diocesi di Ipiales
von Laura Gómez Ruiz
Ipiales (Fides) – „In der Kirche ist die Pfarrei nicht nur eine Gemeinde, sondern die gesamte Gemeinschaft: die Familien, die Kinder, die Jugendlichen und die älteren Menschen, die heute aufgrund der Gewalt, die ihre Gebiete heimsucht, Tage voller Schmerz, Unsicherheit und Angst durchleben.“ Mit diesen Worten bringt der Bischof von Ipiales, José Saúl Grisales Grisales, seine Sorge um die Gemeinden im kolumbianischen Departement Nariño zum Ausdruck, die von Zusammenstößen zwischen bewaffneten Gruppen betroffen sind, die zu Vertreibungen und Ausgangssperren geführt und zudem die Ankunft humanitärer Hilfe behindert haben.Nariño liegt im Südwesten Kolumbiens an der Grenze zu Ecuador und am Pazifik und umfasst 64 Gemeinden mit rund 1,71 Millionen Einwohnern. 56 % der Bevölkerung leben in kleineren Ortschaften und verstreut in ländlichen Gebieten. Die strategische Lage des Departements, das von Korridoren durchzogen wird, die die Grenze mit der Küste verbinden, schürt Konflikte um die Kontrolle über das Gebiet und erhöht die Gefährdung der Gemeinden, insbesondere wenn die Auseinandersetzungen die Bewegungsfreiheit und den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen einschränken.
Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), über die das kolumbianische Nachrichtenportal „Minuto30“ berichtete, waren seit dem 18. Oktober 1.824 Menschen aus 749 Familien in den Gemeinden Linares, Los Andes und La Llanada von Vertreibungen und Ausgangsbeschränkungen betroffen. Davon befinden sich 1.167 weiterhin in Ausgangssperren, während 657 ihre Wohnungen verlassen mussten.Die Gewalttaten haben zudem die Infrastruktur beschädigt und die Versorgung mit grundlegenden Dienstleistungen beeinträchtigt. Den gesammelten Informationen zufolge wurden bei den Zusammenstößen und Angriffen mit Sprengsätzen, die von Drohnen abgeworfen wurden, eine Kirche, eine kommunale Wasserversorgungsanlage, eine Schule und mindestens fünf Wohnhäuser getroffen. Von der Notlage sind außerdem etwa 1.357 Kinder und Jugendliche betroffen, was in einigen Gebieten zur vorübergehenden Aussetzung des Schulbetriebs geführt hat.
Die Diözese eilt den leidenden Gemeinden zu Hilfe
Vor diesem Hintergrund veröffentlichte die Diözese Ipiales am 22. Oktober eine Erklärung, um den Menschen in den Teilregionen Abades und Guambuyaco ihre Nähe und Solidarität auszudrücken. Besondere Sorge gilt den Gemeinden der Pfarreien Nuestra Señora del Rosario in Linares, San Juan Bautista in Sotomayor und Nuestra Señora de la Visitación in Tábiles.Der Bischof erinnert an die Familien, die unmittelbar unter den Folgen der Gewalt gelitten haben: „Wir vereinen uns im Gebet für die Familien, für die Verletzten, für diejenigen, die ihr Zuhause verloren haben und zur Flucht gezwungen wurden, sowie für all jene, deren Leben und Seelenfrieden heute bedroht sind.“Die Diözese richtet zudem einen dringenden Appell an die Verantwortlichen für die Gewalttaten, damit sie „das humanitäre Völkerrecht achten und vor allem das Leben, die Würde und das Eigentum der Gemeinden schützen“, so Bischof Grisales. In der Erklärung wird außerdem die Einstellung der Feindseligkeiten und ein Waffenstillstand gefordert, um das Leiden zu beenden und weiteren Schaden abzuwenden.
Wenn Gewalt den Zugang zu Menschen in Not verhindert
Die Schwierigkeiten, die betroffene Bevölkerung zu erreichen, zeigten sich während einer humanitären Aktion in Linares. Wie „Caracol Radio“ berichtete, gelang es einer Delegation unter der Leitung von Álex González, dem Sekretär für Frieden und Sicherheit von Nariño, am 19. Oktober, über 300 Menschen aus verschiedenen Ortschaften zu evakuieren. Auf dem Weg nach Bella Florida geriet die Delegation jedoch unter Beschuss und musste die Aktion abbrechen, wodurch etwa hundert Einwohner keine Möglichkeit hatten, das Gebiet über den vorgesehenen humanitären Korridor zu verlassen.Die Ombudsstelle hatte bereits vor der zunehmenden Gewalt in Linares und Los Andes gewarnt. Dort kam es seit dem 17. Oktober zu Kämpfen zwischen der selbsternannten Gruppe Estado Mayor Central, die aus ehemaligen FARC-Dissidenten (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) besteht und das 2016 mit der kolumbianischen Regierung unterzeichnete Friedensabkommen abgelehnt hatte, und den Autodefensas Unidas de Nariño.Die Abriegelung schränkt den Zugang zu Lebensmitteln, Wasser, medizinischer Versorgung und anderen lebenswichtigen Dienstleistungen ein. Gleichzeitig verhindern die Kämpfe, dass Hilfsgüter die betroffenen Gebiete erreichen.Die Abriegelung schränkt den Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser, medizinischer Versorgung und anderen lebenswichtigen Dienstleistungen ein, während die Zusammenstöße die Ankunft von Hilfsgütern behindern.Die Aussetzung des Schulbetriebs verschärft die Folgen der Gewalt für die betroffenen Kinder und Jugendlichen noch weiter.
Aus diesen Gründen bekräftigt die Diözese, dass die Zivilbevölkerung aus den bewaffneten Auseinandersetzungen herausgehalten werden und angemessenen Schutz sowie Hilfe erhalten muss. „Wir fordern außerdem, dass humanitäre Hilfe sicher ankommen kann, ohne diejenigen zu gefährden, die sie leisten, und dass sie in erster Linie denjenigen zugutekommt, die sie am dringendsten benötigen“, betont der Bischof von Ipiales.
Eine gemeinsame Antwort zum Schutz der Gemeinschaften
„Wir bekräftigen unser Engagement, die Opfer und die Pfarrgemeinden zu begleiten, ihnen zuzuhören und gemeinsam mit ihnen für den Frieden zu arbeiten“, erklärt Bischof Grisales. Er fordert zudem Institutionen, humanitäre Organisationen und die Gesellschaft insgesamt auf, ihre Kräfte zu bündeln, damit die Familien angemessene Hilfe erhalten und die Menschenrechte wirksam geachtet werden.Dieses Engagement steht im Kontext einer Grenzregion, in der Gewalt, illegale Wirtschaftszweige und Kämpfe um die Kontrolle des Territoriums die Gemeinschaften auf beiden Seiten der Grenze zwischen Kolumbien und Ecuador treffen. Beim zweiten binationalen Treffen zur Grenzseelsorge, das Anfang Oktober in Tumaco stattfand, machten Vertreter von acht kirchlichen Diözesen gemeinsam mit der Caritas Ecuador und dem Nationalen Sekretariat für Sozialpastoral der kolumbianischen Caritas auf die Folgen dieser Entwicklungen für die Bevölkerung aufmerksam und forderten eine verstärkte Zusammenarbeit zum Schutz des Lebens und der Menschenrechte.Die teilnehmenden Gemeinden betonten, dass die Grenze nicht nur als eine Linie betrachtet werden darf, die zwei Länder trennt, sondern dass es sich um ein Gebiet handelt, das von indigenen Völkern, afrokolumbianischen und bäuerlichen Gemeinschaften, Familien und Migranten gemeinsam genutzt wird. In der Abschlusserklärung forderten sie die Koordinierung von Maßnahmen, die humanitären Schutz gewährleisten und zum Friedensaufbau beitragen können.
Der Aufruf der Diözese Ipiales fügt sich in diese Perspektive der Zusammenarbeit zwischen den Kirchen Kolumbiens und Ecuadors ein, die die gemeinsame Sorge um Menschen verbindet, deren Sicherheit bedroht ist, die ihr Zuhause verlieren oder auf Hindernisse beim Erhalt von Hilfe stoßen. Die Zusammenarbeit zwischen den Ortskirchen, den Institutionen und den humanitären Organisationen ist von grundlegender Bedeutung, um den betroffenen Gemeinschaften eine konkrete Hilfe zu bieten.
Abschließend erinnert Bischof Grisales an die Worte von Papst Leo XIV.: „Ich fordere alle auf, jede Form von Gewalt abzulehnen und entschlossen den Weg des Friedens zu wählen“, und vertraut seinen Wunsch dem Gebet an: „Der Friede des auferstandenen Christus, jener demütige und beharrliche Friede, von dem Papst Leo XIV. spricht, möge bald in jedes Haus gelangen.“
(Fides, 26/10/2026)