Silsilah Dialogue Movement
von Paolo Affatato
Zamboanga (Fides) – „Lasst uns weiterhin an das Zusammenleben glauben, die Spiritualität des Dialogs leben und Bande der Freundschaft und Gemeinschaft knüpfen: Lasst uns die Hoffnung auf Frieden und Wohlstand für Mindanao nicht verlieren.“
Dies ist der Gedanke, den Pater Sebastiano D’Ambra (PIME), ein Missionar, der seit langem auf Mindanao, einer weitläufigen Insel im Süden der Philippinen, tätig ist, dem Fidesdienst mitteilte, während die 2019 auf Mindanao gegründete autonome muslimische Region (Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao, BARMM) eine wichtige Phase ihrer Geschichte durchläuft. Die ersten Parlamentswahlen am 14. September (siehe Fides 14.9.2026) und die Bildung der neuen Regionalregierung markieren einen bedeutenden Schritt, während einige Wirtschaftsdaten auf einen Aufschwung hindeuten, auch wenn weiterhin tiefgreifende politische und soziale Schwachstellen bestehen.
Am 30. Oktober 2026 wählte das Regionalparlament der Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao Abdulraof Macacua zum neuen Ministerpräsidenten.
Macacua, ein Vertreter der „Bangsamoro Federalist Party“ (BFP), der die Region bereits kommissarisch geführt hatte, erhielt 51 Stimmen gegenüber 27 Stimmen für den ehemaligen Ministerpräsidenten Murad Ebrahim, der für die „United Bangsamoro Justice Party“ (UBJP) antrat, die mit der historischen politischen Formation der Moro Islamic Liberation Front (MILF) verbunden ist.
Seine Wahl wurde durch eine Koalitionsvereinbarung ermöglicht, nachdem die Parlamentswahlen Mitte September zu einer Versammlung ohne absolute Mehrheit geführt hatten.
Die Wahl stellte einen historischen Wendepunkt dar: Zum ersten Mal wählten die Bürger der Region (etwa sechs Millionen philippinische Muslime bei einer Gesamtbevölkerung von 120 Millionen im ganzen Land) das Parlament in einer demokratischen Abstimmung und beendeten damit die Phase der von der Zentralregierung in Manila eingesetzten Übergangsverwaltung. Die Wahlbeteiligung lag bei über 84 %, was auf eine bedeutende Beteiligung der Bevölkerung hindeutet. Das neue Parlament, bestehend aus 80 Mitgliedern, steht vor der Herausforderung, eine heterogene Koalition zu führen, in der ehemalige Vertreter der Separatistenbewegungen, Parteivertreter und Persönlichkeiten aus lokalen Clans zusammenwirken. Zu den Prioritäten zählen Steuerreformen, die Verwaltung der Einnahmen und Ressourcen des Gebiets sowie Maßnahmen zur sozialen Entwicklung.
Das Wahlergebnis, das als wichtiger Schritt für den Friedensprozess gewertet wird, beseitigt jedoch nicht die Spannungen, politischen Rivalitäten und internen Spaltungen innerhalb lokaler militanter Gruppen wie der Moro National Liberation Front und der Moro Islamic Liberation Front. Während der Wahlen kam es zu Gewalttaten im Zusammenhang mit Rivalitäten zwischen Clans, bei denen fünf Menschen starben und über zwanzig verletzt wurden, vor allem im Gebiet von Cotabato City, während Beobachter von Einschüchterungen, Stimmenkauf und Unregelmäßigkeiten in einigen Bezirken berichteten.
Zudem gilt es, das Verhältnis zur Zentralregierung unter Präsident Ferdinand Marcos Jr. zu regeln. Macacua ist Vertreter einer Partei, die der politischen Formation von Präsident Marcos nahesteht: Analysten zufolge wird die Zukunft der Region auch davon abhängen, inwieweit Manila in der Lage ist, die Selbstverwaltungsrechte der BARMM zu respektieren und die notwendigen Ressourcen zur Umsetzung der Friedensabkommen, insbesondere derjenigen im Zusammenhang mit sozioökonomischen Programmen, bereitzustellen.
„Das Projekt der autonomen Region schreitet auch deshalb voran, weil die Zentralregierung es unterstützt, um ein Wiederaufflammen des Konflikts zu verhindern, doch die Lage ist noch nicht stabil“, stellt Pater D’Ambra fest, Gründer und Leiter der Bewegung für den islamisch-christlichen Dialog „Silsilah“, und erinnert daran, dass die 2019 ins Leben gerufene BARMM ein komplexes Projekt ist, an dem verschiedene Gemeinschaften und ethnische Gruppen wie die Völker der Maguindanao und Maranao beteiligt sind. „Es wurde vor allem ins Leben gerufen, um den Krieg zu vermeiden, und ging mit vielen Finanzierungsversprechen einher. Doch es ist noch nicht gelungen, einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten, noch Entwicklung und Wohlstand für alle zu schaffen.“
Das Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen heilt nämlich nicht die Wunden der Vergangenheit. Insbesondere bleibt das Trauma der Belagerung von Marawi bestehen, jener Stadt, die 2017 während des Konflikts zwischen Regierungstruppen und dem „Islamischen Staat“ nahestehenden bewaffneten Gruppen verwüstet wurde. „Innerhalb der BARMM gibt es noch viele Fragezeichen“, bemerkt Pater D’Ambra, „wie zum Beispiel das Risiko, dass einige Führer – ob Muslime oder nicht – die religiöse Identität nutzen, um persönliche Interessen und Machtansprüche zu verfolgen. Und die Beziehungen zwischen der Region und Manila“, fügt er hinzu, „sind oft von dem Austausch von Gefälligkeiten und politischen Interessen geprägt.“
Der Missionar erkennt jedoch einige positive Veränderungen im Bereich der Sicherheit an: „Es gibt nicht mehr die Konflikte von früher.“ Die Einschränkung der operativen Kapazitäten extremistischer Gruppen wie Abu Sayyaf hat dazu beigetragen, das soziale Umfeld positiv zu verändern, auch wenn damit nicht alle Ursachen der Instabilität beseitigt wurden. Aus diesem Grund, betont er, „setzt sich die kirchliche Gemeinschaft weiterhin für Dialog und Versöhnung ein und versucht, Gelegenheiten für Begegnungen zwischen den verschiedenen Teilen der Gesellschaft zu schaffen“.
Neben dem politischen Wandel geben auch die wirtschaftlichen Indikatoren Anlass zur Hoffnung in der Region Mindanao, die nach wie vor die am stärksten benachteiligte Region der Philippinen ist. Das regionale Bruttoinlandsprodukt wächst und verzeichnete einen Anstieg um 5 %, getragen von der Landwirtschaft, den natürlichen Ressourcen und Investitionen. Nach Angaben der Philippine Statistics Authority ist die Armut in den Haushalten der Autonomen Region von 26 % im Jahr 2023 auf 12,8 % im Jahr 2025 gesunken, doch leben 31 % der Haushalte in Mindanao weiterhin unter Ernährungsarmut (im Jahr 2018 waren es noch über 50 %). Das Wirtschaftswachstum führt jedoch nicht für alle zu Beschäftigungs- und Entwicklungsmöglichkeiten: Die Arbeitslosigkeit ist auf 3,9 % gestiegen, und die Bevölkerung ist weiterhin von Subsistenzlandwirtschaft und Fischerei abhängig, während im Landesinneren nach wie vor clangestützte Klientelsysteme bestehen, die die Entstehung unternehmerischer Aktivitäten behindern.
Besonders gravierend ist die Kluft bei Bildung und grundlegenden Dienstleistungen. Die mehrheitlich muslimischen Provinzen leiden weiterhin unter den Folgen jahrzehntelanger Konflikte, die Schulen, Gesundheitseinrichtungen und die Infrastruktur beschädigt haben. In der BARMM liegt die Grundalphabetisierungsrate unter den Einwohnern über fünf Jahren bei 81 % (gegenüber einem nationalen Durchschnitt von fast 97 %), und es bestehen nach wie vor tiefgreifende Ungleichheiten beim Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Entwicklungsmöglichkeiten.
Vor diesem Hintergrund bleibt laut Pater D’Ambra die Priorität, „Vertrauensbeziehungen in der Gesellschaft und zwischen den Religionsgemeinschaften aufzubauen, die die Grundlage und den Motor für die Entwicklung bilden“, und er betont: „Trotz aller Schwierigkeiten setzen wir uns weiterhin für den Dialog und die soziale und religiöse Versöhnung ein. Wir glauben weiterhin daran.“ Die christliche Gemeinschaft in einer mehrheitlich muslimischen Region, die von einer langen Geschichte der Konflikte geprägt ist, „ist aufgerufen, durch ihre Präsenz, ihr Zuhören und die Begegnung mit den verschiedenen Gemeinschaften zum Zusammenleben beizutragen; sie ist aufgerufen, im Geist des Evangeliums Worte und Gesten des Friedens zu überbringen“, bekräftigt er.
Die Entstehung neuer demokratischer Institutionen und die Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung – so schließt der PIME-Missionar –
„können eine Chance zur Festigung des Friedens darstellen, vorausgesetzt, dass sich die politische Autonomie in Gerechtigkeit, Dienstleistungen und konkreten Möglichkeiten für die Bevölkerung niederschlägt. Die Herausforderung für die Autonome Region Bangsamoro, die einen neuen Abschnitt ihrer Geschichte beginnt, besteht nicht nur darin, die Zeit des Krieges zu überwinden, sondern eine Gesellschaft aufzubauen, in der die verschiedenen Identitäten zusammenleben und am Gemeinwohl teilhaben können“.
(Fides 3/11/2026)