Archdiocese of Colombo
Colombo (Fides) – Im Verfahren zu den Anschlägen vom 21. April 2019, dem Ostersonntag, auf drei Kirchen und drei Luxushotels in Sri Lanka sind 15 der insgesamt 24 Angeklagten schuldig gesprochen worden. Bei den Attentaten wurden 279 Menschen getötet, darunter 45 Personen aus dem Ausland. Das Oberste Gericht in Colombo verkündete am 22. September das Urteil gegen 15 Männer, denen eine Beteiligung an den Anschlägen vorgeworfen wird. Zu den Verurteilten gehört Mohamed Naufer Moulavi, den die Anklage als eine Schlüsselfigur im Zusammenhang mit der Planung der Anschläge bezeichnet hatte. Neun weitere Angeklagte wurden freigesprochen und sollen aus der Haft entlassen werden.
Das Richtergremium verkündete die Schuldsprüche nach einem fast fünf Jahre dauernden Verfahren. Gegenstand waren mehr als 23.270 Anklagepunkte im Zusammenhang mit den Anschlägen, darunter Mord, Verschwörung zur Begehung terroristischer Handlungen sowie der Besitz von Schusswaffen und Sprengstoff nach dem Gesetz zur Verhinderung des Terrorismus. Die Verkündung des Strafmaßes steht noch aus; dabei könnte auch die Todesstrafe verhängt werden. Das Verfahren gilt als wichtigster Strafprozess gegen Personen, denen vorgeworfen wird, die Anschläge geplant oder mitorganisiert zu haben. Es waren die folgenschwersten Angriffe auf Zivilisten in der Geschichte Sri Lankas.
Mohamed Naufer Moulavi wurde als Anführer einer Gruppe identifiziert, die das aus acht Selbstmordattentätern bestehende Kommando unterstützt haben soll, das die Anschläge ausführte. Parallel zum Strafprozess lief eine gesonderte Untersuchung zu Vorwürfen, wonach einzelne Personen innerhalb des staatlichen Sicherheitsapparats Sri Lankas Verbindungen zu den Verantwortlichen der Anschläge gehabt haben könnten.
Nach den im Prozess vorgebrachten Erkenntnissen gehen die Ermittler davon aus, dass das Netzwerk geschaffen worden sein könnte, um eine Bedrohung der nationalen Sicherheit zu erzeugen und damit die politische Unterstützung für die Familie Rajapaksa zu stärken. Gotabaya Rajapaksa, der zuvor Verteidigungsminister gewesen war, wurde einige Monate nach den Anschlägen zum Präsidenten gewählt. Nach der von den Ermittlern vertretenen These sollte durch die Schaffung von Chaos Rajapaksa – den Politiker, der das Land 2009 zum Sieg über die tamilischen Separatisten geführt hatte – als derjenige dargestellt werden, der am besten geeignet sei, die Sicherheit wiederherzustellen. Rajapaksa und seine politischen Unterstützer weisen die Vorwürfe einer Beteiligung zurück.
Das Verfahren hat die katholische Gemeinschaft Sri Lankas durch die Anschläge auf Kirchen unmittelbar betroffen. Unter der Leitung von Kardinal Malcolm Ranjith, Erzbischof von Colombo, hat sie stets die Forderung nach „Wahrheit und Gerechtigkeit“ bekräftigt. Die Katholiken forderten wiederholt, die Drahtzieher der Anschläge sowie mögliche politische oder nachrichtendienstliche Verbindungen und die Quellen der Finanzierung und Ausbildung der Terroristen zu ermitteln.
In den vergangenen Jahren verlangten sie nachdrücklich die Ernennung eines unabhängigen Staatsanwalts, um die Ermittlungen zu beschleunigen und ihre Unbefangenheit zu gewährleisten. Entsprechende Forderungen richteten sich mit Nachdruck an die Regierungen unter den Präsidenten Rajapaksa und Wickremesinghe sowie zuletzt an die Regierung von Anura Kumara Dissanayake, der 2024 zum Präsidenten gewählt wurde. Zugleich erinnerte die katholische Kirche die politisch Verantwortlichen wiederholt an ihre Verpflichtung, die Wahrheit über die Anschläge ans Licht zu bringen.
Die Forderungen wurden von Demonstrationen, Menschenketten, Gedenkgottesdiensten und Gebetstreffen begleitet und trugen dazu bei, das Thema auch auf internationaler Ebene sichtbar zu machen. Zugleich setzte sich die katholische Gemeinschaft stets für das interreligiöse Zusammenleben ein und rief die Gläubigen dazu auf, keine Vergeltung an der muslimischen Gemeinschaft zu üben. Die Anschläge dürften, so die wiederholte Mahnung, nicht zu ethnischen oder religiösen Konflikten führen.
(PA) (Fides, 22/9/2026)