AFRIKA/SÜDSUDAN - Bischof Hiiboro Kussala zur Enzyklika “Magnifica Humanitas“: „Welche Art von Generation ziehen wir groß?“

Donnerstag, 18 Juni 2026

Tombura Yambio (Fides) – „Wir sind eine junge Nation. Unser größter Reichtum sind nicht Öl, Gold, Land oder politische Macht. Unser größter Reichtum sind unsere Kinder und Jugendlichen. Viele Kinder verbringen heute mehr Zeit vor Bildschirmen als mit ihren Eltern. Sie kennen Influencer in den sozialen Medien besser als ihre Lehrer. Sie werden Informationen ausgesetzt, lange bevor sie die nötige Weisheit entwickelt haben, um Wahrheit von Lüge, Gut von Böse zu unterscheiden“, so Bischof Eduardo Hiiboro Kussala von der Diözese Tombura Yambio in einem Kommentar zur kürzlich erschienenen Enzyklika „Magnifica Humanitas“, der ersten Enzyklika von Papst Leo XIV., in der dieser daran erinnert, dass Technologie ein Geschenk ist, aber niemals über uns bestimmen darf und uns dienen muss.
„Dies ist ein äußerst eindrucksvolles Dokument, das die Menschheit dazu aufruft, den Menschen und dessen Würde, die Moral, die Weisheit und die Verantwortung in den Mittelpunkt des technologischen Fortschritts zu stellen“, bemerkt der Bischof in einer Stellungnahme, die Fides vorliegt.
„Technologie hat viele Vorteile gebracht“, bekräftigt der Bischof. „Sie hat Menschen vernetzt, den Zugang zu Wissen erweitert, die Kommunikation verbessert und Möglichkeiten eröffnet, die sich frühere Generationen nicht hätten vorstellen können. Doch jeder Vorteil bringt auch Verantwortung mit sich“, erklärt er. „Soziale Medien prägen unser Denken, beeinflussen unser Verhalten, schaffen Vorbilder, bestimmen Werte und formen Meinungen. Oftmals werden sie zum neuen Klassenzimmer, zum neuen Marktplatz, zum neuen Warenhaus und leider manchmal auch zur neuen Quelle der Verwirrung. Erziehen wir Denker oder bloß Konsumenten von Informationen? Erziehen wir verantwortungsbewusste Bürger oder digitale Süchtige? Erziehen wir Führungskräfte oder Mitläufer jeder Modeerscheinung? Helfen wir unseren Kindern, ihre eigene Identität zu finden, oder lassen wir Fremde im Internet diese für sie definieren? All diese Fragen müssen wir uns stellen.“
Bischof Hiiboro bezieht sich insbesondere auf die Realität, die ihn am meisten betrifft, und betont die Wichtigkeit, diese Fragen anzugehen und zu beantworten. „Im Südsudan, wo wir unsere Nation noch im Aufbau befinden, sind diese Fragen umso dringlicher“, bekräftigt er, „Eine Gesellschaft, die sich von einem Konflikt erholt, kann es sich nicht leisten, ihre Kinder an Sucht, Fehlinformationen, Online-Ausbeutung, Stammeshass, Pornografie, Gewalt und moralische Verwirrung zu verlieren. Unsere Kinder brauchen Bücher genauso wie Handys. Sie brauchen Spielplätze genauso wie Plattformen. Sie brauchen echte Freundschaften genauso wie virtuelle Kontakte. Sie brauchen Mentoren mehr als Influencer. Sie brauchen Charakter mehr als Popularität. Ich glaube, die Diskussion sollte sich nicht auf ein Verbot sozialer Medien beschränken. Es sollte darum gehen, Kinder zu schützen, Verantwortung zu fördern und sicherzustellen, dass Technologie der menschlichen Entwicklung dient, anstatt sie zu behindern. Eltern müssen sich stärker einbringen. Schulen müssen digitale Kompetenzen vermitteln. Kirchen müssen den ethischen Umgang mit Technologie diskutieren. Regierungen müssen Richtlinien zum Schutz von Kindern entwickeln. Technologieunternehmen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Vor allem aber müssen junge Menschen selbst lernen, dass Freiheit ohne Verantwortung unweigerlich in Sklaverei umschlägt“.
In diesem Kontext erinnert Bischof Hiiboro auch an die Erwägungen des britischen Premierministers Keir Starmer hervor, der Maßnahmen zur Einschränkung des Zugangs zu sozialen Medien für Kinder unter sechzehn Jahren in Betracht zieht. „Starmers Entscheidung hat in vielen Ländern Debatten, Lob, Kritik und Nachdenken ausgelöst. Ich persönlich halte sie für eine mutige und richtige Entscheidung. Unabhängig davon, ob wir mit allen Details einverstanden sind, wirft sie eine wichtige Frage für uns alle auf: Was für eine Generation ziehen wir da eigentlich groß? Diese Frage ist insbesondere für den Südsudan relevant“.
„Die Botschaft von Papst Leo XIV. in der Enzyklika ‚Magnifica Humanitas‘ ist aktueller denn je“, betont der Prälat. „Menschlicher Fortschritt ohne moralische Weisheit ist gefährlich. Wissen ohne Werte kann zerstören. Technologie ohne Ethik kann die Gesellschaft spalten. In unserem Land dürfen wir die Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema nicht aufschieben; wir dürfen uns nicht darauf beschränken, Straßen, Schulen, Krankenhäuser und Institutionen zu bauen. Wir müssen den Charakter stärken. Die Zukunft einer Nation wird nicht durch die Raffinesse ihrer Technologie bestimmt, sondern durch die Qualität ihres Volkes. Eine Nation mit festen Werten kann Technologie weise nutzen. Eine Nation ohne Werte wird letztendlich zum Opfer ihrer eigenen Erfindungen.“
„Die Herausforderung, vor der wir stehen, ist also keine technologische, sondern eine menschliche“, schließt Bischof Hiiboro. „Die eigentliche Frage ist nicht, ob unsere Kinder Zugang zu sozialen Medien haben dürfen. Die eigentliche Frage ist, ob soziale Medien unseren Kindern helfen, zu den Männern und Frauen zu werden, die Gott geschaffen hat.“
(AP) (Fides 18/6/2026)


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