Von Marie-Lucile Kubacki
Rom (Agenzia Fides) – Der Besuch von Papst Leo XIV. in Pavia am Samstag, dem 20. Juni, hat symbolische Bedeutung. Es ist, als kehre ein Papst als „Sohn des heiligen Augustinus“ zu seinen spirituellen Wurzeln zurück.
In der Basilika „San Pietro in Ciel d’Oro“, wo die Reliquien des heiligen Augustinus seit Jahrhunderten aufbewahrt werden, wird die tiefe Verbundenheit zwischen Papst Leo VIV. und dem „Doctor Gratiae“ deutlich.
Mehr als dreizehn Jahre vor seiner Papstwahl, als er noch Generalprior des Augustinerordens war, beschrieb Robert Francis Prevost in einem Interview die Identität seiner Ordensfamilie: „Der Papst hat uns im 13. Jahrhundert eine Identität gegeben, die zwei Bezugspunkte hat. Der eine ist eindeutig Augustinus: eine Quelle der Lehre, der Hoffnung und des Lichts; er schenkt uns unser Charisma, das Leben in Gemeinschaft gemäß seiner Regel. Was den anderen Aspekt betrifft, müssen wir auf die Zeit unserer juristischen Gründung zurückblicken: Für die Kirche war das 13. Jahrhundert die Ära der Bettelorden, Ausdruck des Bestrebens, eine neue Antwort auf Bedürfnissen der Zeit zu finden. Dies ist eine wichtige Quelle unserer Geschichte.“ Eine Perspektive, die die Wurzeln in der Tradition mit der Hinwendung zu den dringenden Bedürfnissen unserer Zeit verbindet.
In dem von Antonello Sacchi geführten und im Band „Sant’Agostino a Pavia“ (Ancora, 2012) veröffentlichten Interview betonte der damalige Pater Prevost die Offenheit und Zugänglichkeit des augustinischen Charismas: „Der Orden wurde nicht mit einem bestimmten Zweck gegründet: Unser Charisma besteht nicht darin, in Krankenhäusern oder Schulen zu arbeiten. Ein wesentlicher Teil unseres Lebens ist es, auf die Bedürfnisse des Volkes Gottes in der heutigen Zeit einzugehen. Es gibt immer diese Herausforderung: herauszufinden, wie wir diesem Bedürfnis der Kirche und des Volkes Gottes heute am besten begegnen können! Wir arbeiten in vielen Ländern, engagieren uns in der Bildung auf verschiedenen Ebenen, der Orden arbeitet auf theologischer Ebene, aber das ist nicht alles: Wir sind auch in der Mission aktiv. Ich denke zum Beispiel an die Missionen in Lateinamerika, Asien und Indien; ich erinnere mich, dass die ersten Missionare auf den Philippinen ein Augustiner waren. Unser Orden wächst heute in Afrika, Lateinamerika, Indien und auf den Philippinen. Der Orden greift heute auf Augustinus und die Erfahrung der Bettelorden zurück und ist stark in diesem Erbe verwurzelt und richtet, gestärkt durch dieses Glaubensgut, den Blick auf die Bedürfnisse unserer Zeit.“
Der Besuch von Papst Leo XIV. in Pavia – der Besuch des Zentrums für onkologische Adrotherapie (CNAO) und das Treffen mit den Führungskräften, dem medizinischen Personal sowie den dort behandelten Kindern und ihren Eltern, das Treffen mit der Augustiner-Gemeinschaft und den Gläubigen, der Wortgottesdienst und die Verehrung der Reliquien des heiligen Augustinus – erscheint wie die konkrete Verwirklichung dieser Berufung.
Auf die Frage, was die Basilika „San Pietro in Ciel d’Oro“ für den Orden bedeutet, erklärte der damalige Pater Prevost: „Für uns ist es, um mit den Worten von Papst Johannes XXII. zu sprechen, der 1327 den Augustinern die Obhut über die sterblichen Überreste des heiligen Augustinus anvertraute und uns erlaubte, unser Kloster nahe dem Grab des Heiligen zu errichten, von großer Bedeutung, unserem geistlichen Lehrer nahe zu sein. Denn wir tragen die Verantwortung, die jahrhundertealte Verehrung, den Respekt und die Liebe zu Augustinus durch die gesamte Kirchengeschichte hindurch zu bewahren und zu fördern – ein Dienst, der bis heute andauert.“
Es ist diese Nähe zum „Doctor Gratiae“, die Leo XIV. als Bischof von Rom pflegt, indem er die Reliquien des heiligen Augustinus verehrt. „Unsere Anwesenheit in dieser Stadt ist Ausdruck dessen, was wir in der Welt bewirken wollen“, betonte der damalige Generalprior.
In diesem Sinne offenbart das, was der Orden am Grab des heiligen Augustinus in Pavia verwirklicht, was er überall verwirklichen möchte: in der Verkündigung, in der Mission und im Streben nach konkreter Gemeinschaft.
Am Ende des Tages wird der Papst, gemäß dem in den letzten Wochen vom Presseamt des Heiligen Stuhls veröffentlichten Programm, auch Sant’Angelo Lodigiano den Geburtsort der heiligen Francesca Xaveria Cabrini, der Gründerin der Missionarinnen vom Heiligsten Herzen Jesu, besuchen. Dieser Besuch ermöglicht somit eine weitere Auseinandersetzung mit dem besonderen Missionsstil des Mannes, der am 8. Mai 2025 Papst Leo XIV. wurde.
(Fides 19/6/2026)