ASIEN/PHILIPPINEN - “White Ribbon Movement” will langfristig zu Themen wie Korruption und Machtmonopolisierung durch Familienclans mobilisieren

Dienstag, 30 Juni 2026

Cbcp

Manila (Fides) – Mit einem am 28. Juni vom „White Ribbon Movement“ veranstalteten Marsch begann eine langfristige Mobilisierungskampagne zu zentralen Themen des sozialen, politischen und kulturellen Lebens der Philippinen. Die Kundgebung stand unter der Schirmherrschaft des „Inerreligious Leaders Council for National Trasformation (IRLCNT) und wurde von verschiedenen Vertretern der philippinischen katholischen Gemeinde unterstützt. Das „weiße Band“ (white ribbon) ist zum Symbol für moralische Integrität, Transparenz und den Kampf gegen systemische Korruption auf den Philippinen geworden.
Der friedliche Marsch, in dessen Rahmen am 28. Juni Tausende Teilnehmende durch die Straßen von Manila zogen, „ist ein überparteilicher Aufruf, der auf Glaube, Wahrheit, Verantwortung, Gerechtigkeit und Integrität im öffentlichen Leben basiert“, erklärte der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz der Philippinen, Erzbischof Gilbert Garcera von Lipa, in einer Stellungnahme. Erzbischof Garcera betonte den spirituellen Wert des Wandels und sagte: „Unsere Nation steht an einem schwierigen Scheideweg. Wir sehen, wie die Wahrheit an den Rand gedrängt, die Gerechtigkeit verzögert und die Spaltung das Gefüge unserer Gesellschaft schwächt, aber wir verlieren die Hoffnung nicht.“ Während Bischof José Colin Bagaforo von Kidapawan, einer der Anführer der Bewegung, der die gemeinsame Eröffnungsmesse zur Demonstration am 28. Juni am EDSA-Denkmal in Manila zelebrierte, bekräftigte: „Wir fordern Integrität, Rechenschaftspflicht, Transparenz und gute Regierungsführung. Korruption, Machtmissbrauch, Straflosigkeit und politische Dynastien müssen im Interesse des Gemeinwohls entschieden bekämpft werden.“
Der Marsch ist keine einmalige Protestaktion, sondern der Beginn eines Prozesses, der sich auf drei Säulen – Politik, Gesellschaft und Kultur – beruft, mit dem Ziel die Straßenproteste in dauerhafte institutionelle Reformen umzuwandeln. In erster Linie will die Bewegung Druck auf Politiker ausüben, indem sie Amtsenthebungsverfahren und gerichtliche Untersuchungen überwacht und Transparenz im Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte sowie in der Senatsuntersuchung (durch den sogenannten „Blue Ribbon Committee“) zum Skandal um Phantomgelder und Projekte fordert, die ursprünglich zur Hochwasserprävention eingesetzt werden sollten und in korrupte Kanälen geflossen sind. Die Bewegung verlangt, dass der Ombudsmann (die für den Schutz der Rechte der Bürger zuständige Figur) Anklagen unabhängig von der politischen Zugehörigkeit erhebt.
Ein weiterer Punkt ist die Forderung nach einem Gesetz zur Bekämpfung politischer Dynastien: Ein auf Unterschriften basierender Volksbegehrensentwurf soll das verfassungsmäßige – bisher aber ignorierte – Verbot der Machtmonopolisierung durch Familienclans umsetzen. Auf politischer Ebene wurde außerdem eine Kampagne zur Reform des Wahlsystems und der Parteienfinanzierung angekündigt, um den Einfluss des Stimmenkaufs zu verringern und volle Transparenz bei den Wahlkampfgeldern zu gewährleisten.
Da diese Themen als entscheidend für die Zukunft des Landes gelten, werden auch Aufklärungskampagnen in den Gemeinden durchgeführt. Wie bereits im Erzbistum Cebu und anderen Diözesen praktiziert, werden weiße Bänder dauerhaft in Schulen, Büros und an Autos angebracht – als sichtbares Zeichen bürgerlichen Bewusstseins. Einen besonderen Beitrag leistet die "Catholic Educational Association of the Philippines" (CEAP), die Gebetstreffen und Diskussionsforen an Schulen und Universitäten im ganzen Land organisiert, um junge Menschen zu verantwortungsbewusstem Bürgertum zu ermutigen.
Da es sich um eine interreligiöse Bewegung handelt, werden zudem regionale Komitees mit katholischen, protestantischen, evangelischen und muslimischen Vertretern eingerichtet, um die Verwendung öffentlicher Gelder für Infrastrukturprojekte auf kommunaler Ebene zu überwachen. Bischof Bagaforo erklärt gegenüber Fides: „Das langfristige Ziel ist es, eine Mentalität und Kultur zu unterbinden, die Korruption als normal betrachtet.“ Zu diesem Zweck plant die Bewegung Konzerte, Straßentheateraufführungen und Kunstwettbewerbe zu den Themen Integrität und soziale Gerechtigkeit, zu denen insbesondere junge Menschen eingeladen werden. Darüber hinaus werde man „innerhalb der katholischen Gemeinschaft werden wir Schulungsprogramme ins Leben rufen, die sich auf die Soziallehre der Kirche und die Unterscheidung der Geister konzentrieren, um die Wähler darin zu schulen, Stimmenkauf bei Wahlen abzulehnen und das Bewusstsein für ihre soziale und politische Verantwortung zu schärfen.“
Ein weiteres Problem, das genau beobachtet wird, ist die Online-Propaganda politischer Clans, die oft durch „fake news“ angeheizt wird. Daher werden spezielle Arbeitsgruppen eingerichtet, um die Umsetzung öffentlicher Infrastrukturprojekte und die Mittelverwendung zu überwachen. Die Bewegung bekräftigt, dass sie strikt „überparteilich und gewaltfrei“ bleibt: Ihr Ziel ist es, ein „kollektives kritisches Gewissen“ zu schaffen, das Ehrlichkeit und Transparenz von allen Regierungsmitgliedern fordert.
Korruption ist auf den Philippinen endemisch, systemisch und eng mit der politischen und wirtschaftlichen Struktur des Landes verwoben. Das Land rangiert in internationalen Indizes weit unten und belegt im Korruptionswahrnehmungsindex von „Transparency International“ Platz 114 von 180 Ländern. Korruption hat verheerende Auswirkungen, da sie wichtige Ressourcen von Gesundheitswesen, Armutsbekämpfung und Entwicklung abzieht. Diese Herausforderung ist im vergangenen Jahr durch den Skandal um „Geisterprojekte“ im Zusammenhang mit Geldern für Hochwasserschutz und -prävention wieder deutlich in den Vordergrund gerückt. Tausende von Dämmen, Kanälen und Flussbarrieren, deren Bau gemäß genehmigten Plänen und mit Mitteln des Ministeriums für öffentliche Arbeiten in Höhe von 118 Milliarden Pesos (fast 2 Milliarden US-Dollar) geplant war, wurden nie fertiggestellt oder mit minderwertigen Materialien errichtet. In einem Geflecht aus Parlamentariern, Regierungsingenieuren und privaten Unternehmen ging über 75 % der bereitgestellten Budgets durch Korruption verloren. Dies führte dazu, dass gefährdete Gebiete und Bevölkerungsgruppen den Taifunen schutzlos ausgeliefert waren, was in der Öffentlichkeit große Empörung auslöste.
(PA) (Fides 30/6/2026)


Teilen: