WELTMISSIONSSONNTAG - Fernando García, Generaloberer der Xaverianer: „Die Verkündigung entspringt der Begegnung mit Christus“

Samstag, 17 Oktober 2026

Missionari Saveriani

von Paolo Affatato

Rom (Fides) – „Die Mission ist nicht einer Gruppe, einer Elite oder einem bestimmten Kreis vorbehalten: Sie ist eine gemeinsame Verantwortung.“

Pater Fernando García Rodríguez, Generaloberer der Xaverianer, sieht in dieser Aussage eine der bedeutendsten Veränderungen im Verständnis der Mission der Kirche, die im Laufe des letzten Jahrhunderts gereift sind. In einem Gespräch mit dem Fidesdienst anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Weltmissionssonntags ruft er die Gläubigen dazu auf, „den universellen Charakter der Verkündigung des Evangeliums und die Verantwortung eines jeden Getauften wiederzuentdecken“.

„Das Zweite Vatikanische Konzil“, erinnert er, „markierte einen wichtigen Wendepunkt auf diesem Weg, indem es den Ortskirchen eine direkte Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums zuerkannte. Während in der Vergangenheit die Missionswerke bestimmte Gebiete erhielten, in denen sie die kirchliche Präsenz aufbauen sollten, sind sie heute zunehmend dazu aufgerufen, sich in den Dienst der Ortsgemeinden, ihrer Hirten und des Volkes Gottes zu stellen.“ Laut Pater García „handelt es sich nicht um eine Einschränkung der missionarischen Berufung, sondern um ein Zeichen der Reife: Die Kirchen wachsen, festigen sich und werden ihrerseits zu Trägern der Evangelisierung“.

Pater Fernando García Rodríguez, ein 65-jähriger spanischer Xaverianer, wurde 1997 in den Bezirk Kamerun-Tschad entsandt, wo er in der Seelsorge und Ausbildung tätig war und auch das Amt des Regionaloberen bekleidete. Im August 2017 wurde er zum Generaloberen der Xaverianer gewählt und während des XVIII. Generalkapitels, das 2023 in Bukavu in der Demokratischen Republik Kongo stattfand, für eine zweite Amtszeit von sechs Jahren wiedergewählt.„Wir, die Xaverianer, stellen uns in den Dienst einer Ortskirche“, erklärt er und betont, dass die missionarische Verantwortung den Bischof, das Presbyterium, die Ordensleute und die christlichen Gemeinschaften einbezieht. Weiterhin: „Das Wachstum der Kirchen, die aus dem Werk der Evangelisierung hervorgegangen sind, beendet die Mission nicht: Es eröffnet vielmehr neue Möglichkeiten, denn auch die jüngsten Gemeinschaften sind aufgerufen, das Evangelium zu bezeugen und es über ihre eigenen Grenzen hinauszutragen“.

Die „Erstevangelisierung“ in einer sich wandelnden Welt

Dieser Wandel stellt auch die Bedeutung der „missio ad gentes“ in Frage, die traditionell als Verkündigung des Evangeliums in Gebieten verstanden wird, in denen Christus noch nicht bekannt ist und die Kirche nicht präsent ist. „Die geografische Abgrenzung“, bemerkt der Generalobere, „ist heute weniger klar. Es gibt Länder, in denen die Kirche erheblich gewachsen ist, und andere, in denen Christen eine kleine Minderheit bleiben; aber auch in historisch christlichen Gesellschaften begegnet man Menschen, die das Evangelium noch nie wirklich gehört haben oder sich zum ersten Mal dem Glauben nähern möchten.“„Das Problem ist, wo diese missio ad gentes angesiedelt ist“, bemerkt Pater García. Anstatt eine für das missionarische Wirken grundlegende Kategorie aufzugeben, schlägt García vor, „die Erstverkündigung, die sich an diejenigen richtet, die Christus nicht kennen, wieder in den Vordergrund zu rücken“. Eine Verkündigung, die nicht ausschließlich ferne Länder betrifft, sondern „auch in Europa stattfinden kann, wo Säkularisierung, Migration und kulturelle Vielfalt neue Situationen der Begegnung und Evangelisierung hervorbringen“.

Für Pater García geht die Mission heute „einerseits weiter, all jene zu erreichen, die das Evangelium nicht kennen, während andererseits auch Gesellschaften mit alter christlicher Tradition Orte der Erstverkündigung sind, da es dort Menschen und Lebensrealitäten gibt, die noch keine Gelegenheit hatten, die Frohe Botschaft des Evangeliums kennenzulernen“.

Die Mission entsteht aus einer Begegnung

Im Mittelpunkt dieser Perspektive steht eine Gewissheit: „Die Verkündigung entsteht aus der persönlichen Begegnung mit Christus. Wenn man entdeckt, dass das Evangelium eine frohe Botschaft für die Menschheit ist, dass es persönlich eine frohe Botschaft ist, dann entsteht der Wunsch, es zu verkünden“, bekräftigt der Generalobere.

Der Glaube, betont er, lässt sich nicht auf eine Reihe von Geboten oder moralischen Normen reduzieren: „Er ist die Begegnung mit dem lebendigen Gott“, und aus dieser Erfahrung nimmt das christliche Zeugnis Gestalt an. Deshalb „ist die missionarische Begleitung der Ortskirchen von grundlegender Bedeutung: Sie hilft den Gemeinschaften zu verstehen, dass die Mission nicht nur denen überlassen werden kann, die in ein anderes Land aufbrechen, sondern zum alltäglichen Leben jedes Christen gehört“.Der missionarische Auftrag wird so zu einer täglichen Verantwortung, nämlich „mit Worten Zeugnis abzulegen, aber auch durch die Art und Weise, wie man lebt, Beziehungen aufbaut und andere aufnimmt“. „Die Liebe ist der Kern der Mission“, erinnert Pater García und verweist dabei auf das Thema der Botschaft von Papst Leo XIV. zum Missionssonntag. „Die im Glauben empfangene Liebe wird zum Maßstab der christlichen Präsenz, vor allem dort, wo die Menschen am verwundbarsten, am stärksten ausgegrenzt oder vergessen sind.“

Verkündigung, Dialog und Förderung der menschlichen Würde

In der Geschichte der Xaverianer hat die Verkündigung des Evangeliums je nach kulturellem und religiösem Kontext unterschiedliche Formen angenommen. „Die missionarische Präsenz umfasst die ausdrückliche Verkündigung des Glaubens, aber auch den Dienst an der Würde des Menschen, Bildung, Gesundheit, die Förderung von Frauen und die Begleitung diskriminierter Minderheiten“, bemerkt er. „Es handelt sich dabei nicht um Tätigkeiten, die der Evangelisierung fremd sind: Sie sind konkreter Ausdruck eines Dienstes, der aus dem Evangelium und der Überzeugung entspringt, dass jeder Mensch eine Würde besitzt, die es zu achten und zu fördern gilt.“

Der Obere nennt Sierra Leone, „ein afrikanisches Land, in dem Muslime die Mehrheit der Bevölkerung bilden: Das Engagement der Xaverianer hat sich auch durch Bildung und Dienste am Menschen entwickelt, in einem Kontext, in dem Christen in der Minderheit sind“. Was Asien betrifft, erinnert er an Bangladesch, wo die Missionare Initiativen zugunsten der ärmsten und schutzbedürftigsten Gemeinschaften begleiten. Pater García erinnert unter anderem an „einen Mitbruder, der seit Jahrzehnten in einem muslimischen Dorf lebt und sich dem Dienst an Menschen mit Behinderungen widmet. Eine zurückhaltende Präsenz, die sich nicht aufdrängt, sondern das Evangelium durch Nähe und Fürsorge sichtbar macht. In solchen Kontexten erfordert die Mission eine geduldige Präsenz, die fähig ist, die christlichen Gemeinschaften zu begleiten und am Leben der Menschen teilzuhaben“.

In Japan „bietet das Zentrum für interreligiösen Dialog Shinmeizan einen Raum der Begegnung mit der buddhistischen Welt, insbesondere mit Jugendlichen und Studierenden“. In China, so fährt er fort, „leben und arbeiten einige Missionare in Kontexten, in denen ihre Präsenz wie der Sauerteig des Evangeliums wirken kann: ein Zeugnis, das sich im Alltag, in den Beziehungen und in der Treue zur eigenen Berufung ausdrückt“.
An anderen Orten, wie den indigenen Gemeinschaften im brasilianischen Amazonasgebiet, entfaltet sich die Mission der Xaverianer „durch das langfristige Teilen des Lebens der lokalen Bevölkerung. Das Zusammenleben mit Gemeinschaften, die ihre eigenen Kulturen und Traditionen haben, erfordert Zeit, Zuhören und Respekt, auch um friedliche Beziehungen zu fördern und den Dynamiken der Ausgrenzung und Gewalt entgegenzuwirken“.

Für Pater García sind interreligiöser Dialog und Verkündigung keine gegensätzlichen Begriffe: „Die Form der missionarischen Präsenz ändert sich je nach Kontext, bleibt aber darauf ausgerichtet, die Liebe Gottes zu bezeugen, die Menschenwürde zu fördern und friedliche Beziehungen aufzubauen. Sozialer Dienst ersetzt nicht automatisch die explizite Verkündigung, ebenso wenig wie die Verkündigung ohne konkrete Aufmerksamkeit für das Leben der Menschen auskommen kann.“

Bleiben: Wenn das Missionsland zur „Heimat“ wird

Die missionarische Berufung misst sich auch an der Dauer der Anwesenheit.
Die Xaverianer, deren Gründung ursprünglich auf China ausgerichtet war, aus dem sie 1950 ausgewiesen wurden, sind heute in etwa zwanzig Ländern in Afrika, Asien, Amerika und Europa präsent. Die Bedingungen sind sehr unterschiedlich: In einigen Regionen blühen die Ortskirchen; in anderen sind die Christen in der Minderheit; wieder anderswo machen Armut, Ungerechtigkeiten und Konflikte das Leben der Gemeinschaften schwer.

Der Generalobere erinnert an die Präsenz der Missionare in Ländern, die von schweren Spannungen geprägt sind, wie die Demokratische Republik Kongo, insbesondere in der Region Kivu, sowie in Kontexten starker sozialer Fragilität, wie im Tschad und in Mosambik. In diesen Situationen bedeutet die Mission Teilen, Nähe und Durchhaltevermögen, ohne die Risiken und die Leiden der Bevölkerung zu ignorieren.
Um die Verbindung zu beschreiben, die zwischen dem Missionar und dem Ort entsteht, an den er entsandt wird, verweist Pater García auf einen wesentlichen Grundsatz: „Die Mission wird nicht einfach als vorübergehender Auftrag in einem fremden Land gelebt. Das Land, das Gott dir gegeben hat, wird zu deiner Heimat, zu deinem Zuhause“, bekräftigt er. Das Erlernen der Sprache, das Kennenlernen der Kultur und der Aufbau von Beziehungen erfordern Jahre; in vielen Fällen erstreckt sich die Präsenz über das gesamte Leben.

Es ist eine Sichtweise, die den Schwerpunkt „von der Leistung auf die Beziehung“ verlagert: „Der Missionar ist nicht nur derjenige, der einer Gemeinschaft etwas bringt, sondern auch derjenige, der sich aufnehmen lässt, lernt und die Geschichte der Menschen teilt. Die Treue zur Mission zeigt sich somit in der Bereitschaft, Wurzeln zu schlagen und in den Menschen, denen man begegnet, keinen fernen Adressaten zu sehen, sondern eine Gemeinschaft, mit der man gemeinsam den Weg geht.“

Die Laien, Träger der Mission

Die Verantwortung des gesamten Volkes Gottes spiegelt sich auch in der Rolle der Laien wider: „Die Mission gehört nach der konziliaren Sichtweise dem Volk Gottes, das durch die Taufe berufen ist, an der Mission des Herrn teilzunehmen.“

In der Xaverianer-Familie hat dieses Bewusstsein einen konkreten Ausdruck in der Anerkennung der Laien gefunden, die mit dem Geist des Instituts verbunden sind. Auf dem Generalkapitel von 2023, so erinnert der Obere, „wurden die Xaverianer-Laien zum ersten Mal als Berufung und als integraler Bestandteil des Charismas anerkannt, nicht einfach als Mitarbeiter oder Personen, die in unterstützenden Diensten tätig sind“.

Die missionarische Spiritualität kann aus dieser Perspektive „im Unterricht, in den Berufen, im Familienleben, bei der Arbeit und in den nachbarschaftlichen Beziehungen gelebt werden. Es geht darum, das Evangelium in die Gesellschaft zu tragen und dazu beizutragen, sie gerechter und gemeinschaftlicher zu machen“.

Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Weltmissionssonntags kehrt Pater Fernando García zu den Wurzeln zurück: „Die Mission ist das Teilen einer empfangenen Gabe, der Liebe Gottes.“ Die Formen der Verkündigung ändern sich, die Kontexte wandeln sich und die Ortskirchen reifen, aber „der Ruf bleibt bestehen, denen zu begegnen, die das Evangelium noch nicht kennen, und denen nahe zu sein, die ausgegrenzt oder vergessen sind“. Denn, wie der Generalobere betont, „beginnt das missionarische Zeugnis damit, wie man lebt und mit anderen in Beziehung tritt: damit sich niemand von der Liebe Gottes ausgeschlossen fühlt“. Der Gründer der Xaverianer ist der heilige Guido Maria Conforti (1865–1931), ein italienischer Erzbischof. Das Institut wurde am 3. Dezember 1895 gegründet (und 1898 als Kongregation anerkannt) mit dem Ziel, Nichtchristen zu evangelisieren („die Welt zu einer einzigen Familie zu machen“), und ist nach seinem Schutzpatron, dem heiligen Franz Xaver, benannt. Guido Maria Conforti wurde am 17. März 1996 von Johannes Paul II. seliggesprochen und am 23. Oktober 2011 von Benedikt XVI. heiliggesprochen.

Nach den statistischen Angaben der Kongregation gibt es heute weltweit 671 Xaverianer (darunter 4 Bischöfe, 512 Priester, 22 Brüder mit ewiger Profess und 133 Studenten), die in 20 Bezirken, darunter Länder und Delegationen, von Asien bis Afrika, von Amerika bis Europa, vertreten sind. Die größte Anzahl an Mitgliedern ist in Italien mit 142, in Indonesien mit 70, in Mexiko mit 67 und in der Demokratischen Republik Kongo mit 80 zu verzeichnen; es folgen unter anderem Kamerun (36), Südbrasilien (36), Nordbrasilien (27) und Bangladesch (20). Diese Verteilung spiegelt die Vielfalt der Kontexte wider, in denen sich das Charisma der Xaverianer entfaltet: von der Verkündigung des Evangeliums in den jungen Kirchen bis hin zum Dienst an den Ärmsten, zur Förderung der menschlichen Würde und zum interreligiösen Dialog.

(Fides, 17/10/2026)


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