Archdiocese of Hanoi
Von Paolo Affatato
Vatikanstadt (Fides) – Mit jährlich 30.000 Neutaufen beweist die katholische Gemeinde in Vietnam die Lebendigkeit ihres Glaubens „im Kontext einer Gesellschaft mit vielen Komplexitäten und Schwierigkeiten“, so Erzbischof Joseph Vu Van Thien von Hanoi, stellvertretender Vorsitzender der vietnamesischen Bischofskonferenz, im Interview mit Fides am Rande des Ad-limina-Besuchs der Bischöfe im Vatikan.
Der Erzbischof berichtet, dass die katholische Gemeinde – inspiriert von den ersten Missionaren und gestärkt durch das Beispiel der Märtyrer – heute insgesamt 7,5 Millionen Gläubige, 7.400 Priester, 27.000 Ordensleute, 2.500 Seminaristen und 70.000 Katecheten zählt.
Erzbischof Joseph Vu Van Thien, wie würden Sie das kirchliche Leben in Vietnam beschreiben?
Man könnte im Geiste des „Magnificat“ viel über die wunderbaren Dinge sagen, die der Herr für die Kirche in Vietnam gewirkt hat. Ich möchte die Vitalität und Dynamik der Kirche inmitten einer komplexen und schwierigen Gesellschaft hervorheben. Das Leben der Gläubigen selbst ist ein „Magnificat“. Es gibt viele wunderbare Dinge im Leben vietnamesischer Christen.
Dank dieser Vitalität erleben wir viele Berufungen zum Priesteramt und zum Ordensleben. Viele junge Menschen entscheiden sich für das Priesteramt, das Ordensleben oder engagieren sich in der Seelsorge.
Um den Grund für dieses Aufblühen zu verstehen, muss man zunächst Gottes Wirken und Willen erkennen; das „menschliche Geheimnis“ ist die Familie, das Fundament eines gelebten Glaubens.
In vietnamesischen Gemeinden beginnt die Katechese sehr früh. Die Katechese beginnt im Elternhaus, und ab dem siebten Lebensjahr besuchen die Kinder den Katechismusunterricht zur Vorbereitung auf die Erstkommunion und die Firmung. Es gibt einen im Allgemeinen sehr gut organisierten Prozess der christlichen Initiation, der dazu dient, den Glauben von Kindern und Jugendlichen zu festigen und zu vertiefen.
Ich möchte insbesondere darauf hinweisen, dass auch der liturgische Dienst am Altar ein Weg ist, junge Menschen an das Priesteramt heranzuführen. Jugendliche beginnen ihren Dienst beispielsweise als Ministranten. Durch diese Praxis entwickeln sie einen festen Glauben sowie eine besondere Vertrautheit bei der Gewohnheit, sich dem Altar zu nähern; sie werden dabei auch von ihren Familien bestärkt: Alles beginnt dort.
Können Sie einige Daten zur vietnamesischen katholischen Glaubensgemeinschaft nennen?
Die Kirche in Vietnam ist mit 7,5 Millionen Gläubigen bei einer Gesamtbevölkerung von 102 Millionen Vietnamesen – das entspricht 7,3 % – nach wie vor eine kleine Gemeinde. Sie ist in 27 Diözesen gegliedert. Da etwa 75–80 % der Gläubigen ihren Glauben aktiv praktizieren, trägt die Kirche in Vietnam weiterhin reiche Frucht.
Laut Prognosen für 2025 gibt es in Vietnam insgesamt 7.453 Priester (Diözesan- und Ordenspriester), 27.000 Ordensleute und 2.500 Seminaristen in elf Priesterseminaren. 70.000 junge Katecheten engagieren sich in unseren Pfarreien, in Gemeinderäten und katholischen Vereinigungen.
Ich möchte darauf hinweisen, dass sich unser Land in einer historischen Phase befindet, in der die IT-Revolution, der wissenschaftliche Fortschritt und das Wirtschaftswachstum sowohl ein Segen als auch eine Versuchung darstellen und viele Menschen von Gott entfernen können. Angesichts dieser Schwierigkeiten und Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft streben wir als Seelsorger danach, jeden Getauften zu einem authentischen und missionarischen Jünger zu formen. Jedes Jahr haben wir rund 30.000 neue Taufen; im Jahr 2025 waren es etwa 33.000. Dies ist ein großes Geschenk. Pfarrgemeinden und Ordensgemeinschaften ergreifen zahlreiche Initiativen und Aktivitäten, um das Evangelium zu bezeugen und es zu verkünden. Und viele vietnamesische Priester aus Diözesen und Ordensgemeinschaften sind als Missionare in verschiedenen Ländern tätig.
Wie denkt man in der Öffentlichkeit über die katholische Kirche und die Katholiken in der Gesellschaft?
Vietnam wird von der atheistischen Kommunistischen Partei regiert. Katholiken bilden in einer überwiegend buddhistischen Gesellschaft, die auch animistischen und volkstümlichen Glaubensvorstellungen anhängt, nur eine Minderheit. Auf der einen Seite versucht die Propaganda zu behaupten, das Christentum sei „von außen gekommen“, von Fremden eingeführt worden und bleibe daher unserer Kultur und Nation fremd. Und diese Art von Propaganda ist nicht nur in den Medien, sondern auch im Bildungssystem präsent. Man versucht, die ersten Missionare mit dem Kolonialismus in Verbindung zu bringen und sie in einem negativen Licht darzustellen. Dies ist ein historischer Irrtum, der jedoch bewusst herbeigeführt wird. Wir wissen, dass die ersten Missionare im 17. Jahrhundert in Vietnam ankamen, während die Franzosen erst Ende des 19. Jahrhunderts eintrafen.
Aus einer anderen Perspektive betrachten Nicht-Katholiken die katholische Kirche als gut organisierte, hierarchisch strukturierte und daher solide Institution, die Sicherheit bietet und sie wird dafür geschätzt. Katholiken werden im Allgemeinen für ihren Beitrag zum Gemeinwohl durch soziale und karitative Arbeit geachtet. Selbst Regierungsbeamte stellen fest – sofern sich die Gelegenheit zum Dialog mit ihnen bietet –dass es dort, wo viele Katholiken leben, weniger Kriminalität gibt. In Großstädten mit einer besser gebildeten Bevölkerung verstehen die Menschen den Katholizismus besser und haben eine positive Meinung von unseren Gemeinden, aufgrund ihrer karitativen Arbeit und weil sie der Gesellschaft und insbesondere jungen Menschen positive Werte vermitteln. In kleinen Dörfern und abgelegenen Gebieten ist das Bild der Kirche jedoch aufgrund von Propaganda weniger positiv.
Katholiken stellen sich selbst als „gute Bürger und gute Christen“ dar …
Diesen Ausdruck verwendete Papst Benedikt XVI. beim Ad-limina-Besuch der Bischöfe im Jahr 2009. Aus Sicht des Evangeliums ist diese Perspektive sehr klar, und auch die Regierung verwendet sie häufig, wenn auch mit einem etwas „politischeren“ Unterton. Für uns bedeutet sie, dass die Gläubigen einen tiefen Glauben an Gott haben und gleichzeitig vorbildliche Bürger sind, die ihr Land lieben und durch ihre Arbeit und ihr Leben einen praktischen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Kommunistische Funktionäre versuchen mitunter, den Begriff des Patriotismus in „Liebe zum Sozialismus“ umzudeuten. Ich möchte an die Bedeutung des Hirtenbriefs von 1980 erinnern, der den Ausgangspunkt der Bischofskonferenz bildete, denn er besagt: „Lebe den Glauben im Herzen oder unter den Menschen.“ Er war ein hervorragender Ausgangspunkt für die Beziehung zur Zivilgesellschaft.
Es scheint eine allmähliche Verbesserung der bilateralen Beziehungen zu den Regierungsbehörden gegeben zu haben. Passt die Einladung des vietnamesischen Präsidenten an den Papst zu einem Besuch in das Land in diesen Kontext?
Seit 1980 haben sich die Beziehungen der Regierung zum Heiligen Stuhl verbessert. Ein Schlüsselmoment war beispielsweise der Besuch von Kardinal Roger Etchegaray in Vietnam im Jahr 1989: Man kann sagen, dass damit eine neue Phase begann, und seitdem sprechen wir vom Dialog. Jahre später, im Jahr 2011, wurde der erste „nicht-residierende“ päpstliche Vertreter des Heiligen Stuhls in Vietnam ernannt; schließlich wurde 2023 Erzbischof Zalewski zum ersten ständigen Vertreter in Vietnam ernannt.
In diesem Prozess entstand eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit Vertretern des Heiligen Stuhls und Vietnams, die bereits konkrete Ergebnisse erzielte. Ich möchte darauf hinweisen, dass bereits der vorherige Präsident den Papst eingeladen hatte. Nun hat der neue Präsident, To Lam, der zugleich Generalsekretär der Partei ist, Papst Leo im April dieses Jahres nach Vietnam eingeladen. Als vietnamesische Bürger und Katholiken erwarten wir diesen Besuch mit großer Hoffnung. Dies war bereits der Wunsch von Papst Johannes Paul II. bei der Heiligsprechung der 117 vietnamesischen Märtyrer 1988 in Rom. Wir vertrauen auf die jahrtausendealte Erfahrung der päpstlichen Diplomatie, die wissen wird, wie sie zum Wohle nicht nur der Kirche in Vietnam, sondern auch des vietnamesischen Volkes handeln kann. Während des Ad-limina-Besuchs lud der Vorsitzende unserer Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Nguyen Nang von Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon), den Papst ebenfalls offiziell zu einem Besuch in Vietnam ein.
Wie verlief Ihr Treffen mit dem Papst?
E' stato un incontro molto caloroso e amichevole. Leone XIV ha parlato della Chiesa vietnamita con affetto: sa che è piccola ma attiva e fervente di gioventù. L'impressione più importante per noi, quando veniamo a Roma e incontriamo il Papa, è quella di un “ritorno a casa”. In tutti i dicasteri che abbiamo visitato vi era sempre questo spirito, c’è stata calorosa accoglienza. Ci hanno detto: siete qui non solo per fare rapporto ma per costruire la comunione e l'unità nella famiglia. Il Papa ci ha dato dei consigli per come svolgere il nostro ministero.
Es war ein sehr herzliches und freundliches Treffen. Papst Leo XIV. sprach voller Zuneigung über die vietnamesische Kirche: Er wisse, dass sie klein, aber aktiv und voller jugendlichem Elan sei. Der wichtigste Eindruck für uns, wenn wir nach Rom kommen und den Papst treffen, ist der einer Art „Heimkehr“. In allen Dikasterien, die wir besucht haben, herrschte stets diese Atmosphäre; wir wurden herzlich empfangen. Man sagte uns: Ihr seid nicht nur hier, um Bericht zu erstatten, sondern um Gemeinschaft und Einheit in zu stärken. Der Papst gab uns Impulse für unseren Dienst als Hirten.
Welchen Rat hat er gegeben?
Der erste gute Ratschlag lautete, der Ausbildung von Priestern und Seminaristen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Der zweite betrifft die Rolle der Laien, nicht nur in der Seelsorge, sondern auch in administrativen Angelegenheiten. Der dritte Ratschlag forderte besondere Aufmerksamkeit für die Jugendarbeit. Der vierte Punkt betrifft die aktive Teilhabe von Frauen am kirchlichen Leben unter Wahrung ihrer Würde und Rechte. Schließlich rief er uns dazu auf, uns um Minderjährige und Schutzbedürftige zu kümmern und ihr Leben und ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zu schützen. Wir gingen getröstet und ermutigt von den Worten des Papstes aus der Begegnung heraus. Ich möchte daran erinnern, dass am 2. Juli 2026 ein päpstlicher Apostolischer Legat zur Seligsprechung von Pater Francis Xavier Truong Buu Diep, dem Märtyrer, der 1946 als Zeuge der Nächstenliebe gegenüber den Armen und Leidenden sein Leben gab, nach Vietnam kommen wird. Dieses Ereignis wird zweifellos eine wertvolle Ermutigung für das Volk Gottes in Vietnam sein und uns alle dazu anspornen, das Evangelium mit noch größerem Eifer zu leben und zu bezeugen.
Sollte der Papst jemals nach Vietnam reisen, was würde das für die dortige Kirche bedeuten?
Es wäre von großer Bedeutung, denn es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass ein Papst nach Vietnam käme. Für Katholiken wäre es ein besonders bedeutendes Ereignis – man kann sich die Freude und Begeisterung vorstellen und wie es ihren Glauben stärken würde –, aber auch für Nicht-Katholiken wäre es von großer Bedeutung. Der Papst ist das Oberhaupt der Weltkirche. Selbst Nicht-Katholiken schätzen unseren Papst als Förderer des Friedens, daher wäre seine Anwesenheit sicherlich sehr bedeutsam und er würde herzlichen empfangen.
Wie wird an die ersten Missionare, die den Glauben nach Vietnam brachten erinnert und wird diese Erinnerung rezipiert?
Die Vietnamesen sind den Missionaren zutiefst dankbar. Wir freuen uns, die frohe Botschaft des Evangeliums dank der Missionare empfangen zu haben. Wir erinnern uns insbesondere an den französischen Jesuiten Alexandre de Rhodes, eine bedeutende Persönlichkeit, der im Jahr 1600 nach Vietnam kam und die Gelegenheit hatte, mit dem portugiesischen Missionar Francisco de Pina zusammenzuarbeiten, um die einheimische Sprache in lateinische Schrift zu transkribieren. Sie schufen ein neues Schriftsystem für die vietnamesische Sprache, das wir noch heute verwenden. Dank ihnen ist Vietnam das einzige Land in Asien, das das lateinische Alphabet verwendet, während andere Länder ihre eigene Kalligrafie haben. Die Entwicklung einer neuen Schrift für ein Volk ist eine Leistung von höchstem Wert. Selbst die vietnamesische Regierungen und sogar vietnamesische Universitäten, die die Arbeit der Missionare manchmal nur ungern erwähnen, können diese Tatsache nicht leugnen und müssen Alexandre de Rhodes und seinen Mitstreitern die gebührende Anerkennung zollen.
In Vietnam wirkten auch Missionare vieler anderer Orden, wie der Jesuiten, Augustiner, Dominikaner, Franziskaner, Priester der Pariser Mission (MEP) und vieler anderer. Die ersten beiden französischen Missionare waren zugleich die ersten beiden vom Heiligen Stuhl in Vietnam ernannten Bischöfe, sowohl im Süden als auch im Norden: Bischof Lambert de la Motte und Bischof François Pallu. Im Jahr 2024 haben wir das diözesane Verfahren zu ihrer Seligsprechung eingeleitet.
Ich möchte betonen, dass unsere Gemeinden regelmäßig Wallfahrten zu den Gräbern der Missionare organisieren, stets mit großer und tiefer Dankbarkeit. Viele Missionare sind in Vietnam begraben; sie haben ihr Leben hingegeben; sie waren Missionare „ad vitam“. Wir sind tief bewegt und empfinden tiefe Zuneigung, wenn wir die Gräber der Missionare sehen. Sie haben uns ein lebendiges Zeugnis des Glaubens hinterlassen. Der Einfluss der Missionare in Vietnam ist tiefgreifend, nicht nur auf die Mentalität, sondern auch auf die Kultur und Struktur der vietnamesischen Kirche. Vor allem danken wir ihnen, weil wir durch ihre Anwesenheit das Geschenk des Glaubens empfangen haben.
Welche Beziehung besteht heute noch zu den vietnamesischen Märtyrern und ihrer Spiritualität? Welche Bedeutung haben sie für das Leben der Kirche heute?
Vietnamesische Katholiken sind im Allgemeinen sehr stolz auf ihre Märtyrer und dankbar für sie. Dies zeigt sich deutlich in den katholischen Gemeinden in der Diaspora, in Europa, den Vereinigten Staaten und anderen Teilen der Welt. Wenn sie sich zu einer Gemeinde zusammenschließen oder eine Kapelle gründen, wird der Name oft auf die Heiligen Vietnamesischen Märtyrer bezogen oder die Gemeinde wird Unserer Lieben Frau von La Vang gewidmet. Wir hegen eine tiefe Verehrung für die vietnamesischen Märtyrer, und aus diesem Grund findet man im ganzen Land unzählige ihnen gewidmete Schreine an ihrem Geburtsort oder dem Ort ihres Martyriums.
Man stelle sich vor: In 200 Jahren wechselvoller Ereignisse und Verfolgungen gab es schätzungsweise 130.000 vietnamesische Märtyrer. Es gibt sogar den Fall eines ganzen Dorfes von Märtyrern: Menschen, die lebendig verbrannt wurden, nur weil sie an Christus glaubten. Von dieser Gruppe wurden 117 bereits im Jahr 1988 heiliggesprochen und einer im Jahr 2000 seliggesprochen. In Hanoi wird derzeit ein neuer Schrein für die Märtyrer fertiggestellt. Das Heiligtum wird Ende 2026 fertiggestellt sein und im darauffolgenden Jahr mit der ersten Versammlung der Bischofskonferenz im neuen Nationalheiligtum eingeweiht. 2027 jährt sich die Ankunft von Alexandre de Rhodes in Thang Long (dem heutigen Hanoi) zum 400. Mal.
Die Spiritualität der Märtyrer ist die Treue zu Gott. Wir versuchen, unseren Gläubigen zu vermitteln, dass es heute keine Verfolgung mehr gibt wie früher, die Treue aber dieselbe geblieben ist. In der modernen Gesellschaft, in der Phänomene wie Konsumdenken und Säkularisierung uns von Gott entfernen, ist der Geist der Märtyrer – der treue Glaube – umso wichtiger.
Sie haben die Jungfrau von La Vang erwähnt: Warum ist sie für vietnamesische Gläubige so wichtig und was bedeutet diese besondere Verehrung?
La Vang ist der Name eines Ortes in Zentralvietnam, wo vor über 200 Jahren viele Gläubige auf der Flucht vor Verfolgung Zuflucht suchten. Es war ein Wald. Laut verschiedenen Hypothesen leitet sich der Name La Vang von einer Blattart ab, die in diesem Wald vorkommt.
Während die Gläubigen den Rosenkranz beteten, erschien ihnen die Muttergottes. Sie ermutigte sie, ihrem Glauben treu zu bleiben und sagte „Ich bin immer bei euch“. Und sie versprach, dass jeder, der dort zum Beten käme, erhört würde. So wurde La Vang nach und nach zu einem im ganzen Land bekannten Marienwallfahrtsort.
Vor über zwanzig Jahren beschloss die vietnamesische Bischofskonferenz, eine Marienstatue mit vietnamesischen Gesichtszügen und Kleidung anfertigen zu lassen. Eine der ersten Statuen wurde von Papst Johannes Paul II. gesegnet und später in Vietnam verehrt. Die spirituelle Bedeutung dieses Ortes liegt in der tiefen Marienverehrung der Bevölkerung. Die Vietnamesen hegen eine tiefe Liebe zur Muttergottes, nicht zuletzt, weil das Bild der Mutter in unserer Kultur ein Symbol für Widerstandsfähigkeit, Aufopferung und bedingungslose Liebe ist und den Grundstein von Familie und Gesellschaft bildet.
Diese tiefe kulturelle Verbundenheit rührt daher, dass die Vietnamesen die Mutterfigur innig verehren. So beten nicht nur Katholiken zur Muttergottes, sondern auch Buddhisten finden in ihr vertraute Nähe. Unsere poetische und literarische Tradition ist reich an Liedern und Sprüchen über die Mutter. Auch deshalb ist es Tradition, dass alle Gläubigen zu Maria kommen, um ihre Verehrung auszudrücken und um Gnaden zu bitten. Sie kommen zu Maria, damit sie sie zu Christus führt.
(Fides 18/5/2026)
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