AMERIKA/KOLUMBIEN - Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl: Bischöfe bringen Initiative für „verantwortungsvolles Wählen“ auf den Weg

Samstag, 16 Mai 2026 ortskirchen   politik   wahlen   soziallehre  

Bogotá (Fides) – Mit Blick auf die für den 31. Mai in Kolumbien angesetzten Präsidentschaftswahlen haben Bischöfe und katholische Organisationen Initiativen auf den Weg gebracht, die eine verantwortungsvolle Wahlbeteiligung fördern sollen.
Sollte kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen, ist eine Stichwahl für den 21. Juni 2026 geplant.
Die Bischofskonferenz beklagt eine Verschärfung der Gewalt im Südwesten des Landes, insbesondere in den Departements Cauca, Valle del Cauca, Nariño, Huila und Meta. In einer Erklärung vom 27. April äußerten die Bischöfe ihre Besorgnis über die humanitäre Lage infolge der bewaffneten Auseinandersetzungen, die die Zivilbevölkerung und besonders schutzbedürftige Gemeinschaften betreffen. Sie betonten, dass solche Ereignisse die grundlegenden Voraussetzungen für ein demokratisches Zusammenleben untergraben. Zudem bekräftigten sie: „Nichts rechtfertigt Gewalt.“
Aus diesem Grund haben die Prälaten über den Bischöflichen Dienst für Vergebung, Versöhnung und Frieden (SERP) – eine 2023 von den kolumbianischen Bischöfen gegründete Organisation zur Koordinierung kirchlicher Initiativen für Versöhnung und Frieden – drei Online-Seminare organisiert, die über den YouTube-Kanal und die Facebook-Seite der Kolumbianischen Bischofskonferenz (CEC) zugänglich sind. Ziel ist es, vom Evangelium und der Soziallehre der Kirche inspirierte Instrumente zur Entscheidungsfindung anzubieten, um das bürgerschaftliche Engagement und das Gemeinwohl bei Wahlen zu stärken.
Bereits am Ende der 120. Vollversammlung der Bischofskonferenz, die im Februar 2026 in Bogotá stattfand, erinnerten die Bischöfe daran, dass die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen sind, „in Gewissensfreiheit und ohne jeglichen Druck oder Korruption“ an Wahlen teilzunehmen. Sie riefen sie dazu auf, den Wahlprozess in einem Klima demokratischer Verantwortlichkeit zu erleben und jede Form von Gewalt, Desinformation oder Polarisierung abzulehnen.
In diesem Sinne hat das Bistum Palmyra im Südwesten des Landes, in einer von Gewalt betroffenen Region, die Broschüre „Politik ist die höchste Form der Nächstenliebe“ veröffentlicht. Dieser pastorale Leitfaden bietet Kriterien für die Entscheidungsfindung bei Wahlen im Lichte des Lehramtes der Kirche. Das Dokument enthält Leitlinien für verantwortungsvolles Wählen und ruft zu einer bewussten Wahlentscheidung, zur Bekämpfung von Fehlinformationen und zur Stärkung einer demokratischen Kultur auf, die auf Respekt und Dialog basiert.
Die drei von der Bischofskonferenz organisierten Online-Seminare sollen „Gläubige und alle Bürgerinnen und Bürger dabei unterstützen, ihr Wahlrecht frei und informiert auszuüben“. Sie bieten analytische Instrumente mit Blick auf die drängenden politischen und sozialen Herausforderungen. Expertinnen und Experten aus den Bereichen Seelsorge, Soziallehre und Sozialwissenschaften befassen sich mit Fragen der Ethik im öffentlichen Leben, christlicher Urteilsfähigkeit und staatsbürgerlicher Verantwortung.
Das erste Seminar mit dem Titel „Politik als Berufung: Politik im Lichte des Glaubens evangelisieren“ fand bereits am Montag, dem 11. Mai, unter Beteiligung von Bischof Héctor Fabio Henao Gaviria, dem Delegierten der Bischofskonferenz für die Beziehungen zwischen Kirche und Staat, statt. Die Reihe wird am 18. Mai mit dem Webinar „Gewissenhafte Entscheidung: Wählen, Versöhnung und das Gemeinwohl“ fortgesetzt, das sich der ethischen Beurteilung des Wahlverhaltens im Lichte von Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden widmet. Die Reihe schließt am 25. Mai mit dem Seminar zum Thema „Hoffnungsvoll Wählen: Eine freie, informierte und friedliche Entscheidung“, die Bürgerinnen und Bürger darin bestärken soll, ihr Wahlrecht in innerer Freiheit auszuüben.
Die Bischofskonferenz betonte, dass die Kirche weder politische Parteien noch Kandidaten unterstützt, sondern die Entwicklung des moralischen Gewissens der Wähler begleitet, da sie davon überzeugt ist, dass „politische Teilhabe ein konkreter Ausdruck von Nächstenliebe und dem Einsatz für Gerechtigkeit ist“.
(LGR) (Fides, 16/5/2026)


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