ASIEN/SYRIEN - Neuanfang für das Kloster Mar Elian: Eine christliche Geschichte

Dienstag, 4 Oktober 2022 mittlerer osten   ostkirchen     heilige   heiligtümer   dschihadisten   islam  

OraProSiria

Von Gianni Valente
Quaryatayn (Fides) - Im August 2015, als die schwarzen Fahnen des Kalifats über weiten Teilen Syriens wehten, hatten Milizionäre des so genannten Islamischen Staates auch das alten syrisch-katholische Kloster Mar Elian verwüstet. Die Kämpfer des IS hatten das Grab des Heiligen entweiht, als wollten sie das auslöschen, was auch sie als das pulsierende Herz des Klosterkomplexes erkannt hatten.
Heute, sieben Jahre später, drängen sich die Christen der Region Dankbarkeit erneut voller Dankbarkeit um die Reliquien von Mar Elian. Es grenzt an ein Wunder, das es den syrischen Christen, aber auch ihren muslimischen Mitbürgern heute wieder möglich ist, rund um die Reliquien des Heiligen einen Ort des Gebets und des Friedens zu finden.
Von dieser christliche Geschichte des Neubeginns berichtet der ehemalige Prior ded Klosters Pater Jacques Mourad, ein syrischer Mönch aus der Klostergemeinschaft Deir Mar Musa, die von dem römischen Jesuiten Pater Paolo Dall'Oglio in Syrien gegründet wurde, der am 29. Juli 2013 in Raqqa, der damaligen syrischen Hochburg des IS, verschwand. Pater Jacques wurde genau aus Mar Elian am 21. Mai 2015 von einem islamistischen Kommando entführt. Der Mönch hat lange Monate der Gefangenschaft ertragen, zunächst in Einzelhaft und dann zusammen mit mehr als 150 Christen aus Quaryatayn, die ebenfalls in den damals vom IS eroberten Gebieten als Geiseln genommen wurden.
Heute, nachdem der von den Dschihadisten zerstörten Klosterkomplex wieder in Besitz die Gemeinschaft von Deir Mar Musa gelang ist, berichtet Pater Jacques von der intensiven Wiederaufbauarbeit der letzten Monate in der Hoffnung, dass Mar Elian wieder aufblüht, die trotz aller Schwierigkeiten "im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation in unserem Land aufgrund der verhängten Sanktionen" gelang.
„Die Arbeiten zur Restaurierung des Klosters", so Pater Jacques, "begannen im März mit dem Bau einer Mauer um den archäologischen Bereich, zu dem vor dem Krieg auch die alte Krypta und die Grabstätte des Heiligen gehörten. Die Arbeiten wurden fortgesetzt, indem in den Ruinen, die noch rund um das Kloster verstreut lagen, alte Steine gesucht und gesammelt wurden, die für den Wiederaufbau verwendet werden konnten. Es folgten der Wiederaufbau der Krypta und die Restaurierung des Grabes mit der Bergung der gefundenen antiken Fragmente“.
Man habe sich gewünscht, erzählt Pater Mourad, „das Fest des heiligen Elian im Kloster zu feiern und die Reliquien des Heiligen zurückzubringen", die Pater Jacques selbst in der Nähe des entweihten Grabes gefunden und gesammelt und nach Homs in Sicherheit gebracht hatte. „Diese Reliquien", so der Mönch von Dei Mar Musa, "sind für alle Menschen in Quaryatayn von großem Wert: für diejenigen, die noch dort leben, aber auch für diejenigen in den Flüchtlingslagern und für diejenigen, die das Land verlassen haben, um eine bessere Zukunft für ihre Kinder zu finden".
Im August letzten Jahres wurde die von Dschihadisten in Brand gesteckte Kirche ebenfalls repariert und mit einem neuen Altar versehen: im Rahmen der Restaurierung wurde der der Ruß von den Wänden absichtlich nicht vollständig entfernt wurde, um sicherzustellen, dass auch an diesem Ort der Verehrung und des Gebets sichtbare Spuren dieses Abschnitts der jüngsten Geschichte verblieben. Junge muslimische Helfer taten ihr Bestes, um die letzten Vorbereitungen gemeinsam durchzuführen. Am 9. September, dem Festtag des heiligen Elian, kamen dann tatsächlich mehr als 350 Personen mit Bussen aus Damaskus, Nabek, Homs, Sadad und Maskané sowie viele syrisch-katholische Priester aus ganz Syrien. An der Einweihungszeremonie unter dem Vorsitz, des syrisch-katholischen Erzbischof von Damaskus, Youhanna Jihad Battah nahm als besonderer Gast auch der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Homs, Mor Timotheos Matta al Khoury, teil. „Die beiden Bischöfe", so erzählt Pater Jacques, "weihten die wieder aufgebaute Krypta und die restaurierte Kirche mit heiligem Öl“.
So wurde die Einweihungszeremonie "zu einer eindrucksvollen Gelegenheit, die Gemeinschaft zwischen den beiden Schwesterkirchen zu bezeugen", die in der Vergangenheit 200 Jahre lang Konflikte um den Besitz des Klosters ausgetragen hatten, die die beiden Gemeinschaften entzweiten, obwohl die Mitglieder zum Teil denselben Familien angehörten. "Der ergreifendste Moment", so Pater Jacques, "war, als die Reliquien des heiligen Elian an der Tür des Klosters ankamen und von dort von einem Christen und einem Muslim hereingetragen und vor den Altar gestellt wurden“. "Alle freuten sich über die Gegenwart des Heiligen". Viele muslimische Freunde und Unterstützer des Klosters waren bei der eucharistischen Liturgie anwesend, um ein Zeichen der brüderlichen Verbundenheit zu setzen. „Nach dem langen Leidensweg, den das syrische Volk hinter sich hat", so Pater Jaques, "konnte man sich kaum vorstellen, dass man wieder die Freude einer solchen Begegnung erleben durfte. Es gibt uns sicherlich eine Kraft, die unsere menschlichen Grenzen übersteigt". Er habe zu erklären versucht, "wie der Herr uns durch die Fürsprache von Mar Elian durch alle Ereignisse nach der Eroberung von Quaryatayn durch Daesh bis zum heutigen Tag begleitet hat. Eine Reise voller Schmerz, aber auch voller Wunder, wie die Erfahrung einer stärkeren Einheit unter den Christen und einer wiederentdeckten Brüderlichkeit auch mit den Muslimen“.
Am Tag der Einweihungszeremonie besuchten Pater Mourad, die Bischöfe und die anderen Teilnehmer der Feier auch die anderen Kirchen in Quaryatayn, die noch immer Spuren des Krieges aufweisen: "Wir haben auch für all die Christen gebetet", erinnert sich Pater Jacques, "die diese Kirchen zuvor mit ihren Gebeten und Liedern gefüllt und Gott die Ehre gegeben haben. Wir haben den Herrn angefleht, dass diese Kirchen wieder zum Leben erwachen, erfüllt von den Gebeten der Christen, die den Herrn lieben".
(Fides 4/10/2022)


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