Die Tagung über die ersten chinesischen Bischöfe: jener „Neuanfang“, der die Gegenwart der katholischen Kirche in China erhellt

Samstag, 7 November 2026 ortskirchen   bischöfe   geschichte  

von Marie-Lucile Kubacki

Rom (Fides) – Am 28. Oktober 1926 weihte Pius XI. in der Petersbasilika sechs chinesische Priester, die berufen waren, Vikariate und Apostolische Präfekturen in ihrem Land zu leiten. Hundert Jahre später brachte die internationale Tagung „Das Antlitz der Weltkirche in China“, die am Donnerstag, dem 5. November, an der Päpstlichen Universität Urbaniana stattfand, Historiker, Kardinäle, Wissenschaftler und zwei aus China angereiste Bischöfe zusammen, um ihre Geschichte nachzuzeichnen und im Lichte dieses „Neuanfangs“ den gesamten Weg der katholischen Kirche im Land des Konfuzius zu betrachten.


Von den Missionen zu den Ortskirchen


In der Vormittagssitzung ergriff Giuseppe Li Shan, Bischof von Peking, das Wort. Er stellte sich vor, indem er seine Schritte in einen langen historischen Kontext einordnete: „Ich bin der Bischof der Diözese Peking und selbst in Peking geboren. Peking war die erste Diözese in China. Im Jahr 1294 kam der Franziskanermönch Giovanni da Montecorvino, entsandt von Papst Nikolaus IV., nach Peking, um das Evangelium zu verkünden: So konnte das chinesische Volk die frohe Botschaft der Erlösung hören.“ Anschließend erinnerte er an Matteo Ricci, der 1601 in Peking eintraf und davon überzeugt war, dass „nur wenn man mit respektvoller Haltung von den lokalen kulturellen Traditionen ausgeht, der Same des Evangeliums Wurzeln schlagen, keimen, blühen und Frucht bringen kann“. Und er fügte hinzu: „Meine Vorfahren im Glauben und ich selbst sind die Fortsetzung dieser Früchte.“

Der Bischof erinnerte an den Aufruf, den in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts weitsichtige Persönlichkeiten wie Erzbischof Celso Costantini, der Missionar Vincent Lebbe und der Pädagoge und Gelehrte Ma Xiangbo lanciert hatten; sie waren sich einig, dass in China die Seelsorge für die getauften Katholiken und die Leitung der kirchlichen Bezirke chinesischen Hirten anvertraut werden sollte. Nach der Bischofsweihe von Luo Wenzao im Jahr 1685, so bemerkte er, sei das lokale Bischofsamt in der Kirche in China über zweihundert Jahre lang weiterhin ausschließlich Missionarsbischöfen aus anderen Ländern anvertraut worden. Die sechs Bischöfe von 1926 „leisteten in der Folge einen unauslöschlichen Beitrag zur Entwicklung ihrer jeweiligen Diözesen und der Kirche in China“. Vor 1949, so erinnerte er, hatten von den 137 kirchlichen Bezirken in China jedoch nur 28 einen chinesischen Bischof. Heute gibt es „über 80“ Bischöfe in der Kirche in China. Bischof Li Shan bezeichnete die Weihe von 1926 als „einen richtigen Schritt in Bezug auf die kirchliche Leitung und einen richtigen Schritt bei der Sinisierung der Kirche“ und beschrieb die Sinisierung als eine Gelegenheit für die Kirche, über sich selbst nachzudenken und sich an den heutigen sozialen und kulturellen Kontext Chinas anzupassen; diese Anpassung beeinträchtigt nicht nur nicht die Katholizität des christlichen Glaubens, sondern wird vielmehr von ihr gefordert und bietet einen geeigneten Ausgangspunkt, damit sie sich in der Teilkirche in China authentisch verwirklichen kann“.

Unter Berufung auf das Sprichwort „Wo der Bischof ist, da ist die Kirche“ betonte er die Disziplin des Klerus: „ Heute legt die Kirche in China besonderen Wert auf die kirchliche Disziplin“, damit sich der gesamte chinesische Klerus an Christus ausrichte und vor der Welt zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen wirke.“ Anschließend verwies er auf das Gebot „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört“ und stellte die Einhaltung der Gesetze als „natürlichen Ausdruck des inneren Glaubens“ dar. Unter den dringenden Herausforderungen der Gegenwart nannte er die Fragen im Zusammenhang mit der künstlichen Intelligenz, die „Papst Leo XIV. besonders am Herzen liegen“, und brachte den Wunsch zum Ausdruck, mit „allen Schwesterkirchen der Welt, die Glieder des einen Leibes sind“, „gemeinsam voranzugehen“.


Ebenfalls am Vormittag ordnete Professor Mario Luigi Grignani, der Geschichte der Missionskirche lehrt und Dekan der Fakultät für Missionswissenschaft an der Urbaniana ist, die chinesischen Bischofsweihen von 1926 in den Kontext der „missionarischen Wende“ ein, die insbesondere die Pontifikate von Benedikt XV. und Pius XI. geprägt hat. Die Weihe von 1926, der 1923 die Weihe des ersten indischen Bischofs vorausging und auf die 1927 die Weihe des ersten japanischen Bischofs folgte, markierte für den Historiker „den Übergang von den Missionen zu den Ortskirchen“. Grignani zitierte aus den Erinnerungen von Costantini, als dieser erfuhr, dass der Papst die neuen Bischöfe persönlich weihen würde: „Ich war zutiefst bewegt, und meine Augen füllten sich mit Tränen. Der Sekretär Don Filippo Tchao war bei mir.“ Der zukünftige Vikar von Xuanhua wusste noch nicht, dass er zu den Auserwählten gehörte.


Auf den Spuren von Zhu Kaimin


Der Nachmittag begann mit dem Beitrag von Ignatius Ding Zuyao, der am 15. Oktober zum vierten Bischof von Haimen geweiht worden war – einer Diözese, deren erster Hirte Simone Zhu Kaimin war, einer der sechs 1926 geweihten Bischöfe. Sein Nachfolger Ignatius Ding begann seine Rede mit einem Zitat aus dem Magnifikat: „Der Allmächtige hat Großes an mir getan, und heilig ist sein Name.“ Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Diözese, so erklärte er, sei die Reise nach Italien für ihn „Gnade über Gnade“ gewesen: „Ich konnte in die Fußstapfen treten, die Monsignore Zhu Kaimin vor einem Jahrhundert hinterlassen hat.“
Der Bischof zeichnete die Geschichte einer katholischen Präsenz in der Region nach, die bis ins Jahr 1637 zurückreicht. Er beschrieb Zhu Kaimin als einen Hirten, der in den Jahren der Invasion „dem Druck der Invasoren widerstand“. Anschließend erinnerte er an dessen Nachfolger: Matteo Yu Chengcai, der 1959 in Nanjing geweiht wurde, und Shen Bin, der 2010 geweiht wurde und heute Bischof von Shanghai ist.

Im Mittelpunkt seiner Überlegungen stellte Bischof Ding die Verbindung zwischen Synodalität und Inkulturation. Unter Bezugnahme auf Papst Leo XIV. beschrieb er die Synodalität als einen Stil, der „die Teilkirchen ermutigt, von ihrer eigenen konkreten Realität auszugehen“ und „Brücken des Dialogs zu bauen“. Im ersten Kapitel seines Vortrags lud er daher dazu ein, „den synodalen Weg fortzusetzen und den Prozess der Inkulturation des Katholizismus in China zu vertiefen“. Der Bischof stützte diese Verbindung auf die Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils, die auch von Leo XIV. in der Anfang 2026 begonnenen Reihe der mittwochs stattfindenden Katechesen erneut aufgegriffen wurde: „Der mystische Leib setzt sich aus den verschiedenen Ortskirchen zusammen.“ Daraus folgt, dass „jede Ortskirche entsprechend ihrer eigenen Realität einen pastoralen und evangelisierenden Weg erkunden sollte, der ihrer Gemeinschaft angemessen ist“. Das Zuhören, das dem gemeinsamen Weg eigen ist, erstreckt sich für ihn auch auf die Kulturen: Die Kirche, so sagte er, wobei er erneut die Worte des Papstes aufgriff, „muss lernen, auf die Stimme der lokalen Kulturen zu hören“ und zulassen, „dass das Evangelium in einer Sprache zum Ausdruck kommt, die für die lokale Bevölkerung verständlich ist“. In Haimen prägt die „Synodalität“, „verstanden als Mitverantwortung“, die Gestaltung des kirchlichen Lebens. In derselben missionarischen Perspektive bildet die Diözese Personal mit „doppelter Kompetenz“ aus, d. h. „Menschen, die sowohl die klassische Lehre der katholischen Kirche als auch die hervorragende chinesische Kulturtradition sowie die Gesetze und die Politik des Landes gründlich kennen“.


Sechs Bischöfe und ein Wendepunkt


Elisa Giunipero, Dozentin für chinesische Geschichte an der Katholischen Universität vom Heiligen Herzen, zeichnete anschließend ein Porträt jedes einzelnen der sechs Bischöfe. Sie wurden unter maßgeblicher Mitwirkung des Missionars Vincent Lebbe ausgewählt und stammten alle aus Familien, die seit Generationen katholisch waren. Sie beherrschten das Latein sehr gut und sprachen mindestens eine europäische Sprache fließend, vor allem Französisch oder Italienisch.

Der Jesuit Zhu Kaimin, erster Apostolischer Vikar von Haimen, war der Älteste der sechs und auch derjenige, der am längsten lebte. Nach der Verhaftung von Ignatius Gong Pinmei, dem Jesuitenbischof von Shanghai, im September 1955 wurde er in seinem Zimmer unter Hausarrest gestellt und Verhören unterzogen. Fast neunzig Jahre alt, fast blind und ohne Nachfolger schrieb er: „Ich bekenne mich offen zu meiner Treue und meiner Verbundenheit mit dem Stuhl Petri. Ich vertraue alles dem Heiligsten Herzen Jesu an, das sicherlich Erbarmen mit uns haben wird.“ Die letzten Nachrichten stammen aus dem Januar 1959: „Seid so gütig, zu beten und andere zum Gebet für die katholische Religion in China anzuregen, deren Zukunft Anlass zu großer Sorge gibt.“ Er starb am 22. Februar 1960 im Alter von 91 Jahren.

Filippo Zhao Huaiyi, der einzige Diözesanpriester der Gruppe und ehemaliger Sekretär von Celso Costantini, hatte seinen Vater während des Boxeraufstands verloren. Er starb im Oktober 1927 im Alter von 47 Jahren: Eine Gedenktafel in der Kathedrale von Xuanhua erinnert daran, dass er sich bei dem Versuch aufopferte, die Flüchtlinge zu schützen, die während der Zusammenstöße zwischen den bewaffneten Milizen der „Kriegsherren“ in der Kirche Zuflucht gefunden hatten . Sein bischöfliches Motto lautete „impendam et superimpendar“ – „Ich werde mich aufopfern und aufgeopfert werden“ –, entnommen aus dem zweiten Brief des heiligen Paulus an die Korinther.

Der Franziskaner Odorico Cheng Hede, der im Alter von zehn Jahren nach La Verna geschickt worden war, verfasste eine Grammatik der italienischen Sprache für Chinesischsprachige und übersetzte die Regel des heiligen Franziskus ins Chinesische. Nach seinem Tod im Jahr 1928 schrieb Costantini, dass er und Zhao trotz ihrer nur sehr kurzen Amtszeit als Bischöfe das einheimische Bischofsamt inspiriert hätten. Der Lazarist Hu Ruoshan leitete Taizhou 36 Jahre lang, bis zu seinem Tod im Jahr 1962. Ebenfalls Franziskaner war Aloisio Chen Guodi, der 1927 in Fenyang ein Priesterseminar gründete und 1930 starb. Der kranke Melchiorre Sun Dezhen legte 1936 sein Amt nieder.


Für Elisa Giunipero ebneten diese Weihen den Weg für lokale Bischofsämter in ganz Asien: „Bis 1926 waren alle Bischöfe in Ost- und Südostasien Europäer.“ Daraus zieht sie den Schluss: „Die Erfahrung der Kirche in China hatte einen großen Einfluss auf die Weltkirche und auf die Prozesse der Verortung des Katholizismus.“


Die Bischofsweihen in der Geschichte der Kirche in China



Liu Guopeng, Forscher am Institut für Weltreligionsstudien der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, hat dieses Ereignis in eine Chronologie eingeordnet, die durch fünf Daten geprägt ist: 1685, 1926, 1946, 1949 und 2018. Luo Wenzao, der 1674 zum Apostolischen Vikar von Nanjing ernannt worden war, wurde aufgrund des Widerstands der Behörden, die das Patronatsrecht ausübten, erst 1685 in Guangzhou geweiht. Zwischen 1865 und 1926, so erinnerte er, stieg die Zahl der Getauften von 271.227 auf 2.394.962 und die des örtlichen Klerus von 167 auf 1.219 Mitglieder. Liu hob die Besonnenheit Costantinis hervor, der darauf bedacht war, zu verhindern, dass die Kirche mit dem europäischen Kolonialismus in Verbindung gebracht würde, „der insbesondere durch Frankreich repräsentiert wurde“.

Mit der Einrichtung der kirchlichen Hierarchie durch Pius XII. im Jahr 1946 „waren fast 80 % der Bischöfe noch immer ausländischer Herkunft“, und nur drei der zwanzig Metropoliten waren Chinesen. Der Professor verwies anschließend auf die seit 1958 stattfindenden Wahlen und Weihen, die ohne Zustimmung des Heiligen Stuhls erfolgten, sowie auf das vorläufige Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China, das seit 2018 die Ernennung neuer chinesischer Bischöfe regelt. „Der Weg der Bischofsweihen chinesischer Bischöfe, der sich über drei Jahrhunderte hinweg entwickelt hat, war ein langer, komplexer historischer Prozess, der von tiefgreifenden Veränderungen geprägt war“, schloss er. „Dieser historische Weg zeigt, dass die Sinisierung des Katholizismus der einzig richtige Weg ist, um eine gesunde Entwicklung und eine stabile Kontinuität der katholischen Kirche in China zu gewährleisten. Mit der kontinuierlichen Stärkung des gegenseitigen Vertrauens zwischen China und dem Heiligen Stuhl wird der Prozess der Sinisierung des Katholizismus sicherlich zu neuen und bedeutenderen Ergebnissen führen.“


Recht und Archive


Bischof Juan Ignacio Arrieta, emeritierter Sekretär des Dikasteriums für Gesetzestexte, bezog sich zu Beginn seines juristisch-kanonisch geprägten Vortrags auf das System der „commissio“, bei dem die Seelsorge für weite Gebiete einem religiösen Orden anvertraut wurde, sowie auf das von Frankreich über die Missionen ausgeübte „religiöse Protektorat“.

Für Bischof Arrieta zeigt die gesamte lange und komplexe Entwicklung in der Geschichte der katholischen Kirche in China und ihrer Institutionen „die Flexibilität der menschlichen Normen des kanonischen Rechts und die Vorrangstellung, die pastorale Erfordernisse gegenüber deren formalem Wortlaut haben“.

Monsignore Flavio Belluomini, Archivar des Dikasteriums für Evangelisierung, stellte in seinem Beitrag die wertvollen Dokumente zu den chinesischen Bischofsweihen von 1926 vor, die im Historischen Archiv der Propaganda Fide aufbewahrt werden. Darunter befindet sich das Protokoll der Audienz, die Pius XI. am 4. Februar 1926 Kardinal Willem Marinus van Rossum, dem Präfekten der Kongregation für die Glaubensverbreitung, gewährte. Dem Dokument zufolge riet der Kardinal dazu, im Umgang mit dem Apostolischen Vikar von Peking in der Frage einer Verkleinerung seines kirchlichen Zuständigkeitsbereichs, mit dem Ziel, ein neues Apostolisches Vikariat zu schaffen, das dem chinesischen Klerus anvertraut werden sollte, mit Feingefühl vorzugehen. Im Protokoll der Audienz heißt es: „Nein“, sagte Seine Heiligkeit, „die Apostolischen Vikare wollen immer die besten Teile behalten und den Rest abtreten, und das darf nicht sein.“ Am 30. März schrieb Van Rossum an Costantini, dass die Weihe durch den Papst „ein großes Ereignis für die Kirchen und für die Kirche darstellt“.

Bei der Vorstellung der Tagung wurde daran erinnert, dass der Weg der sechs Bischöfe „noch immer die Wege kreuzt“, die heute von den chinesischen Katholiken beschritten werden, die dazu berufen sind, „im Glauben der Apostel bewahrt“ zu bleiben, in der Gemeinschaft, deren „unverzichtbares Zeichen die Gemeinschaft jedes Bischofs mit dem Bischof von Rom, dem Nachfolger Petri, ist“.


Im Januar 1959 bat Bischof Simone Zhu Kaimin, der fast blind und ohne Nachfolger war, darum, „für die katholische Religion in China zu beten und andere zum Beten anzuregen“.

Siebenundsechzig Jahre später war der vierte Bischof von Haimen in der Stadt des Petrus, um dessen Spuren zu folgen.

(Fides-Agentur, 5.11.2026)


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