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Neu-Delhi (Fides) – „Der politische Erfolg der jungen Leute der ‚Cockroach-Janta-Party‘ (Kakerlaken-Volkspartei) war bedeutsam. Ebenso wichtig war die Unterstützung der christlichen Gemeinschaft. Organisationen und Kirchen veröffentlichten prophetische Erklärungen, in denen sie Gewalt und Korruption verurteilten. Sie bekundeten ihre pastorale Solidarität mit den Studierenden und ihren Familien sowie mit dem Anführer Sonam Wangchuk, der in den Hungerstreik getreten war“, sagte John Dayal, ein indischer katholischer Journalist und Analyst, im Interview mit Fides nach dem Rücktritt des indischen Bildungsministers Dharmendra Pradhan. Dayal verfolgte die Proteste aus nächster Nähe und besuchte die Demonstrierenden in Delhi.
Nach zweimonatigen Straßendemonstrationen in Delhi hat die so genannte „Kakerlaken“-Bewegung die Proteste offiziell beendet, nachdem die Regierung von Narendra Modi alle ihre Hauptforderungen akzeptiert hatte. Pralhad Joshi löste den bisherigen Bildungsminister Pradhan ab. Die Bewegung löste ihre Hauptquartiere in Delhi und im ganzen Land auf, nachdem eine offizielle Vereinbarung mit der Regierung erzielt worden war. Zu den wichtigsten Errungenschaften der überwiegend jugen Anhänger der Bewegung zählen: eine umfassende Reform des Bildungssystems; die formelle Zusage zur Umstrukturierung öffentlicher Wettbewerbe; Entschädigungen für die Familien der mehr als ein Dutzend Schüler, die sich aufgrund des Skandals um Zulassungsverfahren das Leben nahmen; und die Zusage, die an den Protesten beteiligten Studierenden nicht zu verfolgen. Darüber hinaus wird die sofortige Entlassung von 47 Beamten der der für die Aufnahmeprüfungen, die die Proteste ausgelöst hatten, zuständigen „National Testing Agency“ (NTA), erwartet.
Im vergangenen Mai brach der „paper-leak“-Skandal aus, das illegale Durchsickern von Antworten auf die Tests des nationalen Auswahlverfahrens für die Zulassung zur medizinischen Fakultät. Die Absage der Prüfung untergrub die Bemühungen von über zwei Millionen Schülern und Schülerinnen, die sich jahrelang auf die Prüfung vorbereitet hatten, und löste eine Welle der Empörung im Zusammenhang mit Korruption und Jugendarbeitslosigkeit aus.
Dayal stellt in diesem Zusammenhang gegenüber Fides fest: „Mehrere wichtige katholische, protestantische, evangelische und orthodoxe Organisationen haben die Studierenden während der Proteste im Juni und Juli 2026 gegen unzureichende Prüfungsergebnisse, das Durchsickern von Informationen über die Tests und das Eingreifen der Polizei in Delhi öffentlich unterstützt. Einige Christen waren in der Gegend von Jantar Mantar physisch anwesend und organisierten als Freiwillige Gebetsmomente, die Verteilung von Lebensmitteln und Wasser sowie medizinische Hilfe.“
„Ich möchte außerdem daran erinnern“, fährt Dayal fort, „dass die Indische Bischofskonferenz (die Bischöfe dreier katholischer Riten vereint) auf institutioneller Ebene das ihrer Ansicht nach unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei gegen friedlich protestierende Studierende scharf verurteilt hat. Sie betonte, dass diese mit legitimen Forderungen auf die Straße gegangen seien und bezeichnete dies als einen ‚herzzerreißenden Angriff‘ auf die Grundfesten unserer Demokratie.“
Bemerkenswert ist laut dem indischen Journalisten auch, dass die Indische Ordenskonferenz, in der sich die katholischen Ordensgemeinschaften mit ihren zahlreichen Bildungseinrichtungen zusammenschließen, sich mit den Studierenden solidarisiert hat, die öffentliche Prüfungen ablegen. Die Konferenz erklärte: „Ihr Leid ist auch unser Leid; wir stehen solidarisch an ihrer Seite.“ Sie forderte den Schutz des verfassungsmäßigen Rechts auf friedlichen Protest und unterstrich die dringende Notwendigkeit eines glaubwürdigen und korruptionsfreien Prüfungssystems.
Dieses Szenario, so Dayal, stelle eine Chance für das Land dar. In diesem Zusammenhang fordert die „All India Catholic Union“ (AICU), der größte Verband katholischer Laien in Asien, für den Dayal als Sprecher fungiert, ein „Weißbuch zur Bildung“. Elias Vaz, Präsident der 1919 gegründeten AICU, erinnert daran, dass „Lecks im Zusammenhang mit dem NEET und anderen Auswahl- und Aufnahmeprüfungen fast schon zur Normalität geworden sind. Hunderttausende ehrliche Schülerinnen und Schüler sehen sich mit abgesagten Prüfungen, verspäteten Ergebnissen und Karrieren konfrontiert, die durch Inkompetenz und mitunter sogar Komplizenschaft der Behörden gefährdet sind.“ „Die Nationale Bildungspolitik von 2020 versprach einen Wandel; stattdessen hat sie zum Niedergang staatlicher Schulen aufgrund von Vernachlässigung geführt, während verlassene Schulgebäude stillschweigend an ideologische Organisationen übergeben werden. Junge Inder und Inderinnen gehen auf die Straße, weil sie ein System nicht länger tolerieren können, das die Spielregeln für ihre Zukunft ständig ändert“, erinnert Vaz und fordert die indische Regierung dringend auf, eine grundlegende Reform des Bildungssystems zu erwägen.
(PA) (Fides 27/7/2026)