Lyon: Die Angehörigen von Pauline Jaricot schenken dem “Maison de Lorette” eine Reliquie

Samstag, 13 Juni 2026 päpstliche missionswerke   ortskirchen   mission   heilige  

Lyon (Fides) – Das Antlitz von Pauline Jaricot ist nach Lorette zurückgekehrt. Anlässlich des Gedenkens an das 200jährige Bestehen des Lebendigen Rosenkranzes, das an diesem Wochenende in Lyon von den Päpstlichen Missionswerken und dem Erzbistum gefeiert wurde, schenkten die Angehörigen von Pauline Jaricot dem „Maison de Lorette“ die weiße Gips-Totenmaske, in der sich noch immer eine von Paulines Wimpern befindet. Pauline Jaricot war am 22. Mai 2022 seliggesprochen worden.
Die Übergabe fand im Rahmen eines schlichten Gebets in der Kapelle der Heiligen Philomena statt, in dem Haus, in dem Pauline Jaricot von 1832 bis zu ihrem Tod im Jahr 1862 in Armut lebte. Ein Ort der Ruhe am Hang, zwischen der Basilika von Fourvière und der Kathedrale des heiligen Johannes des Täufers.
Es war Marie-Dominique Escarron, eine Nachfahrin der Familie Jaricot, die die kostbare Maske im Namen ihres „Cousins Jean-Paul“, bei dem die Reliquie aufbewahrt wurde, während eines stillen Gebets überreichte. Die 1944 geborene Marie-Dominique blickt bewegt auf das Treppengeländer, das zu Paulines Zimmer führt: „Wenn ich daran denke, dass sie dieses Geländer berührt hat, um hinaufzugehen …“, murmelt sie. „Pauline ist für mich ‚Tante Pauline‘. Sie war meine Großtante, ich bin die fünfte Generation“, so Marie-Dominique im Garten des Hauses im Gespräch mit Fides. In der Familie wurd die Erinnerung an die Selige gepflegt: „Wir haben immer zu Pauline gebetet. Meine Mutter ließ uns abends beten und erzählte uns von ihr. Wir beteten für alle möglichen Anliegen. So habe Pauline eigentlich immer gekannt“, sagt sie.
Marie-Dominique, eine ehemalige Pfadfinderin und spätere Krankenschwester, die sich seit Langem für die Schwächsten der Gesellschaft einsetzt, sieht ihre Verwandte als Vorbild. „Sehen Sie“, sagt sie bescheiden, „ich glaube nicht, dass Pauline mein Zeugnis braucht, um bekannt zu sein. Ich habe mir immer zum Vorbild genommen, was Pauline geleistet hat, und so habe ich mich verpflichtet, Menschen mit Behinderungen in der Gemeinde Palaiseau in der Region Paris zu helfen, wo ich den Großteil meines Lebens verbracht habe. Es war nicht immer einfach, aber ich finde es ein wunderbares Beispiel, und wir haben trotzdem schon viel erreicht“, erklärt die Frau, sich die nach eigenen Angaben „gerne engagiert“. Auch ihr Sohn und ihre Schwiegertochter haben sich dem stillen Schutz der Seligen verschrieben und ihren Bauernhof „La ferme d’Apolline“ genannt, „in Gedenken an Tante Pauline“, bekräftigt sie.
Marie-Dominique, die sich leidenschaftlich für Genealogie interessiert, vertiefte sich in die Person der Gründerin des Lebendigen Rosenkranzes, nachdem ihre Cousine Nicole sie darauf angesprochen hatte: „Als Nicole mich zur Zeit der Gründung des Vereins der Freunde von Pauline Jaricot kontaktierte, suchte ich im Internet nach alten Büchern, wohl wissend, dass sie nach der Seligsprechung schwerer zu finden sein würden“, erklärt sie. „Ich fand viele Werke, insbesondere eine Ausgabe von ‚Les Contemporains‘ aus dem Jahr 1893.“ Sie betont gern, dass Paulines Großzügigkeit auch auf eine große familiäre Großzügigkeit zurückzuführen sei: „Es war eine sehr großzügige Familie. Auch ihre Mutter war sehr wohltätig, und ich finde, sie verdienen die Heiligsprechung genauso wie die Eltern der heiligen Therese von Lisieux.“

Die Freundschaft zwischen Pauline und dem Pfarrer von Ars

Marie-Dominique konzentriert sich insbesondere auf die Begegnung zwischen Pauline und dem Pfarrer von Ars. Pauline, Tochter des Seidenhändlers Antoine Jaricot, der in Tassin Landbesitzer geworden war, lernte Jean-Marie Vianney kennen, der regelmäßig Gast im Hause Jaricot war. „Ihr Vater, Antoine, war nach der Revolution durch Seidenhandel und andere Geschäfte reich geworden. Mit diesem Geld hatte er Immobilien erworben, vor allem in Tassin, wo sich Jean-Marie Vianney aufhielt, der damals noch nicht Pfarrer von Ars, sondern ein junger Vikar war“, erinnert sich Marie-Dominique. Bald entwickelte sich eine tiefe spirituelle Freundschaft: Der junge Priester, beeindruckt von der inneren Freiheit der jungen Laiin, beschrieb Paulines Geldbeutel als „einen Durchgang“, durch den das Geld zu den Armen gelangte.
Marie-Dominique sieht diese Großzügigkeit auch als prophetische weibliche Kraft in einem alles andere als günstigen Umfeld. „Mich berührt noch ein anderer Aspekt in Paulines Leben: Sie wurde von einigen Herren aus Fourvière verachtet. Sie wurde schlecht beurteilt. Auch ich, habe als Frau, eine solche Beurteilung erfahren, und ich denke, Pauline kann ein Vorbild und eine Quelle der Hilfe sein“, betont sie. „Sie war eine starke junge Frau in einer Zeit, in der Frauen nicht wertgeschätzt wurden. Paulines Zeit war hart, und sie litt unter der fehlenden Anerkennung, aber sie hielt an ihrer Mission und ihrem Wunsch zu helfen fest, geleitet von ihrem Glauben.“
Im hellen Licht von Paulines Zimmer steht die Totenmaske auf einem Regal, wo auch das Kreuz steht, das ihr der Pfarrer von Ars geschenkt hat. Ohne viel Aufhebens bezeugt Marie-Dominique, dass das kostbarste Geschenk, das Pauline ihr hinterlassen hat, ein schlichter Glaube ist: „Für mich ist Glaube kostbar, besonders in schweren Zeiten. Man fühlt sich nicht allein. Man ist immer ein bisschen allein mit sich selbst, ob verheiratet oder nicht, aber man ist nicht verlassen. Glaube kann selbst in Prüfungen wachsen.“ Sie schließt: „In meiner Gemeinde in Perche sind wir nicht genug, um den Lebendigen Rosenkranz zu beten, aber ich bete zwei Rosenkranzgesätze, wenn ich die Kirche schließe.“
Die Fruchtbarkeit eines Werkes zeigt sich auch – und vielleicht vor allem – in diesen kleinen Gesten, Zeichen einer stillen und tiefen Treue.
(MLK) (Fides 13/6/2026)


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