Bogotá (Fides) – Vom 26. April bis 3. Mai 2026 begeht die Kirche in Kolumbien eine „Nationale Woche des Gebets um geistliche Berufungen“. Diese Woche ist dem Gebet, der Besinnung und der pastoralen Begleitung gewidmet und hat zum Ziel, „die Kultur der Berufungen zu stärken, die Berufungsfindung zu fördern und das missionarische Engagement in den kirchlichen Gemeinschaften des Landes zu erneuern“.
Die Aktionswoche der kolumbianischen Bischofskonferenz (CEC) wird, findet im Rahmen des 63. Weltgebetstags um geistliche Berufungen statt, der jeweils am vierten Sonntag der Osterzeit, in diesem Jahr am 26. April, begangen wird. Papst Paul VI. rief diesen Gebetstag 1964 ins Leben, um der Aufforderung nachzukommen, „den Herrn der Ernte zu bitten, Arbeiter in seine Ernte zu senden“ (vgl. Mt 9,38). Ziel ist es, durch das Gebet Berufungen zum Priester- und Ordensleben zu fördern, die als Gabe Gottes an die gesamte christliche Gemeinschaft verstanden werden.
Unter dem Motto „Jesus beruft, formt und sendet in Gemeinschaft“ lädt die Initiative der kolumbianischen Kirche dazu ein, Berufung als „freie Gabe Gottes, geboren aus der Tiefe des Herzens und gereift in Gemeinschaft, als Weg zu Entfaltung, Dienst und Heiligkeit“ neu zu entdecken.
Der von der kolumbiansichen Bischofskonferenz für dieses Jahr veröffentlichte pastorale Leitfaden betont, dass Berufung immer in und aus der Kirche gelebt wird, wo jeder Lebensstand – Laie, Priester, Ordensangehöriger oder Familie – an der Evangelisierung teilhat. Er hebt hervor, dass jede Berufung in einer christlichen Gemeinschaft entsteht, die berufen ist, ein Ort der Willkommenskultur, der Begleitung und der Aussendung zu sein.
Der dafür vorgeschlagene Weg umfasst verschiedene pastorale Dimensionen: Liturgie, Glaubensbildung, Gebet und Gemeinschaftserfahrung.
Die Woche des Gebets um Berufungen beginnt mit dem Sonntagsgottesdienst, „Quelle und Höhepunkt jeder Berufung“, und entfaltet sich über thematische Tage, die die verschiedenen Phasen des christlichen Lebens beleuchten: das Zuhören in der Kindheit, die Berufungsfindung in der Jugend, die Rolle der Familie als Ort der Berufung und die Begleitung derer, die einer konkreten Berufung zum Priester- oder zum Ordensleben gefolgt sind.
Besonders hervorgehoben wird die Initiative „24 Stunden mit dem Herrn“, die die eucharistische Anbetung als Zeichen der kirchlichen Gemeinschaft und des Vertrauens auf das Wirken des Heiligen Geistes vorschlägt.
So bildet das Gebet den Mittelpunkt der Berufungsarbeit und einen Raum der Begegnung mit Christus, um Gottes Ruf im Leben jedes Einzelnen zu hören und zu erkennen. Berufung wird daher als „Projekt der Liebe und des Glücks“ dargestellt, das sich im Dienst am Nächsten verwirklicht.
Daten aus dem Statistischen Jahrbuch der Kirche (Stand: 31. Dezember 2023) helfen, dieses pastorale Engagement in einen breiteren Kontext zu stellen. Weltweit sinkt die Zahl der Priester kontinuierlich. In Amerika betrifft dieser stetige Rückgang sowohl Diözesan- als auch Ordenspriester, was zu einer steigenden pastoralen Belastung und einer höheren Anzahl von Gläubigen pro Priester führt.
In Kolumbien, einem Land mit überwiegend christlicher Tradition, etwa 52 Millionen Einwohnern und einer geschätzten katholischen Bevölkerung von rund 48 Millionen Gläubigen, spiegelt sich diese Realität in einem weitverzweigten kirchlichen Netz wider, das ein erhebliches Engagement der Seelsorger erfordert: Bei mehr als 78 Kirchsprengeln und rund 4.600 Pfarreien auf einer Fläche von über 1,1 Millionen km² gibt es nur 9.700 Priester, sowohl Diözesan- als auch Ordenspriester. Das bedeutet, dass nur ein Priester auf 5.000 Einwohner kommt – eine Zahl, die die Auswirkungen dieses Ungleichgewichts in der Priesterberufung verdeutlicht.
Hinzu kommt ein bedeutendes kirchliches Netzwerk mit über 11.000 Ordensfrauen, 51.000 Katecheten und Katechetinnen und fast 73.000 Laienmissionaren, die trotz stagnierender Berufungen und demografischem Wandel die Evangelisierung fortsetzen.
Die Kirche in Kolumbien hat stets die enge Verbindung zwischen Berufung und Mission betont und sie als wesentlichen Bestandteil einer Kirche anerkannt, die „hinausgeht“. Dies unterstreicht die Mitverantwortung christlicher Gemeinden für die Förderung von Berufungen und die missionarische Dimension, die sich auch in der Entsendung von Diözesanpriestern als „Fidei donum“-Misssionare ausdrückt – ein Zeichen der Verbundenheit der einzelnen Kirchen bei der weltweiten Verkündigung des Evangeliums.
In einer Betrachtung über die Begleitung von Priestern in Kolumbien betonte der Erzbischof von Cali, Luis Fernando Rodríguez Velásquez, kürzlich die Bedeutung des priesterlichen Lebens im Land und dankte für „den täglichen Einsatz der Priester und Diakone, die oft unter Bedingungen von Gewalt, Armut oder geografischer Isolation das sakramentale und gemeinschaftliche Leben aufrechterhalten“. Er hob zudem hervor, wie wichtig es sei, das geweihte Amt im Einklang mit einer Kirche zu betrachten, die berufen ist, zunehmend missionarisch und den Lebensrealitäten des Volkes Gottes näher zu sein.
(Fides 23/4/2026)