AMERIKA/HAITI - Priesteramtskandidat von Polizei-Drohne getötet

Montag, 9 März 2026

Port-au-Prince (Fides) – Ein junger Priesteramtskandidat wurde im Zentrum von Port-au-Prince von einer von der Polizei eingesetzten Drohne getötet.
Wie die haitianische Tageszeitung „PouSiOupaTKonnen“ berichtet, wurde Jean-Louis Jamesly am Samstag, den 7. März, im Zentrum von Port-au-Prince in der Nähe des Hauptfriedhofs von einer Drohne getroffen. Der Zeitung zufolge geriet der junge Mann, während er mit seinem Motorrad unterwegs war, in eine Polizeiaktion, die in der Nähe durchgeführt wurde.
Seit 2017 war Jamesly Mitglied der Heiligen Familie der heiligen Bernadette in Martissant. Er war zutiefst gläubig war auch im Liturgischen Komitee und der Kiro-Gruppe der Pfarrei „Notre-Dame de la Caridad“. Als Priesteramtskandidat hatte er bereits versucht, den Weg zum Priesteramt anzutreten, doch das Nichtbestehen der offiziellen Abschlussprüfungen für das humanistische Studium (NSIV) im Juli 2025 hatte seinen Weg verlangsamt.
Seit 2025 setzt eine spezielle Polizeieinheit in Haiti, unterstützt von privaten Militärunternehmen, kleine, mit Sprengstoff bestückte kommerzielle Drohnen in Dutzenden von Angriffen gegen die im Land aktiven Banden ein. Mehrere hundert Menschen wurden bei bereits bei Drohnenangriffen getötet, die zudem auch von kriminellen Banden sowohl gegen die Polizei als auch bei ihren internen Auseinandersetzungen eingesetzt werden. Zu den Leidtragenden gehören auch normale Bürger.
Trotz der Polizeimaßnahmen sind kriminelle Banden weiterhin aktiv, insbesondere auch was Entführungen angeht. Unter den Entführten befindet sich auch Pfarrer Jean Robert Louis, der am 5. Februar verschleppt wurde. In einer am 5. März veröffentlichten Erklärung äußert die Erzdiözese Port-au-Prince tiefe Besorgnis um die Gesundheit von Pfarrer Jean Robert, der an schwerer Diabetes leidet.
„ Seit einem Monat ist der katholische Priester Jean Robert Louis, der sich in der Seelsorge für Häftlinge und Gefangene engagiert, entführt“, heißt es in der Erklärung der Erzdiözese, die „einen dringenden Appell an diejenigen richtet, die ihn als Geisel halten“. „Wir hoffen aufrichtig, dass dieser Appell ihre Aufmerksamkeit findet und dass unser Bruder so schnell wie möglich freigelassen wird, damit er seine pastorale Mission wieder aufnehmen kann“, so die Erzdiözese weiter.
„Pfarrer Jean Robert Louis hat einen bedeutenden Teil seines Wirkens der seelsorgerischen Begleitung von Gefangenen gewidmet, denen er Zeugnis von der Barmherzigkeit Gottes gibt“, betont die Erzdiözese, die daran erinnert, dass „jeder Mensch eine unantastbare Würde besitzt“. „Jemandem seine Freiheit zu nehmen und ihn als Druckmittel oder zur Gewinnerzielung zu benutzen, ist eine direkte Verletzung seiner grundlegenden Würde und eine schwere Sünde gegen die Brüderlichkeit unter den Menschen“, wird in der Verlautbarung bekräftigt. „Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um unsere Gesellschaft, die durch diese Taten verletzt wurde, zu heilen und zu stärken“, schließt die Erklärung.
(L.M.) (Fides 9/3/2026)


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