ASIEN/PHILIPPINEN - Schöpfungszeit: Vom Gebet zum Schutz der Wälder und der indigenen Völker

Mittwoch, 2 September 2026

[Foto di Ken Shono su Unsplash]

Manila (Fides) – Auf den Philippinen ist die „Schöpfungszeit“ – die Zeit vom 1. September bis zum 4. Oktober 2026 unter dem Motto „Lebendiges Wasser“ – nicht nur ein liturgisches Ereignis, sondern ein gemeinsamer Weg für Pfarreien, Diözesen, Ordensgemeinschaften und Bewegungen. Gebet, ökologisches Bewusstsein und konkretes Engagement für den Schutz der Ökosysteme stehen dabei im Mittelpunkt. Diese Zeit ist besonders bedeutsam in einem Land, in dem Abholzung, Bergbau und die Belastung der Ökosysteme eine Bedrohung für die Bevölkerung und insbesondere für die Schwächsten darstellen.
Für 2026 hat die Bischofskonferenz der Philippinen alle kirchlichen Gemeinschaften eingeladen, den Schöpfungstag am ersten Sonntag im September mit der neuen Vorlage der „Missa pro custodia creationis“, der Messe zum Schutz der Schöpfung, zu feiern. Die Einladung ist Teil einer Initiative, die sich in den letzten Jahren bereits etabliert hat und der auf den Philippinen oft bis zum zweiten Sonntag im Oktober andauert, dem Nationalen Tag zum Schutz der indigenen Völker. Dabei wird der Zusammenhang zwischen Umweltschutz, den Rechten indigener Völker und sozialer Gerechtigkeit hervorgehoben.
In diesem Zusammenhang rief der Bischof von Kalookan, Kardinal Pablo Virgilio David , zu einer „echten ökologischen Umkehr“ auf und verband diese mit Gerechtigkeit für die Armen und konkreten Maßnahmen zum Schutz von Wäldern und Meeren. Die liturgische Feier, so Kardinal David, sei der Ausgangspunkt für ein Engagement im Alltag der Gemeinden.
Eine wichtige Rolle spielt die „Laudato-Si'“-Bewegung der Philippinen, die seit Jahren einen ökumenischen „Schöpfungsmarsch“in Manila organisiert, an dem Menschen verschiedener christlicher Konfessionen teilnehmen. Der in neun „Gebetsstationen“ der „Via Creationis“ unterteilte Weg beinhaltet spirituelle Momente und die Reflexion über die gemeinsame Verantwortung für das „gemeinsames Haus“, auch dank der Zusammenarbeit mit ökumenischen Organisationen und Netzwerken.
Dieses Engagement auf nationaler Ebene findet Ausdruck in zahlreichen lokalen Initiativen. Im Erzbistum Manila wird die Schöpfungszeit mit einer Reihe von Veranstaltungen begangen, die mit der Messe am 1. September eröffnet werden. Dazu gehören die Vorführung des Films „The Letter“, der auf der Enzyklika „Laudato Si‘“ basiert, sowie Materialien zur Besinnung und zum Gebet für Pfarreien. Die „Ateneo de Manila University“ beteiligt sich ebenfalls mit künstlerischen, fotografischen und kulturellen Initiativen, die sich an junge Menschen richten. Das Programm gipfelt am 4. Oktober, dem Fest des Heiligen Franz von Assisi, in der öffentlichen Initiative „Jubilee für Creation“.
In der Diözese San Pablo in der Provinz Laguna (auf der Insel Luzon) bietet die Kommission für Ökologie ein wöchentliches Programm mit Treffen und Webinaren zu Umweltungleichheiten sowie Sensibilisierungsmaßnahmen zu einem lokalen Thema an: Das Ahunan-Staudammprojekt in der Provinz Laguna hat aufgrund der damit verbundenen gravierenden ökologischen, sozialen und kulturellen Herausforderungen starken Widerstand in der Bevölkerung hervorgerufen.
Für die Gläubigen der Diözese Imus (einer Suffragandiözese von Manila auf der Insel Luzon) begann die Schöpfungszeit mit einem Treffen auf der „Laudato-Si'-Farm“, an dem Priester, Ordensleute und Vertreter der Pfarreien teilnahmen. Weiter südlich, in der Prälatur Isabela (auf der Insel Basilan), laufen verschiedene Baumpflanzungsinitiativen und Ökotourismusprojekte, um nachhaltige Lebensgrundlagen zu schaffen. Im Erzbistum Davao (auf der Insel Mindanao) ist für den 13. September eine Wallfahrt zum „Bukid sa Kaluoy“ (Berg der Barmherzigkeit) auf der Insel Samal geplant. Geplant sind auch ein Kreuzweg, eine symbolische Baumpflanzung und ein Gottesdienst, der „Social Action Center“ organisiert wird.
Diesen Erfahrungen ist ein gemeinsamer Ansatz gemein: Die Bewahrung der Schöpfung ist untrennbar mit der pastoralen Arbeit verbunden und geht, wenn nötig, mit dem Eintreten gegen umweltschädliche Projekte wie Staudämme, Bodenausbeutung, Abholzung und Bergbau einher.
Der Apostolische Vikar von Taytay auf der Insel Palawan (Zentralphilippinen), Bischof Broderick Pabillo, sprach während der Eröffnungsmesse des zweiten nationalen Kongresses der Konferenz der Ordensoberen der Philippinen über das Verhältnis zwischen Ressourcenausbeutung und christlicher Verantwortung. An dem Kongress nahmen 233 Ordensobere aus 159 Ordensgemeinschaften teil. Bischof Pabillo erinnerte die dauerhafte Schädigung der Wälder: „Man kann Bäume pflanzen, aber man kann sie nicht wieder aufforsten“, erklärte er und stellte damit die Verwendung des Begriffs „Wiederaufforstung“ infrage, wenn versucht werde, die Zerstörung alter oder fast ursprünglicher Wälder durch Neuanpflanzungen auszugleichen. „Das ist eine große Lüge“, bemerkte er und kritisierte die Genehmigungen, die das Fällen Tausender großer Bäume für den Bergbau erlauben. Der Bischof nannte insbesondere den Fall des südlichen Palawan, wo im Rahmen eines lokalen Bergbauprojekts etwa 57.000 Bäume gefällt werden sollen.
„Die Schöpfung sollte nicht ausgebeutet, sondern geachtet werden“, erklärte er und stellte einen Zusammenhang zwischen der Zerstörung von Ökosystemen und den Folgen für die Bevölkerung her: von Überschwemmungen bis hin zu anderen Katastrophen, die durch den Verlust des natürlichen Gleichgewichts verschärft werden. Laut Bischof Pabillo gehört die Sorge für das gemeinsame Zuhause zur eigentlichen Aufgabe des geweihten Lebens: „Die Schöpfung ist Teil von Gottes Erlösungswerk“, sagte er und rief Ordensleute dazu auf, den Umweltschutz als eine spezifisch christliche Verantwortung anzuerkennen. Der Schlüssel liege daher darin, „für die Schöpfung zu beten, aber auch zu lernen, sie zu schützen“.
(PA) (Fides 2/9/2026)


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