Rom (Fides) – Vor hundert Jahren reisten sechs chinesische Priester von Shanghai aus nach Rom, um in der Vatikanischen Basilika aus den Händen des Nachfolgers Petri, Papst Pius XI., die Bischofsweihe zu empfangen. In den kommenden Tagen werden auch zwei Bischöfe aus China nach Rom kommen, um an dieses Ereignis zu erinnern.
Am Donnerstag, dem 5. November, findet an der Päpstlichen Universität Urbaniana die internationale Tagung „Das Antlitz der Weltkirche in China. 100 Jahre seit der Weihe der ersten sechs chinesischen Bischöfe“ statt, an der Giuseppe Li Shan, Bischof von Peking, und Ignazio Ding Zuyao, Bischof von Haimen, teilnehmen werden.
Am 28. Oktober 1926 weihte Pius XI. im Petersdom Odorico Cheng Hede, Melchior Sun Dezhen, Giuseppe Hu Ruoshan, Filippo Zhao Huaiyi, Simone Zhu Kaimin und Aloysius Chen Guodi: die ersten Chinesen, die in der Neuzeit Nachfolger der Apostel wurden. Bis dahin waren, mit Ausnahme von Gregor Luo Wenzao (1685 zum Bischof geweiht), alle in China tätigen Bischöfe der römischen Kirche ausländische Missionare gewesen. In der Predigt während der Weihemesse gestand Papst Ratti, dass er seine Freude angesichts dieser „ersten Früchte und neuen Triebe des chinesischen Episkopats“ nicht zurückhalten könne.
Die 1926 in Rom feierliche Weihe der sechs chinesischen Bischöfe war ein entscheidender Schritt in der vom Heiligen Stuhl in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vorangetriebenen missionarischen Wende, die auch darauf abzielte, das apostolische Wirken von der kolonialen Mentalität zu befreien. Eine Wende, die durch das Apostolische Schreiben „Maximum illud“ (1919) inspiriert wurde, in dem Papst Benedikt XV. bekräftigt hatte, dass der katholische Glaube „keiner Nation fremd ist“, und der auch dem „Konzil von Shanghai“ von 1924 Kraft verlieh – der ersten großen Synodenversammlung der Kirche in China, auf der die Synodenväter unter anderem gefordert hatten, das Wachstum und die Ausbildung des einheimischen Klerus zu fördern.
Einer der Protagonisten dieses Weges war Erzbischof Celso Costantini, der erste Apostolische Delegat in China, der die sechs Apostolischen Vikare auf ihrer Reise begleitete, die am 10. September 1926 in Shanghai begann.
Zwei Bischöfe aus der Volksrepublik China und drei Kardinäle unter den Referenten
Die Arbeiten beginnen um 10.30 Uhr mit einer Begrüßung durch Prof. Andrea D’Auria, Dekan der Fakultät für Kirchenrecht der Urbaniana. Die Vormittagssitzung, die vom Jesuitenpater Luciano Morra SJ, dem Direktor der Pastoralen Kommission für China, koordiniert wird, sieht einen Beitrag von Kardinal Pietro Parolin, dem Staatssekretär Seiner Heiligkeit, sowie die Vorführung des Dokumentarfilms „Eine lange Reise. Das Abenteuer der sechs chinesischen Bischöfe, die 1926 von Pius XI. in Rom geweiht wurden“ von Teresa Tseng Kuang Yi vor.
Es folgen Vorträge von Bischof Li Shan; des Jesuitenkardinals Stephen Chow Sau Yan, Bischof von Hongkong, zum Thema „Inkulturation, Sinisierung und Interkulturalität der Ausbildung“ sowie von Prof. Mario Luigi Grignani, Dekan der Fakultät für Missionswissenschaft und Dozent für Geschichte der Missionskirche, über den missionarischen Wandel zwischen Benedikt XV. und Pius XI.
Der Nachmittag wird von Dr. Marta Zhao Nan, Leiterin der chinesischen Ausgabe der Nachrichtenagentur Fides, moderiert. Nach dem Beitrag von Bischof Ding Zuyao werden Prof. Elisa Giunipero, Dozentin für chinesische Geschichte an der Katholischen Universität vom Heiligen Herzen, die ihren Vortrag den „sechs Bischöfen und dem Aufbau der Ortskirche“ widmen wird; Prof. Liu Guopeng von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften über die Entwicklung des Systems der Bischofsweihe in China; Bischof Juan Ignacio Arrieta, emeritierter Sekretär des Dikasteriums für Gesetzestexte, über die rechtlichen Aspekte dieser Weihen; sowie Monsignore Flavio Belluomini, Archivar des Dikasteriums für Evangelisierung, der auf Dokumente aus dem Historischen Archiv der Propaganda Fide Bezug nehmen wird. Die Schlussworte wird Kardinal Luis Antonio G. Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung, halten. Chinesische Gesänge werden den Tag untermalen.
Die Anwesenheit der beiden Bischöfe aus der Volksrepublik China erscheint von Bedeutung. Im Jahr 1998 blieben die Sitze der beiden von Johannes Paul II. zur Asiensynode eingeladenen Bischöfe leer; im Jahr 2005 konnte keiner der vier von Benedikt XVI. eingeladenen chinesischen Bischöfe nach Rom reisen. Wie Fides berichtet hat, werden Ereignisse, die einst als außergewöhnlich galten, allmählich zur Gewohnheit: Im Mai 2024 hielt der Bischof von Shanghai, Giuseppe Shen Bin, gerade an der Urbaniana einen Vortrag anlässlich der Tagung zum hundertjährigen Jubiläum des Konzils von Shanghai.
Der 40-jährige Bischof Ding Zuyao wurde am 15. Oktober in Nantong geweiht und ist damit der 19. Bischof, der im Rahmen des vorläufigen Abkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China geweiht wurde. Er leitet eine seit 2023 vakante Diözese von großer symbolischer Bedeutung: Der erste Bischof von Haimen war der Jesuit Simone Zhu Kaimin (1868–1960), einer der sechs von Pius XI. geweihten Bischöfe. Das am 11. August 1926 errichtete Apostolische Vikariat Haimen wurde auf Anregung von Costantini gerade mit der Absicht gegründet, die Leitung eines neuen kirchlichen Bezirks einem Vertreter des chinesischen Klerus anzuvertrauen. In Lisieux, während der Europareise, die die in Rom geweihten chinesischen Bischöfe nach ihrer Weihe unternahmen, überreichte die ältere Schwester der heiligen Therese vom Kinde Jesu Zhu Kaimin eine Reliquie, die heute in der Kathedrale verehrt wird. Der neue Bischof war Pfarrer in Caojiazhen, das als „das chinesische Lisieux“ bezeichnet wird: ein direkter Nachfolger, ein Jahrhundert später, des ersten chinesischen Hirten seiner Kirche.
Auch Peking ist eng mit den Bischofsweihen von 1926 verbunden. Zwei der sechs Geweihten, Filippo Zhao Huaiyi und Melchior Sun Dezhen, waren in Peking geboren und dort ausgebildet worden. Zhao, der 1893 in das Kleine Seminar an der Beitang-Kirche, der heutigen Kathedrale der Diözese, eingetreten war, war Sekretär von Costantini; Sun unterrichtete zwölf Jahre lang am Kleinen Seminar der Hauptstadt. Das Vikariat Xuanhua, das Zhao anvertraut worden war, war vom Vikariat Peking getrennt worden.
Bischof Giuseppe Li Shan wurde 2007 mit dem apostolischen Mandat von Benedikt XVI. und mit Anerkennung durch die zivilen Behörden geweiht. Seine Anwesenheit in Rom, wo 1926 sechs chinesische Bischöfe die apostolische Sukzession aus den Händen von Papst Pius XI. empfingen, macht jene Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom sichtbar, die ein „unverzichtbares Zeichen“ der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche bleibt.
Zur Teilnahme ist eine Anmeldung über den QR-Code im beigefügten Programm erforderlich oder per E-Mail an episcopisinenses@propagandafide.va. Weitere Informationen unter Tel. +39 0669895844.
(MLK) (Fides, 28.10.2026)