Iglesias y Mineria (Facebook)
Von Laura Gómez Ruiz
Chitré (Fides) – „Unser einziges Interesse ist der Schutz des Lebens jedes einzelnen Menschen“, bekräftigte Bischof Rafael Valdivieso von Chitré kürzlich und bringt damit die Besorgnis der panamaischen Kirchengemeinde über die Debatte um die mögliche Wiederaufnahme von Bergbauprojekten im Land zum Ausdruck. Für den Bischof muss jede Aktivität, die die Gesundheit und das Leben der Bevölkerung gefährden könnte, verantwortungsvoll geprüft werden.
In mehreren Ländern Lateinamerikas und der Karibik unterstützen die örtlichen Kirchen jene Gemeinden, die von den sozialen und ökologischen Folgen des Bergbaus betroffen sind, und setzen sich für die Menschenwürde, die Rechte der Völker und die Bewahrung der Schöpfung ein. Dies versteht sich nicht als Ablehnung jeglicher Bergbauaktivitäten, sondern als Aufruf zur Unterscheidung im Lichte der Soziallehre der Kirche: demnach ist wirtschaftliche Entwicklung untrennbar mit der Achtung des Lebens, dem Gemeinwohl und dem Schutz unseres gemeinsamen Hauses verbunden.
Im Juli 2025 präsentierte der Rat der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (CELAM) gemeinsam mit dem Netzwerk „Kirchen und Bergbau“ und mit Unterstützung des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen die „Pastoralen Leitlinien für die Auswirkungen des Bergbaus in Lateinamerika und der Karibik“. Das Dokument ist das Ergebnis der Beratungen von rund 20 Bischöfen, die sich der Begleitung von vom Bergbau betroffenen Gemeinden verschrieben haben, und bietet pastorale Leitlinien für den Umgang mit sozioökologischen Konflikten, beginnend mit dem Schutz des Lebens, der Menschenrechte und der Bewahrung der Schöpfung.
Ein Jahr nach der Veröffentlichung der Leitlinien wird dieser Prozess durch Schulungsinitiativen vom Bildungswerk CEBITEPAL, dem Netzwerk „Kirchen und Bergbau“ und der Konferenz der Ordensleute CLAR fortgesetzt. Der Online-Kurs „Pastorale Orientierung der Kirchen angesichts des Bergbaus“, der vom 19. Juni bis 4. September stattfindet, bietet Instrumente für die pastorale Begleitung der von diesen Konflikten betroffenen Gemeinschaften. „Heute dringt der Bergbau in Lateinamerika in alle Winkel unserer Gebiete ein, insbesondere in ländliche Gemeinden und indigene Völker. Oftmals führt er zur Vertreibung von Gemeinschaften, schürt soziale Konflikte und geht mit Aktivitäten einher, die Natur und Umwelt massiv schädigen“, so Pedro Sánchez, Mitglied des Netzwerks „Kirchen und Begbau“ und einer der Organisatoren des Kurses.
Der Kurs behandelt Themen im Zusammenhang mit der Soziallehre der Kirche, der ökologischen Spiritualität, der Verteidigung sozioökologischer Rechte, der Unterstützung gefährdeter Gemeinschaften und der Entwicklung pastoraler Alternativen, die darauf abzielen, Gerechtigkeit, Teilhabe und die Bewahrung der Schöpfung zu fördern.
Eine Entwicklung im Zeichen des Lebensschutzes
In Panama hat die Debatte um die mögliche Wiederaufnahme einiger Bergbauprojekte die Kirche erneut veranlasst, ihre Besorgnis über die Auswirkungen des Bergbaus auf die Bevölkerung und die Umwelt zum Ausdruck zu bringen. Bischof Rafael Valdivieso von Chitré erklärte, die Bischöfe hätten sich sowohl mit Experten als auch mit Vertretern von Bergbauunternehmen beraten, und die Sorge über die potenziellen Folgen dieser Projekte für die Bevölkerung der betroffenen Gebiete bestehe weiterhin. „Alles, was die menschliche Gesundheit und das Leben gefährdet, stellt ein ernstes Risiko dar“, so der Prälat mit Blick auf die Gefahren des Bergbaus. Valdivieso bekräftigte zudem, die Position der Bischöfe sei nicht von politischen oder wirtschaftlichen Interessen geleitet, sondern sei Teil des Engagements für den Schutz des Menschen und das Streben nach dem Gemeinwohl.
Die vom Bischof geäußerte Position steht im Einklang mit dem Hirtenbrief „Querida Panamá“, der 2024 von der panamaischen Bischofskonferenz veröffentlicht wurde und in dem die Bischöfe dazu aufriefen, „den Schrei der Erde und ihrer Völker“ zu hören, eine Vision der ganzheitlichen Ökologie zu fördern und das Gemeinwohl als grundlegendes Kriterium bei Entscheidungen über die Entwicklung des Landes zu etablieren.
Schutz für Umweltschützer und Bürgerrechtsaktivisten
Der Fall Honduras verdeutlicht eine der schmerzlichsten Dimensionen von Konflikten im Zusammenhang mit territorialer Verteidigung: Gewalt gegen diejenigen, die das Gemeinwohl schützen und die Schwächsten unterstützen.
Der Tod von Juan Antonio López, Pastoralarbeiter und Umweltschützer, erschütterte die honduranische Kirche zutiefst (vgl. Fides, 14/10/2024). López ist zu einer Symbolfigur für einen pastoralen Ansatz geworden, der die Bewahrung der Schöpfung als konkreten Ausdruck des vom christlichen Glauben geprägten Blicks auf die Wirklichkeit versteht. Für viele lateinamerikanische Kirchengemeinden stellt die ganzheitliche Ökologie kein ihr fremdes Anliegen dar, sondern ist integraler Bestandteil der Verkündigung des Evangeliums und der Option für die Schwächsten.
Gewalt gegen Umweltschützer und Bürgerrechtsaktivisten gibt im Land weiterhin Anlass zu großer Besorgnis. Nach der Ermordung mehrerer Bauern in Rigores im Departamento Colón im Mai 2026 drückte die Honduranische Bischofskonferenz „tiefe Trauer und Empörung“ aus und erinnerte daran, dass „jedes Opfer ein Mensch ist, geschaffen nach dem Bild und Gleichnis Gottes“. Die Bischöfe verurteilten diese Gewalttaten und riefen zum Aufbau von „Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden“ auf.
Das Netzwerk „Kirchen und Bergbau“ erinnerte daran, dass die Region Bajo Aguán, „das Land des Pastoralarbeiters Juan Antonio López“, zu einem Gebiet geworden ist, in dem Aktivisten ernsthaften Bedrohungen ausgesetzt sind. Laut der Organisation verdeutlichen die in der Region verzeichneten Todesfälle „ein Problem mit strukturellen Wurzeln, das Armut, Ungleichheit, Gewalt, Straflosigkeit und die Abwesenheit des Staates hervorbringt“. Für die Kirche bedeutet die Verteidigung des gemeinsamen Hauses notwendigerweise auch den Schutz derer, die sich dafür einsetzen, insbesondere derer, die ihre Gemeinden im Lichte des Glaubens und im Bekenntnis zur Menschenwürde leiten.
Wasser als Gemeingut
In Ecuador engagiert sich die Kirchengemeinschaft für den Schutz des Wassers, des Gemeindelandes und der Rechte der Bevölkerung in Gebieten, die von Bergbauprojekten betroffen sind.
Ein besonders bedeutendes Beispiel ist das Engagement in der Provinz Imbabura. Dort wehrten sich ländliche Gemeinden gegen die Umsetzung von Bergbauprojekten, da diese die potenziellen Auswirkungen auf ein ökologisch wertvolles Gebiet befürchteten. Nach monatelanger Mobilisierung der Bevölkerung zog das Unternehmen „Semperterra“ im Juni 2026 seine Maschinen aus dem Gebiet ab. Bischof Geovanni Paz von Latacunga bekundete in diesem Zusammenhang seine Verbundenheit mit den Gemeinden und erklärte: „Ich freue mich sehr über das Engagement für den Schutz des Gebiets. Wir müssen uns weiterhin für die Menschenrechte und die Rechte der Natur einsetzen.“
Der Schutz dieser Gebiete ist Teil des christlichen Engagements für den Erhalt der Schöpfung und den Schutz der am stärksten gefährdeten Gemeinschaften. Wirtschaftliche Entwicklung ist dabei untrennbar mit dem Schutz von Ökosystemen, dem Zugang zu Wasser und der Teilhabe der lokalen Bevölkerung an Entscheidungen, die ihr Gebiet betreffen, verbunden.
Das Netzwerk „Kirchen und Bergbau“ hat zudem betont, dass die Konflikte im Zusammenhang mit dem Bergbau in Ecuador ein umfassenderes Problem offenbaren: Umweltverschmutzung, die Kontamination von Wasserquellen und die sozialen Spannungen, die durch bestimmte Bergbauprojekte entstehen. Für die kirchliche Gemeinschaft werfen diese Konflikte eine grundlegendere Frage auf: Welches Entwicklungsmodell kann ein menschenwürdiges Leben für heutige und zukünftige Generationen gewährleisten?
Umweltschutz und pastorale Begleitung
In der Dominikanischen Republik ist der Wasserschutz angesichts fortschreitender Bergbauprojekte ebenfalls zu einem zentralen Anliegen geworden.
Die Kirche hat dort über das Pastoralbüro für Ökologie und Umwelt und die Dominikanische Bischofskonferenz ihre Unterstützung für die Gemeinden zum Ausdruck gebracht, die sich für den Schutz der zentralen und nördlichen Kordilleren einsetzen. Sie betonte, dass Wasser ein grundlegendes Menschenrecht und ein wesentliches Kriterium für die Bewertung der Nachhaltigkeit jedes Bergbauprojekts ist.
Diese Sorge zeigte sich besonders deutlich im Mai 2026, als mehrere Priester Tausende von Menschen auf einem Marsch nach Santiago de los Caballeros begleiteten, um für die nördliche Kordillere als wichtiges Wasserreservoir für zahlreiche ländliche Gemeinden einzutreten. Unter den Teilnehmern waren die Priester Ramón Ramos und Rogelio Cruz, die eindringlich betonten, dass „Leben nicht verhandelbar“ sei, und forderten, dass Entscheidungen über die Gebiete auch die dort lebenden Gemeinschaften einbeziehen müssten.
Die Anwesenheit von Priestern an der Seite der Gläubigen unterstreicht einen pastoralen Ansatz, der sich auf dem gesamten Kontinent wiederholt: Zuhören und Begleiten, gemeinsam mit den Menschen überlegen, wie sie angesichts der Folgen wirtschaftlicher und ökologischer Entscheidungen, die ihr tägliches Leben unmittelbar beeinflussen, handeln sollen.
Bewahrung der Schöpfung und Option für die Armen
Von Mittelamerika über die Anden bis in die Karibik verdeutlichen diese Erfahrungen ein gemeinsames seelsorgerisches Anliegen: Konflikte im Zusammenhang mit dem Bergbau sind nicht bloß Debatten um natürliche Ressourcen, sondern betreffen reale Menschen, Gemeinschaften, Kulturen und Gebiete. Auf diesem Weg bekräftigen die lateinamerikanischen Kirchen, dass die Bewahrung der Schöpfung Teil der Verkündigung des Evangeliums ist. Die Option für die Schwächsten und der Schutz unseres gemeinsamen Hauses sind dabei untrennbar miteinander verbunden.
Kardinal Michael Czerny, Präfekt des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitliche Entwicklung des Menschen, erklärte bei der Vorstellung der pastoralen Leitlinien zum Bergbau im Juli 2025: „Es ist Zeit, von Worten zu Taten überzugehen.“ Er betonte die Notwendigkeit, kirchliche Richtlinien in konkretes Handeln umzusetzen.
Auch Papst Leo XIV. bekräftigt, dass Umweltfragen untrennbar mit sozialer Gerechtigkeit und dem Schutz der Schwächsten verbunden sind. In seiner Botschaft zum Welttag des Gebets für die Bewahrung der Schöpfung 2025 erinnerte er daran, „dass die Zerstörung der Natur nicht alle gleichermaßen trifft: Die Missachtung von Gerechtigkeit und Frieden trifft vor allem die Ärmsten“. In der Enzyklika „Magnifica Humanitas“ (15. Mai 2026) griff der Papst dieses Thema erneut auf und erklärte, dass „die Qualität der Entwicklung daran gemessen wird, ob sie Gerechtigkeit für die Menschen und die Sorge für unser gemeinsames Haus miteinander vereinen kann“.
Auf einem Kontinent, der reich an natürlichen Ressourcen, aber auch von tiefgreifenden Ungleichheiten geprägt ist, durchdringt die pastorale Arbeit der Kirche die Frage, wie ein Entwicklungsmodell gestaltet werden kann, das die Schwächsten nicht zurücklässt und das Leben als Geschenk Gottes schützt.
(Fides 09/07/2026)