Von Kardinal Dominique Joseph Mathieu Ofm Conv*
Rom (Fides) – Ich möchte mit euch meine diesjährige Ostererfahrung teilen, die von der Wahrnehmung der Relativität der Distanz geprägt war – zwischen Nähe und Ferne.
Ich befinde mich weit entfernt von euch, der mir anvertrauten Herde, getrennt durch die Ereignisse des Krieges, in der Hoffnung, euch bald wiederzusehen. Doch ich habe in der heiligen Nacht die Osternacht gefeiert und euch alle im Herzen getragen: fern von meiner Herde, aber gerade deshalb auf geheimnisvolle Weise jedem von euch nahe.
Ich habe unter der Kuppel des Petersdoms gefeiert, im Zeichen der Weltkirche, in sichtbarer Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit der gesamten katholischen Gemeinschaft. Nah beim Hirten der Kirche und doch fern von der Herde, die mir der Herr anvertraut hat. Doch gerade diese Situation ist mir gegeben, damit ich lerne, die Ferne nicht als unüberwindbare Trennung zu erleben, sondern als eine Brücke, die in Christus verbindet.
In der Gemeinschaft der Heiligen und durch die Gnade der Sakramente, insbesondere die Eucharistie, sind wir wirklich vereint, auch wenn wir dies nicht sichtbar sein können. Was den Augen als Entfernung erscheint, wird im Glauben zur Gemeinschaft.
Wir feiern die Osternacht nach Sonnenuntergang am Samstag, wenn nach biblischer Tradition der neue Tag beginnt: eine Grenze zwischen Nacht und Licht. Es ist eine Nacht, die von einem reflektierten Licht erhellt wird, wie das des Mondes, das an die Jungfrau Maria erinnert. So wie der Mond das Licht der Sonne widerspiegelt, so verweist sie auf die Quelle allen Lebens: ihren Sohn, Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch.
Das Evangelium nach Matthäus führt uns zum Morgengrauen des ersten Tages der Woche. Die Frauen begeben sich zum Grab, wo der Leib des Herrn beigesetzt worden war. Die Männer hatten getan, was ihnen möglich war, indem sie ihm ein Begräbnis vollzogen; die Frauen bringen das zum Ausdruck, was aus dem Herzen kommt: Mitgefühl, Treue, beharrliche Liebe auch angesichts des Todes.
Und siehe, da geschah ein großes Erdbeben. Ein erschütterndes Zeichen, das die Erde und die Herzen erschüttert, das die Verschlossenheit des Schmerzes durchbricht und den Weg für die Offenbarung Gottes ebnet. Ein Engel des Herrn steigt vom Himmel herab, wälzt den Stein beiseite und setzt sich darauf: Was endgültig verschlossen schien, wird durch die göttliche Macht geöffnet. Die Wächter, die den Tod bewachen sollten, waren wie tot.
Der Engel sagt zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden… er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen“. Und er besiegelt die Verkündigung: „Siehe, ich habe es euch gesagt.“ Es ist die Erfüllung der Hoffnung: Was als letztes Ereignis erwartet wurde, offenbart sich in der Geschichte. Wie Marta von Betanien sagte: „Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag“.
Diese „zukünftige“ Auferstehung muss mit dem bereits gegenwärtigen Geheimnis in Verbindung gebracht werden: der Auferstehung, die durch die Kraft der Gnade im Leben des Gläubigen wirkt. Im auferstandenen Christus hat das neue Leben bereits begonnen, auch wenn es noch Zeiten der Prüfung durchläuft.
Die Frauen, die das Grab – Erinnerung an Tod und Finsternis – eilig verlassen haben, treten aus der Nacht in den Tag. Sie gehen voll Ehrurcht und großer Freude: keine lähmende Angst mehr, sondern heilige Furcht, die den Glauben öffnet. Das ist die Haltung des neuen Lebens.
Und noch bevor sie den Jüngern begegnen, kommt Jesus selbst ihnen entgegen. Mit den Worten „Friede sei mit euch!“ macht er sich gegenwärtig, lebendig und wahr. Sie nähern sich ihm, umarmen seine Füße und beten ihn an: eine konkrete Geste, die die Wirklichkeit der Auferstehung bezeugt und den Glauben der Kirche begründet. Der Gekreuzigte ist der Auferstandene: Der, der fern schien, offenbart sich als ganz nah, zugänglich im Glauben und in den sakramentalen Zeichen.
Er, der den Tod besiegt hat, sendet sie aus: „Geht und verkündet meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen; dort werden sie mich sehen.“ Galiläa ist der Ort des Anfangs, der Berufung, des konkreten Lebens: Dort erwartet der Auferstandene die Seinen.
Meine Lieben, auch für uns gibt es ein „Galiläa“: Es wird der Tag sein, an dem wir uns, so Gott will, wiedersehen können. Aber schon jetzt weiß ich, während ich unter dieser Kuppel bin, die an die Einheit der Kirche erinnert, und während ich fern von euch bin, dass wir in Christus real vereint sind.
In Christus, dem Lebendigen und Auferstandenen, verwandeln sich Nähe und Distanz. Es bleibt nur Er, der uns vereint, uns bewahrt und uns führt, bis wir wieder als eine einzige Herde unter einem einzigen Hirten zusammen sein können.
(Fides 6/4/2026)
* Erzbischof von Teheran-Ispahan