ASIEN - Corona-Pandemie: Der Bitte um globalen Waffenstillstand wird in Südostasien kaum Folge geleistet

Mittwoch, 15 April 2020   uno   papst franziskus     kriege  

Yangon (Fides) - Die schwelenden Konflikte halten in verschiedenen Teilen Südostasiens trotz der Bitte um einen globalen Waffenstillstand während der Zeit der Corona-Krise an. Acht Zivilisten wurden am 13. April bei Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und der Arakan-Armee in einem Dorf im birmanischen Bundesstaat Rakhine in Myanmar getötet. Und nur einen Tag zuvor, am 12. April, explodierte in der Stadt Muse im Bundesstaat Shan ein Sprengsatz, der ein Gebäude und ein Auto beschädigte, ohne jedoch Todesopfer zu fordern. Dies sind die jüngsten Anzeichen dafür, dass die blutigen Konflikte trotz der Bitte um einen globalen Waffenstillstand, den der UN-Generalsekretär Antonio Gutierres auf den Weg gebracht hatte und dem sich am 29. März auch Papst Franziskus offiziell anchloss, andauern, obwohl sich die ganze Welt mit den Herausforderungen der Bewältigung der Corona-Krise konfrontiert sieht.
 In Südostasien war die Resonanz auf den Appell gemischt. Die birmanische Armee, lehnte das Angebot einer Waffenruhe ab, das verschiedene birmanische Organisationen der Zivilgesellschaft und einige Guerillagruppen, darunter die Karen National Union, die Karenni National Progressive Party, die Ta'ang National Liberation Army und die Myanmar Democratic Alliance Army und die Arakan Armee auf den Weg gebracht hatten. Letztere wurde erst kürzlich zur "Terrororganisation" erklärt, weshalb die Polizei einige Journalisten festnahm, die Interviews mit dem Sprecher der Gruppe geführt hatten. Die Armee ignorierte schließlich auch einen am 1. April von der Europäischen Union und 17 anderen Botschaften in Yangoon – darunter auch die dipolomatische Vertregung Amerikas -, unterzeichneten Aufruf, in dem die Forderung der Vereinten Nationen nach einem Waffenstillstand unterstützt wurde. Und dies vor dem Hintergrund der vielen Vertriebenen in den Flüchtlingslagern von Rakhine, woe Ansteckungsherde möglich sind, und wo angesichts der bewaffnete anhaltenden Konfrontation mit Luftangriffen, sehr besorgniserregend sind.
 Im benachbarten Thailand ignorierte das Militär die einseitige Ankündigung eines Waffenstillstands im Süden des Landes durch die separatistische Guerilla der „Barisan Revolusi Nasional“, die eine Einstellung der militärischen Aktivitäten angekündigt hatte, um die Bewältigung der Covid-19-Krise zu erleichtern.
Auch auf den Philippinen bleibt die Situation prekär: Als Reaktion auf den Aufruf der Vereinten Nationen erklärte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte bis zum 15. April einen Waffenstillstand mit der Nationaldemokratischen Front, dem bewaffneten Flügel der Kommunistischen Partei der Philippinen und die Rebellen waren auf den Vorschlag zunächst eingegangen; doch bereits am 29. März meldete Malacañang einen Waffenstillstandsverstoß nach einem Zusammenstoß zwischen Rebellen und Soldaten in Barangay Puray im Stadtgebiet von Rodriguez in der Provinz Rizal, wenige Kilometer von Quezon City entfernt.
 Die "Philippine Ecumenical Peace Platform" (PEPP), die katholische Bischöfe und Vertreter evangelikaler und protestantischer Kirchen umfasst, begrüßte den bilateralen Waffenstillstand und stellte fest, dass "Frieden in diesen schwierigen Zeiten äußerst notwendig ist", insbesondere um angemessen mit der COVID-19-Pandemie umgehen zu können. Christliche religiöse Führer hoffen deshalb, dass "einseitige Waffenstillstandserklärungen von jeder Seite respektiert werden", und drücken die Hoffnung aus, dass "der kurze Waffenstillstand es beiden Seiten ermöglichen wird, den Beginn von Friedensgespräche in nächster Zukunft in Betracht zu ziehen“.
(MG-PA) (Fides 15/4/2020)


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