ASIEN/INDIEN - Selbstmordrate steigt: Kirche bringt psychosoziale online-Beratung auf den Weg

Samstag, 19 September 2020   gesundheitswesen   menschliche entwicklung     internet     caritas  

New Delhi (Fides) – Der Zunahme von psychischen Störungen, Depressionen und sozialen im Zusammenhang mit der Pandemie möchte die katholische Kirche in Indien mit einem Programm zur psychosozialen Unterstützung durch Online-Beratung für Menschen in Schwierigkeiten entgegenwirken. Die von Caritas Indien koordinierte Beratung findet in Zusammenarbeit mit Spezialisten statt und "ist umso notwendiger geworden, als jedes Jahr Tausende von Menschen Selbstmord begehen und die Zahl jedes Jahr stetig wächst", so Pfarrer Paul Moonjely, Geschäftsführer der Caritas India. "Um Vorurteile im Hinblick auf Selbstmorden und das Tabu der Diskussion über psychische Gesundheitsprobleme zu bekämpfen, setzen sich die von Caritas India koordinierten Teams dafür ein, diejenigen zu erreichen, die schutzbedürftig sind und psychosoziale Unterstützung benötigen", so Pater Moonjely.
Nach Daten, die Anfang September vom National Crimes Record Bureau (NCRB) des Innenministeriums veröffentlicht wurden, starben 2019 mehr als 139.000 Inder an Selbstmord, 67% (93.061) davon waren jung. Im Vergleich zu den Zahlen von 2018 (89.407) nahmen die Selbstmorde bei Jugendlichen in Indien um 4% zu. Insgesamt stiegen die Selbstmordzahlen im gleichen Zeitraum um 3,4%.
Eine detaillierte Aufschlüsselung nach Alter und Selbstmordursachen zeigt, dass familiäre Probleme, Probleme im Zusammenhang mit der Ehe, Paarbeziehungen, Drogenmissbrauch, Alkoholabhängigkeit und psychische Erkrankungen als häufigste Selbstmordursache bei jungen Menschen auftreten.
Der NCRB-Bericht zeigt auch, dass zwei Drittel der Selbstmordopfer im Jahr 2019 weniger als 278 Rupien (3,79 US-Dollar) pro Tag verdienten, was manchmal unter dem Mindestlohn nach dem Mahatma Gandhi National Rural Employment Guarantee Act, das nationale Armutsbekämpfungsprogramm der Bundesregierung, liegt. Nur 30% der Selbstmordopfer hatten ein Jahreseinkommen zwischen einhunderttausend und fünfhunderttausend Rupien. Diese Daten weisen auf einen Zusammenhang zwischen Selbstmord und Armut hin. Von insgesamt 97.613 Männern, die an Selbstmord starben, waren 29.092 Tagelöhner, die in Indien bilden die Bevölkerungsgruppe mit dem niedrigsten Einkommen bilden. Diese Kategorie umfasst auch "Landarbeiter, die während der verschiedenen nichtlandwirtschaftlichen Jahreszeiten ihre tägliche Arbeit verrichten“.
"Im Allgemeinen hat die psychische Gesundheit für die meisten Menschen in Indien keine Priorität. Auch die Regierung achtet nicht genug darauf", so die Psychologin Sabita Parmer gegenüber Fides. "NGOs, zivilgesellschaftliche Gruppen und religiöse Organisationen sollten deshalb Menschen in Not durch psychosoziale Unterstützung helfen, insbesondere während der Pandemie, die die psychische Gesundheit der Menschen belastet", so die Psychologin, die Initiative der Kirche, sich für das psychischen Wohlbefindens der Menschen zu engagieren begrüßt.
Dr. Samir Parikh, Psychiater und Direktor der Abteilung für psychische Gesundheit und Verhaltenswissenschaften in der Klinik "Fortis Healthcare" in Neu-Delhi, stellt im Gespräch mit Fides fest: "Psychische Störungen und solche, die auf Sucht zurückzuführen sind, müssen in jeder Hinsicht als Krankheiten betrachtet werden, um sie auf medizinischer Ebene und mit dem Beitrag des nationalen Gesundheitssystems zu behandeln. Zum Wohle der Gesellschaft und um das Phänomen des Selbstmordes zu verhindern, müssen wir aufhören zu denken, dass die Menschen, die an diesen Störungen leiden, sich ihre Krankheit nur einbilden, dass die Phänomene begrenzt sind oder dass sich um eine persönliche Entscheidung handelt. Es ist heute besonders angemessen, auf kultureller und sozialer Ebene zu arbeiten, um einen Mentalitätswandel herbei zu führen. "
(SD-PA) (Fides 19/9/2020)


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