AMERIKA/BOLIVIEN - Ascensión de Guarayos feiert 200-jährige Präsenz der Franziskaner im bolivianischen Amazonasgebiet

Donnerstag, 14 Mai 2026 evangelisierung  


Ascensión de Guarayos (Fides) – Vom 13. bis 15. Mai finden im Apostolischen Vikariat Ñuflo de Chávez die Feiern zum 200-jährigen Bestehen dieser historischen Stadt im Osten Boliviens und den Beginn der Franziskaner-Mission unter der Volksgruppe der Guarayo, die die spirituelle und kulturelle Identität der Region tiefgreifend geprägt hat.

Unter dem Motto „ Ascensión – zwei Jahrhunderte, eine Identität“ bringen die Feierlichkeiten Gläubige, Vertreter der Zivil- und Kirchenbehörden sowie Repräsentanten indigener Gemeinschaften zusammen. „Zweihundert Jahre zu feiern bedeutet nicht nur, der Vergangenheit zu gedenken, sondern auch hoffnungsvoll die Sendung anzunehmen, die uns der Herr heute anvertraut“, schreibt Pater Kasper Mariusz Kaproń (OFM), Pfarrer der Pfarrei Ascensión del Señor, in einem Schreiben anlässlich der Jubiläumsfeiern.

Die 1826 von dem Franziskaner José Gregorio Salvatierra gegründete Mission Ascensión de Guarayos zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der Evangelisierung im bolivianischen Amazonasgebiet. Zwei Jahrhunderte lang begleiteten die Mitglieder des Franziskanerordens die einheimischen Gemeinschaften nicht nur durch die Verkündigung des Evangeliums, sondern auch in den Bereichen der Bildung und der menschlichen Entwicklung sowie dem Erhalt der Kultur und der Sprache der Einheimischen.
Die Evangelisierung der Guarayo-Region begann im späten 18. Jahrhundert, als die Franziskaner auf Initiative Kongregation „de Propaganda Fide“ von Tarata aus Expeditionen in die Dschungel Ostboliviens unternahmen. Nach Jahren des Zusammenlebens und des Erlernens der Sprache und der Bräuche der Guarayo errichteten die Missionare ein Netz von Niederlassungen, die die Gemeinschaftsorganisation, Landwirtschaft, Handwerk und Katechese förderten. Ascensión de Guarayos war eine der wichtigsten Gründungen im Rahmen dieses Prozesses und entwickelte sich im Laufe der Zeit zum bedeutendsten religiösen und kulturellen Zentrum der Region.

„Ascensión de Guarayos ist nicht nur eine Stadt mit Geschichte; sie ist eine Gemeinschaft, die aus dem Evangelium entstanden ist und vom Glauben der Generationen geprägt wurde“, schreibt der Gemeindepfarrer in seinem Brief und betont die tiefe Verbindung zwischen der Identität der Menschen und der Missionsarbeit der Franziskaner.

Die Pfarrei Ascensión del Señor ist auch heute noch ein Zentrum lebendiger Seelsorge. Kinder und Jugendliche singen aktiv in Chören und Orchestern und bewahren so die musikalische Tradition der alten Missionen.

Laut den Organisatoren der Feiern umfasst das Programm zum 200-jährigen Jubiläum Eucharistiefeiern, Prozessionen und kulturelle Darbietungen, die Glauben und indigene Identität vereinen. Der Festgottesdienst wird vom Weihbischof von La Paz, Pedro Luis Fuentes Valencia, zelebriert. Die Organisatoren betonen außerdem: „Ascensión öffnet seine Türen, um die Freude seiner Gemeinde und die Kraft einer lebendigen Tradition mit allen zu teilen.“

Die Jubiläumsfeiern finden im Jubiläumsjahr zum 800. Todestag des Heiligen Franz von Assisi statt.

„Christus führt uns zusammen und sendet uns aus: von den Wurzeln unserer Missionsgeschichte hin zu einer österlichen Kirche im Aufbruch“, erklärte der Pfarrer in seinem Schreiben, in dem er die Gemeinde auf ruft, ihr Engagement für die Verkündigung des Evangeliumszu erneuern.

Die Erfahrungen aus zwei Jahrhunderten Mission, in denen indigene Völker begleitet und ihre Kultur und Sprache gefördert wurden, zeigen, dass authentische Evangelisierung darin besteht, die Würde indigener Gemeinschaften zu achten und zu bewahren. Diese Gemeinschaften sind berufen, aktiv am kirchlichen Leben teilzunehmen und eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft für die Amazonasregion selbst zu gestalten.

Das Apostolische Vikariat Ñuflo de Chávez, zu dem auch Ascensión de Guarayos gehört, wurde 1951 gegründet und der Seelsorge der Franziskaner anvertraut. Es umfasst die Provinzen Guarayos und Ñuflo de Chávez im Departamento Santa Cruz mit einer Fläche von rund 90.000 Quadratkilometern. Das Vikariat hat etwa 196.000 Einwohner, von denen mehr als 159.000 katholisch sind. Es gibt 21 Pfarreien, 21 Priester, 25 Ordensschwestern und 4 Seminaristen. Der Kirchsprengel wird derzeit vom Apostolischen Vikar, Bischof Bonifatius Antonius Reimann Panic (OFM), geleitet.
(LGR) (Fides 14/5/2026)


Teilen: