AMERIKA/KUBA - Neue Sanktionen und eine anhaltende Krise: Die katholische Kirche steht an der Seite des kubanischen Volkes

Mittwoch, 15 Juli 2026 ortskirchen   krisengebiete   sanktionen   geopolitik  

Havanna (Fides) – Die neuen US-Sanktionen gegen Kuba treffen eine Bevölkerung, die mit einer der schwersten Wirtschafts- und Sozialkrisen der letzten Jahrzehnte zu kämpfen hat.
Am 13. Juli kündigte das US-Außenministerium neue Beschränkungen gegen das kubanische Tourismusministerium und neun weitere staatliche Einrichtungen an, die für Sektoren wie Außenhandel, Treibstoffversorgung und Dienstleistungen zuständig sind.
Die jüngsten Maßnahmen, die vom „Office of Foreign Assets Control“ (OFAC) veröffentlicht wurden, treffen den Tourismussektor, einen der wichtigsten Wirtschaftsmotoren der Insel, in einer besonders heiklen Phase für das kubanische Energiesystem, das von Treibstoffknappheit und anhaltenden Stromausfällen geprägt ist.
Die Folgen wirken sich auf den Alltag der Kubaner aus: Schwierigkeiten beim Zugang zu Lebensmitteln und Medikamenten, Verschlechterung der Grundversorgung und wachsende soziale Unsicherheit. Die Energiekrise trifft vor allem die ärmsten Familien und erschwert es ihnen, Lebensmittel zu konservieren, an Wasser zu gelangen und ihren Alltag zu bewältigen.
Seit Monaten weisen hochrangige Vertreter der kubanischen Kirche auf die Schwere der Krise im Land hin. Anfang des Jahres riefen die kubanischen Bischöfe dazu auf, „Wege des Dialogs, der gemeinsamen Verantwortung und Lösungen zu suchen, die uns neue Hoffnung geben“, und unterstrichen die Bedeutung von Geschwisterlichkeit und Gemeinwohl (vgl. Fides 17/04/2026). In ihrem Hirtenbrief an das kubanische Volk bekräftigten die Bischöfe, dass die Kirche „dieses Volk, das wir lieben, weiterhin begleiten wird“, insbesondere die Armen, die Kranken, die Familien, die Gefangenen und alle, die sich in besonders schwierigen Lebenslagen befinden. Sie erklärten sich zudem bereit, auf Anfrage dazu beizutragen, „die Feindseligkeiten zwischen den Parteien abzubauen und Raum für eine fruchtbare Zusammenarbeit zum Wohle aller zu schaffen“.
In diesem Kontext setzt auch „Cáritas Cuba“ das konkrete Engagement im Rahmen Hilfsmaßnahmen fort. Dionisio Guillermo García Ibáñez, Erzbischof von Santiago de Cuba und Präsident von Cáritas Cuba, nutzte die Social-Media-Kanäle der Organisation, um die Verteilung humanitärer Hilfe aus den USA für die vom Hurrikan Melissa betroffenen Familien bekannt zu machenn. Der Hurrikan hatte 2025 die östlichen Provinzen der Insel heimgesucht. „Mehr als 50 Container mit Hilfsgütern haben den Hafen und Flughafen passiert. Das löst zwar nicht die Probleme, aber immerhin haben rund 8.000 Familien davon profitiert“, erklärte der Erzbischof. Er stellte außerdem klar, dass die angekündigten Gelder – zunächst drei Millionen Dollar und später sechs Millionen – nicht direkt an Cáritas Cuba gespendet, sondern in Form von Sachspenden über das Kirchennetzwerk verteilt wurden.
Die Hilfslieferungen erreichten die östlichen Diözesen Guantánamo, Holguín, Bayamo-Manzanillo und Santiago de Cuba, wo Tausende von Familien Lebensmittel, Hygieneartikel und andere lebensnotwendige Güter erhielten. Erzbischof García Ibáñez betonte jedoch, dass humanitäre Hilfe allein nicht ausreiche: „So viele Menschen bitten um Hilfe. Und Hilfe allein genügt nicht; sie kann nicht alle Probleme lösen.“ Der Erzbischof hob außerdem hervor, dass die Organisation bei der Unterstützung Bedürftiger keine politischen oder religiösen Unterschiede mache. „Cáritas achtet nicht darauf, welches Land Hilfe anbietet, sondern sagt: Die Hilfe wird gegeben, und wir nehmen sie entgegen, um sie zu verteilen“.
Priester, Freiwillige und katholische Gemeinden beteiligten sich an der Verteilung der Hilfsgüter und erreichten dabei sogar ländliche und schwer zugängliche Gebiete. Laut dem Erzbischof zeigt diese Zusammenarbeit, dass es selbst bei tiefgreifenden politischen Differenzen möglich ist, gemeinsam auf das Leid der Menschen zu reagieren. Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen Kuba konfrontiert ist, ruft er die Gläubigen dazu auf, im Glauben geeint zu bleiben und Wege der Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit zu suchen. „In diesen schwierigen Zeiten, die wir durchmachen, lasst uns das Evangelium stets vor Augen haben“, lautet seine Bitte.
(LGR) (Fides 15/07/2026)


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