KungKaoPo
Von Marta Zhao
Chengdu (Fides) – Eine Reflexion, die auf dem Wissen um die „Sinisierung der Religionen“ beruht, sei wesentlich konstruktiver als eine Ablehnung aus Unwissenheit. So umschrieb Kardinal Stephen Chow Sau-yan, Bischof von Hongkong, die wichtigsten Kriterien für die Auseinandersetzung mit der Frage der „Sinisierung“, die auch für die kirchlichen Entwicklungen in der Volksrepublik China relevant ist. Er tat dies während eines Besuchs in der Provinz Sichuan auf dem chinesischen Festland, bevor er nach Rom weiterreiste, um gemeinsam mit den Bischöfen von Hongkong und Macau am „Ad Limina“-Besuch teilzunehmen. Die Bischöfe wurden am Donnerstag, dem 18. Juni, zusammen mit den Bischöfen von Macau von Papst Leo XIV. in Audienz empfangen.
Peter Choy Wai-man, Generalvikar der Diözese Hongkong, besuchte zusammen Kardinal Chow die chinesische Provinz Sichuan und teilte seine Eindrücke später in der diözesanen Wochenzeitung KungKaoPo. „Ich konnte tiefer verstehen“, so Bischof Choy, „wie die Kirche in Sichuan die ‚Sinisierung‘ praktiziert… Sie sollte daher nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als Chance gesehen werden, das Evangelium zu verkünden und im heutigen China Zeugnis vom Glauben abzulegen.“ Auf der Reise nach Sichuan leitet Kardinal Chow eine elfköpfige Delegation, die Anfang Juni eine Woche in der Provinz verbrachte. Die Teilnehmer trafen sich mit fünf Bischöfen der Provinz (Bischof Tang Yuange von Chengdu, Bischof Luo Xuegang von Yibin, Bischof Lei Shiyin von Leshan, Bischof Chen Gong’ao von Nanchong und Bischof Lei Jiapei von Xichang) und konzelebrierten mit ihnen auch bei einerEucharistiefeier. Die Reise beinhaltete auch einen Besuch des katholischen philosophisch-theologischen Seminars der Provinz Sichuan, Treffen mit Priestern, Nonnen, Seminaristen und Laien und bot eine wertvolle Gelegenheit, ihr Verständnis der Situation der örtlichen Kirche zu vertiefen.
Alle Mitglieder der Delegation bestätigten, dass junge Seminaristen, Priester und Ordensschwestern eine Quelle der Hoffnung für die Ortskirche darstellen. Kardinal Chow bekräftigte nach seinem Besuch im Priesterseminar: „Die Jugend ist wahrlich die Hoffnung der Kirche und des Landes; wir müssen uns um sie kümmern und sie sorgfältig ausbilden.“ Diese Reise, so fügte er hinzu, „bot uns zahlreiche Gelegenheiten, die ‚Sinisierung der Religionen‘ in der Kirche besser zu verstehen. Eine auf Wissen basierende Reflexion ist wesentlich konstruktiver als eine auf Unwissenheit beruhende Ablehnung. Diese Erfahrungen bilden eine wertvolle Grundlage für den fortgesetzten Dialog und Austausch. Dies ist auch eine unerlässliche Voraussetzung für die Verwirklichung von Einheit in Vielfalt.“
Weihbischof Joseph Ha Chi-shing erklärte ebenfalls, dass ihm die Reise ermöglicht habe, sich aus erster Hand ein Bild von der Situation in den fünf Diözesen Sichuans und der Umsetzung der nationalen Religionspolitik zu machen. „Wir haben Freundschaften mit fünf Bischöfen geschlossen, die den künftigen Austausch zwischen den Kirchen fördern werden… Am meisten beeindruckte mich die Begegnung mit zahlreichen jungen Priestern, Ordensschwestern und Seminaristen. Sie alle gehen mit Begeisterung an ihre Berufung heran. In ihnen kann man die Gnade Gottes und die Hoffnung der Kirche erkennen.“
Bischof Peter Choy betont in diesem Zusammenhang: „Einerseits hatte ich die Gelegenheit, mit den fünf Bischöfen von Sichuan ins Gespräch zu kommen, die zur ersten Generation theologisch ausgebildeter Geistlicher nach der Reform- und Öffnungspolitik gehören. Sie wuchsen in schwierigen, von Ressourcenknappheit geprägten Jahren auf, und ihr unerschütterlicher Glaube flößt große Bewunderung ein. Andererseits konnte ich besser verstehen, wie die Kirche von Sichuan die ‚Sinisierung der Religionen‘ umsetzt. Obwohl sie eine politische Ausrichtung der gesamten chinesischen Gesellschaft widerspiegelt, weist sie in ihrer Anwendung viele Berührungspunkte mit dem Inkulturationsprozess auf, den die Kirche seit jeher verfolgt. Sie sollte daher nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als Chance gesehen werden, das Evangelium zu verkünden und im heutigen China Zeugnis vom Glauben abzulegen.“
Tam Chi-man, Präsident der Laienvereinigung, Pater Franco Bellati, Regionaloberer der PIME für Hongkong, Schwester Teresa Chong Chun-yi von den Schwestern vom Kostbaren Blut, Generalvikar Dominic Kam Po-wai, Pater Leo Liu Ya-lun, Assistent des Diözesankämmerers, Wong Chin-to, Ständiger Diakon, und Vikar Chan Wing-chiu brachten freuten sich ebenfalls über die Möglichkeiten zum gemeinsamen Gebet, zum Austausch und zum Dialog zum Ausdruck, die sich während der Reise boten. Alle beschrieben die Reise als eine Erfahrung starker Gemeinschaft, „die es uns ermöglichte, Gottes Wirken in der Kirche in China zu sehen“.
(Fides 19/06/2026)