AFRIKA/ANGOLA - Vorsitzender der Bischofskonferenz: „In einem Land, das nach wie vor zersplittert ist, ist die Kirche ein unverzichtbarer Bezugspunkt“

Donnerstag, 9 April 2026

Luanda (Fides) – „Der Heilige Vater wird eine reife Kirche vorfinden, eine Kirche, die auf die vielfältigen Herausforderungen des Glaubens sowie auf soziale und kulturelle Fragen zu antworten weiß; eine junge, freudige und missionarische Kirche, die auf die Weltkirche blickt und beginnt, ihre Söhne und Töchter zum Wohl der Menschheit einzusetzen“, so, Erzbischof José Manuel Imbamba von Saurimo, der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz von Angola, einem der vier afrikanischen Länder, die der Papst vom 18. bis 21. April besuchen wird.
„Ich hoffe, dass der Besuch des Heiligen Vaters uns stärkt und ermutigt, damit wir angesichts der verschiedenen Probleme, mit denen wir uns konfrontiert sehen, nicht wanken, damit wir weiterhin lebendige Zeugen der Liebe Gottes sein können, hier in unserer konkreten Realität und in der Realität der Welt“, so der Vorsitzende der angolanischen Bischofskonferenz weiter.
Das angolanische Volk hat eine lange Zeit der Kolonialisierung und zum Teil sehr schwerer Konflikte durchlebt, die die Seele des Landes tief geprägt haben und deren Nachwirkungen in der sozio-politischen Lage des Landes deutlich zu erkennen sind.
„Der Kolonialisierungsprozess in Angola war ein sehr langwieriger Prozess, der das Bewusstsein der angolanischen Bürger tief geprägt hat – ein Prozess, der die Angolaner gedemütigt, versklavt, diskriminiert und in gewisser Weise ihre kulturelle Identität ausgelöscht hat. Und natürlich ist dies eine Last, ein sehr schweres Erbe“, betont Erzbischof Imbamba. „Nach der Unabhängigkeit vor 50 Jahren geriet das Land leider in einen blutigen Krieg, der das Wenige, was erreicht worden war, weiter erschütterte und verzögerte und zu Spaltungen, Armut, Ausgrenzung und einer übermäßigen Politisierung des Bewusstseins in der Bevölkerung führte.“
Das Erlangen einer angolanischen Identität ist nach Ansicht des Vorsitzenden der Bischofskonferenz noch ein fernes Ziel – aufgrund von Missständen in der nationalen Politik wie Korruption, Klientelismus, Gier und mangelnder Liebe zum eigenen Land.
„Heute ist Angola sehr zersplittert, die Parteien zählen mehr als alles andere. Angola ist gewissermaßen von den Parteien gefangen, und wenn das geschieht, bleibt das Land natürlich zurück“, erklärt Erzbischof Imbamba. „Das ist noch nicht das Land, das wir uns wünschen. Es bedarf der Versöhnung. Es bedarf sozialer Vergebung, es bedarf einer Entpolitisierung der Mentalität, des Gewissens, der öffentlichen Institutionen, einer Entpolitisierung des Familienlebens, damit der Traum von Angola aus der gesellschaftlichen Umarmung entsteht, aus einem Zusammenleben, das wir uns alle wünschen.“
Armut, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung gehören zu den großen Problemen, die das Land und seine Bevölkerung plagen. In diesem Zusammenhang ist die Kirche ein unverzichtbarer Bezugspunkt bei den wichtigsten Fragen, mit denen Angola konfrontiert ist, wenn man bedenkt, dass 60 % der Bevölkerung katholisch sind.
„Eine lebendige und so fruchtbare Kirche, dass die theologischen und philosophischen Seminare keinen Platz mehr für unsere Priesteramtskandidaten haben“, sagt Erzbischof Imbamba und präzisiert: „Es gibt derzeit etwa 1.600 Seminaristen im Hauptstudium, mehr als 1.500 Diözesanpriester, über 600 Ordenspriester und mehr als 1.700 Ordensschwestern.“
„Die Kirche in Angola ist heute in 20 Diözesen strukturiert und ist eine Kirche, die sich etabliert, expandiert und den Traum hegt, weitere Diözesen zu gründen, um einen dynamischeren seelsorgerischen Dienst zu ermöglichen, einen pastoralen Dienst der Nähe“, erklärt der Vorsitzende der angolanischen Bischofskonferenz, „Wir engagieren uns auch stark für die Laien, durch die wir in der Welt der Wissenschaft, der Kultur, der Technologie, der Politik und der Soziologie vertreten sind – in all diesen Bereichen, die wir durch katholische Schulen, unsere Hochschulen und die katholische Universität zu unterstützen versuchen“.
Es handelt sich also um eine Kirche, die sich als moralische Instanz und als lebensspendende Kraft innerhalb der Gesellschaft etablieren möchte und die den Besuch des Papstes mit Freude erwartet. Eine sehr junge, Kirche mit einer ausgeprägten Willkommenskultur, die jedoch aufgrund der historischen Entwicklung, die das Land derzeit durchläuft, auch viele Schattenseiten aufweist.
„Es geht darum, Verdienste anzuerkennen und die Eintracht zu fördern, die wir uns alle in einem offenen und ehrlichen Dialog wünschen, indem wir Brücken der Harmonie und der Begegnung bauen, damit wir im Namen Angolas und der Angolaner zu einem Konsens gelangen können. All dies sind Probleme, die sich aufgrund der aktuellen globalen Lage immer weiter verschärfen“, schließt der Vorsitzende der angolanischen Bischofskonferenz.
(E.G./L.M.) (Fides 9/4/2026)


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