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Von Marie-Lucile Kubacki
Vatikanstadt (Fides) – Die Dringlichkeit einer dauerhaften „missionarischen Umkehr“ stand im Mittelpunkt der englischsprachigen Ansprache von Papst Leo XIV. an die Teilnehmer der Generalversammlung der Päpstlichen Missionswerke, die er am Montag, dem 1. Juni, in der „Sala Clementina“ des Apostolischen Palastes in Audienz empfing. Im Saal befanden sich über hundert Nationaldirektoren der Päpstlichen Missionswerke aus fünf Kontinenten, Kardinal Luis Antonio Tagle, weitere hochrangige Vertreter des Dikasteriums für Mission und Mitarbeitende der internationalen Sekretariate der Päpstlichen Missionswerke.
Bedeutende "Meilensteine” im Jahr 2026
Das laufende Jahr, so der Papst, sei „reich an missionarischen Meilensteinen“, angefangen mit dem hundertjährigen Jubiläum der Einführung des Weltmissionssonntages durch Papst Pius XI. „auf Bitten des Päpstlichen Werkes für die Glaubensverbreitung“. Seit hundert Jahren wird der vorletzte Sonntag im Oktober in aller Welt als Weltmissionssonntag begangen. „Dieser Tag ist dem Gebet, der Besinnung und dem Beitrag zum Evangelisierungsauftrag der Kirche gewidmet, insbesondere in Gebieten, in denen die Verkündigung des Evangeliums erst beginnt und die Kirche noch jung ist.“
Der Bischof von Rom betonte die konkrete Dimension dieses Engagements: „An diesem Tag“, sagte Papst Leo, „ist jede katholische Gemeinde eingeladen, zu beten und geistliche und materielle Opfer für die Missionsarbeit in den Gebieten der Erstevangelisierung darzubringen und die jungen Kirchen zu unterstützen.“ Dieses weltweite Engagement drückt die Gemeinschaft der Kirche aus: „Ich freue mich“, so der Papst, „ihnen allen und allen, die mit Ihnen weltweit zusammenarbeiten, meinen Dank auszusprechen für all Ihre Bemühungen, ob groß oder klein, den Weltmissionssonntag in allen kirchlichen Bereichen der universalen Gemeinschaft der Kirche zu fördern.“
Leo XIV. erinnerte auch an einen oft übersehenen, aber wesentlichen Aspekt: „Wenn ich hinzufügen darf“, sagte er, „eines der besonderen Ziele des Weltmissionstages ist es, die Gläubigen der ältesten Kirchen, der sozusagen konsolidierten Kirchen, daran zu erinnern, wie wichtig es ist, dass auch sie sich mit dem missionarischen Geist der gesamten Kirche vereinen.“
Der Papst hob die konkrete Rolle der einzelnen Päpstlichen Missionswerke hervor, die unter anderem durch die weltweit Weltmissionssonntag gesammelten Spenden ermöglicht wird. Diese Arbeit unterstützt durch das Päpstliche Werk für die Glaubensverbreitung die apostolische Tätigkeit in über 1.130 Kirchsprengeln in den Gebieten, die dem Dikasterium für Evangelisierung (Sektion für die Erstevangelisierung und neuen Teilkirchen, unterstehen. Diese Sektion, so der Papst weiter, unterstütze auch die Verwaltung von fünf Kollegien in Rom zur Ausbildung von Priestern und Ordensleuten, „die in die Ewige Stadt kommen, um zu studieren und wertvolle Dienste in ihren Ortskirchen zu leisten, in die sie nach Abschluss ihres Studiums zurückkehren. Diese und viele weitere missionarische Initiativen sind dank der Großzügigkeit der Gläubigen am Weltmissionssonntag möglich.“
Die bevorstehende Seligsprechung von Erzbischof Fulton Sheen
Der Papst erwähnte auch die bevorstehende Seligsprechung von Erzbischof Fulton J. Sheen, die am 24. September in St. Louis, Missouri, von Kardinal Tagle zelebriert wird. Der Erzbischof zählte zu den bekanntesten Nationaldirektoren der Päpstlichen Missionswerke in den Vereinigten Staaten von Amerika. „Erzbischof Sheen“, so Papst Leo, „war ein Leuchtfeuer des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, das jahrzehntelang durch Radio und Fernsehen strahlte. Ich selbst erlebte seine Evangelisierung in meiner Jugend. Seine Sendungen erreichten Millionen von Menschen mit der Hoffnung des Evangeliums, und seine Initiativen und Bemühungen leisteten den Kirchen in den Bereichen der Erstevangelisierung enorme geistliche und materielle Unterstützung.“
Die „entscheidende Rolle“ der Päpstlichen Missionswerke
Der Papst erinnerte daran, dass 2026 das 110jährige Bestehen der Päpstlichen Missionsunion gefeiert wird, die vom seligen Paolo Manna gegründet und von Papst Paul VI. als die „Seele“ der anderen Missionswerke bezeichnet wurde. Er ermutigte die Union, unter allen Getauften „eine missionarische Spiritualität und ein immer tieferes Engagement für den universalen Evangelisierungsauftrag der Kirche in diesem neuen missionarischen Zeitalter“ zu fördern.
In einer von Konflikten geprägten Welt bekräftigte der Papst, dass die vier dem Dikasterium für Evangelisierung anvertrauten Päpstlichen Missionswerke „einen wertvollen Dienst für den Auftrag der Kirche leisten, Christus, den Friedensfürsten und die menschgewordene Offenbarung der göttlichen Liebe zur Menschheit, zu verkünden“.
„Das Päpstliche Kindermissionswerk“, fuhr der Papst im Hinblick auf die Arbeit der einzelnen Werke, „erfüllt eine besonders wertvolle Aufgabe, indem es Kindern in aller Welt, insbesondere in Regionen, von Hass und Gewalt heimgesucht sind, das Licht des Glaubens und den Trost christlicher Liebe bringt.“ Gleichzeitig „fördert und unterstützt das Päpstliche Missionswerk des Heiligen Apostels Petrus die Ausbildung einheimischer Geistlicher und Ordensleute in den Gebieten der Erstevangelisierung. Vielerorts hätten Seminaristen und Novizen ohne die Hilfe des Missionswerks nicht die notwendigen Mittel für ihre menschliche, spirituelle und seelsorgerische Ausbildung“, erklärte der Papst.
Die “missionarische Umkehr” in der heutigen Welt
Das Thema des Weltmissionssonntags 2026 – „Eins in Christus, vereint in der Mission“ – so Papst Leo XIV. im Schlussteil seiner Ansprache lade alle dazu ein, „die Dringlichkeit einer fortwährenden missionarischen Umkehr anzunehmen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, eine missionarische Kirche für die Heilung unserer Welt zu sein, die von Spannungen, Konflikten und Kriegen geprägt ist.“
Das Zweite Vatikanische Konzil – erinnerte der Nachfolger Petri unter Bezugnahme auf das Konzilsdekret „Ad Gentes“ zur Mission – bekräftigte, dass „die Kirche auf ihrer Pilgerreise auf Erden ihrem Wesen nach missionarisch ist, da sie nach dem Plan Gottes des Vaters ihren Ursprung in der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes hat.“
Papst Leo erinnerte die Anwesenden daran, dass die „Arbeit der Päpstlichen Missionswerke für die weltweite Evangelisierung unverzichtbar“ bleibe und jede Form kirchlicher Mission auf Christus ausgerichtet bleiben müsse. „Bei allem, was wir für das Werk der Evangelisierung tun, müssen wir stets Jesus Christus ins Zentrum stellen und das schöne Prinzip des Evangeliums hochhalten, das Johannes der Täufer wie folgt ausgedrückt hat: ‚Er muss wachsen, ich aber geringer werden' (Joh 3,30)“, so sein Appell.
(Fides 1/6/2026)