Jeder gespendete Ziegelstein, jedes Zelt, jedes Lebensmittelpaket und jede Geste der Solidarität“ könne dazu beitragen, so Pater Galvani abschließend, „ein neues Wunder missionarischer Nächstenliebe“ möglich zu machen.<br /><br /> <br />Thu, 24 Sep 2026 12:55:00 +0200ASIEN/MYANMAR - Der Bischof zu den Vertriebenen im Bundesstaat Kachin: „Ihr seid nicht vergessen“https://www.fides.org/de/news/78210-ASIEN_MYANMAR_Der_Bischof_zu_den_Vertriebenen_im_Bundesstaat_Kachin_Ihr_seid_nicht_vergessenhttps://www.fides.org/de/news/78210-ASIEN_MYANMAR_Der_Bischof_zu_den_Vertriebenen_im_Bundesstaat_Kachin_Ihr_seid_nicht_vergessenMyitkyina – Hoffnung und geistlichen Beistand hat Bischof John Mung Ngawn La Sam von Myitkyina mehr als 1.000 Binnenvertriebenen im Flüchtlingslager Santa Teresa im Bundesstaat Kachin gebracht. Sie gelten als „die am stärksten gefährdeten Gläubigen der Diözese Myitkyina“. Die Region im Nordosten Myanmars ist seit Jahren vom Bürgerkrieg geprägt.<br />Der Bischof besuchte das Lager am Sonntag, 20. September, gemeinsam mit mehreren Priestern und katholischen Ordensleuten sowie Laien. Er feierte die Sonntagsmesse und spendete sieben erwachsenen Gläubigen das Sakrament der Firmung. „Es war ein Moment der Gnade inmitten der anhaltenden Schwierigkeiten, mit denen die vertriebenen Familien konfrontiert sind“, berichtete der örtliche Pfarrer, Pater Peter Lazum Naw Bawk. Die Gläubigen hätten den Bischof und die Delegation herzlich empfangen. Zu ihr gehörte auch der Leiter der Caritas .<br /><br />Der Pastoralbesuch steht für das kontinuierliche Engagement der Kirche, Menschen zu begleiten, die von Vertreibung, Leid und dem bewaffneten Konflikt betroffen sind. „Die Gläubigen im Flüchtlingslager Santa Teresa haben die Bestätigung erhalten, dass sie weder von ihren Hirten noch von Gott vergessen werden“, betonte der Pfarrer.<br />Während der Eucharistiefeier sagte der Bischof zu den Gläubigen: „Gott ist immer bereit, uns zu segnen. Doch Gottes Segen erwächst aus einem Leben, das nach seinem Willen ausgerichtet ist. Wir sind Kinder Gottes, aber manchmal leben wir nicht nach dem Willen Gottes. Geliebte Kinder tun Gutes. Sie begnügen sich nicht mit einem bloß nominellen Christentum, sondern nehmen einen lebendigen und konkreten Glauben an und leben ihn. Sie bezeugen ihn im Alltag.“<br /><br />„Man ist nicht ‚von Geburt an‘ katholisch“, mahnte der Bischof. „Man wird es, indem man den Willen Gottes erfüllt und die Gebote des Herrn Jesus befolgt. Heute müssen wir uns daran erinnern, dass wir Christen nicht nur dem Namen nach sind, sondern auch durch unser Handeln: als Menschen, die ihr Kreuz auf sich nehmen und dem Herrn Jesus nachfolgen.“<br />Angesichts der schwierigen und von Unsicherheit geprägten Lebensbedingungen brachte der Besuch des Bischofs der Gemeinschaft Trost und geistlichen Beistand. Die Feier der heiligen Messe und die Firmung waren für die sieben Erwachsenen, die das Sakrament empfingen, ein wichtiger Moment und eine Stärkung in ihrem Glauben.<br /><br />Nach der Messe trafen der Bischof und seine Begleiterinnen und Begleiter die Schwestern des heiligen Paulus sowie die Schülerinnen und Schüler des nahe gelegenen Internats. Sie sprachen ihnen Mut zu und boten Unterstützung an. Während die Menschen mit großer Ungewissheit auf ihre Zukunft blicken, vermittelte der Pastoralbesuch eine klare Botschaft: Auch an einem Ort, der von Entwurzelung und Verlust geprägt ist, darf die Hoffnung nicht verloren gehen.<br /><br />Im Flüchtlingslager Santa Teresa leben derzeit 480 Familien von Binnenvertriebenen, insgesamt mehr als 1.000 Menschen. Sie stammen aus den umliegenden Dörfern und haben sich im März 2025 aufgrund des anhaltenden Konflikts in der Region im Lager niedergelassen.<br />Der Bundesstaat Kachin im Nordosten Myanmars ist seit Jahren einer der wichtigsten Schauplätze des bewaffneten Konflikts im Land. Die Kämpfe zwischen der birmanischen Armee und der Kachin Independence Army , dem bewaffneten Arm der Kachin Independence Organisation, haben sich nach dem Militärputsch vom Februar 2021 verschärft. Die KIA kämpft gemeinsam mit anderen Widerstandsgruppen gegen die Armee.<br /><br />Im Laufe des Jahres 2026 konzentrierten sich die Kämpfe insbesondere auf die Gebiete um Bhamo und Shwegu. Gleichzeitig versucht die Armee, ihre Stellungen zu festigen und wichtige Verkehrsverbindungen in Richtung Norden wieder zu öffnen. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren im Juni allein im Bundesstaat Kachin rund 250.000 Menschen auf der Flucht. Die Zahl ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen.<br />Die humanitäre Lage ist besonders schwierig. Militäroperationen, Kämpfe und Luftangriffe führen weiterhin zu neuen Vertreibungen und erschweren den Zugang zu humanitärer Hilfe. Auch UNICEF berichtete von einer Verschlechterung der Lage in Kachin. Aufgrund der zunehmenden Kämpfe mussten demnach erneut Menschen ihre Häuser verlassen, insbesondere in den Gebieten um Bhamo und Hpakant.<br />Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 2026 in ganz Myanmar fast 3,8 Millionen Menschen aufgrund des seit mehr als fünf Jahren andauernden Bürgerkriegs auf der Flucht.<br /><br /> <br />Thu, 24 Sep 2026 12:46:21 +0200AFRIKA/SÜDSUDAN - Kiir löst die Regierung der nationalen Einheit auf: Vorbereitung auf die Wahlen am 22. Dezemberhttps://www.fides.org/de/news/78211-AFRIKA_SUeDSUDAN_Kiir_loest_die_Regierung_der_nationalen_Einheit_auf_Vorbereitung_auf_die_Wahlen_am_22_Dezemberhttps://www.fides.org/de/news/78211-AFRIKA_SUeDSUDAN_Kiir_loest_die_Regierung_der_nationalen_Einheit_auf_Vorbereitung_auf_die_Wahlen_am_22_DezemberJuba – Der Südsudan steuert auf die für den 22. Dezember angesetzten Wahlen zu. Am 22. September löste Präsident Salva Kiir die Übergangsregierung der nationalen Einheit auf und setzte eine weitere ein. Damit endet die im Rahmen des 2018 unterzeichneten „Revitalisierten Abkommens zur Beilegung des Konflikts im Südsudan“ vereinbarte Aufteilung der Macht. Das Abkommen sollte den 2013 ausgebrochenen Bürgerkrieg beenden.<br /><br />Die Entscheidung fiel einen Tag nach der Unterzeichnung von Änderungen des Wahlgesetzes durch Kiir. Damit wurden einige der bisherigen Voraussetzungen für die Durchführung der Wahlen aufgehoben, darunter die Fertigstellung der ständigen Verfassung und die Durchführung einer nationalen Volkszählung. Die neuen Bestimmungen ermöglichen es dem Präsidenten zudem, während des Wahlzeitraums und bis zur Amtseinführung des neu gewählten Präsidenten im Amt zu bleiben und seine verfassungsmäßigen Befugnisse auszuüben.<br />Als Reaktion auf die Auflösung der Einheitsregierung haben acht Oppositionsgruppen und Organisationen der Zivilgesellschaft in einem gemeinsamen Schreiben vom 23. September an den Exekutivsekretär der zwischenstaatlichen Entwicklungsbehörde IGAD, Workneh Gebeyehu, und den Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, erklärt, das „Revitalisierte Abkommen zur Beilegung des Konflikts im Südsudan“ sei als Rahmen für die politische Übergangsphase des Landes gescheitert.<br /><br />Die IGAD ist eine regionale Organisation, der Dschibuti, Äthiopien, Kenia, Somalia, Sudan, Uganda, Eritrea und der Südsudan angehören. Sie hatte die Verhandlungen über das 2018 unterzeichnete R-ARCSS vermittelt. Der Begriff „revitalisiert“ verweist darauf, dass die Vereinbarung das frühere Abkommen von 2015 wiederbeleben sollte. Dieses war nach der erneuten Eskalation der Kämpfe zwischen Präsident Salva Kiir und der von Riek Machar geführten Opposition gescheitert. Machar, der die oppositionelle Bewegung Sudan People’s Liberation Movement-in-Opposition anführt, steht weiterhin unter Hausarrest. Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Hochverrats und Mordes; die erhobenen Vorwürfe weist er zurück.<br />Besorgnis bei der Opposition löst auch die Tatsache aus, dass Kiir während der Übergangsphase bis zu den Wahlen Präsident bleibt, nachdem er den Ersten Vizepräsidenten sowie die weiteren aus ihren Ämtern entfernt hat. Damit verfügt er faktisch über eine weitreichende Machtkonzentration.<br /><br />Der Südsudan geht zudem ohne endgültige Verfassung in die Wahlen. Darauf hatte auch Bischof Santo Loku Pio Doggale, Weihbischof von Juba, hingewiesen. In einer Stellungnahme warnte er davor, zu Wahlen zu schreiten, ohne zuvor eine Wählerzählung durchzuführen und eine verbindliche Verfassungsordnung zu verabschieden .<br />Die allgemeinen Wahlen sind für den 22. Dezember 2026 vorgesehen. Es wären die ersten landesweiten Wahlen im Südsudan seit der 2011 erklärten Unabhängigkeit. Die ursprünglich für 2022 geplante Abstimmung wurde während der Übergangsphase mehrfach verschoben.<br /><br /> <br />Thu, 24 Sep 2026 12:27:17 +0200ASIEN/BAHRAIN - 800 Jahre Heiliger Franziskus: Musik und Gemeinschaft in der Kathedrale von Awali zur Feier des „Poverello“ von Assisihttps://www.fides.org/de/news/78203-ASIEN_BAHRAIN_800_Jahre_Heiliger_Franziskus_Musik_und_Gemeinschaft_in_der_Kathedrale_von_Awali_zur_Feier_des_Poverello_von_Assisihttps://www.fides.org/de/news/78203-ASIEN_BAHRAIN_800_Jahre_Heiliger_Franziskus_Musik_und_Gemeinschaft_in_der_Kathedrale_von_Awali_zur_Feier_des_Poverello_von_Assisi<br /><p ><</p><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/neHAi-Z8yRc?si=-kJfAY7gvyO2KhTP" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe><br /><br />Awali – Musik als Sprache des Glaubens, die Erinnerung an den heiligen Franziskus als Gelegenheit zur Begegnung und der Dialog als Weg zum Aufbau des Friedens: Um diese Themen drehte sich „San Francesco 800 – Eine musikalische Reise des Glaubens“, eine Veranstaltung, die vor wenigen Tagen in der Kathedrale Unserer Lieben Frau von Arabien in Awali im Königreich Bahrain stattfand. Anlass war der 800. Todestag des „Poverello“ von Assisi.<br /><br />„Es war eine wunderschöne Veranstaltung, ein Moment, der in der Geschichte des Apostolischen Vikariats Nördliches Arabien in Erinnerung bleiben wird“, sagte Pater Marcus Fernandes OFMCap., der das Programm initiiert und organisiert hatte, gegenüber dem Fidesdienst.<br />An diesem Abend zeichneten Musik, Erzählungen und die Beteiligung der Gemeinschaft das Leben und den geistlichen Weg des heiligen Franziskus nach. Beteiligt waren 21 Musiker, mehr als 42 erwachsene Sängerinnen und Sänger sowie 17 Kinder.<br />Begrüßt wurden die Gäste vom Apostolischen Vikar von Nordarabien, Bischof Aldo Berardi O.SS.T. Er erinnerte an die tiefe Liebe des heiligen Franziskus zu Gott und an dessen Wunsch, alles zum Lob und Dienst des Herrn einzusetzen. Der Bischof verwies zudem auf die Bedeutung des „Transitus“ des heiligen Franziskus, jenes Augenblicks, in dem der Heilige sein Leben dem Herrn anvertraut.<br /><br />Der Abend hatte eine stark internationale und interkulturelle Prägung. Unter den Gästen waren Vertreter aus dem diplomatischen und kulturellen Leben Bahrains, darunter eine Delegation des King Hamad Global Centre for Peaceful Coexistence. Anwesend waren außerdem die Botschafter der Republik Korea, Italiens und der Vereinigten Staaten sowie die Botschafter Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens, der Philippinen und Sri Lankas im Königreich Bahrain. Hinzu kamen Vertreter der anglikanischen Kirche und der indisch-orthodoxen Kirche.<br />In seiner Ansprache dankte Bischof Berardi Seiner Majestät dem König von Bahrain für dessen großzügige Gastfreundschaft. Zugleich bat er Dr. Shaikh Abdulla bin Ahmed Al Khalifa, den Vorsitzenden des King Hamad Global Centre for Coexistence and Tolerance, seinen Dank, seine Gebete und seine besten Wünsche zu übermitteln.<br />„Der Friede ist kostbar und zerbrechlich; er wird durch Barmherzigkeit, friedlichen Dialog und gegenseitige Sorge bewahrt“, teilte der Apostolische Vikar den anwesenden Gästen mit.<br /><br />Diese Worte leiteten zu den anschließenden Ausführungen von Dr. Shaikh Abdulla über, die dem Wert des Dialogs anhand der Gestalt des heiligen Franziskus gewidmet waren. Im Mittelpunkt stand die historische Begegnung zwischen Franz von Assisi und Sultan al-Malik al-Kamil in Ägypten – in einem von Krieg und Spaltung geprägten Umfeld.<br />Zwei Männer unterschiedlicher religiöser Traditionen seien einander mit Respekt und Offenheit begegnet, so die in dem Vortrag vorgetragene Reflexion. „Dialog erfordert Mut“, betonte Dr. Shaikh Abdulla. Er hob die Notwendigkeit von Offenheit, Verständnis und der Bereitschaft zum Austausch hervor – auch angesichts bestehender Unterschiede.<br /><br />Dieser Appell besitzt insbesondere im Kontext Bahrains eine besondere Bedeutung. Der Vorsitzende des King Hamad Global Centre erinnerte an das Engagement seines Landes für Zusammenleben und Toleranz.<br />Auch Pater Michael Fernandes OFMCap., Kustos der Kapuziner-Kustodie von Arabien, sprach über die Bedeutung der Gestalt des heiligen Franziskus. Der Ordensmann erinnerte an dessen Fähigkeit, die Gegenwart Gottes in der Schöpfung und in jedem Menschen zu erkennen. Seine Entscheidung für ein einfaches Leben und seine Sorge für die Schöpfung hätten auch über die Grenzen der franziskanischen Familie hinaus bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren.<br /><br />Zum Abschluss des Abends dankte Pater Marcus Fernandes allen, die an der Umsetzung der Initiative mitgewirkt hatten, darunter auch den Helfern hinter den Kulissen und der gesamten Gemeinschaft. „Heute haben wir etwas Schönes geschaffen“, sagte er und erinnerte an die zahlreichen Stunden der Vorbereitung, die Proben und die gemeinsame Arbeit, durch die die Veranstaltung möglich geworden sei.<br />„San Francesco 800“ ging damit über das bloße Gedenken an einen Jahrestag hinaus. Durch Musik und Erzählungen entdeckte die Gemeinschaft des Apostolischen Vikariats Nördliches Arabien eine Persönlichkeit neu, die bis heute zu Menschen unterschiedlicher Kulturen und Generationen spricht: einen Mann, der die Beziehung zu Gott, die Brüderlichkeit, die Sorge für die Schöpfung und die Begegnung mit dem anderen in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat.<br />Im Herzen Bahrains wurde die Erinnerung an den heiligen Franziskus so zugleich zu einer Gelegenheit, den Wert des Dialogs und der Gemeinschaft als konkrete Wege zur Bewahrung des Friedens zu bekräftigen.<br /><br /> <br />Wed, 23 Sep 2026 08:29:08 +0200AFRIKA/ÄTHIOPIEN - Die neue Allianz der Rebellen lässt den Konflikt um das Rote Meer wieder aufflammenhttps://www.fides.org/de/news/78204-AFRIKA_AeTHIOPIEN_Die_neue_Allianz_der_Rebellen_laesst_den_Konflikt_um_das_Rote_Meer_wieder_aufflammenhttps://www.fides.org/de/news/78204-AFRIKA_AeTHIOPIEN_Die_neue_Allianz_der_Rebellen_laesst_den_Konflikt_um_das_Rote_Meer_wieder_aufflammenAddis Abeba – Die vor wenigen Tagen angekündigte Rebellenkoalition ist in die Offensive gegangen. Eine ihrer wichtigsten Komponenten, die Tigray People’s Liberation Front , hat den Flughafen von Mekelle eingenommen.<br />Am 20. September haben sieben äthiopische bewaffnete Gruppen – darunter historische Gegner, die sich während des Bürgerkriegs von 2020 bis 2022 auf gegensätzlichen Seiten befanden – die Bildung eines Bündnisses angekündigt. Ziel ist es, die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed zu stürzen.<br />Die „Allianz der äthiopischen Volkskräfte für das Überleben“ vereint eine heterogene Koalition von Gruppierungen aus verschiedenen Landesteilen: vom Tigray im Norden über die Fano-Milizen der Amhara bis zur Oromo Liberation Army und weiteren bewaffneten Gruppen. Einige dieser Formationen haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft. Für den Moment haben sie ihre Differenzen jedoch zurückgestellt, um sich gegen die Zentralregierung zu verbünden.<br /><br />Ziel der Allianz ist nach eigenen Angaben der Sturz der Bundesregierung und die Einsetzung einer Übergangsverwaltung. Die beteiligten Gruppen betrachten die Regierung von Abiy Ahmed als unmittelbare Bedrohung für das Überleben ihrer jeweiligen Gemeinschaften.<br />Die Regierung in Addis Abeba erklärte, die Mitglieder der Allianz hätten bereits seit längerer Zeit mit finanzieller Unterstützung Eritreas zusammengearbeitet. Der Konflikt in Äthiopien könnte damit erneut aufflammen und einen bedeutenden Teil der Föderation erfassen. Mögliche Folgen wären auch für das gesamte regionale Gleichgewicht zu erwarten.<br /><br />Äthiopien bildet einen wichtigen strategischen Hinterraum, von dem aus die Kräfteverhältnisse in den Anrainerstaaten des Roten Meeres beeinflusst werden können. An erster Stelle steht Eritrea, das bereits in den Tigray-Konflikt verwickelt war. Hinzu kommt Sudan. Nach verschiedenen Vorwürfen sollen von äthiopischen Stützpunkten aus die Milizen der Rapid Support Forces mit Nachschub versorgt worden sein. Auch Drohnenangriffe auf Stellungen der sudanesischen Armee sollen von dort aus erfolgt sein .<br />Schließlich sind Dschibuti und Somaliland zu nennen. Somaliland ist eine nördliche Region Somalias, die 1991 einseitig ihre Unabhängigkeit erklärt hat und bislang nur von Israel anerkannt wird. Der jüdische Staat scheint bereits über eine Militärbasis in Somaliland zu verfügen. Nach einer Recherche der israelischen Tageszeitung Haaretz soll Israel in Tel Aviv zudem eine eritreische Oppositionsgruppe beherbergen.<br />Die Entwicklungen der äthiopischen Krise stehen nicht isoliert von den Ereignissen am asiatischen Ufer des Roten Meeres. Diese haben zwangsläufig auch Auswirkungen auf die afrikanische Seite dieser strategisch wichtigen Seeverbindung. Während die jemenitischen Huthi inzwischen den Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab kontrollieren, versuchen Groß- und Mittelmächte, ihre Präsenz an der afrikanischen Küste zu festigen und auszubauen.<br /><br />China erweitert seinen Militärstützpunkt in Dschibuti. Es handelt sich um die einzige Auslands-Militärbasis, die Peking offiziell anerkennt. Dies weckt Besorgnis bei Frankreich, den Vereinigten Staaten, Japan und Italien, die ihrerseits über Stützpunkte in dem kleinen, aber strategisch wichtigen afrikanischen Staat verfügen.<br /><br />Diese Sorgen könnten Washington dazu veranlasst haben, nach weiteren Stützpunkten in der Region zu suchen. Dazu könnte Eritrea gehören. Gerade in diesen Tagen wurden die zuvor gegen die eritreischen Streitkräfte und andere Einrichtungen verhängten US-Sanktionen aufgehoben. Die Entscheidung der Trump-Regierung wurde als Versuch interpretiert, die Beziehungen zu Asmara zu stärken.<br />Die Sanktionen waren 2021 von der Regierung Joe Bidens gegen die amtierende Partei, die eritreischen Streitkräfte und mehrere hochrangige Vertreter des Landes verhängt worden. Grund war deren Rolle im Krieg im benachbarten Äthiopien. Eritreische Truppen hatten dort die äthiopischen Streitkräfte unterstützt, die gegen die lokalen Behörden in der nördlichen Region Tigray kämpften.<br />Washington ist außerdem in Puntland aktiv, einer autonomen Region Somalias, die sich mit der Regierung in Mogadischu in einem Konflikt befindet .<br />Die Entwicklungen in Äthiopien könnten somit weit über die Landesgrenzen hinaus Auswirkungen haben. Betroffen wären die afrikanischen Anrainerstaaten des Roten Meeres und darüber hinaus das strategische Gleichgewicht entlang einer der wichtigsten Seeverbindungen der Welt.<br /><br /> <br />Wed, 23 Sep 2026 08:16:39 +0200SELIGSPRECHUNG VON FULTON SHEEN/V - Peoria: Kardinal Tagle in der Stadt des künftigen Seligen - Er weist uns den Weg zur missionarischen Bekehrunghttps://www.fides.org/de/news/78205-SELIGSPRECHUNG_VON_FULTON_SHEEN_V_Peoria_Kardinal_Tagle_in_der_Stadt_des_kuenftigen_Seligen_Er_weist_uns_den_Weg_zur_missionarischen_Bekehrunghttps://www.fides.org/de/news/78205-SELIGSPRECHUNG_VON_FULTON_SHEEN_V_Peoria_Kardinal_Tagle_in_der_Stadt_des_kuenftigen_Seligen_Er_weist_uns_den_Weg_zur_missionarischen_BekehrungVon Marie-Lucile Kubacki<br /><br />Peoria – In der Stille der Kathedrale St. Maria von der Unbefleckten Empfängnis, der neugotischen Kirche, die über den Straßen von Peoria aufragt, feierte Kardinal Luis Antonio Tagle am Dienstagmorgen, 22. September, die heilige Messe am Grab des ehrwürdigen Erzbischofs Fulton J. Sheen.<br /><br />In dieser Kathedrale wurde Sheen 1919 zum Priester geweiht. Seit 2019 ruhen dort auch seine sterblichen Überreste. Zwei Tage vor seiner geplanten Seligsprechung in St. Louis ist der Ort zugleich zu einer Stätte der Erinnerung und zu einem Aufruf zur Mission geworden.<br />Kardinal Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung , ist als päpstlicher Vertreter in die Vereinigten Staaten gereist. In dieser Funktion wird er am 24. September der Seligsprechungsmesse vorstehen.<br />Vor den Gläubigen von Peoria stellte der Kardinal die bevorstehende Feier nicht nur in den Zusammenhang der Ehre für einen Sohn der Stadt, sondern auch in den einer konkreten Verantwortung für die Ortskirche.<br /><br />„Wir loben und danken dem Herrn, der uns zusammengeführt und uns zu einer einzigen Gemeinschaft, einer Familie des Glaubens, geformt hat“, sagte er zu Beginn seiner Predigt. Die Kathedrale sei durch die Anwesenheit des künftigen Seligen Fulton Sheen „noch schöner“ geworden. Zugleich warnte er davor, dass eine solche Gnade auch eine Verpflichtung mit sich bringe.<br />„Dies ist eine Gnade für uns alle, die wir hier versammelt sind, aber auch eine große Verantwortung“, sagte Kardinal Tagle. „Von nun an werden die Menschen, wenn sie erfahren, dass ihr aus Peoria kommt, sagen: ‚Oh, seid ihr wie Bischof Fulton Sheen auf die Mission ausgerichtet? Seid ihr wie der selige Fulton Sheen tief im Wort Gottes verwurzelt?‘“<br />Der Ton des Kardinals war herzlich und bisweilen humorvoll. Seine Botschaft war jedoch eindeutig: In ihrer tieferen Bedeutung ist die Seligsprechung keine lokale Auszeichnung, sondern ein Ruf zur Umkehr und zur Evangelisierung. „Da jede Gnade vom Herrn kommt, gibt es auch eine entsprechende Verantwortung“, betonte er.<br /><br />Ausgehend von dem Evangelium, in dem Jesus gesagt wird, dass seine Mutter und seine Brüder draußen seien und ihn suchten, stellte Kardinal Tagle die zentrale Frage seiner Predigt: Was ist die Familie Christi?<br />Jesus, so der Kardinal, lehne die natürliche oder biologische Familie nicht ab. „Er verachtet sie nicht, er leugnet die biologische Familie nicht“, erklärte er. „Aber er weitet das Verständnis von Familie aus. ‚Wer sind meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern? Diejenigen, die das Wort Gottes hören und es in die Tat umsetzen. Das sind meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern‘“, sagte er und zitierte damit das Evangelium.<br /><br />Diese „erweiterte Familie“ gründet nicht auf Abstammung, Geburtsort oder lokalem Ansehen, sondern darauf, das Wort Gottes zu hören und es in die Tat umzusetzen. Mit einem scherzhaften Unterton fragte Kardinal Tagle die Gläubigen: „Deshalb sagt den Leuten in Chicago nach der Seligsprechung bitte nicht: ‚Hat Chicago einen Seligen hervorgebracht?‘ – ‚Oh nein, wir kommen aus Peoria. Wir gehören zur Familie, die der Herr erwählt hat. Ach, das arme Chicago.‘“<br />Dann fügte er hinzu: „Niemand leugnet die Tatsache, dass unser verehrungswürdiger Diener Gottes, der Selige, von hier stammt und hier als Priester sein priesterliches Leben begonnen hat. Aber während wir diese natürliche Abstammung anerkennen, sucht der Herr nach etwas anderem.“<br /><br />Anschließend lenkte der Kardinal den Blick auf Maria, die Mutter Jesu. Die Worte Jesu schmälerten ihre Bedeutung keineswegs, sondern offenbarten vielmehr die Tiefe ihrer Berufung, betonte er. Maria sei nicht nur die leibliche Mutter Jesu. Sie sei Mutter, weil sie zuerst Jüngerin gewesen sei, das Wort Gottes gehört und sich ihm zur Verfügung gestellt habe.<br />„Seine Mutter war wirklich eine Jüngerin, eine Mutter-Jüngerin“, sagte Kardinal Tagle. „Weil sie Jüngerin ist, ist sie Mutter. Und sie ist wirklich Mutter, weil sie ihre Jüngerschaft wahrhaft und in Fülle gelebt hat.“<br /><br />In der Gestalt Fulton Sheens, der weltweit als Pionier der katholischen Kommunikation gewürdigt wird, erhielt dieser Ruf eine besondere missionarische Prägung. Der Kardinal erinnerte an Sheen nicht nur wegen seiner Wurzeln in Peoria oder seiner großen Beherrschung der Medien, sondern vor allem wegen eines priesterlichen Lebens, das im Wort Gottes gründete und auf die Mission ausgerichtet war.<br />In den Fürbitten am Ende der Messe wurde um Unterstützung für die Missionare gebetet, die „bis ans Ende der Welt“ gesandt sind, um das Evangelium zu verkünden. Ebenso wurde für alle gebetet, die durch „jedes Mittel der Kommunikation“ lehren oder predigen, damit das Heil „mit Integrität und Mut“ verkündet werden könne.<br /><br />Kardinal Tagle schloss mit einem erneuten Blick auf die Berufung von Peoria. „Damit wird Peoria Teil der größeren Familie, der großen Familie Gottes“, sagte er. „Und Jesus wird sich darüber freuen.“<br />Die Stadt, so fügte er hinzu, solle nicht nur als Geburtsort Fulton Sheens bekannt sein, sondern als eine Gemeinschaft, deren Mitglieder das Wort Gottes hören und danach handeln.<br />Am frühen Abend wurde in derselben Kathedrale die Novene mit einer „Heiligen Stunde“ und eucharistischer Anbetung fortgesetzt, die der Mission gewidmet war. Geleitet wurde die Zeit der Gemeinschaft und der Sammlung von dem Franziskanerpater Dinh Anh Nhue Nguyen OFMConv, Generalsekretär der Päpstlichen Missionsunion .<br /><br />Fulton Sheen, so betonte Pater Anh Nhue bei der Einführung in die Gebets- und Betrachtungszeit über die Mission, „war nicht nur ein großer Prediger, Kommunikator oder Medienmann. Er war ein Mensch, der vom missionarischen Feuer erfüllt war: ein Förderer und Ausbilder für die Mission, ein leidenschaftlicher Unterstützer und Fürsprecher der Missionen.“<br />Seine missionarische Leidenschaft, so der Franziskaner weiter, „endete nicht mit seinem irdischen Leben. Sein missionarisches Erbe trägt bis heute Frucht. Seine Stimme verkündet weiterhin das Evangelium. Seine Schriften und Aufzeichnungen bilden weiterhin Menschen. Sein Zeugnis weckt weiterhin missionarische Herzen.“<br /><br />So führte der vietnamesische Franziskaner, Generalsekretär der Päpstlichen Missionsunion, die Gläubigen in der Kathedrale ins Gebet. Zugleich trat auch Peoria in die letzten 48 Stunden ein, bevor die Kirche ihren Mitbürger Fulton J. Sheen als „Seligen“ verkünden wird.<br /><br /><br/><strong>Link correlati</strong> :<a href="https://www.fides.org/it/attachments/view/file/_final_draft_Nguyen_Prayer_Holy_Hour_Sheen.pdf">Prayer/Reflection - Fr Dinh Anh Nhue Nguyen OFMConv</a>Wed, 23 Sep 2026 08:03:20 +0200ASIEN/SRI LANKA - Anschläge zu Ostern: „Das Urteil geht in Richtung Wahrheit und Gerechtigkeit“https://www.fides.org/de/news/78206-ASIEN_SRI_LANKA_Anschlaege_zu_Ostern_Das_Urteil_geht_in_Richtung_Wahrheit_und_Gerechtigkeithttps://www.fides.org/de/news/78206-ASIEN_SRI_LANKA_Anschlaege_zu_Ostern_Das_Urteil_geht_in_Richtung_Wahrheit_und_GerechtigkeitColombo – „Es ist eine Wunde, die langsam heilt. Der Heilungsprozess ist im Gang. Mit diesem Urteil können wir sagen, dass wir auf dem Weg der Wahrheit und Gerechtigkeit vorankommen, denn die unmittelbaren Täter des Massakers und einige der Mitorganisatoren wurden ermittelt. Ein zweiter Teil muss jedoch noch geklärt werden: Es gilt herauszufinden, welche Personen die Anschläge begünstigt haben, um daraus politischen Nutzen zu ziehen und an die Macht zu gelangen.“<br /><br />So kommentierte Pater Jude Chrysantha Fernando, Priester aus Colombo und Direktor des Büros für Kommunikation und Medien des Erzbistums Colombo, gegenüber der Nachrichtenagentur Fides das Urteil des Obersten Gerichtshofs von Sri Lanka. Das Gericht hatte gestern 15 von insgesamt 24 Angeklagten im Prozess um die Massaker vom 21. April 2019 verurteilt . Damals verübten Selbstmordattentäter Anschläge auf drei Kirchen und drei Luxushotels. 279 Menschen wurden getötet, darunter 45 aus dem Ausland.<br />Die 15 Verurteilten erhielten Haftstrafen zwischen 200 und 260 Jahren. Das Gericht ordnete zudem die Beschlagnahmung ihrer Vermögenswerte und weiterer Besitztümer an. Bei den Verurteilten handelt es sich um die unmittelbaren Täter der Anschläge. „Es sind Menschen muslimischen Glaubens, die ihren Glauben als Ideologie benutzt haben, um zu töten“, erklärt Pater Fernando. Neun weitere Angeklagte wurden hingegen „wegen unzureichender Beweise“ freigesprochen, berichtet der Priester, der gestern bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal anwesend war.<br /><br />„Um jedoch zur vollständigen Wahrheit und Gerechtigkeit zu gelangen, ist dies nur ein erster Schritt. Der Weg ist noch lang“, fährt Pater Fernando fort. Zu den Verurteilten gehört auch der Leiter des staatlichen Nachrichtendienstes, eine Schlüsselfigur, die „die Hintermänner und die Verbindungen zur Politik offenlegen müsste. Bisher hat er dies jedoch nicht getan. Dadurch könnte geklärt werden, wer die Anschläge ermöglicht oder begünstigt hat, um an die Macht zu gelangen“, erklärt der Priester.<br />Die Behörden untersuchen in einem gesonderten Verfahren mögliche Verbindungen zwischen Teilen des staatlichen Apparats und den Verantwortlichen für die Anschläge.<br /><br />Pater Chrysantha Fernando berichtet auch über die Familien der Opfer: „Einige von ihnen waren vor dem Gericht. In gewisser Weise haben sie Gerechtigkeit erfahren, weil sie nun wissen, dass diejenigen, die ihre Kinder oder Angehörigen getötet haben, bestraft werden.“<br />Zugleich weist er darauf hin, dass die Familien bereits Entschädigungen vom Staat sowie Unterstützung von der katholischen Kirche erhalten haben. „Einige, die ihre Ehefrau oder ihren Ehemann verloren haben, haben wieder geheiratet und sich ein neues Leben aufgebaut. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Leben weitergeht. Wir dürfen niemals die Hoffnung verlieren, die von Gott kommt“, so der Priester.<br />In mehreren Kirchen und Gemeinden in Colombo fanden Gedenkfeiern für die Opfer der Osteranschläge statt. In tiefer Anteilnahme wurde dabei der Getöteten gedacht und ihrer Erinnerung Ausdruck verliehen.<br /><br />Unter den Opfern waren 167 katholische Gläubige, die während der Ostermesse in den Kirchen St. Antonius in Colombo und St. Sebastian in Negombo getötet wurden. Sie wurden in den vom Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse erstellten Katalog der „Glaubenszeugen“ des 21. Jahrhunderts aufgenommen. Der Katalog wurde im Heiligen Jahr 2025 von der Kommission für die neuen Märtyrer und Glaubenszeugen vorgestellt.<br /><br /> <br />Wed, 23 Sep 2026 07:43:43 +0200AFRIKA/GHANA - Ghana entwickelt sich zu einem Dreh- und Angelpunkt für Kokain: Die Bischöfe alarmierenhttps://www.fides.org/de/news/78207-AFRIKA_GHANA_Ghana_entwickelt_sich_zu_einem_Dreh_und_Angelpunkt_fuer_Kokain_Die_Bischoefe_alarmierenhttps://www.fides.org/de/news/78207-AFRIKA_GHANA_Ghana_entwickelt_sich_zu_einem_Dreh_und_Angelpunkt_fuer_Kokain_Die_Bischoefe_alarmierenAccra – „Die Beschlagnahmung einer großen Menge Kokain in Frankreich, die aus Ghana stammt, darf nicht als Einzelfall betrachtet werden, sondern muss als Teil eines umfassenderen Problems verstanden werden“, erklären die Bischöfe Ghanas nach der Sicherstellung von 3,9 Tonnen Kokain durch die französischen Zollbehörden am 10. September. Der geschätzte Wert der Drogen beträgt 225 Millionen Euro . Das Kokain war in einem Container mit Plastikabfällen versteckt, der aus Ghana kommend den nordfranzösischen Hafen von Dünkirchen erreichte.<br /><br />„Diese Beschlagnahmung ist ein Vorfall im Zusammenhang mit einem größeren Problem. Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner Einbindung in den internationalen Handel ist Ghana in besonderem Maße auf eine strenge Kontrolle seiner Häfen, Flughäfen und Grenzen angewiesen“, heißt es in einer Erklärung, die von Matthew Kwasi Gyamfi, Bischof von Sunyani und Vorsitzender der Ghana Catholic Bishops’ Conference , unterzeichnet wurde.<br /><br />Ghana ist nicht nur ein Transitland für den internationalen Drogenhandel, sondern hat sich auch zu einem Konsumentenland entwickelt. „Wir sind ebenso besorgt über die innere Dimension dieser Bedrohung: den Drogenmissbrauch unter Jugendlichen, die zerstörerischen Auswirkungen von Drogengeldern auf unsere Institutionen und die Versuchung, die diese Gelder für Menschen in Vertrauenspositionen darstellen – sowohl im Handels- und Sicherheitssektor als auch, was wir mit Schmerz feststellen, innerhalb der Kirche selbst“, erklären die Bischöfe.<br />Nachdem die Bischöfe die staatlichen Institutionen dazu aufgerufen haben, den Kampf gegen den Drogenhandel zu verstärken und drogenabhängigen Menschen dabei zu helfen, aus ihrem „Leidensweg“ herauszufinden, betont die GCBC, dass „dieser Kampf nicht allein der Regierung überlassen werden kann“.<br /><br />„Wir rufen die Pfarreien, Schulen und katholischen Jugendorganisationen dazu auf, die Prävention von Drogenmissbrauch, Mentoring und pastorale Begleitung zu verstärken. Zugleich ermutigen wir Priester, Ordensleute, Katecheten und Laienverantwortliche, das Thema mutig in ihrer Verkündigung und Katechese anzusprechen“, heißt es weiter.<br />Direkt an die Jugendlichen richten die Bischöfe schließlich den Appell: „Lasst euch nicht von den vergänglichen Gewinnen täuschen, die der Drogenhandel verspricht. Entscheidet euch für das Leben. Baut eure Zukunft auf ehrlicher Arbeit, Glauben, Bildung, Tugend und Dienst am Nächsten auf. Eure Würde ist unbezahlbar, und die Kirche ist bereit, euch zu begleiten.“<br /><br /> <br />Wed, 23 Sep 2026 07:33:24 +0200Die gute Saat der missionarischen Erfahrungen von „Wecare“/I - Das Herz der Jugendlichen und die Begegnung mit der Realitäthttps://www.fides.org/de/news/78202-Die_gute_Saat_der_missionarischen_Erfahrungen_von_Wecare_I_Das_Herz_der_Jugendlichen_und_die_Begegnung_mit_der_Realitaethttps://www.fides.org/de/news/78202-Die_gute_Saat_der_missionarischen_Erfahrungen_von_Wecare_I_Das_Herz_der_Jugendlichen_und_die_Begegnung_mit_der_Realitaetvon Laura Gómez Ruiz<br /><br />Rom – Für einige Wochen das eigene Zuhause und die vertrauten „Komfortzonen“ verlassen, in ein anderes Land reisen und Zeit und Arbeit mit Menschen teilen, deren Lebenswirklichkeit sich grundlegend unterscheidet: Für manche junge Menschen werden die Ferien so zu einer Erfahrung der Begegnung und der Nähe zu Menschen und Lebenswelten, die ihnen fern sind. Alles kann dabei zum Anlass werden, über sich selbst, andere Menschen und die Wünsche des eigenen Herzens nachzudenken.<br />So erleben es viele junge Menschen bei den missionarischen Einsätzen von Wecare, einer italienischen Initiative, deren Ursprünge 20 Jahre zurückreichen und die jedes Jahr zahlreiche junge Menschen in Projekte in Italien und anderen Ländern einbindet.<br /><br />Ein Anfang in Peru<br /><br />Die Geschichte begann 2005. Damals organisierte Fernando Lozada Baldoceda, der die Auslandseinsätze ins Leben gerufen hat und heute Direktor von Wecare ist, eine erste Reise nach Peru mit drei Studenten. „Es war der erste Versuch einer Freiwilligenreise“, erinnert er sich.<br />2006 begann sich daraus eine feste Gruppe zu entwickeln. In den folgenden Jahren wuchs die Initiative und bezog Dutzende junger Menschen ein. 2011 wurde eine rechtliche Struktur geschaffen, um das Projekt zu tragen. Nach weiteren Entwicklungsschritten und einer Ausweitung der Aktivitäten auch in Italien entstand 2023 Wecare in seiner heutigen Form.<br /><br />Was Camilla und Benedetta entdeckt haben<br /><br />Für Fernando geht es bei der Geschichte von Wecare weniger um die Entwicklung einer Organisation als um junge Menschen, die entdeckt haben, dass sie etwas Wertvolles zu teilen haben – und bereit sind, sich selbst einzubringen.<br />„Es liegt mehr Freude im Geben als im Empfangen“, erzählt Camilla aus Rom. Nachdem sie 2025 an einem Einsatz in Argentinien teilgenommen hatte, entschied sie sich, in diesem Jahr erneut aufzubrechen, diesmal nach Brasilien.<br />„Ich habe mich ein zweites Mal dafür entschieden, weil diese Erfahrung nicht nur anderen hilft, sondern auch mir“, erklärt sie. Die Begegnung mit anderen Menschen ermögliche es, „Saiten in sich selbst zu berühren, die im Alltag stumm bleiben“, und sich auf neue Weise kennenzulernen.<br />In Brasilien war die Begegnung mit der Gemeinschaft von Milan dos Coelhos für sie besonders prägend. „Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Liebe, die diese Gemeinschaft umgab“, erinnert sie sich. Besonders berührte sie, wie sich die Menschen um Evinho, einen älteren Mann der Gemeinde, kümmerten.<br /><br />Dabei entdeckte sie, dass den Menschen trotz ihrer materiellen Armut etwas nicht fehlte, was für sie selbst zu den wichtigsten Werten gehört: „die Liebe zum Nächsten, die Nähe und die unentgeltliche Hilfe“.<br />Nach ihrer Rückkehr hatte sich auch ihr Blick auf das eigene Leben verändert. „Ich bin mit einem größeren Bewusstsein und mit mehr Lust zurückgekommen, anderen zu helfen“, erzählt sie. Die Erfahrung habe ihre „Prioritäten neu geordnet“ und ihr geholfen, besser zu verstehen, wofür es sich zu kämpfen lohne. Ich bin „dankbarer für das, was ich habe und für das, was mich umgibt“.<br />Auch Benedetta entschied sich für einen weiteren Einsatz. Nach Peru im Jahr 2022 und Kamerun 2025 kehrte sie in diesem Jahr nach Brasilien zurück. Der Satz „Es liegt mehr Freude im Geben als im Empfangen“ habe sie dabei begleitet.<br />„Ich fühle mich glücklich und bekomme jeden Tag viel. Ich wollte verstehen, was es wirklich bedeutet zu geben“, erklärt sie.<br />Während der Wochen des Einsatzes, erzählt sie, „legt man die materielle Welt ein Stück weit ab und lebt dafür, einer Gemeinschaft, die viel weniger bekommen hat, Energie, Liebe und ein Lächeln zu schenken“.<br />Die Erfahrung der Unentgeltlichkeit wirkt jedoch auch innerhalb der Gruppe der Freiwilligen. Sie lässt sie erfahren, dass sie mit den Menschen, denen sie begegnen und denen sie dienen, zu einer einzigen Familie werden können.<br />Einer der Momente, an die sich Benedetta besonders erinnert, war nicht mit einer konkreten Tätigkeit verbunden. Es war vielmehr eine Szene, die plötzlich die Distanz verringerte, die sie bei ihrer Ankunft empfunden hatte.<br /><br />Als sie durch eine Gemeinschaft in Recife ging, sah sie Häuser auf Stelzen, die nah über einem von Abfällen verschmutzten Fluss standen. „Ich habe eine enorme Distanz gespürt“, erinnert sie sich. Dann sah sie zwei barfüßige Mädchen und einen kleinen Jungen, der nach der Hand seiner Schwester suchte.<br />Die Geste erinnerte sie an ihre eigene Kindheit, als sie die Aufmerksamkeit ihres älteren Bruders suchte. In diesem Moment erkannte sie etwas von sich selbst in dem Jungen. „Es hat mir gezeigt, dass ich dieser Junge hätte sein können“, erzählt sie. „Genau das macht Wecare: Es verkürzt die Distanz, die wir wahrnehmen“, erklärt sie.<br />Durch diese Erfahrungen lernte Benedetta auch, anders auf Verletzlichkeit zu schauen. „Diese Menschen und diese Kinder zeigen ihre Verletzlichkeit mit einem Lächeln“, erzählt sie. Das habe ihr geholfen, auch die eigenen Schwächen, Freuden und Ängste „ohne Scham“ zu teilen und sowohl zu den Menschen der Gemeinschaft als auch zu den anderen Freiwilligen Vertrauen aufzubauen.<br /><br />Nichts ist selbstverständlich oder „automatisch“<br /><br />Für Fernando Lozada Baldoceda liegt gerade darin eine der Chancen dieser Erfahrungen. Indem junge Menschen ihr Zuhause und ihre gewohnte Sicherheit verlassen, finden sie sich in einem anderen Umfeld wieder, gemeinsam mit anderen Jugendlichen und in unmittelbarem Kontakt mit Menschen, die in Armut und schwierigen Lebensverhältnissen leben.<br />Hinzu kommt eine vom Evangelium inspirierte Zeit der Reflexion. „Die jungen Menschen beteiligen sich an Projekten, die eine reale und konkrete Wirkung haben“, erklärt er. Es gehe nicht lediglich darum, eine kleine Tätigkeit auszuführen, um das Gefühl zu haben, etwas beigetragen zu haben. Vielmehr könnten die Jugendlichen unmittelbar an konkreten Projekten mitwirken und „die Hilfe, die geleistet und empfangen wird, mit eigenen Händen erfahren“.<br /><br />Der gute Same und die fertigen Antworten<br /><br />Wecare bezeichnet diesen Weg als eine Erfahrung der „Vor-Evangelisierung“. Es handelt sich nicht um Katechese, sondern darum, Fragen anzustoßen, die gewohnte Vorstellungen infrage stellen: über die eigene Identität, Liebe, Freundschaft, Leid, Glück, Mission und Berufung.<br />Lozada Baldoceda betont, dass nichts davon automatisch geschehe. Jeder junge Mensch bleibe frei darin, wie er die Erfahrung lebe, wie sehr er sich von ihr ansprechen lasse und was er anschließend mit dem Entdeckten mache.<br /><br />Die Reise sei, so sagt er, ein „günstiger Rahmen“, um nach innen zu schauen. Aber: „Nichts ist automatisch. Alles hängt von der Freiheit jedes Einzelnen ab, davon, ob er seine Zeit gut nutzen, großzügig sein und in die Tiefe gehen möchte.“<br />Die Erfahrung erhebe zudem nicht den Anspruch, eine sofortige Veränderung herbeizuführen. Zwei Wochen könnten nicht von einem Tag auf den anderen eine Denk- und Lebensweise verändern, die sich über Jahre entwickelt habe.<br /><br />Was Fernando beobachtet, sei vielmehr etwas Intimeres und Unauffälligeres: „ein größeres Bewusstsein dafür, wer jeder junge Mensch ist, mehr Dankbarkeit und eine neue Möglichkeit, das eigene Leben mit Barmherzigkeit zu betrachten und seinen Wert zu erkennen“.<br />Es sei wie ein Same, erklärt er. „Etwas wird gesät“ und werde dann „in der Zeit jedes jungen Menschen und entsprechend der Art und Weise, wie er sich um diesen Samen kümmert“, Frucht bringen.<br />Was zurückbleibe, müsse sich nicht sofort in einer neuen Aktivität oder einer sichtbaren Entscheidung ausdrücken. „Die Hoffnung ist, dass im Herzen das Bewusstsein für den kostbaren Wert des eigenen Lebens und für die schönen Dinge bleibt, die man damit tun kann“, sagt er.<br /><br />Vertrauen in die jungen Menschen<br /><br />Nach vielen Jahren, in denen er diese Erfahrungen begleitet hat, ist auch Fernandos Blick auf die junge Generation weit entfernt von Vorurteilen und den üblichen Aussagen über eine „Generation, die sich nicht engagieren kann“.<br />Er glaubt nicht, dass bei den jungen Menschen der Wunsch erloschen sei, glücklich zu sein, Gutes zu tun oder mit Entschiedenheit zu leben. „Wenn man junge Menschen kritisiert, dann nicht deshalb, weil ihr Herz nicht danach verlangt, entschlossen zu leben, Gutes und Schönes zu tun“, sagt er.<br /><br />„Wenn Erwachsene alles für sie tun“, erklärt er, „können sie am Ende das Vertrauen in die Fähigkeit junger Menschen verlieren, Schwierigkeiten zu bewältigen, Verantwortung zu übernehmen und selbstständig zu wachsen.“<br />Die Aufgabe der Erwachsenen müsse vielmehr darin bestehen, junge Menschen zu begleiten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie sich frei für ein Leben entscheiden können, das im Dienst der anderen steht.<br /><br />Camilla kehrte mit neuen Prioritäten aus Brasilien zurück. Benedetta entdeckte, dass eine scheinbar einfache Szene die Distanz zwischen zwei Welten verschwinden lassen konnte. Ihre beiden Geschichten zeigen, was Fernando im Laufe der Jahre immer wieder beobachtet hat: Wenn jungen Menschen ein wirklicher Raum geboten wird, um zu dienen, anderen zu begegnen und Schwierigkeiten zu bewältigen, zeigt sich auch eine Fähigkeit zur Hingabe, die im Alltag nicht immer sichtbar ist.<br />Die Erfahrung endet deshalb nicht unbedingt mit der Rückkehr. Sie kann als Frage, als Dankbarkeit, als neuer Blick auf das Leben oder einfach als ein Same weiterleben, der noch Zeit zum Wachsen braucht.<br /><br /><br /><br/><strong>Link correlati</strong> :<a href="https://www.wecareprojects.com/">Link alla pagina di Wecare:</a>Wed, 23 Sep 2026 06:32:29 +0200AFRIKA/MOSAMBIK - Der Erzbischof von Nampula an die Absolventen der Katholischen Universität: „Wissenschaft ohne Gewissen ist nur der Untergang der Seele“https://www.fides.org/de/news/78199-AFRIKA_MOSAMBIK_Der_Erzbischof_von_Nampula_an_die_Absolventen_der_Katholischen_Universitaet_Wissenschaft_ohne_Gewissen_ist_nur_der_Untergang_der_Seelehttps://www.fides.org/de/news/78199-AFRIKA_MOSAMBIK_Der_Erzbischof_von_Nampula_an_die_Absolventen_der_Katholischen_Universitaet_Wissenschaft_ohne_Gewissen_ist_nur_der_Untergang_der_SeeleNampula – „Zu sehen, wie ausgebildete und hoffnungsvolle junge Menschen angesichts einer ungewissen Zukunft stehen, gerade in einer Zeit, in der unser Land ihre Wissen, ihre Energie und ihr Talent besonders braucht, gehört zu den schmerzvollsten Realitäten, unter denen unsere geliebte Heimat leidet.“<br /><br />Mit diesen Worten lenkte der Erzbischof von Nampula, Inácio Saure IMC, die Aufmerksamkeit auf das Problem der Jugendarbeitslosigkeit. Er sprach bei der Abschlussfeier der Universität der Katholischen Universität von Mosambik . Der Erzbischof, der zugleich Vorsitzender der Bischofskonferenz von Mosambik ist, warnte die Absolventen davor, die bereits große Zahl qualifizierter Menschen weiter zu erhöhen, die trotz jahrelanger Ausbildung und persönlicher Opfer keine ihrer Qualifikation entsprechende Arbeit finden.<br />Die Arbeitslosigkeit unter gut ausgebildeten Menschen, so Erzbischof Inácio, gehört zu den drängenden sozialen und wirtschaftlichen Problemen Mosambiks. „Einige unserer Hochschulabsolventen werden leider zu jenen hinzukommen, die trotz jahrelangen Studiums und großer Opfer ohne Arbeit bleiben und ihre Fähigkeiten nicht in den Dienst der Gesellschaft stellen können.“<br />Der Erzbischof ermutigte die jungen Menschen deshalb, das während ihres Studiums erworbene Wissen bewusst und verantwortungsvoll einzusetzen – auch angesichts der Schwierigkeiten, denen sie auf dem Arbeitsmarkt begegnen könnten. Bildung dürfe nicht lediglich als Mittel verstanden werden, um eine Arbeitsstelle zu erhalten, betonte er. Sie sei vielmehr auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und dem Gemeinwohl.<br /><br />In seiner Ansprache erinnerte Erzbischof Inácio zudem an die Ermordung von Bischof Osório Citora Afonso, Bischof von Quelimane, Apostolischer Administrator des Erzbistums Beira und Generalsekretär der Bischofskonferenz von Mosambik. Mit Blick auf den tragischen Vorfall beklagte er, dass die Umstände des Todes des Bischofs in Quelimane weiterhin nicht vollständig geklärt seien. Er bekräftigte die Notwendigkeit, dass die Wahrheit endlich ans Licht komme.<br /><br />Die Bischofskonferenz von Mosambik befinde sich seit Juni in Trauer, erinnerte der Erzbischof. Bis heute gebe es jedoch keine abschließenden Antworten auf die Frage nach den Verantwortlichen und den Motiven für die Tat .<br />„In Mosambik die Wahrheit zu sagen, ohne sein Gesicht zu verbergen, bedeutet ein großes Risiko – das Risiko, das eigene Leben zu verlieren“, sagte der Erzbischof von Nampula. Er appellierte deshalb an die zuständigen Behörden, die Umstände des Todes vollständig aufzuklären und Informationen über die Verantwortlichen und die Motive für die Ermordung des Bischofs vorzulegen, den er als einen „bescheidenen Mann Gottes und Diener des Volkes“ bezeichnete.<br /><br />„An einem Tag der Abschlussfeier an der UCM und im Licht des Wortes Gottes, das wir gehört haben, erscheint es mir nicht unangemessen, unsere Stimme zu erheben und die zuständigen Behörden dieses Landes nachdrücklich aufzufordern, diese beschämende Tendenz aufzugeben und den Menschen in Mosambik, der Kirche und der Welt die Wahrheit über den Fall von Bischof Osório zu sagen“, erklärte Erzbischof Inácio.<br /><br />Zum Abschluss wandte er sich besonders an die Absolventen, insbesondere an jene der Rechtswissenschaften. Er rief sie dazu auf, ihre Ausbildung und ihre Fähigkeiten verantwortungsvoll und integer in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.<br />„Wissenschaft ohne Gewissen ist schlicht der Untergang der Seele. Dasselbe gilt für Autorität ohne Würde: Sie ist ein wahres Unglück für das Volk“, sagte der Erzbischof.<br /><br />Den jungen Menschen, die gerade ihr Universitätsstudium abgeschlossen haben, wünschte er, die „höchste Erkenntnis“ zu erreichen. Wo immer sie künftig tätig seien – auch in der schwierigen Situation der Arbeitslosigkeit, vor allem aber dann, wenn sie die Möglichkeit zur beruflichen Tätigkeit erhielten –, sollten sie durch ihren Einsatz die Katholische Universität von Mosambik würdig vertreten. Diese sei für Qualität und Innovation anerkannt.<br /><br /> <br />Wed, 23 Sep 2026 05:55:53 +0200100 JAHRE SEIT DER WEIHUNG DER ERSTEN SECHS CHINESISCHEN BISCHÖFE/1 - Odorico Cheng Hede und die Diözese Puchihttps://www.fides.org/de/news/78195-100_JAHRE_SEIT_DER_WEIHUNG_DER_ERSTEN_SECHS_CHINESISCHEN_BISCHOeFE_1_Odorico_Cheng_Hede_und_die_Dioezese_Puchihttps://www.fides.org/de/news/78195-100_JAHRE_SEIT_DER_WEIHUNG_DER_ERSTEN_SECHS_CHINESISCHEN_BISCHOeFE_1_Odorico_Cheng_Hede_und_die_Dioezese_PuchiHundert Jahre nach der Weihe der ersten sechs chinesischen Bischöfe der Neuzeit am 28. Oktober 1926 widmet der Fidesdienst eine Reihe dokumentarischer Beiträge diesen Nachfolgern der Apostel und ihren Diözesen. Im Mittelpunkt steht jenes für den Weg der katholischen Kirche in China entscheidende Ereignis.<br /><br />§§§<br /><br />von Prof. Liu Zhiqing<br /><br />Puchi – Die Apostolische Präfektur Puchi war die erste kirchliche Verwaltungseinheit der katholischen Kirche in China, die einem chinesischen Geistlichen zur Leitung anvertraut wurde. Sie wurde am 12. Dezember 1923 errichtet. Ihr erster Bischof, Odorico Cheng Hede , gehörte zu den sechs chinesischen Bischöfen, die Papst Pius XI. am 28. Oktober 1926 im Petersdom in Rom weihte. Bereits zuvor war Cheng Hede am 21. März 1924 zum Apostolischen Präfekten ernannt worden; am 24. Juni 1926 hatte ihn der Papst zum designierten Bischof ernannt.<br /><br />1. Geschichte der Diözese<br /><br />1922, kurz nach seiner Ankunft in China als erster Apostolischer Delegat, begann Erzbischof Celso Costantini, sich intensiv für die Errichtung kirchlicher Verwaltungseinheiten einzusetzen, die chinesischen Priestern anvertraut werden sollten. Später schrieb er in seinem Buch Con i missionari in Cina, 1922-1933: memorie di fatti e di idee: „Ich schlug Rom vor, dass nun der Zeitpunkt gekommen sei, eine oder zwei einheimische Diözesen zu errichten. Auf diese Weise hätten beim Nationalkonzil – dem Konzil von Shanghai 1924, Anm. d. Red. – einige chinesische Bischöfe als offizielle Vertreter teilnehmen können.“<br /><br />Nach seiner Ankunft in China nahm Costantini seinen Sitz in Hankou. Aus geografischen Gründen stand er häufig mit dem Apostolischen Vikariat Hankou in Verbindung. Aufgrund der gemeinsamen Herkunft aus Italien verband ihn eine besonders herzliche Beziehung zu Gratianus Gennaro , einem italienischen Franziskaner und Apostolischen Vikar von Hankou.<br />Von ihm erfuhr Costantini, dass „das Apostolische Vikariat beabsichtigte, zehn südlich des Jangtse gelegene Bezirke den US-amerikanischen Franziskanern anzuvertrauen“. Daraufhin erwog er, „vier dieser Bezirke für die Errichtung einer Diözese vorzusehen, die einem Chinesen anvertraut werden sollte, mit Puchi als Zentrum, wo die Tätigkeit der Kirche bereits gewisse Grundlagen geschaffen hatte“.<br />Costantini setzte daher seine Kräfte daran, den Apostolischen Vikar von Hankou für diesen Plan zu gewinnen. Später erinnerte er sich: „Ich versuchte, Gennaro davon zu überzeugen, der Initiative zur Errichtung einer einheimischen Diözese zuzustimmen. Er war überrascht und äußerte einige Bedenken. Schließlich sagte er: ‚Die chinesischen Priester haben in China keine rechtliche Stellung und genießen bei den chinesischen Behörden kein Ansehen. Wenn Rom es jedoch wünscht, können wir nur gehorchen.‘“ <br /><br />Am 12. Dezember 1923 wurde die Apostolische Präfektur Puchi errichtet. Sie wurde aus dem Apostolischen Vikariat Ost-Hubei herausgelöst. Dieses wurde von italienischen Franziskanern verwaltet und umfasste 1923 fünf Präfekturen: Wuchang, Hanyang, Huangzhou , De’an und Anlu. Das Gebiet war in fünf Dekanate gegliedert: Wuchang, Hanyang, Anlu, De’an und Huangzhou.<br /><br />Insgesamt wirkten dort 97 Priester, darunter 74 Ausländer und 23 Chinesen. Die chinesischen Priester machten somit 23,71 Prozent des Klerus aus. Damit lag das Vikariat auf Platz 39 unter den damals insgesamt 57 Apostolischen Vikariaten und Präfekturen in China.<br />Aus dem Apostolischen Vikariat Ost-Hubei wurden drei neue Missionsgebiete herausgelöst. Das Apostolische Vikariat Hankou verfügte über 54 Pfarreien mit ansässigen Priestern und 43.914 getauften Katholiken.<br />Im Dezember 1923 wurden gleichzeitig mit der Apostolischen Präfektur Puchi auch jene in Wuchang errichtet, die den US-amerikanischen Franziskanern anvertraut wurde, sowie die Apostolische Präfektur Hanyang, die der Gesellschaft für die Auswärtigen Missionen von St. Columban übertragen wurde.<br /><br />Die Apostolischen Präfekturen Puchi und Wuchang wurden beide aus dem Dekanat Wuchang des Apostolischen Vikariats Ost-Hubei herausgelöst. Das Dekanat Hanyang bildete dagegen das Gebiet der Apostolischen Präfektur Hanyang.<br />Nach den verfügbaren Statistiken umfasste das Dekanat Wuchang des Apostolischen Vikariats Ost-Hubei im Jahr 1923 zehn Bezirke. Die spätere Apostolische Präfektur Puchi sollte die vier Bezirke Puchi, Jiayu , Chongyang und Tongcheng umfassen. In diesem Jahr gab es dort nur eine Pfarrei, in Chongyang, mit einem chinesischen Priester und 729 Gläubigen.<br /><br />Die spätere Apostolische Präfektur Wuchang umfasste dagegen Wuchang, Xianning , Echeng , Daye , Tongshan und Xingguo . Dort gab es sechs Pfarreien und 2.793 Gläubige. Das Dekanat Hanyang zählte 7.689 Gläubige.<br />Am 12. Dezember 1923 wurde somit die Apostolische Präfektur Puchi errichtet. In der Geschichte der Kirche in China gilt sie als erste kirchliche Gebietskörperschaft, die einem Angehörigen des einheimischen chinesischen Klerus anvertraut wurde. In jenem Jahr zählte sie 866 Getaufte. Für die Seelsorge standen sieben chinesische Priester und ein italienischer Priester zur Verfügung.<br />Die materiellen Mittel der neuen Apostolischen Präfektur waren damals praktisch nicht vorhanden. Die missionarische Tätigkeit war entsprechend äußerst schwierig. Zur Unterstützung des neuen Gebiets stellte das Apostolische Vikariat Ost-Hubei 100.000 Tael Silber für die Missionierung zur Verfügung.<br /><br />Am 10. Mai 1951 wurde die Apostolische Präfektur Puchi zur Diözese erhoben. Sie umfasste die vier Bezirke Jiayu, Puchi, Chongyang und Tongcheng.<br />Nach den von Zhao Qingyuan in seinem Werk Chronologie der Aufteilung der katholischen Diözesen in China und der Nachfolge ihrer Leiter überlieferten Statistiken verfügte die Diözese damals über 19 Kirchen und Kapellen, zehn chinesische Priester und 5.046 getaufte Katholiken.<br /><br />2. Die Bischöfe der Diözese<br /><br />Der erste Bischof der Apostolischen Präfektur Puchi war Odorico Cheng Hede , ein Franziskaner aus dem Orden der Minderbrüder .<br />Odorico Cheng Hede wurde am 22. Juli 1873 in Laohekou in der Provinz Hubei geboren. Zunächst besuchte er die Schule von Chayuangou. Im Alter von zehn Jahren wurde er gemeinsam mit einem anderen Franziskanerseminaristen nach Italien geschickt, um dort seine Ausbildung zu erhalten.<br />Am 7. August 1894 trat er in La Verna in Italien in den Orden der Minderbrüder ein. Am 5. Juli 1900 wurde er zum Priester geweiht. Im Januar 1903 kehrte er nach China zurück, um sich der Missionsarbeit zu widmen. Ab 1907 war er stellvertretender Rektor des Kleinen Seminars von Chayuangou. Dieses Amt übte er insgesamt 14 Jahre lang aus.<br /><br />Odorico war besonders musikalisch begabt und interessierte sich für historische Werke. Er übersetzte die Ordensregel der Franziskaner ins Chinesische und verfasste eine italienische Grammatik für chinesische Schüler. Außerdem schrieb er die Gemeinsame Biografie der seligen Märtyrer Liu Fangji und Dong Wenxue. Dabei handelt es sich um die chinesischen Namen der beiden Märtyrer San Francisco Fernández de Capillas und des heiligen Jean-Gabriel Perboyre. Das Werk wurde von der Druckerei der Kirche von Xujiahui in Shanghai veröffentlicht.<br />Am 21. März 1924 wurde er zum Apostolischen Präfekten der Apostolischen Präfektur Puchi ernannt und damit zum ersten chinesischen Apostolischen Präfekten. Obwohl Cheng Hede dieses Amt als Priester und noch nicht als Bischof ausübte, war seine Ernennung für die Kirche in China von großer Bedeutung – 250 Jahre nach der Bischofsweihe des Dominikaners Gregorio Luo Wenzao im Jahr 1674.<br />1924 nahm Cheng Hede gemeinsam mit einem weiteren chinesischen Präfekten am Primum Concilium Sinense, dem Konzil der katholischen Kirche in China, teil, das in Shanghai einberufen worden war.<br /><br />Am 24. Juni 1926 wurde er zum Titularbischof von Catenna ernannt. Am 28. Oktober 1926 empfing er im Petersdom in Rom die Bischofsweihe durch Papst Pius XI. Damit gehörte er zu den ersten sechs chinesischen Bischöfen, die in der Neuzeit geweiht wurden.<br />Cheng Hede starb am 14. November 1928 im Alter von 55 Jahren.<br />Nach seinem Tod wurde Giuseppe Zhang Jingxiu am 16. April 1929 zum Apostolischen Präfekten von Puchi ernannt. Er starb am 20. April 1941.<br /><br />Am 23. Februar 1949 wurde der Franziskaner Giuseppe Li Daonan OFM zum Apostolischen Präfekten von Puchi ernannt. Mit der Erhebung der Apostolischen Präfektur zur Diözese am 10. Mai 1951 wurde Li Daonan Bischof der Diözese Puchi. Er starb 1971.<br /><br />3. Entwicklung der Diözese<br /><br />Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung verfügte die Diözese Puchi über sehr fragile Grundlagen und ein relativ kleines Gebiet, das lediglich vier Bezirke umfasste. Ursprünglich gab es dort nur die Pfarrei Chongyang, die zum Dekanat Wuchang gehörte.<br />Nach 27 Jahren Entwicklung war die Zahl der getauften Katholiken auf 5.351 gestiegen. Die Diözese verfügte über zehn chinesische Priester und zehn chinesische Ordensfrauen. Insgesamt blieb die Entwicklung der pastoralen Tätigkeit der Diözese jedoch relativ begrenzt und hinter den Erwartungen zurück.<br /><br /><br /><br/><strong>Link correlati</strong> :<a href="https://www.fides.org/it/attachments/view/file/Tabella_statistica_delle_attivit_pastorali_della_Diocesi_di_Puchi.pdf">Tabella statistica delle attività pastorali della Diocesi di Puchi, 1923-1950</a>Tue, 22 Sep 2026 05:46:17 +0200AFRIKA/SÜDSUDAN - „Wie sollen Wahlen abgehalten werden, wenn es keine Volkszählung und keine endgültige Verfassung gibt?“, fragt der Weihbischof von Jubahttps://www.fides.org/de/news/78200-AFRIKA_SUeDSUDAN_Wie_sollen_Wahlen_abgehalten_werden_wenn_es_keine_Volkszaehlung_und_keine_endgueltige_Verfassung_gibt_fragt_der_Weihbischof_von_Jubahttps://www.fides.org/de/news/78200-AFRIKA_SUeDSUDAN_Wie_sollen_Wahlen_abgehalten_werden_wenn_es_keine_Volkszaehlung_und_keine_endgueltige_Verfassung_gibt_fragt_der_Weihbischof_von_JubaJuba – „Wie können Wahlen abgehalten werden, wenn es keine Volkszählung und keine endgültige Verfassung gibt?“ Diese Frage stellte Bischof Santo Loku Pio Doggale, Weihbischof von Juba, der Hauptstadt des Südsudan, bei einer kirchlichen Veranstaltung in der vergangenen Woche.<br /><br />„Nun wollen sie Wahlen abhalten, aber es gibt keine Volkszählung – es sei denn, sie wurde heimlich durchgeführt, denn Wahlen sind nicht möglich, ohne die Größe der Bevölkerung zu kennen“, sagte Bischof Doggale. „Sie wollen Wahlen abhalten, während das Land keine endgültige Verfassung hat. Wie können Wahlen ohne Volkszählung und Verfassung stattfinden? Diese beiden Elemente bilden die Grundlage für Wahlen“, betonte der Weihbischof.<br />„Durch die Volkszählung werden die geografischen Wahlkreise und die Verteilung der Bevölkerung bestimmt. Seit 2005 lassen Sie die Bevölkerung des Südsudan warten und verlieren Zeit. Aber Gott ist groß und wird unsere Geduld erhören“, fügte Bischof Doggale hinzu.<br />Am 1. September 2026 verabschiedete die Nationale Übergangsgesetzgebende Versammlung des Südsudan in einer nicht öffentlichen Sitzung den Gesetzentwurf Nr. 13/2026 zur Änderung der Übergangsverfassung des Südsudan von 2011. Journalisten und Zuschauer mussten auf Anordnung des Parlamentspräsidenten den Sitzungssaal verlassen; dieser begründete den Ausschluss mit der nationalen Sicherheit. Das Gesetzgebungsverfahren wurde innerhalb eines einzigen Tages abgeschlossen und der Entwurf einstimmig angenommen.<br /><br />Zwei Tage später unterzeichnete Präsident Salva Kiir Mayardit die Verfassungsänderung Nr. 13. Damit wurde die gesetzliche Verpflichtung aufgehoben, vor Wahlen zunächst eine Volkszählung durchzuführen und eine dauerhafte Verfassung zu verabschieden.<br />Die Änderung betrifft Bestimmungen der Übergangsverfassung und entkoppelt die allgemeinen Wahlen von zwei Voraussetzungen, die im neu aufgelegten Abkommen von 2018 zur Beilegung des Konflikts im Südsudan vorgesehen sind: der Durchführung einer landesweiten Volks- und Wohnungszählung sowie der Verabschiedung einer dauerhaften, föderalen Verfassung.<br />Die Wahlen können nun auf Grundlage der entsprechend geänderten Übergangsverfassung stattfinden. Die Volkszählung und der Prozess zur Ausarbeitung der dauerhaften Verfassung wurden auf die Zeit nach den Wahlen verschoben. Eine künftig gewählte Regierung soll sich dieser Aufgaben annehmen.<br />Die Regierung bezeichnete die Änderung als Maßnahme zum Abbau rechtlicher Hindernisse, um die für den 22. Dezember 2026 angesetzten Wahlen zu ermöglichen. Es wären die ersten allgemeinen Wahlen im Südsudan seit der Unabhängigkeit im Jahr 2011.<br /><br /> <br />Tue, 22 Sep 2026 05:21:23 +0200ASIEN/SRI LANKA - Urteil zu den Anschlägen an den Ostertagen: 15 Verurteilungen bei 24 Angeklagtenhttps://www.fides.org/de/news/78201-ASIEN_SRI_LANKA_Urteil_zu_den_Anschlaegen_an_den_Ostertagen_15_Verurteilungen_bei_24_Angeklagtenhttps://www.fides.org/de/news/78201-ASIEN_SRI_LANKA_Urteil_zu_den_Anschlaegen_an_den_Ostertagen_15_Verurteilungen_bei_24_AngeklagtenColombo – Im Verfahren zu den Anschlägen vom 21. April 2019, dem Ostersonntag, auf drei Kirchen und drei Luxushotels in Sri Lanka sind 15 der insgesamt 24 Angeklagten schuldig gesprochen worden. Bei den Attentaten wurden 279 Menschen getötet, darunter 45 Personen aus dem Ausland. Das Oberste Gericht in Colombo verkündete am 22. September das Urteil gegen 15 Männer, denen eine Beteiligung an den Anschlägen vorgeworfen wird. Zu den Verurteilten gehört Mohamed Naufer Moulavi, den die Anklage als eine Schlüsselfigur im Zusammenhang mit der Planung der Anschläge bezeichnet hatte. Neun weitere Angeklagte wurden freigesprochen und sollen aus der Haft entlassen werden.<br /><br />Das Richtergremium verkündete die Schuldsprüche nach einem fast fünf Jahre dauernden Verfahren. Gegenstand waren mehr als 23.270 Anklagepunkte im Zusammenhang mit den Anschlägen, darunter Mord, Verschwörung zur Begehung terroristischer Handlungen sowie der Besitz von Schusswaffen und Sprengstoff nach dem Gesetz zur Verhinderung des Terrorismus. Die Verkündung des Strafmaßes steht noch aus; dabei könnte auch die Todesstrafe verhängt werden. Das Verfahren gilt als wichtigster Strafprozess gegen Personen, denen vorgeworfen wird, die Anschläge geplant oder mitorganisiert zu haben. Es waren die folgenschwersten Angriffe auf Zivilisten in der Geschichte Sri Lankas.<br />Mohamed Naufer Moulavi wurde als Anführer einer Gruppe identifiziert, die das aus acht Selbstmordattentätern bestehende Kommando unterstützt haben soll, das die Anschläge ausführte. Parallel zum Strafprozess lief eine gesonderte Untersuchung zu Vorwürfen, wonach einzelne Personen innerhalb des staatlichen Sicherheitsapparats Sri Lankas Verbindungen zu den Verantwortlichen der Anschläge gehabt haben könnten.<br /><br />Nach den im Prozess vorgebrachten Erkenntnissen gehen die Ermittler davon aus, dass das Netzwerk geschaffen worden sein könnte, um eine Bedrohung der nationalen Sicherheit zu erzeugen und damit die politische Unterstützung für die Familie Rajapaksa zu stärken. Gotabaya Rajapaksa, der zuvor Verteidigungsminister gewesen war, wurde einige Monate nach den Anschlägen zum Präsidenten gewählt. Nach der von den Ermittlern vertretenen These sollte durch die Schaffung von Chaos Rajapaksa – den Politiker, der das Land 2009 zum Sieg über die tamilischen Separatisten geführt hatte – als derjenige dargestellt werden, der am besten geeignet sei, die Sicherheit wiederherzustellen. Rajapaksa und seine politischen Unterstützer weisen die Vorwürfe einer Beteiligung zurück.<br />Das Verfahren hat die katholische Gemeinschaft Sri Lankas durch die Anschläge auf Kirchen unmittelbar betroffen. Unter der Leitung von Kardinal Malcolm Ranjith, Erzbischof von Colombo, hat sie stets die Forderung nach „Wahrheit und Gerechtigkeit“ bekräftigt. Die Katholiken forderten wiederholt, die Drahtzieher der Anschläge sowie mögliche politische oder nachrichtendienstliche Verbindungen und die Quellen der Finanzierung und Ausbildung der Terroristen zu ermitteln.<br /><br />In den vergangenen Jahren verlangten sie nachdrücklich die Ernennung eines unabhängigen Staatsanwalts, um die Ermittlungen zu beschleunigen und ihre Unbefangenheit zu gewährleisten. Entsprechende Forderungen richteten sich mit Nachdruck an die Regierungen unter den Präsidenten Rajapaksa und Wickremesinghe sowie zuletzt an die Regierung von Anura Kumara Dissanayake, der 2024 zum Präsidenten gewählt wurde. Zugleich erinnerte die katholische Kirche die politisch Verantwortlichen wiederholt an ihre Verpflichtung, die Wahrheit über die Anschläge ans Licht zu bringen.<br /><br />Die Forderungen wurden von Demonstrationen, Menschenketten, Gedenkgottesdiensten und Gebetstreffen begleitet und trugen dazu bei, das Thema auch auf internationaler Ebene sichtbar zu machen. Zugleich setzte sich die katholische Gemeinschaft stets für das interreligiöse Zusammenleben ein und rief die Gläubigen dazu auf, keine Vergeltung an der muslimischen Gemeinschaft zu üben. Die Anschläge dürften, so die wiederholte Mahnung, nicht zu ethnischen oder religiösen Konflikten führen.<br /><br /> <br />Tue, 22 Sep 2026 05:12:04 +0200