ASIEN/MYANMAR - Kardinal Bo: "Das Land kann nur durch Versöhnung wiedergeboren werden“

Dienstag, 1 Februar 2022   aussöhnung   gewalt     frieden   ortskirchen  

Yangon (Agenzia Fides) - "Wir befinden uns in einer Art Stillstand. Unsere nationale Gemeinschaft ist zerrüttet. Die Wiederherstellung des Vertrauens und der Wiederaufbau unserer Institutionen werden eine lange und mühsame Aufgabe sein. Der Konflikt wird immer brutaler, die Gräueltaten schockieren jeden Tag mehr. Doch unser Volk hat nicht resigniert, sondern sucht den Frieden in Würde. Das Land kann nur durch Versöhnung wiedergeboren werden. Gewalt ist nicht der einzige Weg, mit dem Bösen umzugehen, und sie ist auch kein wirksamer Weg, denn sie erzeugt mehr Gewalt. Es gibt immer den Weg des Dialogs, den Weg des Friedens und der Versöhnung", so Kardinal Charles Maung Bo, Erzbischof von Yangon und Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz von Myanmar, in einer Botschaft zum Jahrestag des Staatsstreichs vom 1. Februar 2021, als die birmanische Armee die Macht ergriff und die Regierung der Nationalen Liga für Demokratie der Vorsitzenden Aung San Suu Kyi absetzte. Der Staatsstreich löste eine große Welle von Protesten und Streiks aus, die vom Militär unterdrückt wurden und sich in den folgenden Monaten zu einem Bürgerkrieg ausweiteten, bei dem sich landesweit "Volksverteidigungskräfte" bildeten, die sich gegen die Militärjunta stellten.
Der Kardinal erinnert daran, dass er bereits vor einem Jahr "die Armee angefleht hat, den Söhnen und Töchtern dieses Landes kein Leid zuzufügen". Und er betont: "Ich habe die Freilassung aller politischen Gefangenen gefordert. Ich hatte Angst um die Jugend. Diese Botschaften sind auch heute noch gültig. Als Salesianer Don Boscos habe ich ein besonderes Interesse an jungen Menschen. Ich habe mich oft direkt an die jungen Menschen gewandt und ihnen gesagt, dass ich ihren Schmerz verstehe, auch wenn ich mit ihren Lösungen nicht einverstanden bin. Ich bin zutiefst besorgt, dass diese Nation ihre Jugend aufgrund von Frustration, Hass oder Rachegelüsten verlieren könnte“. Aber, so sagt er mit Nachdruck, "es ist dringend notwendig, die Kämpfe einzustellen, die Gewalt zu beenden und humanitäre Hilfe für die Vertriebenen zu ermöglichen".
In der Botschaft stellt Kardinal Bo fest, dass "die Kirchen sehr gelitten haben, weil viele der Gebiete, in denen gekämpft wird, Gebiete ethnischer Minderheiten mit einer große Anzahl von Christen sind. Kirchen waren von Artillerie- und Luftangriffen betroffen. Aber alle leiden in diesem unglücklichen Tal der Tränen, alle sind betroffen, nicht nur die Christen. Millionen von Menschen leiden Hunger".
Darüber hinaus sind Tausende von Menschen zu Unrecht inhaftiert, die Opfer der Gewalt geworden sind: "Sie sollten sofort freigelassen werden. Viele dieser Personen waren noch vor einem Jahr an der Spitze der Regierung. Es sind unsere Leute, und sie müssen freigelassen und in den Versöhnungsprozess einbezogen werden", hofft er.
In dieser schwierigen Situation, so der Kardinal, "sollte die Welt der Lösung der Probleme Myanmars mehr Aufmerksamkeit schenken. Natürlich ist die Welt durch die schrecklichen Ereignisse in Afghanistan, der Ukraine und Äthiopien abgelenkt, aber auch Myanmar ist zerrissen und seine Wirtschaft kollabiert". "Wir wissen es zu schätzen, dass die internationale Gemeinschaft einschließlich China und Japan sowie der ASEAN, uns helfen“, so der Kardinal weiter, „Die ASEAN hat Mindestbedingungen für die künftige Mitgliedschaft Myanmars festgelegt: Einstellung der bewaffneten Angriffe, Freilassung der politischen Gefangenen, Ermöglichung eines Dialogs zwischen den Beteiligten, Zugang für humanitäre Hilfe. Die humanitäre Hilfe muss die Menschen in Not erreichen, sowohl innerhalb des Landes als auch an unseren Grenzen".
"Papst Franziskus", so schließt die Botschaft von Kardinal Bo, "hat der Kirche die große Aufgabe übertragen, in diesem Land ein Friedensstifter zu sein. Jeder hat eine Rolle zu spielen bei der Suche nach Frieden, beim Gebet für den Frieden. Frieden ist der einzige Weg, und die Kirche in Myanmar muss mit allen anderen religiösen Brüdern und Schwestern zusammenarbeiten, um Frieden zu schaffen".
(PA) (Fides 1/2/2022)


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