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Rimini (Fides) – „Die Kirche betreibt keine Proselytismus. Sie entwickelt sich vielmehr durch Anziehung.“ Papst Leo XIV. erinnerte an diesen Ausspruch Benedikts XVI., den auch Papst Franziskus immer wieder aufgreift, um zu verdeutlichen, wie die apostolische Sendung, die Christus seiner Kirche anvertraut hat, gänzlich auf der Anziehungskraft Christi selbst beruht, darauf, dass er – auch heute noch und durch die gesamte Geschichte hindurch – die Freiheit und die Herzen der Menschen zu allen Zeiten gewinnt.
Dies sagte er Ansprache an die Teilnehmer des 47. „Meetings für die Freundschaft unter den Völkern“ auf im Messezentrum von Rimini, einer traditionellen Veranstaltung, die jeweils Ende August von Mitgliedern der Bewegung „Comunione e Liberazione“ in der Stadt der Emilia Romagna ausgerichtet wird. Pater Luigi Giussani, der lombardische Priester und Gründer dieser Bewegung, hatte bereits 1999 ein Buch mit dem Titel „Die Anziehungskraft Jesu“ veröffentlicht.
Der “Realismuns der Barhmherzigkeit” in Zeiten der Aufrüstung
Der Papst bezog sich auf den für dieses Jahr gewählten Titel des Meetings aus dem letzten Vers von Dantes „Göttlicher Komödie“: „Die Liebe, die die Sonne und die anderen Sterne bewegt“. Diese Liebe, so Leo XIV., „hat weder an Kraft noch an Intensität verloren“, auch wenn sie oft im Stillen wirkt, fernab vom Lärm der Gewalt und der Konflikte, die die Welt erschüttern.
Das „Meeting“, erinnerte der Papst, sei nicht als „eine Art Enklave“ gedacht gewesen, sondern vielmehr „ein Knotenpunkt für Kirche und Gesellschaft, eine Begegnung, die zu weiteren Begegnungen führt und zu neuen Wegen anregt“.
In einer von Konflikten, Spaltungen und Angst geprägten Welt betonte Leo XIV. die prophetische Bedeutung, die vor fast einem halben Jahrhundert in ihrem Namen angelegt wurde: „Meeting für die Freundschaft unter den Völkern“. In Anlehnung an den heiligen Johannes Paul II. hob er den Wert von Worten wie „Begegnung“, „Freundschaftliche Begegnung“ und „Freundschaft unter den Völkern“ hervor, die in den oft dramatischen Stunden der Weltgeschichte eine besondere Bedeutung erhalten.
Der Frieden, so erklärte er, „wird von Menschen bewahrt und verbreitet, die gerne zusammenkommen und keine Scheu hben, sich auseinanderzusetzen“. Der Papst verwies anschließend auf die „soziale Freundschaft“, die Papst Franziskus in der Enzyklika „Fratelli tutti“ als das „öffentliche, dynamische und konkrete Gesicht der Geschwisterlichkeit“ darstellt.
Mit Worten, die unweigerlich an die Kriege unserer Zeit erinnern, mahnte der Bischof von Rom: „Das Böse kann man nicht mit Bösem bekämpfen.“ „Dem falschen Realismus, der die Gedanken, die Worte und die Nationen wiederbewaffnet“, fügte er hinzu, „muss die katholische Kultur heute den Realismus der Barmherzigkeit entgegenstellen“, für den auch die Gegner „Brüder und Schwestern sind, deneneir in die Augen schauen und in der Wahrheit begegnen müssen“, bekräftigte er. „Die Sünde existiert, gewiss, aber stärker ist die erlösende Liebe Christi, die uns dazu verpflichtet, Gedanken, Interessen, Gewohnheiten, Bekanntschaften, Pläne, Investitionen – jeden Aspekt des Lebens – von allem zu reinigen, was die Kultur der Macht verdorben hat.“
Der Papst forderte daher dazu auf, „das Zusammenleben vom Misstrauen, die Kultur von Überheblickeit, die Bildung von der Ideologie, die Arbeit vom Götzendienst des Profits, die Technologie und die Finanzwelt von den Geschäften des Todes“ zu befreien und den technologischen Fortschritt zu „entwaffnen“, wenn er überhandnimmt und zerstörerisch wird.
Ein Schatz in zerbrechlichen Gefäßen
In seiner Ansprache zitierte der Papst mehrmals Don Giussani und erinnerte an die Leidenschaft des Priesters für die Begegnung junger Menschen mit Christus. „Eure die Bewegung, eure Gruppen und Gemeinschaften“, mahnte der Nachfolger Petri, insbesondere an die vielen jungen Zuhörer und die freiwilligen Helfer der Versammlung gewandt, „sollen Sprungbrett sein, von dem aus ihr in die ganze Wirklichkeit eintaucht.“ Der Papst erinnerte sie auch daran: „In der Liebe gibt es niemals Zwang, Indoktrination, niemals Verführung, Täuschung oder Rekrutierung. Liebe gibt es nur in der Freiheit, in der lebendigen Begegnung, in der großzügigen Selbsthingabe.“
In diesem Kontext stellte der Papst die Mission als Zeugnis und Attraktivität dar und bekräftigte: „Der Wahrheit begegnen wir nur in der Freiheit“. Leo XIV. wiederholte die bereits seinen Vorgängern vertraute Formel: „Die Kirche betreibt keinen Proselytismus. Sie entwickelt sich vielmehr durch Anziehung.“ Diese Dynamik ignoriert nicht die Zerbrechlichkeit der Zeugen Christi, sondern schließt sie ein: „Wir müssen zugeben“, sagte der Papst, „dass wir diesen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen tragen.“ Doch „es ist der Herr, der uns immer wieder aufrichtet, als Einzelne und als Gemeinschaft.“
Im Schlussteil seiner Rede rief der Papst dazu auf, die Einheit der „Gemeinschaft“ zu bewahren, in der Christus sich seinen Jüngern zuwendet und sie an sich zieht.
Leo XIV. verknüpfte daraufhin Einheit, Synodalität und Mission. „Wir haben die synodale und missionarische Dimension unseres Kircheseins wiederentdeckt, die uns vor allem dazu aufruft, einander zuzuhören“, erklärte er und lud dazu ein, auf das Wort Gottes, auf die anderen Mitglieder der Kirche und auf all jene zu hören, die die Wahrheit suchen, auch wenn sie nicht der kirchlichen Gemeinschaft angehören. „Synodalität ist nicht der Name eines Prozesses, sondern das Wesen eines Volkes, das in Freundschaft und in der Begegnung mit anderen erkennt, dass es einzig und allein Gott gehört.“
(GV) (Fides 22/8/2026)