ASIEN/MYANMAR - Bischof Loikaw nach der Rückgabe der Kathedrale: “Wir bleiben bei den Vertriebenen“

Montag, 15 Juni 2026

Diocese ok Loikaw

Von Paolo Affatato

Loikaw (Fides) – „Es ist eine große Freude, dass die Armee uns die Christkönigs-Kathedrale und das Pastoralzentrum der Diözese Loikaw zurückgegeben hat“, sagte Bischof Celso Ba Shwe von Loikaw, der Hauptstadt des Kayah-Staates (auch Karenni), einer der am stärksten vom Konflikt nach dem Militärputsch im Februar 2021 betroffenen Regionen Myanmars, gegenüber Fides.
Die Kämpfe zwischen der Regierungsarmee und lokalen Widerstandskräften haben in den letzten Jahren eine schwere humanitäre Krise ausgelöst und Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen. Dörfer, Schulen, Gotteshäuser und die zivile Infrastruktur wurden beschädigt oder zerstört, und weite Teile des Gebiets sind weiterhin von Instabilität und bewaffneten Auseinandersetzungen geprägt. In diesem Kontext hat die katholische Kirche der Bevölkerung weiterhin spirituelle und humanitäre Hilfe geleistet und insbesondere Binnenvertriebene in den Aufnahmeeinrichtungen und den entlegensten Gebieten der Region begleitet. Die Rückgabe der Kathedrale – die im November 2023 vom Militär besetzt und in einen Militärstützpunkt umgewandelt worden war – stellt ein Zeichen der Hoffnung für die örtliche katholische Gemeinde dar, trotz einer Situation, die nach wie vor äußerst fragil und prekär ist.
„Ich bin derzeit noch nicht persönlich zurückgekehrt“, so der Bischof gegenüber Fides, „Zwei Priester betreuen die Kathedralpfarrei. Das Dach des Gebäudes war beschädigt, und wir haben eine Teilsanierung auf den Weg gebracht, um die Wiederaufnahme von Gottesdiensten und pastoralen Aktivitäten zu ermöglichen.“ Wie Celso Ba Shwe berichtet benötigt der an die Kathedrale angrenzende Komplex noch umfangreiche Renovierungsarbeiten: „Das Pastoralzentrum muss umfassend saniert und restauriert werden. Wir haben noch immer keinen Strom und kein Wasser und die Gebäude sind daher nicht vollständig zugänglich. Wir arbeiten daran, alles wieder nutzbar zu machen. Wir gehen dabei Schritt für Schritt vor.“ Ein ermutigendes Zeichen sei die Rückkehr einiger Gläubiger: „Einige katholische Gemeindemitglieder kehren in die Kathedralpfarrei zurück. Aus diesem Grund organisieren wir auch wieder unsere pastorale Präsenz und die Begleitung der Gemeinde“, bemerkt er.
Der Bischof lebt derzeit in den Gebieten, in denen sich der Großteil der Vertriebenen konzentriert: „Die Mehrheit der Gläubigen der Diözese“, berichtet er, „lebt noch immer verstreut in abgelegenen Gebieten, in Lagern für Binnenvertriebene oder in den Wäldern. Viele Pfarrkirchen stehen leer und sind geschlossen. Als Hirte sehe ich es als meine Pflicht an, meinen Gemeindemitgliedern nahe zu sein, und ich lebe in einem Gebiet, in dem Tausende von Binnenvertriebenen leben.“ Bischof Ba Shwe ist derzeit im Dorf Shansu, in der Nähe der Kirche der Mutter Gottes untergebracht, und bemerkt: „Von dort aus kann ich die Pfarrkirchen und die verschiedenen Flüchtlingslager besuchen. Wir haben Hunderte von Unterkünften für Binnenvertriebene in der gesamten Diözese. Die Zahl der Vertriebenen übersteigt weit 300.000. In einigen Gebieten dauern die Kämpfe an, während die Lage in anderen relativ ruhig ist.“
Die Präsenz der Kirche an der Seite der Vertriebenen stelle heute auch eine neue Form der Mission dar. „Ich besuche regelmäßig die Flüchtlingslager, und alle Priester der Diözese tun dasselbe. Die meisten von ihnen leben dauerhaft in diesen Lagern zusammen mit den Vertriebenen. Es ist eine andere Aufgabe, eine andere Art, Priester zu sein. Auch die Seelsorge verändert sich: Sie findet nicht mehr nur in einer Kirche oder einem bestimmten Gebiet statt, sondern in der Gemeinde, unter den Menschen, wo immer sie sich befinden.“
In dieser unsicheren Lage gebe der Glaube der Bevölkerung weiterhin Halt: „Wir wissen nicht, wann Gott uns die Rückkehr in unsere Häuser und Kirchen erlauben wird“, erklärt er, „aber wo immer wir und unsere Gläubigen sind, bewahren wir einen tiefen Glauben an Gott. Wir halten an der Hoffnung fest, eines Tages zurückkehren zu können. Wir sagen immer, dass Frieden möglich ist, auch wenn es seine Zeit braucht.“
Der Alltag in den Flüchtlingscamps sei von Unsicherheit, aber auch von Solidarität geprägt: „Wir erleben die Schwierigkeiten der Flüchtlingslager gemeinsam und helfen einander. Dank der Unterstützung von Spendern, die für uns die göttliche Vorsehung verkörpern, können wir überleben. Dieser Geist des Teilens ist ein Zeichen von Gottes Gegenwart. Hier können wir Jesu Aufforderung in die Tat umsetzen: ‚Liebt einander.‘ Genau dort sehen und erfahren wir Gottes Gegenwart“, bemerkt er.
Der Bischof betont auch das große spirituelle Bedürfnis der Bevölkerung: „Die Menschen brauchen den Bischof, die Priester und die Ordensleute. Sie möchten ihnen begegnen, sie sehen und ihre Kinder zu den Sakramenten begleiten. In den Flüchtlingslagern spenden wir weiterhin Taufen, Erstkommunionen und Firmungen. Das ist ein großer Segen für Menschen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen und durch den Glauben Hoffnung schöpfen.“
Mit Blick auf die allgemeine Lage in Myanmar bekräftigte Bischof Ba Shwe die Dringlichkeit der nationalen Versöhnung: „Wir wünschen uns Frieden und Versöhnung. Wir wollen, dass die Menschen zusammenkommen und sich vereinen. Ohne Versöhnung wird es keinen Frieden geben. Deshalb schlagen wir einen Weg der nationalen Versöhnung vor und begleiten ihn im Gebet. Dieser Weg muss politische Führungskräfte, bewaffnete Gruppen und die staatlichen Behörden einbeziehen. Es hängt von ihnen ab, aber heute müssen wir in erster Linie an die Menschen, die Nation und insbesondere an die Ärmsten denken.“
Die Notlage der jüngeren Generationen bereite besondere Sorgen. „Wir machen uns große Sorgen um die jungen Menschen. Sie brauchen eine gute Bildung, und wir versuchen, alles in unserer Macht Stehende zu tun. Oft organisieren wir dank des Engagements der Ordensschwestern informelle Schulen und Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche mit den begrenzten Ressourcen und Lehrmaterialien, die uns zur Verfügung stehen.“
„Wir können nicht viel tun“, schließt der Bischof, „aber unsere Anwesenheit, unsere Ermutigung, unsere Nähe und unser Interesse sind sehr wichtig. Trotz dieser schwierigen Lage halten die Menschen an ihrem Glauben fest. Unsere Hoffnung ruht allein auf Gott. Wir müssen uns stets daran erinnern, dass alles von ihm kommt, dass er uns liebt und sein Volk nicht verlässt.“
(Fides 15/6/2026)


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