SMA
von Antonella Prenna
Rom (Fides) – Pater François Marie Hervé du Penhoat steht seit fast anderthalb Jahren an der Spitze der Gesellschaft der Afrikamissionen in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen. Nach vielen Jahren als Provinzial in Lyon wurde er im Mai 2025 während der XXII. Generalversammlung des Instituts in Rocca di Papa zum Generaloberen gewählt. Das neue Amt konfrontiert ihn mit einer noch internationaleren Realität, geprägt von Sprachen, Kulturen, ständigen Reisen und neuen Verantwortlichkeiten.
In einem Gespräch mit dem Fidesdienst berichtet er von den Herausforderungen einer Missionskongregation, die dazu aufgerufen ist, ihre Art zu sein und zu wirken neu zu überdenken. Die Welt, in der Missionare einst in Gebiete ohne christliche Gemeinschaften aufbrachen, hat sich tiefgreifend verändert: In vielen Regionen Afrikas gibt es mittlerweile gefestigte Ortskirchen, und die Mission nimmt neue Formen an. Es geht nicht mehr nur darum, das Evangelium in ferne Länder zu tragen, sondern die missionarische Dimension jedes Christen und jeder Gemeinschaft wiederzuentdecken.
Von der Ausbildung junger Missionare bis zur Inkulturation, von der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Provinzen bis zur Wahl der Einsatzorte – so stellen sich heute die Fragen, die die SMA beschäftigen: Wie bildet man authentische Missionare aus? Wie lebt man mit den Menschen zusammen, ohne sich darauf zu beschränken, nur mit ihnen zu sprechen? Und wie lässt sich eine missionarische Berufung in einer zunehmend globalisierten, individualistischen und virtuellen Welt bewahren?Diese Überlegungen von Pater François gehen von seiner persönlichen Erfahrung aus, richten den Blick jedoch auf die Mission als Ganzes und auf die Zukunft einer Kongregation, die zwar eine Phase des Wandels durchläuft, aber weiterhin die Präsenz an der Seite der Menschen als Kern ihrer Berufung betrachtet.
„Es war eine große Umstellung für mich: Ich war an Frankreich gewöhnt, wo alles ziemlich unkompliziert ablief. Jetzt, da ich Generaloberer bin, gibt es viele Herausforderungen zu bewältigen – Sprachen, Reisen … und es ist ziemlich frustrierend, an einen Ort zu reisen, von dem man weiß, dass man wahrscheinlich nie wieder dorthin zurückkehren wird. Es ist ganz anders als früher“, erzählt der Missionar.
„Letzte Woche war ich in England und habe verschiedene Menschen getroffen, aber ich glaube nicht, dass ich dorthin zurückkehren werde, denn es gibt so viele Orte zu besuchen und nur wenig Zeit. Tatsächlich sind sechs Jahre eine sehr kurze Zeitspanne“, betont er in Bezug auf die Dauer seiner Amtszeit. Eine der Herausforderungen, denen wir uns bei unserer Ankunft mit dem neuen Team stellen mussten, war gerade die Zusammensetzung der Gruppe. Der Großteil der Mitarbeiter stammte aus Provinzen oder Bezirken; abgesehen von zwei Mitbrüdern aus dem vorherigen Rat waren es also alles neue Leute aus verschiedenen Ländern. Wir mussten gemeinsam mit Menschen, die wir nicht kannten, eine neue Aufgabe erlernen. Es ist alles neu, und ich schätze mich glücklich, dass wir ein gutes Team haben und gut miteinander auskommen.“
Was halten Sie von der Mission im Allgemeinen? Stellen Sie Unterschiede fest zwischen der Zeit, als Sie vor vielen Jahren angefangen haben, und den neuen Gemeinschaften, denen Sie begegnet sind?
Ja. Ich glaube, heute ist es viel schwieriger. Ich denke, früher war es einfacher. Ich fühlte mich ein bisschen wie einer der letzten Missionare „alter Schule“: Ich ging an Orte, an denen es weder Christen noch Kirchen gab. Heute hingegen gibt es eine Diözese, und wir sind Teil davon. Früher habe ich ein neues Missionsgebiet erschlossen, und für mich war es ein Privileg, den Prozess der Bekehrung der Menschen zum Christentum und anschließend den Bau einer Kirche miterleben zu dürfen. Eine Kirche, die aus einer kleinen Dorfgemeinschaft hervorging. Das war wirklich eine wunderschöne Erfahrung. Ich erinnere mich, dass ich oft in den Dörfern war: Um 5.30 Uhr oder um 6 Uhr morgens fand das Gebet statt. Ich sah die Menschen um 5.30 Uhr morgens in der Kapelle knien, obwohl sie noch vor sechs Monaten keine Christen waren. Das hatte etwas Außergewöhnliches. Ich spürte, dass wir Zeugen eines Geheimnisses waren, etwas, das die Beziehung zwischen Gott und dem einzelnen Menschen betraf. Für mich war das ein ganz besonderer Moment.Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Diese Zeit ist fast vorbei. In diesem ganzen Teil Afrikas gibt es mittlerweile Gemeinden: Es gibt keine großen Gebiete mehr ohne Kirchen oder Christen.
Wir wurden gebeten, in neue Länder zu gehen, an bestimmte Orte; vielleicht werden wir dort eine ähnliche Situation vorfinden, wenn wir dorthin gehen.Ich glaube, wir müssen die gesamte Mission neu überdenken. Am Anfang, als Papst Franziskus kam, war ich ziemlich überrumpelt. Ich unterrichtete Missionswissenschaft, und zu Zeiten von Papst Johannes Paul II. war die Unterscheidung ganz klar: Es gab Diözesanpriester und es gab Missionare; wir waren die Missionare. Mit Papst Franziskus hingegen hat sich die Perspektive geändert: Alle sind Missionare, die ganze Kirche ist missionarisch. Letzte Woche in England habe ich, wo immer ich hinkam, den Menschen gesagt: „Ihr müsst eurem Priester helfen, damit er euch helfen kann, gemeinsam zu arbeiten.“ Aber auch eure Priester sind Missionare: Sie müssen die Pfarrei verlassen, um den Menschen entgegenzugehen. Die Mission betrifft nicht nur den Priester, sondern bezieht auch euch mit ein. Deshalb sollten sie euch dazu anregen, die Kirche zu verlassen und auf andere zuzugehen.
Ich persönlich habe einige Zeit gebraucht, um diese neue Dimension zu verinnerlichen. Ich sehe, dass auch unsere Gläubigen dies noch nicht ganz verstanden haben. Wahrscheinlich wird es noch viel Zeit brauchen. Tatsächlich müssen wir einen großen Umdenkprozess vollziehen, eine echte Bekehrung in unserer Haltung, um Missionare für andere zu sein, um aus unserer Reserve herauszukommen. Alle dazu anzuregen, ihre Komfortzone zu verlassen: Das ist in der Tat die große Herausforderung unserer Zeit als Missionare.
Für mich ist es auch eine Herausforderung, denen beizustehen, die leiden. Ich glaube jedoch, dass unsere Leute mehr Vorbereitung und Unterstützung brauchen, um all dies zu bewältigen. Im Moment tun wir nicht alles für sie, was wir tun sollten. Und doch denke ich, dass die bloße Anwesenheit – die Tatsache, da zu sein, dort zu bleiben – für die Menschen von grundlegender Bedeutung ist.
Wie wird entschieden , einen Missionar an einen bestimmten Ort zu entsenden? Neigt man dazu, einen Einheimischen in sein Herkunftsland zu schicken?
Nein, wir lehnen diese Praxis ab. Es gibt zwar eine Tendenz dazu, aber wir widersetzen uns ihr, weil ich glaube, dass dies einer der Kernpunkte unserer missionarischen Berufung ist. Dieser Aspekt würde verloren gehen, wenn jeder in seiner Heimat missionieren würde. Ich glaube, der Bischof erwartet von uns gerade, dass wir etwas anderes verkörpern. Wir bringen etwas Neues in die Diözese ein. Ich erinnere mich, dass man mir in Nigeria sagte: „Ihr seid fremd in all den Diskussionen und Machtkämpfen.“ Ich war Generalvikar in Benin, und das Umfeld um den Bischof herum erinnerte fast an den Hof einer mittelalterlichen Stadt. Wenn man ein Fremder ist, bringt man etwas anderes mit, und ich glaube, in gewisser Weise bringt man Frieden, wenn man seine Rolle richtig ausfüllt.
Wie fügt sich das alles in die derzeitige Organisation der SMA ein?
In der SMA befinden wir uns in einer Übergangsphase. Traditionell war jedes europäische Land für ein bestimmtes afrikanisches Land zuständig. Die Italiener arbeiteten hauptsächlich an der Elfenbeinküste; die Iren in Nigeria, Ghana und Liberia; die Franzosen an der Elfenbeinküste, in Benin und Togo.
Anfangs arbeitete die SMA jedoch international und sehr zentralisiert. Dann gingen wir zu einem stark dezentralisierten System über, in dem jede europäische Provinz ein Land betreute. Jede war fast wie ein kleines Königreich für sich. Damals hatte der Generalrat vor allem eine autoritative Rolle; alles wurde von Cork in Irland oder von Lyon in Frankreich aus organisiert. So funktionierte es.
Seit etwa vierzig Jahren schlagen wir nun dank der Gründung neuer Provinzen und Einheiten in Afrika einen neuen Kurs ein. Heute haben wir ein gemischtes System. Die Provinzen fordern Autonomie, aber die Ausbildung betrifft die gesamte Gesellschaft; in der Vergangenheit hingegen hatte jede Provinz ihr eigenes Ausbildungssystem.
Es gibt viele Themen, mit denen wir uns als Generalrat befassen. Im letzten Jahr haben wir meiner Meinung nach ein gutes Gleichgewicht gewahrt. Bei einer Ernennung beraten sich zwei Einheiten und einigen sich darauf, eine Person zu entsenden, um beispielsweise das Wachstum im Zielland zu fördern.
Der zentrale Aspekt ist vielleicht genau dieser: sich zu verändern, mit der Zeit zu gehen und auf die Herausforderungen jedes einzelnen Landes einzugehen. Wenn man die Orte besucht, kann man die Situation einschätzen und vielleicht für Nigeria, Togo oder andere Länder anders entscheiden.
Ich glaube, wir haben auch bei der Zusammenarbeit zwischen den Einheiten Fortschritte gemacht. In unserer Geschichte hat eine Provinz eigenständig eine neue Mission ins Leben gerufen: Die Provinz Straßburg ging in die Vereinigten Staaten, die französische nach Spanien … Es funktionierte ein bisschen so wie bei den Mönchen und Klöstern, die neue Klöster gründeten. Heute hingegen werden Entscheidungen gemeinsam getroffen. Zum Beispiel haben wir dieses Jahr beschlossen, in den Tschad zu gehen: Das war eine neue Entscheidung, die im Plenarrat getroffen wurde. Wir starten das Projekt, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Wir bauen zwei neue Ausbildungshäuser in Tansania: eines für das zweite Noviziat, also das spirituelle Jahr, und das andere für das Philosophiestudium. In Sambia hingegen verfügen wir über eine Einrichtung für die religiöse Ausbildung.
Gestern haben wir uns mit allen Verantwortlichen der SMA weltweit getroffen, um zusammenzuarbeiten und gemeinsame Lösungen zu finden. In gewisser Weise ist das ein prophetischer Auftrag. Und auch eine Missionskongregation muss prophetisch sein. Wir sollten es also doppelt sein.
Wir haben Missionare auf den Philippinen und in Indien. Wir haben viele junge Menschen in der Ausbildung: Ich glaube, es sind mehr als 400. Das ist eine große Herausforderung. Aber wie können wir diese Menschen zu echten Missionaren machen? Für mich ist das der entscheidende Punkt. Es ist einfach, Menschen in alle Welt zu entsenden; viel schwieriger ist es, echte Missionare auszubilden, Menschen, die wirklich das Evangelium verkünden wollen. Bei der letzten Generalversammlung haben wir genau über den missionarischen Eifer gesprochen.
Was halten Sie im Hinblick auf Ausbildung und Inkulturation für besonders wichtig?
Ein Aspekt, den ich in Frankreich gut verstanden habe, ist der der Inkulturation. Ich habe in Afrika gearbeitet und musste die lokale Kultur kennenlernen, die der Region, in der ich tätig war. Aber mir wurde klar, dass meine afrikanischen Mitbrüder, die nach Frankreich kommen, genau das Gleiche tun müssen, so wie ich es in Afrika getan habe.
Das ist eine grundlegende Aufgabe für uns. Gleichzeitig stellt sich jedoch eine neue Herausforderung im Verhältnis zwischen Kultur und Verkündigung des Evangeliums, auch im Lichte der universellen Kultur und insbesondere der individualistischen Kultur unserer Gesellschaft. Wir können uns nicht einfach dieser Art von Kultur anpassen. Wir müssen unsere eigene christliche Kultur schaffen und als Missionare auch unsere eigene missionarische Kultur. Das ist etwas, was uns heute fehlt. Früher, wenn man einer Missionsgesellschaft beitrat, gab es eine ganz bestimmte Art, Missionar zu sein: Man trat bei und wurde von der Atmosphäre, dem Umfeld und der gemeinsamen Erfahrung geprägt. Heute fehlt uns etwas, weil uns ein Bezugspunkt fehlt.
Wie viele Mitglieder hat die Kongregation?
Wir sind 902. Es ist keine riesige Kongregation.
Als ich in Frankreich war, habe ich versucht, Kontakt zu einer neuen Missionsbewegung aufzunehmen. Einige von ihnen leben eine sehr intensive, alltägliche missionarische Erfahrung, die sich vor allem an junge Menschen an den Stränden richtet, indem sie ihnen sagen: „Jesus liebt euch.“ Es sind wunderbare Menschen. Ich persönlich fühle mich mit diesem Ansatz jedoch nicht wohl. Ich glaube, unsere Art zu handeln besteht darin, mitten unter den Menschen zu sein und mit ihnen zu leben. In diesem Sinne schwimmt unser Ansatz gegen den Strom der neuen, virtuellen Kultur. Ein Teil unseres Lebens – ja, der wichtigste Teil – sollte darin bestehen, mit den Menschen zu leben. Inkulturation bedeutet, das Leben der Menschen zu teilen und die Gegenwart Christi durch unser eigenes Leben und durch das, was wir sind, weiterzugeben.
Was halten Sie übrigens von der letzten Reise von Papst Leo XIV. nach Frankreich?
Ich war in England, sehr beschäftigt, habe das Ereignis aber verfolgt. Ich glaube, dass alle diesen Besuch und das Auftreten des Papstes geschätzt haben: seine Fähigkeit, den Menschen zuzuhören, seine große Aufmerksamkeit gegenüber allen, einschließlich der Kranken in Lourdes. Ich würde sagen, die Reaktionen waren sehr, sehr positiv. Selbst die antiklerikalen Intellektuellen hatten nichts zu beanstanden. Niemand hat Einwände erhoben, außer was die hohen Kosten betrifft. Aber er hat richtig gehandelt und auf die Bedürfnisse des Zeitgeistes reagiert. Es ist unglaublich, wie aufmerksam er ist. Als Provinzial kümmere ich mich – bzw. kümmerte ich mich – um Fragen im Zusammenhang mit Missbrauch. Ich habe daher beobachtet, was er in Lourdes getan hat, wo er sieben Missbrauchsopfer empfangen und jedem etwa fünfzehn Minuten gewidmet hat. Das ist ein beträchtlicher Zeitanteil im Terminkalender eines Wochenendes. Alle hatten das Gefühl, dass ihnen zugehört wurde, wirklich zugehört wurde.
Wie lebt ihr hier im Haus?
Hier im Haus sind wir derzeit etwa zwanzig Personen. Wir beherbergen Studierende. Es gab auch eine Gemeinschaft indischer Franziskanerinnen, aber sie sind dieses Jahr weggezogen: Sie haben in Rom eine Art provinziales Haus für Europa eröffnet. Deshalb haben wir beschlossen, für dieses Jahr keine neuen Studierenden aufzunehmen. Wir müssen lernen, das Haus selbst zu führen und herauszufinden, wie das geht. Die Anwesenheit der Ordensschwestern machte das Leben nämlich viel bequemer. Sicher, auch wir haben unseren Beitrag geleistet, aber es gab viele Dinge, um die sie sich kümmerten, ohne dass wir es merkten. Sie kümmerten sich um sehr viele Aspekte des Alltags. Auch für mich ist das eine Herausforderung. Welche Rolle spielt dieses Haus? Wir brauchen keine so große Einrichtung. Wir brauchen ein Haus in Rom für zwei oder drei Personen: eine, die die Beziehungen zum Vatikan pflegt, und zwei oder drei Studenten. Das könnte ausreichen. Wenn wir beschließen, dieses Haus zu behalten, was auch mit hohen Kosten verbunden ist, müssen wir seiner Existenz jedoch einen Sinn geben.
(Fides, 9/10/2026)
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