Astana (Fides) – Die Versorgung unheilbar kranker Kinder, der Schutz ihrer Würde und der Beitrag der Religionen im Umgang mit menschlicher Verletzlichkeit stehen im Mittelpunkt des zweiten gemeinsamen Kolloquiums des Internationalen Zentrums für interreligiösen und interkonfessionellen Dialog Kasachstans und des Dikasteriums für den Interreligiösen Dialog des Heiligen Stuhls. Die Tagung findet am 2. und 3. Oktober im Nationalmuseum von Astana statt.
Das Treffen steht unter dem Titel „Gesundheit fördern, Frieden fördern: Ein gemeinsames Engagement für die Fürsorge für verletzliche Kinder“. Es bringt Vertreter staatlicher und institutioneller Einrichtungen, Repräsentanten religiöser Gemeinschaften, Kinderärzte, Fachleute für Bioethik und Theologie sowie Wissenschaftler und weitere Experten zusammen.
Laut offiziellem Programm konzentrieren sich die Gespräche auf drei Themenbereiche: die ethischen Grundlagen der Kinderbetreuung und die interreligiöse Solidarität, den Schutz der Rechte und der Würde kranker Kinder sowie den Ausbau der medizinischen, wissenschaftlichen und institutionellen Zusammenarbeit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf den Chancen und ethischen Fragen beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Kinderheilkunde.
Im Mittelpunkt der zweitägigen Gespräche steht eine grundlegende moralische Frage: Wie kann einem unheilbar kranken Kind nicht nur eine angemessene medizinische Versorgung gewährleistet werden? Wie lassen sich zugleich seine Menschenwürde achten und seine psychischen, sozialen, familiären und spirituellen Bedürfnisse berücksichtigen?
Die Würde eines Kindes wird durch eine Krankheit nicht gemindert. Sie hängt auch nicht davon ab, ob eine vollständige Heilung möglich ist. Dieser Grundsatz prägt die Diskussion über die „Charta der Rechte des Kindes mit unheilbarer Krankheit“, die das Kinderkrankenhaus Bambino Gesù in Rom erarbeitet hat.
Das Dokument stellt das Kind als Person in den Mittelpunkt und betrachtet es nicht nur als Patienten oder medizinischen Fall. Es unterstreicht das Recht auf Begleitung und Versorgung, auch wenn die Medizin keine Heilung mehr ermöglichen kann. Die 2018 erarbeitete Charta ist inzwischen Teil der internationalen Debatte über die Rechte unheilbar kranker Kinder und die pädiatrische Palliativversorgung.
Aus dieser Perspektive endet die Pflicht zur Fürsorge nicht mit dem Wegfall einer heilenden Therapie. Sie umfasst vielmehr die Linderung von Leiden, die Begleitung des Kindes und seiner Familie sowie psychologische Unterstützung. Auf Wunsch gehört dazu auch die Berücksichtigung spiritueller Bedürfnisse.
Der Dialog in Astana geht damit über rein medizinische Fragen hinaus. Er berührt den Wert des menschlichen Lebens, die Bedeutung von Fürsorge und die Verantwortung der Gesellschaft gegenüber besonders verletzlichen Menschen.
Hier erhält der interreligiöse Dialog eine konkrete Dimension. Unterschiedliche religiöse Traditionen können sich trotz verschiedener theologischer Ansätze gemeinsam für die Würde und die Rechte von Kindern einsetzen. Zugleich können sie dazu beitragen, eine Kultur der Fürsorge zu fördern.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die künstliche Intelligenz. Neue Technologien eröffnen zunehmend fortschrittliche Möglichkeiten für Diagnosen, Datenanalysen und die Unterstützung klinischer Entscheidungen. Ihre Entwicklung wirft jedoch auch Fragen auf. Dabei geht es um Verantwortung, den Schutz persönlicher Daten, einen gerechten Zugang zur medizinischen Versorgung und die Rolle der Ärzte.
Entscheidend ist, dass Patienten nicht auf eine Ansammlung von Daten reduziert werden. Technologie kann die medizinische Versorgung unterstützen. Sie darf jedoch nicht die menschliche Interaktion ersetzen, die ein wesentlicher Bestandteil jeder Fürsorge ist.
Für Kasachstan fügt sich der Schutz besonders verletzlicher Kinder in die umfassendere Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl im Bereich des interreligiösen Dialogs ein. Das Land hat den 2003 in Astana gegründeten Kongress der Führer der Welt- und traditionellen Religionen zu einer wichtigen internationalen Plattform für den Austausch zwischen Vertretern verschiedener Glaubensgemeinschaften gemacht.
Papst Franziskus nahm im September 2022 persönlich am siebten Kongress teil. Dabei betonte er die Rolle der Religionen beim Aufbau des Friedens und bei der Verteidigung der Menschenwürde.
Aus diesem Engagement entwickelte sich eine engere Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl. Das erste gemeinsame Kolloquium des Dikasteriums für den Interreligiösen Dialog und des Internationalen Zentrums für interreligiösen und interkonfessionellen Dialog Kasachstans fand im April 2024 in Rom statt.
Der Schutz verletzlicher Kinder ist inzwischen zu einem konkreten Schwerpunkt dieser Zusammenarbeit geworden. Beim achten Kongress der Führer der Welt- und traditionellen Religionen in Astana schlug das Kinderkrankenhaus Bambino Gesù 2025 den religiösen und politischen Verantwortlichen vor, eine „Kultur der Fürsorge“ zu fördern. Im Mittelpunkt sollten dabei besonders schutzbedürftige Kinder stehen. Zudem unterzeichnete das Krankenhaus eine Absichtserklärung mit dem University Medical Center in der kasachischen Hauptstadt.
Das zweite Kolloquium ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Der Dialog über grundlegende Fragen des Friedens soll in eine konkrete Zusammenarbeit münden. Dabei geht es um eine zentrale Frage: Wie kann eine Gesellschaft für ihre besonders verletzlichen Mitglieder sorgen?
Gesundheit und Fürsorge werden so zu Themen, die unmittelbar mit dem Frieden verbunden sind. Ein krankes Kind zu schützen bedeutet anzuerkennen, dass kein Mensch an Wert verliert, wenn er verletzlich wird, auf die Hilfe anderer angewiesen ist oder nicht mehr geheilt werden kann.
Daraus ergibt sich eine gemeinsame Verantwortung. Institutionen, medizinisches Fachpersonal, Familien, Zivilgesellschaft und religiöse Gemeinschaften sind aufgerufen, jeweils im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu einer gemeinsamen Kultur der Fürsorge beizutragen. Der Dialog soll dabei in den Dienst des Menschen und des Friedens gestellt werden.
(PA) (Fides 2/10/2026)