Eine verborgene Tragödie: Müttersterblichkeit in Kriegsgebieten besonders hoch

Mittwoch, 25 Februar 2026 gesundheitswesen   gewalt   frauen   kriege   mutterschaft  

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Genf (Agenzia Fides) – Der Schutz von Müttern wird in Kriegsgebieten zu einem dringenden, aber oft vernachlässigten Thema. Wo das Leben aller in Gefahr ist, geraten die Risiken und Schwierigkeiten, denen schwangere Frauen und ihre ungeborenen Kinder ausgesetzt sind, in Vergessenheit – eine weitere Folge der durch bewaffnete Konflikte ausgelösten Entmenschlichungsprozesse. Aus diesem Grund beklagte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich, dass bis zu 60 % der schwangerschaftsbedingten Todesfälle weltweit in Ländern auftreten, die Kriegsgebiete sind oder von starker politischer und sozialer Instabilität geprägt sind.

Die Müttersterblichkeitsrate (MMR – Maternal Mortality Ratio), die die Anzahl der Todesfälle von Müttern während Schwangerschaft und Geburt angibt, liegt in Kriegsgebieten bei 504 Todesfällen pro 100.000 Schwangerschaften.

Die internationale Organisation veröffentlichte zudem weitere Daten, um ein umfassenderes Bild der Situation zu zeichnen: In Ländern mit politischer Instabilität sinkt die Rate auf 368 Todesfälle pro 100.000 Schwangerschaften. Für Länder, die in keine der beiden Kategorien fallen, beträgt die MMR-Rate 99 Todesfälle pro 100.000 Schwangerschaften.

Ein weiterer Aspekt, der die Situation noch verschärft, betrifft Kriegsgebiete: Rund 10 % aller Frauen im gebärfähigen Alter leben dort. Dass sie Opfer sexueller Gewalt als Kriegswaffe werden und unter Umständen mit einer Schwangerschaft infolge einer Vergewaltigung zurechtkommen müssen, verdeutlicht die Risiken, denen Frauen in Kriegsgebieten aufgrund mangelnder Gesundheitsversorgung ausgesetzt sind.
Der Kontinent, auf dem das Problem am stärksten ausgeprägt ist, ist Afrika, wo sich laut WHO-Klassifizierung auf Basis von Weltbankdaten aus dem Jahr 2023 die meisten Konflikte konzentrieren. Am stärksten betroffen sind die Sahelzone und afrikanische Länder südlich der Sahara, wobei die Lage in der Demokratischen Republik Kongo und Mosambik besonders gravierend ist.

In afrikanischen Ländern südlich der Sahara liegt die Rate schwangerschaftsbedingter Todesfälle (MMA) sowohl in Kriegsgebieten als auch in Ländern mit sozialer Instabilität bei über 500 Todesfällen pro 100.000 Schwangerschaften. Weitere Regionen mit hoher MMA sind der Nahe Osten, Südasien und Südostasien. Im Nahen Osten konzentrieren sich die schwangerschaftsbedingten Todesfälle auf instabile Länder, in Südostasien hingegen auf Konfliktgebiete wie Afghanistan.

In einigen von Konflikten und chronischer Gewalt betroffenen Ländern wurden Maßnahmen ergriffen, um das Problem anzugehen. Die WHO hob diese Initiativen als mögliche Wege zur Eindämmung der Notlage hervor und berücksichtigte dabei die oft tragischen Umstände ihrer Umsetzung. In Kolumbien wurden Maßnahmen zur Stärkung des Netzwerks lokaler Gesundheitssysteme ergriffen, um sichere Geburten zu fördern. In Äthiopien wurde das Problem durch mobile Teams und die Ausbildung von Hebammen – ein bedeutender Beitrag des italienischen medizinischen Hilfswerks „Medici con l‘Africa-CUAMM“ zur Mütter- und Kinderversorgung – sowie durch die Verbesserung der Versorgung schwangerer Frauen angegangen. In Haiti, einem Land, das von einer katastrophalen sozialen Lage und anhaltender Gewalt geprägt ist, wurden ähnliche Anstrengungen unternommen, um die Versorgung schwangerer Frauen zu gewährleisten wie in Äthiopien.
(CG) (Fides 25/2/2026)


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