Foundation Archbishop Fulton Sheen
von Marie-Lucile Kubacki
New York (Fides) – Der künftige Selige eroberte Amerika nicht allein dank des Siegeszugs des Fernsehens. Seine Popularität entstand aus dem Zusammenspiel einer fundierten theologischen Ausbildung, einer Sprache, die das alltägliche Leben erreichte, und seiner Aufmerksamkeit für die tatsächlichen Fragen eines riesigen Publikums.
Als Fulton J. Sheen am 12. Februar 1952 zum ersten Mal im Fernsehen auftrat, hielt das neue Medium gerade Einzug in die amerikanischen Haushalte und begann, Gewohnheiten und den Rhythmus des Familienlebens zu verändern. Seine Sendung trug bezeichnenderweise den Titel Life Is Worth Living – „Das Leben ist lebenswert“ – und wurde zu einer konkurrenzstarken Sendezeit ausgestrahlt, parallel liefen Unterhaltungssendungen von Milton Berle und Frank Sinatra.
Auf den ersten Blick schien die Herausforderung unverhältnismäßig: keine Varieté-Show, keine spektakuläre Kulisse, keine aufeinanderfolgenden Gäste. Nur ein Bischof, ein Schreibtisch, einige Bücher, eine Statue der Madonna mit dem Kind und gelegentlich eine Tafel. Eine geradezu provokante Schlichtheit.
Und doch wurde die Sendung, wie Thomas Reeves in America's Bishop: The Life and Times of Fulton J. Sheen (Encounter Books, San Francisco, 2001) rekonstruiert, innerhalb weniger Wochen zu einem nationalen Phänomen. Der Sender DuMont erhielt jede Woche Tausende Briefe; die Anfragen nach Plätzen bei den Aufzeichnungen überstiegen die Verfügebarkeit bei Weitem; die Sendung wurde rasch auf weitere Stationen ausgeweitet. 1952 erhielt Sheen den Emmy als Fernsehpersönlichkeit des Jahres und setzte sich damit gegen bereits etablierte Stars der US-amerikanischen Unterhaltungsszene durch. In seiner Dankesrede warf er beiläufig ein: „Ich möchte meinen vier Autoren danken: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes“, und nannte damit die Namen der vier Evangelisten.
Der „Fall Fulton Sheen“ lässt sich jedoch nicht allein durch den Reiz einer Persönlichkeit erklären, die von Natur aus „telegen“ war, durch seine unverwechselbare Stimme, seinen direkten Blick in die Kamera oder sein über Jahrzehnte des Predigens gereiftes bühnenwirksames Auftreten. Das Medium bot eine außergewöhnliche Gelegenheit; was den Erfolg nachhaltig werden ließ, war der Gehalt dessen, was er sagte.
Einfachheit ist nicht gleich Vereinfachung, sondern das Ergebnis intensiver Arbeit
Sheen betrachtete das Fernsehen nicht als ein einfaches Mittel, um das Christentum „moderner“ oder „angesagter“ erscheinen zu lassen. Vielmehr sah er darin einen Ort, an dem der Glaube sich mit Verstand und ohne Angst den Unruhen und Fragen der Moderne stellen konnte. Dass jeder seiner Beiträge scheinbar mühelos dahinfloss wie das Wasser eines Flusses, war das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit. Für seine Radiosendungen der 1930er-Jahre veranschlagte er nach Reeves’ Angaben vierzig bis sechzig Stunden Vorbereitung; jeder Fernsehsendung widmete er etwa dreißig Stunden. „Ein guter Redner zu sein“, erklärte er, „besteht zu zehn Prozent aus Vortrag und zu neunzig Prozent aus Denken, Studium, Mühe und harter Arbeit.“ Er las keinen fertigen Text vor der Kamera vor und nutzte auch keinen Souffleur: Er erstellte zahlreiche Entwürfe, überarbeitete und verwarf sie, bis ihm die Struktur des Arguments innerlich vertraut geworden war. Daraus resultierte jene Natürlichkeit, die viele Zuschauer für Improvisation hielten.
Vor dem Fernsehen gab es das Radio. Sheen debütierte dort schon 1928 und wurde ab 1930 zu einer vertrauten Stimme der Catholic Hour, einer landesweiten Sendung, die in den Vereinigten Staaten ins Leben gerufen wurde, um die katholische Lehre bekannt zu machen und ein freundschaftlicheres Verhältnis zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu fördern. Seine Reden, die zuvor der Prüfung durch die kirchlichen Behörden unterzogen wurden, waren kurz, aber äußerst gehaltvoll. Im Jahr 1933 wurde die Sendung von 54 NBC-Stationen ausgestrahlt; etwa dreitausend Briefe trafen jeden Monat ein, und bereits mehr als 1,3 Millionen gedruckte Exemplare seiner Beiträge waren verteilt worden. Die Zahl der Stationen ist 1940 auf 106 gestiegen, und die Nachdrucke der Reden der gesamten Reihe hatten Millionenauflagen erreicht.
Dennoch bot Sheens Radio leider keine Flucht aus der Wirklichkeit und keine leichte „Unterhaltung“. Es befasste sich mit der Wirtschaftskrise, der Freiheit, der Würde der Arbeit, dem Krieg, dem Frieden, dem Leid, dem Verhältnis von Glauben und der Vernunft sowie mit den Ideologien seiner Zeit. Befasste er sich etwa mit Faschismus und Kommunismus, dann hob er eine Gemeinsamkeiten hervor: Beide neigten dazu, den Menschen im Staat aufzulösen und ihn allmählich seiner Freiheit und Verantwortung zu berauben. Seine Formulierungen konnten kraftvoll sein und spiegelten die Auseinandersetzungen jener historischen Epoche wider, doch der rote Faden war die Verteidigung des Menschen als Geschöpf, das zu Gott berufen ist, und nicht als Rädchen in einem politischen oder wirtschaftlichen Machtapparat.
Der wahre Protagonist der Evangelisierung ist nicht der Star-Moderator, sondern der Heilige Geist
Diese Entscheidung prägte auch seine Arbeit im Fernsehen.
Life Is Worth Living war nicht als konfessioneller Vortrag für ein bereits überzeugtes Publikum gedacht. Vor jedem Beitrag stellte er sich zwei Fragen: Was ist das Ziel der Sendung, und welchen Eindruck werden Nichtkatholiken davon gewinnen? Die erste beantwortete er mit den Worten des Apostels Paulus: „Christus als den Gekreuzigten“ zu verkünden. Hinsichtlich der zweiten Frage sah er eine konkrete kulturelle Verantwortung: Nicht mit Selbstverteidigung auf Verzerrungen des Katholizismus zu reagieren, sondern dessen Realität und Vernünftigkeit von innen heraus aufzuzeigen.
Sheen beschrieb seine Methode mit folgenden Worten: „Ausgehend von dem, was dem Publikum und mir gemeinsam war, ging ich allmählich vom Bekannten zum Unbekannten oder zur moralischen und christlichen Philosophie über.“ Aus diesem Grund versuchte er nicht, Zustimmung zu erzwingen. „Es gab niemals einen Versuch zu dem, was man Proselytismus nennen könnte“, bemerkte er; es lag am Zuschauer selbst zu erkennen, ob das Gehörte einer Leere, einer Frage oder einem Bedürfnis entsprach, das in seinem eigenen Leben vorhanden war. Das Licht, das einen Menschen erreichen konnte, so fügte Sheen hinzu, sei das Werk des Heiligen Geistes und nicht seines.
Der Ausgangspunkt war oft erstaunlich konkret. Er sprach über Müdigkeit und darüber, wie man mit ihr umgehen kann; über Langeweile bei der Arbeit; über die Erziehung von Jugendlichen; über Einsamkeit; über Charakter; über Freiheit; über die Angst, die durch Krieg und die atomare Bedrohung hervorgerufen wurde. Oft begann er mit einer Anekdote oder einem Witz, manchmal bewusst einfach gehalten, um die Distanz zwischen dem Bischof und den Zuhörern zu Hause zu überwinden. Dann änderte sich der Ton der Ansprache: Von der Ironie ging es über zur moralischen Diagnose, von der alltäglichen Erfahrung zur Frage nach dem Schicksal des Menschen, bis hin zum christlichen Angebot. Es war eine Art anzuerkennen, dass die Verkündigung des Evangeliums auf Menschen trifft, von denen jeder seine eigene Geschichte und seine ganz eigenen Fragen hat. Bei diesen Fragen reduzierte Sheen den Horizont des Glaubens nicht auf ein Repertoire an spontanen psychologischen Ratschlägen; er nahm sich Zeit zum Zuhören und zeigte, dass die Sakramente, das Gebet, das moralische Leben und die Gnade mit einem erfüllten Leben zu tun haben.Seine abschließende Formulierung „God love you“, nachdem er über Konflikte, Misserfolge und Unruhe gesprochen hatte, versetzte den Zuschauer in eine Haltung der Kontemplation über die Barmherzigkeit Gottes.
Man kann ein breites Publikum erreichen und dabei auf anspruchsvolle theologische und kulturelle Bezüge zurückgreifen
Fulton Sheen hatte eine umfassende Ausbildung erhalten
Als Professor für Philosophie an der Catholic University of America und zugleich in Löwen ausgebildet, verfügte er über fundierte Kenntnisse der thomistischen Tradition. Seine Reflexion speiste sich aus der christlichen Metaphysik und Anthropologie, aus der Schöpfungslehre sowie aus der Anerkennung der Realität der Erbsünde, der persönlichen Freiheit und der transzendenten Bestimmung des Menschen. In seinen Werken und Sendungen war der heilige Thomas von Aquin der Schlüssel zur Unterscheidung zwischen Vernunft und Reduktionismus, Freiheit und Willkür, Hoffnung und politischer Utopie.
Doch seine Bildung blieb nicht auf den theologischen Bereich beschränkt. Um ein vielfältiges Publikum zu erreichen, verstand es Sheen, eine Vielfalt literarischer, historischer, philosophischer und wissenschaftlicher Bezüge auf anspruchsvolle Weise heranzuziehen. Seine Nähe zu G. K. Chesterton, die ihm in England den Beinamen „amerikanischer Chesterton“ einbrachte, zeigt eine der offensichtlichsten Gemeinsamkeiten: die Vorliebe für das Paradoxon, eine Apologetik, die zum Staunen fähig ist, sowie die Überzeugung, dass das Christentum die Realität nicht einschränkt, sondern verständlicher macht. In seinen Beiträgen erschienen auch Platon und Aristoteles, Augustinus und Dante Alighieri, Blaise Pascal und John Henry Newman, Shakespeare und Charles Dickens sowie Gestalten des modernen Denkens wie Søren Kierkegaard oder Carl Gustav Jung. Wenn er Wissenschaft, Technik und den Atomkrieg thematisierte, scheute er sich nicht, Demokrit, Albert Einstein, Leo Szilard, den Physiker und Astronomen James Jeans, den Genetiker Hermann J. Muller, Winston Churchill und sogar Alexander den Großen zu zitieren oder auf sie Bezug zu nehmen...
Diese Bandbreite an Bezügen hatte nichts mit der gelehrten Zurschaustellung des „Name Dropping“ zu tun. Sheen nutzte Kultur als Brücke. Er machte seinen Zuhörern klar, dass der christliche Glaube mit der antiken Philosophie, der Literatur, der wissenschaftlichen Forschung und dem politischen Drama des 20. Jahrhunderts in Dialog treten konnte.
Ausgangspunkt war die Vorstellung, dass ein breites Publikum an komplexe Fragen herangeführt werden kann, wenn der Vermittler den Wissenshorizont berücksichtige und begleitende Worte, Bilder und Gedankengänge fände. Das war das genaue Gegenteil einer vermeintlich „modernen“ Kommunikation, die von den sozialen Medien geprägt ist und auf Schlagzeilen und schockierende Formulierungen setzt, wobei der Erfolg eines Artikels oder einer Sendung allein an der Klickzahl bemessen wird. Sheen gefielen derartige Parolen und abgedroschene Phrasen nicht.
Massenkommunikation und die Begegnung mit dem Einzelnen
Der Erfolg Sheens beruhte auch auf Dialog und Begegnung. In den Jahren der „Catholic Hour“ sah die Sendung einen langen Abschnitt vor, der den Fragen der im Studio anwesenden Zuhörer und spontanen Antworten gewidmet war. Es gingen Briefe mit Bitten um Klarstellung, persönlichen Fragen, Glaubensfragen und Hilferufen ein. In den 1940er Jahren erforderte der enorme Briefverkehr Sekretärinnen und spezielles Personal; Sheen diktierte täglich Hunderte Antwortschreiben. Den Menschen, die um religiöse Unterweisung baten, widmete er persönliche Zeit, oft Dutzende Stunden. Massenkommunikation bedeutete für ihn keineswegs das Ende der Begegnung mit dem Einzelnen. Im Gegenteil: Sie ging von der Begegnung mit dem Einzelnen aus, und gerade diese Begegnung erreichte die Masse – dank der Faszination, die aus der Authentizität dieser einzigartigen Begegnungen hervorging – also von der medienpastoralen Erfahrung.
Sein gesamtes Wirken und all seine Aktivitäten entsprangen einem wirklichen Leben im Gebet und einer innigen Beziehung zu Gott. Vor jeder Sendung hielt Sheen inne und betete schweigend. Dann betrat er die Bühne mit einer fast theatralischen Disziplin: kontrollierte Zeitabläufe, zurückhaltende Gesten, wohlüberlegte Pausen, der Einsatz seiner Stimme, den Blick direkt auf die Kamera gerichtet. Für ihn war die Kamera die Schwelle zu einem Haus und damit auch zu einem Bewusstsein. Seine Fähigkeit, „zu allen zu sprechen“, ergab sich aus der Entscheidung, niemanden mit vorgefertigten Formeln oder identitätsstiftenden Gegensätzen zu demütigen. Da er die Mission hochschätzte, war er der Ansicht, dass der christliche Kommunikator weder ein Produkt verkauft noch zu seinem eigenen Ruhm arbeitet, sondern Christus verkündet … was bedeutet, noch höhere Ansprüche an sich selbst zu stellen, um die Kraft des Auferstandenen nicht zu behindern. Die Einnahmen und die öffentliche Aufmerksamkeit der Sendungen waren mit der Unterstützung der Missionswerke durch das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung (Society for the Propagation of the Faith) verbunden.
Der Fernsehboom ermöglichte Fulton Sheen den Einzug in Millionen Haushalte. Doch es war nicht allein die Technologie, die ihm Gehör verschaffte. Seine Stimme fand Anklang, weil er das Publikum weder als ein Publikum behandelte, das es zu erobern galt, noch als eine Masse, der man nur ein paar einfache Floskeln zuwerfen musste, sondern als eine Gemeinschaft von Menschen und Gesichtern, die es ernst zu nehmen galt: bereit, sich hinterfragen zu lassen, geprägt von authentischen Fragen, offen für die Wahrheit.
In dieser Verbindung aus intellektueller Gründlichkeit, persönlichem Charisma, gelebtem Glauben und der Aufmerksamkeit für die Sehnsüchte des menschlichen Herzens liegt vielleicht der tiefste Grund für seinen einzigartigen medialen Erfolg.
(Agenzia Fides, 7/9/2026)