Beirut (Fides) – Wenige Stunden vor seiner Ermordung hatte er seinen festen Willen – seinen und den seiner Gemeinde – bekräftigt, das eigene Dorf nicht dem Strudel des Krieges zu überlassen, der den Nahen Osten erschüttert. Der maronitische Priester Pierre El-Raii, starb an diesem Montag (9. März), nachdem er durch Artilleriefeuer der israelischen Armee verletzt worden war, die erneut in den Südlibanon einmarschiert war, mit dem erklärten Ziel, jede noch verbliebene Präsenz von Milizen und Strukturen der schiitischen Hisbollah-Partei in diesem Gebiet zu bekämpfen.
Nach übereinstimmenden Rekonstruktionen der Ereignisse hatte ein israelischer Panzer vom Typ Merkava gegen 14 Uhr Ortszeit sein Feuer auf ein Haus außerhalb des Dorfes Qlayaa gerichtet, in der Annahme, dass sich dort Hisbollah-Kämpfer versteckt hielten. Verletzt wurden der Besitzer des Hauses, Clovis Boutros, und seine Frau. Als Pfarrer El-Raii mit fünf weiteren Männern zum Haus kam, um die Auswirkungen des ersten Schusses auf Personen und Sachwerte zu überprüfen, traf ein weiterer Schuss das Haus und verletzte auch den Priester und seine Begleiter. Die Verletzten wurden von Teams des Libanesischen Roten Kreuzes in das staatliche Krankenhaus von Marjayoun gebracht. Pfarrer Pierre, der schwer am Bein verletzt war, erlag seinen Verletzungen und starb im Krankenhaus.
Pfarrer Pierre Ell-Raii war fest entschlossen im Hinblick auf die Entscheidung der lokalen Christen, ihre Dörfer nicht zu verlassen, die erneut in den Strudel des Krieges geraten waren. Er kümmerte sich persönlich um die rationierte Verteilung von lebensnotwendigen Gütern an die Familien. Am vergangenen Freitag hatte er an einer von den Einwohnern von Marjayoun organisierten Demonstration teilgenommen, bei der alle ihre Absicht bekräftigten, in ihren Dörfern zu bleiben, trotz der Aufforderungen der israelischen Armee an die Bewohner des Gebiets südlich des Litani-Flusses, das Gebiet zu verlassen.
Weniger als zwei Stunden vor seinem Tod hatte Pfarrer El-Raii im Rahmen einer von „TeleLumiere“ ausgestrahlten Sendung ein Telefongespräch mit dem Karmeliterpater Michel Abboud geführt.
„Für uns hat dieses Land eine enorme Bedeutung“, erklärte Pfarrer El-Rii, “Unsere Vorfahren haben mit ihrem Blut dafür bezahlt, es zu schützen. Die Kinder dieses Landes haben jahrzehntelang viele Herausforderungen gemeistert und sie überwunden.“ Auf die Fragen von Pater Abboud antwortete der ermordete Priester zurückhaltend: „Du hast gesagt, dass ich andere mit meiner Anwesenheit ermutigt habe, aber sie sind es, die mich ermutigt haben. Die Entscheidung, Qlayaa nicht zu verlassen, war richtig, wir retten unser Land und unsere Häuser vor der Zerstörung. Diese Botschaft gilt nicht nur für uns, sondern für die ganze Region... sonst würde die Hoffnung auf eine Rückkehr verloren gehen... Wir bleiben ... und Garantien und Sicherheiten kommen nur vom Herrn ... und unser Schutzpatron ist der Heilige Georg, Ritter und Held ... möge er uns helfen, unseren Glauben zu stärken, möge er uns beschützen.“
(PR) (Fides 9/3/2026)