AFRIKA/ÄTHIOPIEN - Mögliche Eskalation der Gewalt in Tigray befürchtet

Dienstag, 21 April 2026

Internet

Addis Abeba (Fides) – Die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) hat die Wiedereinsetzung des Regionalparlaments bekannt gegeben, dessen Wahl einer der Auslöser des Krieges in Nordäthiopien war. In einem Facebook-Post erklärte die Front, ihr Zentralkomitee habe beschlossen, die von rund 2,8 Millionen Menschen gewählte und im Namen des Friedens suspendierte Regierungsversammlung von Tigray wieder einzusetzen. „Diese Entscheidung wurde getroffen, weil die Bundesregierung das Abkommen von Pretoria ohne unsere Zustimmung verletzt“, sagte ein hochrangiger Funktionär der Front, der anonym bleiben wollte.
Laut lokalen Medienberichten besteht in diesem Zusammenhang die Befürchtung einer Wiederaufnahme des blutigen Konflikts zwischen der äthiopischen Regierung und regionalen Kräften, der zwischen 2020 und 2022 bereits mindestens 600.000 Opfer gefordert hat. Seitdem wird das Land gemäß dem Friedensabkommen (Cessation of Hostilities Agreement, CoHa) von Pretoria regiert, das die dauerhafte Einstellung der Kampfhandlungen zwischen der Regierung und der TPLF vorsieht. Das Abkommen wurde von der Afrikanischen Union vermittelt und am 2. November 2022 in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria unterzeichnet (vgl. Fides 3/11/2022). Es sah die Einrichtung einer provisorischen Verwaltung für Tigray im Rahmen eines Dialogs zwischen den beiden Parteien vor, die die gewählten Gremien der Region bis zu Neuwahlen ersetzen sollte. Obwohl die Befreiungsfront, die Äthiopien drei Jahrzehnte lang regierte, weiterhin Einfluss auf regionaler Ebene ausübt, ist sie nach dem Machtantritt von Premierminister Abiy Ahmed nicht mehr als Partei registriert.
Die von den Bundesbehörden nicht anerkannten Wahlen von 2020 waren einer der Auslöser des blutigen Krieges, der die Region in eine beispiellose humanitäre Krise stürzte. Mehr als 1.300 Menschen starben aufgrund von Nahrungsmittel- und Medikamentenmangel. Hilfsorganisationen berichten, dass bis zu 80 % der Bevölkerung auf Nothilfe angewiesen sind und die Finanzierungslücken das Gesundheitssystem massiv belasten.
(AP) (Fides 21/4/2026)


Teilen: