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Jakarta (Agenzia Fides) – Bei den Demonstrationen, zu denen sich in den letzten Wochen Tausende Menschen vor dem indonesischen Parlament versammelt haben, kristallisiere sich eine klare Forderung der Bürger heraus: mehr Transparenz, mehr Demokratie, Gerechtigkeit und ein wirksamerer Kampf gegen Korruption. Dies erklärte Pfarrer Aloysius Budi Purnomo, Sekretär der Kommission für interreligiöse Beziehungen der Indonesischen Bischofskonferenz, gegenüber Fides.
„An den Demonstrationen am 27. August nahmen nicht nur Studierende, sondern auch ganz normale Bürger teil, insbesondere aus Zentraljava, wo es Fälle von schwerer Korruption gab“, erläutert der Priester. „Es sind Menschen aller Religionen. Es handelt sich nicht um eine religiös, sondern um eine ethisch motivierte Bewegung.“
In Indonesien, einem Land mit über 270 Millionen Einwohnern, wo das friedliche Zusammenleben von Muslimen, Christen, Hindus, Buddhisten und Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften ein grundlegendes Merkmal der Gesellschaft ist, wurzele der Protest, so Pater Buddi Purnomo, in einer gemeinsamen Auffassung vom Wohl der Nation.
Im Zentrum der Mobilisierung stehe das Parlament, nicht die Regierung oder Präsident Prabowo Subianto selbst. „Die Protestierenden richten sich gegen die Abgeordneten, deshalb findet die Demonstration vor dem Parlament statt. Bislang gibt es keine direkten Forderungen an die Regierung oder den Präsidenten“, erklärt der Priester. Die Forderungen der Protestierenden seien größtenteils lobenswert: „Es gibt eine Forderung nach Transparenz, Demokratie und Gerechtigkeit“, doch diese müsse „selbstverständlich friedlich“ verfolgt werden.
Der Protest hat bereits ein konkretes politisches Ergebnis erzielt. Am 27. August unterzeichneten die führenden Abgeordneten des Repräsentantenhauses nach einem Treffen mit Vertretern der „Aliansi Masyarakat Pati Bersatu“ (AMPB) eine Verpflichtungserklärung zum Gesetz über die Einziehung von aus Straftaten stammenden Vermögenswerten. Das Parlament verpflichtete sich, das Gesetz bis zum 15. Dezember 2026 zu verabschieden. Die unterzeichnenden Abgeordneten erklärten sich bereit, von ihren Ämtern und dem Parlament zurückzutreten, sollte das Gesetz nicht bis zum festgelegten Stichtag verabschiedet werden.
Der 15. Dezember könnte sich als Test für die Fähigkeit der Institutionen erweisen, eine Forderung der Zivilgesellschaft in konkrete Reformen umzusetzen. Der Vorsitzende der Kommission III des indonesischen Parlaments, Habiburokhman, versicherte, dass der Gesetzgebungsprozess bereits im Gange sei und der Dezember als Stichtag im parlamentarischen Zeitplan vorgesehen sei. Das zur Abstimmung stehende Gesetz befasst sich mit einem der heikelsten Themen im Kampf gegen Korruption: der Möglichkeit, aus kriminellen Aktivitäten stammende Vermögenswerte einzuziehen und korrupte Personen der Erträge ihrer Straftaten zu entziehen. Die Billigung stand lange im Mittelpunkt der Forderungen der Zivilgesellschaft.
Die Demonstration verlief jedoch nicht durchgehend friedlich. Nach der Hauptkundgebung vor dem Parlament kam es zu Ausschreitungen durch Gruppen, die von den Behörden und den Medien als „Unruhestifter“ bezeichnet wurden – schwarz gekleidete Personen, die in keiner Verbindung zu den Organisatoren der Proteste standen. Es wurden Brände, Sachbeschädigungen und Zusammenstöße mit der Polizei gemeldet. Über 300 Menschen wurden festgenommen, und ein Zivilist starb, nachdem er bei den Ausschreitungen angeschossen und ins Krankenhaus gebracht worden war.
Diese Unterscheidung ist auch aus Sicht der katholischen Kirche wichtig: „Als Katholiken achten wir auf den Geist der Demonstrationen“, betont Pfarrer Budi Purnomo. „Wenn sie friedlich verlaufen und Forderungen vertreten, die dem Gemeinwohl dienen, wie beispielsweise der Kampf gegen Korruption, können sie als Ausdruck gesunder bürgerlicher Verantwortung verstanden werden. Gewalt hingegen ist mit diesem Streben nach Gerechtigkeit nicht gleichzusetzen.“
Die indonesische Kirche hat in jüngster Zeit ihr moralisches Engagement für eine verantwortungsvolle öffentliche Verwaltung bekräftigt: Sie unterstützt alles, was zur Menschenwürde, Gerechtigkeit, Transparenz und zum Frieden beiträgt, und wahrt dabei eine Haltung des Dialogs und der Verantwortung gegenüber allen Beteiligten.
Diese Position – so erinnert Pfarrer Purnomo – findet einen wichtigen Bezugspunkt in der kürzlich der von dem indonesischen Bischofskonferenz anlässlich des Unabhängigkeitstages am 17. August veröffentlichten Hirtenbrief 2026. In dem Dokument mit dem Titel „Der Weg der Hoffnung inmitten der nationalen Dynamik: Eine synodale Kirche zur Förderung öffentlicher Ethik und Stärkung der menschlichen Solidarität in Indonesien“ äußern sich die Bischöfe zur Lage des Landes.
Die Bischöfe benennen eine vielschichtige Krise mit sozialen, wirtschaftlichen, politischen, ökologischen und moralischen Dimensionen. Zu ihren Sorgen zählen Korruption, Ungleichheit, die Fragilität der öffentlichen Ethik, der Verfall der Demokratie und die Gefahr, dass die Politik letztlich die Interessen von Eliten über das Gemeinwohl stellt.
Besonders bedeutsam, so der Priester, sei die Einladung der Bischöfe, „sich aktiv am nationalen Leben zu beteiligen, ohne dabei Partei zu ergreifen“. Die Kirche müsse, so die Erklärung, eine Präsenz sein, die mit allen Menschen guten Willens zusammenarbeitet und gleichzeitig als kritischer Gesprächspartner gegenüber Institutionen agiert.
Die Analyse des Schreibens verdeutlicht einige der zugrundeliegenden Fragen: den Kampf gegen Korruption, die Qualität der Demokratie, die Bürgerbeteiligung, die institutionelle Rechenschaftspflicht und die Verteidigung der Würde des Einzelnen und der schutzbedürftigsten Gruppen. In diesem Sinne, so Pater Budi Purnomo abschließend, bringe das Dokument der Bischöfe einen wichtigen Punkt zum Ausdruck: „Demokratie ist eine gelebte Kultur der Verantwortung, Transparenz und Teilhabe sowie des Schutzes der Würde jedes Menschen.“
(PA) (Fides 1/9/2026)