200 Jahre “Lebendiger Rosenkranz”: Missionswissenschaftlicher Lehrstuhl an der Katholischen Universtiät Lyon nach der „Selige Pauline Jaricot“ benannt

Samstag, 13 Juni 2026 mission   päpstliche missionswerke   ortskirchen  

Lyon (Fides) – „Das Heiligste Herz Jesu erinnert uns genau daran: Gott ist nicht in erster Linie eine Idee, die es zu verstehen gilt, sondern eine Liebe, die es anzunehmen gilt. Diese Wahrheit ist heute besonders wichtig, da wir das 200jährge Bestehen des ‚Lebendigen Rosenkranzes‘ feiern, der von der Seligen Paolina Jaricot auf den Weg gebracht wurde“, so Pater Dinh Anh Nhue Nguyen (OFM Conv), Generalsekretär der Päpstlichen Missionsunion, am Freitag, dem 12. Juni, in der Kapelle des Heiligen Irenäus der Katholischen Universität Lyon (UCLY). In der Universitätskapelle zelebrierte Pater Anh Nhue die morgendliche Eucharistiefeier zum Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu. Anlass war die Einweihung des Lehrstuhls „Selige Paolina Jaricot“ an der theologischen Fakultät der UCLY, am selben Tag, an dem mit der abendlichen Vigil in der Kathedrale Saint-Jean die Feierlichkeiten zum 200jährigen Bestehen des „Lebendigen Rosenkranzes“, einer von der französischen Seligen gegründeten Bewegung, in Lyon begannen (vgl. Agenzia Fides 12/06/2026).
Der Generalsekretär der Päpstlichen Missionsunion betonte in seiner Predigt auch die Bedeutung der Bildung für eine wirksame und angemessene Unterstützung der Missionsarbeit. Die missionarische Fortbildung, die das spezifische Handlungsfeld der Päpstlichen Missionsunion darstellt, „ist weder eine Technik noch eine Strategie“, betonte Pater Anh Nhue. „Sie ist nicht einmal in erster Linie eine Fertigkeit. Die grundlegende missionarische Bildung besteht darin, Christus nahe zu bleiben.“
Unmittelbar im Anschluss daran, während der Einweihungssitzung des dem seligen Jaricot gewidmeten Lehrstuhls, die im Aristoteles-Amphitheater der UCLY fortgesetzt wurde, hielt Pater Dinh Anh Nhue Nguyen einen Vortrag zum Thema „Die Akteure der Mission vereinen. Die Intuition der Päpstlichen Missionswerke gestern und heute.“
„Heute ist die Päpstliche Missionsunion nicht nur berufen, ihre Arbeit der Evangelisierung und der missionarischen Fortbildung von Priestern und Ordensleuten fortzusetzen, sondern auch eine Kirche zu begleiten, in der die missionarische Verantwortung breiter gestreut ist und die Laien eine zentrale Rolle einnehmen“, erklärte der Generalsekretär des Päpstlichen Werkes, das in diesem Jahr sein 110-jähriges Bestehen feiert. „Gerade aus dieser Perspektive kommt der universitären Missionswissenschaft heute eine besondere Verantwortung zu: nicht nur die Mission zu erforschen, sondern auch zur Bildung derer beizutragen, die sie morgen tragen werden. Daher ist die Intuition des seligen Paolo Manna (der als Gründer der Päpstlichen Missionsunion gilt, Anm.d.Red.) nach wie vor außerordentlich aktuell: die in der Mission Engagierten zu vereinen und gemeinsam auszubilden, damit die gesamte Kirche das Evangelium weiterhin in der ganzen Welt verkünden kann“, schloss Pater Anh Nhue Nguyen.
Die gut besuchte Eröffnungsvorlesung, die von Michele Younès, Dekanin der Theologischen Fakultät der UCLY, gehalten wurde, wurde mit einer Reihe von Vorträgen fortgesetzt, darunter die von Pater Florent Guyot, Leiter der Pastoral für ausländische Priester im Bistum Lyon. Anschließend folgten mehrere Zeugnisse und eine Begrüßungsansprache von Georges Delrieu, Generalsekretär der Päpstlichen Missionswerke Frankreichs, die zu den institutionellen Partnern des neu eingerichteten Lehrstuhls gehören.
Pater Gonzague de Longchamp, der gemeinsam mit Pfarrer Cesare Baldi den Lehrstuhl der „Seligen Pauline Jaricot“ innehat, erläuterte die Struktur der Studien- und Bildungsinitiativen, die an der neuen akademischen Einrichtung stattfinden werden.
Die Einrichtung des neuen Lehrstuhls beruht vor allem auf der Annahme, dass das Profil der Ortskirche zunehmend durch die Präsenz von Ordensleuten und Laien ausländischer Herkunft geprägt ist. Dies erfordert eine Erforschung der Formen des interkulturellen und interpastoralen Dialogs, um in einem zunehmend säkularisierten europäischen Kontext zu wirken und dabei auf die Beiträge und Erfahrungen aus kirchlichen Kontexten in Subsahara-Afrika, Lateinamerika und Südostasien zurückzugreifen. Ziel dieses nach der Gründerin der Bewegung des „Lebendigen Rosenkranzes“ benannten Lehrstuhls ist es, die Mittel und Kompetenzen für das Vorgehen in die kulturelle und pastorale Situation im heutigen Frankreich zu vermitteln sowie eine kulturelle und pastorale Bildung anzubieten, die einen fruchtbaren Dialog mit Partnerkirchen in den Ländern des globalen Südens ermöglicht.
Der Lehrstuhl bietet ein ein- bis dreijähriges Studienprogramm an, dessen Dauer sich nach der zeitlichen Verfügbarkeit der Teilnehmenden richtet. Es gliedert sich in drei Säulen: Erstens gibt es Kurse, darunter Pastoraltheologie, einen Kurs nach Wahl der Studierenden und einen vom Lehrstuhl angebotenen Spezialisierungskurs – dieses Jahr zur Soziologie des Christentums. Zweitens finden Studientage zu Themen wie Migration, Volksfrömmigkeit, Gemeindearbeit und Gemeinwesen statt. Schließlich sind Workshops geplant, die gezielte Weiterbildungen anbieten, basierend auf einer Neuinterpretation der praktischen Arbeit in der Mission.
(EG) (Fides 13/6/2026)


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