ASIEN/PHILIPPINEN - Gewalt bei den ersten Parlamentswahlen in der muslimischen Autonomen Region „Bangsamoro“

Montag, 14 September 2026

BARMM

Cotabato (Fides) – Ein entscheidender Schritt für die südlichen Philippinen wird von Gewalt und Tod überschattet. Heftige Zusammenstöße haben die ersten Parlamentswahlen in der Autonomen Region Bangsamoro im muslimischen Mindanao (BARMM) gestört, die heute, am 14. September, stattfanden. Bei einer Schießerei in Cotabato City gab es bereits vor Öffnung der Wahllokale drei Tote und fünfzehn Verletzte.

Die Gewalt hat die Bevölkerung erschüttert. Die katholischen Gemeinschaften der Region haben zu friedlichen Wahlen aufgerufen und am Wahltag Gebetstreffen organisiert. Der Pastoralrat der Pfarreien für verantwortungsbewusstes Wählen (PPCRV), eine katholische Organisation, die sich auf zivile Ebene für die Wahlbeobachtung einsetzt, erklärte, dass derzeit Informationen zu den Gewalttaten gesammelt werden.
Ersten Berichten zufolge gingen Schießereien in der Nähe der Wahllokale auf einen Streit um die Position in der Warteschlange zurück. Kurz vor 7 Uhr morgens fielen vor einer als Wahllokal genutzten Schule in Cotabato nach einer Schlägerei Schüsse. Die beteiligten Männer gehörten rivalisierenden Fraktionen an, die aus der Islamischen Moro-Befreiungsfront hervorgegangen sind, die seit Jahrzehnten für regionale Autonomie kämpft. Cotabato City, die Hauptstadt der Region BARMM, war aufgrund von Gewalttaten im Vorfeld der Wahl bereits unter die Kontrolle der Wahlkommission gestellt worden. Über 20.000 Sicherheitskräfte wurden in der gesamten BARMM eingesetzt, darunter Einsatzteams, die speziell für den Umgang mit potenziell gewalttätigen Ausschreitungen ausgebildet wurden.

Die Wahl stellt einen Meilenstein in einem Friedensprozess dar, der Ende der 90er Jahre begann und zur Gründung der autonomen muslimischen Region „Bangsamoro“ (benannt nach den lokalen muslimischen Bevölkerungsgruppen) führte.
Zahlreiche Appelle wurden von Vertretern der Kirche und der Zivilgesellschaft an die Bevölkerung gerichtet: Bischof Leo Dalmao von Basilan erklärte vor der Wahl, dass „der Frieden, den die Provinz in den letzten Jahren erlebt hat, sich im Wahlverlauf widerspiegeln sollte“, und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Wahl „bessere und fähigere Führungskräfte“ für Basilan und die Region Bangsamoro hervorbringen möge.

Der Erzbischof von Cotabato, Charlie Inzon, OMI, veröffentlichte einen Hirtenbrief mit dem Titel „Zu den ersten Parlamentswahlen der BARMM: Gemeinsam voranschreiten in Frieden, Gerechtigkeit und Hoffnung“, in dem er die Wahlen als „einen bedeutenden Meilenstein auf unserem fortwährenden Weg zu dauerhaftem Frieden, authentischer Entwicklung, guter Regierungsführung und der Umsetzung der Anliegen des Bangsamoro-Volkes“ bezeichnete. Er forderte die Wähler auf, „mit Gewissen, Weisheit und Mut“ teilzunehmen und den Kauf und Verkauf von Stimmen, materielle Zuwendungen, Druck, Einschüchterungen oder Fehlinformationen abzulehnen. Im Text des Briefes äußert er den Wunsch, „dem Gemeinwohl, der Menschenwürde und schutzbedürftigen Menschen Vorrang einzuräumen“, und fordert die politischen Parteien und Kandidaten auf, gegenseitige Diskreditierungen zu vermeiden.

Über 2,4 Millionen Wähler sind aufgerufen, an die Urnen zu gehen, um die Mitglieder des 80 Sitze umfassenden Parlaments der BARMM zu wählen, wobei 13 politische Parteien bei den Wahlen kandidieren. Von den 80 Parlamentssitzen werden 40 über politische Parteien vergeben, 32 sind Bezirkssitze aus sechs Wahlkreisen und acht sind „Sektorenvertretern“ vorbehalten, zu denen indigene Völker, Ulama, traditionelle Führer, Jugendliche und Frauen gehören. Die Wahlen, die nach zahlreichen Verschiebungen endlich stattfinden, stellen einen entscheidenden Meilenstein im Friedensprozess dar, der im Bangsamoro-Grundgesetz (Bangsamoro Organic Law) vorgesehen ist, dem grundlegenden, konstitutiven Gesetz der autonomen Region.

Im Süden der Philippinen lebt eine muslimische Bevölkerung von etwa sechs Millionen Bürgern, die sich auf einige Provinzen konzentrieren, vor allem auf der Insel Mindanao. In diesem Gebiet haben sich seit den 1970er Jahren islamistische Bewegungen entwickelt, die – unter anderem auch durch bewaffnete Aufstände – die Unabhängigkeit oder Autonomie von der Regierung in Manila gefordert haben.
Derzeit umfasst die BARMM (Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao) folgende Gebiete der philippinischen Insel Mindanao und benachbarter Inseln: die Provinzen Basilan (mit Ausnahme der Stadt Isabela, die außerhalb der BARMM liegt und zur Region IX gehört); Lanao del Sur; Maguindanao del Norte; Maguindanao del Sur; Tawi-Tawi. Dazu gehören außerdem die Städte Cotabato City (Sitz der Regionalregierung), Marawi City und Lamitan City (in der Provinz Basilan) sowie acht Gemeinden der Provinz North Cotabato, die sich in der Volksabstimmung von 2019 für die Eingliederung in die BARMM ausgesprochen haben. Die Provinz der Sulu-Inseln hingegen wurde nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 2024 aus der BARMM ausgeschlossen, da sie 2019 gegen die Verabschiedung des Bangsamoro Organic Law gestimmt hatte.

(PA) (Fides-Agentur 14/9/2026)


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