AMERIKA/PARAGUAY - Bischöfe schreiben “offenen Brief” an die Behörden: Rechte der indigenen Völker, Agrarreform und Gemeinwohl stehen im Mittelpunkt

Dienstag, 30 November 2021 eingeborene   bauern   menschenrechte     vertriebene   Ökologie   wirtschaft   bischofskonferenzen  

Asuncion (Fides) - "Wir fordern, dass die Rechte der indigenen Völker und die Gesetze, die sie garantieren, respektiert werden; wir fordern, dass dem Recht auf Land und Eigentum für alle Paraguayer Priorität eingeräumt wird; wir empfehlen die Dringlichkeit, das Gemeinwohl als Grundlage für den sozialen Frieden zu fördern und zu schützen“. Diese Forderungen enthält der "offenen Brief" des Ständigen Rat der Bischofskonferenz von Paraguay an die staatlichen Behörden.
„Wir wenden uns an Sie, um unsere tiefe Besorgnis über die Zwangsräumungen und die drohende Vertreibung von indigenen und bäuerlichen Gemeinschaften in verschiedenen Gebieten des Landes zum Ausdruck zu bringen", schreiben die Bischöfe. „Die jüngsten Vorkommnisse lösen Empörung aus, und wir fordern die staatlichen Behörden auf, die Rechte der einheimischen Bevölkerung in unserem Land und das Recht unserer Landsleute auf Land zu schützen". Unter Hinweis auf die Grundprinzipien der Verfassung in Bezug auf Gerechtigkeit, Gleichheit vor dem Gesetz und die Rechte und Pflichten der Bürger fordern die Bischöfe, dass "die durchgeführten Maßnahmen überprüft werden" und dass vor allem "das Leben der Schwächsten geschützt wird, indem sichergestellt wird, dass sie bei ihren legitimen Ansprüchen oder bei Streitigkeiten über Eigentumskonflikte nicht zu Gunsten der wirtschaftlichen Macht anderer geschädigt oder verzögert werden".
Die Bischöfe erheben ihre Stimme, "um daran zu erinnern, dass das Gesetz den Gesetzgeber ebenso bindet wie alle, die seiner Rechtsprechung unterstehen", und dass jeder Akt, der "den Sinn und die Anwendung der Vorschriften der nationalen Verfassung und die Gültigkeit der Gesetze untergräbt, den Glauben an die Gesetze und ihre Autoritäten entheiligt".
Die Behörden sollen die Rechte der indigenen Völker respektieren, um "Gleichheit und Nichtdiskriminierung, Autonomie, Zugang zur Justiz unter Beachtung des indigenen Gewohnheitsrechts, Schutz ihrer Territorien und der natürlichen Ressourcen für ihren Lebensunterhalt" zu gewährleisten. Deshalb fordern die Bischöfe eine Agrarreform, die Förderung bäuerlicher Familienbetriebe und Initiativen zum Schutz der Ökologie in einer gesunden, nachhaltigen und solidarischen Wirtschaft. "Es ist an der Zeit, dem Elend, der extremen Armut und den Praktiken, die dem sozialen Zusammenhalt, dem Gemeinwohl und der Gesundheit in unserem gemeinsamen Haus schaden, ein Ende zu setzen", betonen sie. „In diesem Zusammenhang halten wir es für sinnvoll zu prüfen, ob die jüngste Änderung des Strafgesetzbuchs aufgehoben oder mit Mechanismen zur Kontrolle und zum Dialog überarbeitet werden muss“, fügen sie hinzu.
Abschließend bekräftigt der Brief der Bischöfe, dass "wir in einer politischen und sozialen Kultur des Dialogs zwischen Brüdern und Schwestern wachsen und die Begegnung fördern müssen, die dazu beiträgt, einen Konsens und Vereinbarungen zu finden, die eine gerechte, harmonische und volle Gesellschaft gewährleisten, in der es keine Ausgrenzungen oder ungerechten Unterschiede gibt". In den Tagen, in denen die Jungfrau von Caacupé, die Schutzpatronin Paraguays, gefeiert wird, fordern die Bischöfe die Behörden auch dazu auf, "sich der vielen Nöte bewusst zu werden, die wir durch die Pandemie erfahren haben, und die geeigneten Entscheidungen zum Wohl aller Menschen in Paraguay zu treffen ".
(SL) (Fides 30/11/2021)


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