AFRIKA/ÄTHIOPIEN - Katholische Bischöfe: "Wir fordern alle Äthiopier auf, sich dem Hass zu widersetzen, und jeden Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten, zurückzuweisen“

Mittwoch, 11 März 2026

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Addis Abeba (Fides) – „Gewalttaten gegen wehrlose Menschen können durch keine religiöse, kulturelle oder politische Lehre gerechtfertigt werden“, so die Bischöfe der Katholischen Bischofskonferenz Äthiopiens (CBCE) im Hinblick auf die Gewalt und Gräueltaten gegen Zivilisten in verschiedenen Teilen des Landes, insbesondere der jüngsten Massaker in der Region Arsi in Oromia.
Die CBCE sei „zutiefst betrübt über die grausamen und unmenschlichen Morde und Zerstörungen von Eigentum, die unschuldige Menschen in verschiedenen Regionen unseres Landes treffen, insbesondere über die wiederholte Brutalität in der Region Arsi“, heißt es in einer am 9. März 2026 veröffentlichten und vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz und Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus (C.M.), unterzeichneten Erklärung.
„Unsere Kirche verurteilt diese unmenschliche Tat aufs Schärfste. Um die Sicherheit und Unversehrtheit der Bürger zu gewährleisten, fordern wir die Regierung daher auf, alle notwendigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Rechtsstaatlichkeit zu ergreifen“, unterstreichen die Bischöfe zur Position der katholischen Kirche.
Die lokale Presse bezeichnen die Massaker von Arsi als eine tragische Eskalation der Gewalt, bei der Menschenrechtsverletzungen katastrophale Ausmaße erreicht haben. Bezirke wie Shirka, Merti, Guna und Holonto seien zu Brennpunkten der Brutalität geworden, wo Zivilisten von Hinrichtungen, Verletzungen, großflächiger Zerstörung von Eigentum und Zwangsumsiedlungen bedroht sind.
In ihrem Bericht vom März 2026 hat die äthiopische Menschenrechtskommission (EHRC) die Gräueltaten dokumentiert und eine Reihe systematischer Angriffe aufgedeckt, die nach Ansicht der Kommission ein sofortiges Eingreifen der Bundes- und Regionalbehörden erfordern. Die Zahl der Opfer unterstreicht das Ausmaß der Lage: insgesamt 34 orthodoxe Christen wurden kürzlich getötet, davon 26 in Shirka und 4 in Merti, wodurch die Zahl der Opfer allein in Shirka in diesem Jahr auf 164 gestiegen ist. Hinzu kommen 8 Opfer, die im Krankenhaus behandelt wurden, 8 Vermisste und 2 Entführungen. Augenzeugen schildern ein Bild von Angst und Schrecken, Familien fliehen aus ihren Häusern, die humanitäre Krise verschärft sich, Tausende sind auf der Flucht und die lokale Wirtschaft ist durch Angst und Zerstörung gelähmt. Diese Welle der Unruhen kommt zu den Konflikten in Oromia hinzu, die 2025 begannen und mehr als 1.244 zivile Opfer forderten, vor allem in den Gebieten Arsi und West-Arsi.
Die CBCE erinnert insbesondere an die orthodoxen Christen, die Ende Februar Ziel mehrerer Angriffe waren. Am 26. Februar stürmte eine Gruppe von Extremisten einen Markt im östlichen Teil von Arsi, einer historisch friedlichen Gegend, in der Muslime und orthodoxe Christen zusammenleben, und eröffnete das Feuer auf die Menschen. Zwanzig orthodoxe Christen und ein muslimischer Wachmann wurden getötet, mehrere Personen werden vermisst und wurden wahrscheinlich entführt. Lokalen Quellen zufolge befand sich unter den Opfern auch ein Priester, der ums Leben kam, als die Angreifer in eine Kirche eindrangen. Anschließend setzten die Angreifer Häuser und Ernten in Brand und zwangen viele Einwohner zur Flucht in benachbarte Städte, um dort Schutz zu suchen. Dies war kein Einzelfall: Zwei Tage später, am 28. Februar, überfielen weitere Angreifer die Gemeinde erneut und töteten sieben Menschen in einer Kirche.
Die Bischöfe verurteilen jeglicher Form von Gewalt gegen Unschuldige und arbeiten dabei mit der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche, dem Obersten Rat für islamische Angelegenheiten in Äthiopien und zusammen. „Wir fordern alle Äthiopier auf, sich dem Hass zu widersetzen, diesen tragischen Ereignissen nicht zu folgen und jeden Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten, zurückzuweisen“, so die Bischöfe abschließend.
(AP) (Fides 11/3/2026)


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