Seligsprechung der Priester und Märtyrer Jan Bula und Václav Drbola am 6. Juni: Eine Geschichte der Gnade inmitten von Verfolgung

Samstag, 30 Mai 2026 märtyrer   verfolgung   seligsprechung   zeugen  

Von Chiara Dommarco

Brünn (Fides) – „Regime, Ideologien und Ängste vergehen, aber Wahrheit, Liebe und Treue haben eine Stärke, die die Geschichte überdauert“, so Pfarrer Karel Orlita im Gespräch mit Fides über das Leben von Jan Bula und Václav Drbola, den beiden tschechischen Priestern, die am 6. Juni in Brünn selig gesprochen werden. Während der Eucharistiefeier unter dem Vorsitz von Kardinal Michael Czerny wird ein Kelch von Jan Bula verwendet werden.
Pfarrer Orlita, Postulator der Diözesanphase und Verwalter der römischen Phase des Seligsprechungsverfahrens, erlebte die Fortschritte bei der Selig- und Heiligsprechung der beiden Märtyrer aus nächster Nähe: es handelt sich um die ersten Märtyrer in der Diözese Brünn und in der zeitgenössischen Geschichte der Tschechischen Republik, die selig- oder heiliggesprochen werden.
„Wir leben in einer Zeit, die von Kriegen, Polarisierungen, kulturellen Krisen, Angst und moralischer Verwirrung geprägt ist. In diesem Zusammenhang erinnern uns ihre Aussagen daran, dass der Mensch nicht ohne Wahrheit und ohne Hoffnung leben kann. Sie zeigen, dass es möglich ist, menschlich frei zu bleiben, auch wenn alles von Gewalt und Lügen dominiert zu sein scheint“, kommentiert Pfarrer Orlita.
Václav Drbola wurde 1912 in Starovičky in Südmähren in eine Familie mit bescheidenen Verhältnissen geboren. Nach seinem Abitur 1933 trat er noch im selben Jahr ins Priesterseminar in Brünn ein. 1938 wurde er zum Priester geweiht und widmete sich insbesondere Kindern und Jugendlichen, indem er Katechismusunterricht, Theateraufführungen und Sportveranstaltungen organisierte. Als Mitglied der Tschechoslowakischen Volkspartei engagierte er sich aktiv im öffentlichen Leben von Bučovice, wo er einen Großteil seines Dienstes als Seelsorger ausübte und sich durch seine liebenswürdige Art die Zuneigung aller erwarb.
Jan Bula wurde 1920 in Lukow, einem mährischen Dorf an der Grenze zu Deutschland, in eine sehr einfache Familie geboren. Wie Drbola trat er 1939 direkt nach dem Abitur in das Priesterseminar in Brünn ein. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er während der deutschen Besatzung als Zwangsarbeiter in einer Keramikfabrik, wo sein künstlerisches Talent zur Verzierung von Gebrauchsgegenständen genutzt wurde. 1944 kehrte er in das zerbombte Brünn zurück, malte Szenen der Passion auf Karton und widmete sich dem Studium und dem Verfassen von Texten über die russische Ikonenmalerei. Nach Kriegsende wurde er zum Priester geweiht und nach Rokytnice entsandt, wo er sich durch seine Großzügigkeit den Respekt aller Gemeindemitglieder erwarb. Sein kurzes Wirken war geprägt von Ausflügen, Theateraufführungen für Kinder und Jugendliche, Renovierungsarbeiten an der Pfarrkirche, seinem Engagement im Gemeindeleben als Mitglied der Volkspartei und den Gemälden, die er in seiner Freizeit schuf.
Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 geriet die katholische Kirche, die bereits unter der Verfolgung durch die Nationalsozialisten litt, in eine neue schwere Zeit. Die Verstaatlichung von Kirchenbesitz, die Schließung von Schulen und Priesterseminaren sowie zahlreiche Verhaftungen von Geistlichen und Laien führten zu einer verschärften systematischen Kampagne gegen die Kirche. Im Juni 1949 setzte die Regierung einen Plan zur Rekrutierung von Katholiken für eine neue, eigens gegründete Organisation um, die sogenannte „Katholische Aktion“. Nachdem sie die katholische Presse verboten und Bischöfe unter Hausarrest gestellt hatte, versuchte die Regierung, Geistliche und Bevölkerung davon zu überzeugen, dass dies die neue katholische Vereinigung sei, der sie sich anschließen sollten.
Auf Bitte des Prager Erzbischofs Josef Beran an alle Priester verlasen auch Bula und Drbola am Sonntag, dem 19. Juni, während der Messe das von ihm herausgegebene Rundschreiben. Darin wurden die Gläubigen zur Wachsamkeit und zur Treue gegenüber der römisch-katholischen Kirche aufgerufen. Bei dieser Gelegenheit stellte Bula auch klar, dass die Unterschrift mit seinem Namen, die unter den Mitgliedern der Regierungsinitiative „Katholische Aktion“ auftauchte, eine Fälschung war: „(...) Seid treu. Enttäuscht nicht das Vertrauen eurer Kirche, in die ihr hineingeboren wurdet. (...) Betet, dass der Heilige Geist euren Verstand erleuchte und euch in diesen schwierigen Zeiten wahre Erkenntnis schenke.“
So gerieten sie ins Visier der des tschechische Staatssicherheitsdienstes (STB), die einen verdeckten Ermittler, „Hauptmann Malý“, einsetzte, um die beiden Priester zu verhaften. Im Februar 1951 besuchte Bulas ehemaliger Klassenkamerad Ladislav Malý ihn und erzählte ihm von einem Plan, Erzbischof Beran aus dem Gefängnis zu befreien. Malý fügte hinzu, dass dieser den Wunsch geäußert habe, bei einem katholischen Priester zu beichten, der Rom treu geblieben sei. Bula erklärte sich bereit, die Beichte des Erzbischofs abzunehmen, und der Hauptmann suchte den Priester mehrmals auf, doch dieser weigerte sich, seine Fragen zu dem Treffen mit dem Bischof zu beantworten. Bula wurde im April desselben Jahres verhaftet.
Dasselbe Muster wiederholte sich bei Drbola: Malý erzählte ihm dieselbe Geschichte über den Erzbischof, und der Priester versprach, seine Beichte abzunehmen, doch der Zeitpunkt für die Beichte kam nie. Drbola wurde im Juni 1951 verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, den Mordanschlag auf Babice am 2. Juli 1951 angestiftet zu haben, bei dem der Hauptmann und andere drei Funktionäre der Kommunistischen Partei töteten. Drbola und Bula, die sich zum Zeitpunkt der Ereignisse beide im Gefängnis befanden, wurden unter Folter gezwungen, sich selbst zu belasten und ein vor dem Richter vorzutragendes Protokoll mehrmals zu wiederholen. Laut diesem Protokoll war Drbola einer der Hauptanstifter des Dreifachmordes und Bula der Anführer einer subversiven Gruppe, die den Hauptmann unterstützte.
Drbola wurde am 3. August 1951 und Bula am 20. Mai 1952 im Gefängnis von Jihlava in Westmähren hingerichtet. Ihr Ruf der Unschuld hatte sich bereits zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung in der Öffentlichkeit verbreitet.
Zwei Tage nach dem Prozess, in dem neben Drbola 13 weitere Katholiken (darunter ein weiterer Priester) angeklagt waren, berichtete Radio Vatikan über das Urteil mit den Worten: „Wir kennen den wahren Grund für die Verurteilung der Priester und Laien zum Tode nicht. Auch aus offiziellen Nachrichten werden wir ihn nicht erfahren. (...) Wenn sie verurteilt wurden, weil sie die natürlichen und unveräußerlichen Menschenrechte verteidigten, dann sind sie wahre Märtyrer.“
„Während der Arbeit an der Positio“, so Pfarrer Orlito, „hatte ich oft den Eindruck, dass das eigentliche Hauptthema ihrer Geschichte nicht so sehr die Verfolgung war, sondern die Kraft der Gnade Gottes, die sie bis zum Ende trug.“
In einer Gesellschaft, die zunehmend von emotionaler und psychischer Zerbrechlichkeit geprägt ist, von der vor allem Jungendliche betroffen sind, „kann das Lebensbeispiel und die Umstände des Todes der beiden Märtyrer zur Reifung eines gesunden und freien christlichen Gewissens beitragen, das sich nicht falschen (politischen oder kulturellen) Ideologien unterwirft, die damals wie heute einflussreich und manipulativ sind“, bemerkt Maria Cristina Bresciani, Postulatorin der römischen Phase des Seligsprechungsverfahrens, im Gespräch mit Fides.
Die Briefe, die Bula aus dem Gefängnis an seine Familie schrieb und die von der Polizei zurückgehalten und erst später ausgehändigt wurden, zeugen von der inneren Ruhe, mit der der junge Mann die Monate seiner Haft durchlebte: „Der Herrgott hat mir ein kurzes Leben geschenkt, aber ich glaube, es war nicht vergeblich. Ich bin heute glücklich, Ihm gedient zu haben und bis zum Ende sein Diener geblieben zu sein. Ich gehe in Frieden mit Ihm. Ich freue mich darauf, in der Ewigkeit zu ruhen und all jene wiederzusehen, die mir vorausgegangen sind. (...) Ich hatte viele Pläne, aber sie alle waren dem Willen Gottes untergeordnet".
„Auch die Gestalt von Václav Drbola“, bemerkt Pfarrer Orlito, „ist zutiefst bewegend. Aus den Zeugnissen geht hervor, dass er ein Priester war, der den Menschen sehr nahestand, demütig, väterlich und einfach. Und vielleicht macht gerade diese Normalität sein Zeugnis umso bedeutsamer. Es waren keine Männer, die nach Heldentum strebten: Es waren Priester, die einfach Christus und der Kirche treu bleiben wollten.“
Zwei für die gesamte Gesellschaft wichtige Persönlichkeiten, betont Pfarrer Orlito: „Für Gläubige sind sie ein Beispiel für Treue zu Christus und der Kirche, selbst in Zeiten der Prüfung. Sie lehren uns, dass Glaube nicht bloß eine kulturelle Tradition oder ein privates Gefühl ist, sondern eine Realität, für die es sich zu leben und, wenn nötig, zu leiden lohnt. Doch ihre Botschaft spricht auch Nichtgläubige an, denn ihr Opfer berührt universelle Werte: Zivilcourage, die Verteidigung des Gewissens, die Ablehnung der Lügen der Macht. Selbst diejenigen, die nicht dem christlichen Glauben angehören, können in ihnen Männer erkennen, die ihre Würde nicht opfern.“
(Fides 30/5/2026)

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