Der „parteiübergreifende“ Waffenhandel im sudanesischen Konflikt

Sonntag, 4 Oktober 2026 waffen  

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Von Cosimo Graziani

Khartum (Fides) – Auch im Krieg setzen sich die Gesetze des Marktes häufig über geopolitische Bündnisse und ideologische Nähe hinweg. Das zeigen die Waffenströme im Sudan, wo seit 2023 ein verheerender Krieg tobt.
Die sudanesische Nachrichtenplattform Ayin hat mit Unterstützung von Experten für Open-Source Intelligence (OSINT) ein allgemeines, zugleich aber klares Bild der Waffenlieferungen an die sudanesischen Streitkräfte (SAF) und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) gezeichnet.

Die Lage ist eindeutig: Die Lieferungen an beide Kriegsparteien stammen von Akteuren, die in wenigen Ländern ansässig sind. Dabei gibt es Verflechtungen und Umwege, über die Waffen letztlich an beide Seiten des Konflikts gelangen.
Nach Angaben von Ayin schlossen staatliche sudanesische Rüstungsunternehmen im November 2023 einen Vertrag mit dem türkischen Unternehmen Baykar über die Lieferung von Drohnen. Zu den gelieferten Produkten sollen die bekannten Bayraktar TB2 gehören. Der Gesamtwert des Vertrags soll sich auf rund 111 Millionen Euro belaufen. Insgesamt seien sechs TB2-Drohnen, drei Bodenstationen zur Steuerung sowie 600 Raketensprengköpfe geliefert worden.

Darüber hinaus sollen auch Bayraktar-Akinci-Drohnen geliefert worden sein. Sie unterscheiden sich von den TB2 vor allem in taktischer Hinsicht: Die Akinci können in großer Höhe fliegen, während die TB2 für mittlere Flughöhen ausgelegt sind.
Weitere Lieferanten der SAF haben ihren Sitz im Iran. Von dort sollen zwei Drohnenmodelle stammen: die Mohajer-6 und die Zajil-3. Ayin hebt dabei Unterschiede bei den Lieferwegen hervor. Die Mohajer-6 sollen auf dem Seeweg nach Port Sudan gelangen. Die Zajil-3 hingegen würden über den sudanesischen militärisch-industriellen Komplex geliefert. Dies deutet auf eine gewisse Weiterentwicklung der örtlichen Rüstungsindustrie hin.
Das dritte Land, in dem Lieferanten der SAF tätig sind, ist Pakistan. Auch diese Lieferungen sollen über Port Sudan erfolgen. Neben Drohnen umfasst das aus Pakistan stammende Material auch Munition, die gemeinsam vom türkischen Unternehmen Baykar und dem in Islamabad ansässigen National Aerospace Science and Technology Park hergestellt wird.

Eine paradoxe Gemeinsamkeit verbindet die Lieferungen an SAF und RSF: Beide Seiten nutzen zivile Technologien aus China und Serbien und wandeln sie für militärische Zwecke um, berichtet Ayin. Die entsprechende Technologie gelangt zunächst in den Sudan und wird dort modifiziert. Aus China stammen auch Drohnen, die von den RSF eingesetzt werden. Dazu gehören die Modelle FeiHong FH-95 und CH-95C.
Die Nachrichtenplattform weist zudem auf einen weiteren wichtigen Aspekt hin: Die Lieferungen an die RSF erfolgen über ein Netzwerk mit Verbindungen in die Vereinigten Arabischen Emirate. Über dieses Netzwerk gelangen auch Drohnen türkischer Produktion zu den RSF. Es handelt sich dabei um dieselben Drohnentypen, die auch an die SAF geliefert werden.

Die Wege für Nachschub der RSF und ihre Überschneidungen mit den Lieferketten der SAF machen deutlich: Auch im Krieg gelten die Gesetze des Geschäfts. Rüstungsunternehmen können ihre Waffen vergleichsweise leicht an unterschiedliche Konfliktparteien liefern und damit beide Seiten eines Krieges versorgen.

(Fides 4/10/2026)


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