Catholic Communication Nepal
Kathmandu (Fides) – Die Bevölkerung Nepals ist am 5. März, fünf Monate nach den Straßenprotesten, die eine politische Krise auslösten und zum Rücktritt von Premierminister Sharma Oli und zum Sturz der Regierung führten, zu den Parlamentswahlen aufgerufen. Die Proteste, bei denen es zu Gewalt kam, darunter das Eindringen in das Parlamentsgebäude und die Brandstiftung, wurden von Jugendlichen der „Generation Z” angeführt und hatten die Kraft, neuen politischen Kräften Raum zu geben, um die alten Parteien und die politische Klasse, die das Land lange Zeit dominiert hatte, herauszufordern.
Auf Anfrage von Fides berichtet Pfarrer Silas Bogati, Apostolischer Administrator des Vikariats Nepal: „Derzeit scheint die Lage stabil zu sein, wir befinden uns in einer Phase des Abwartens, während die Übergangsregierung die Wahlen vorbereitet.” „Im Wahlkampf gibt es viele Spekulationen, es gibt die üblichen Wahlkampagnen der verschiedenen Parteien und Kandidaten. Eine Neuerung sind die Parteien, die Ausdruck der Studentenbewegungen sind, und die Präsenz neuer Kandidaten auf der politischen Bühne, die sich im Zuge der Jugendproteste auf gute Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung konzentrieren”, fährt er fort.
„Die Protagonistenrolle der Jugendlichen ist heute im Vergleich zur Vergangenheit ein auffälliges Element“ bemerkt Pater Bogati. „Die jungen Nepalesen zeigen Selbstbewusstsein und wollen, Einfluss auf das politische, soziale und wirtschaftliche Leben des Landes nehmen. Sie wollen ein neues Nepal, sie bringen Hoffnung und Verantwortungsbewusstsein zum Ausdruck“. „Dieses Phänomen ist eine gute Sache, wichtig ist nur, dass sie Gewaltlosigkeit als Weg zur Verwirklichung ihrer Ideale wählen“, betont er. „Die Wahlen werden die Messlatte für die tatsächliche Stärke der von jungen Menschen angeführten aufstrebenden Bewegungen sein“, erklärt er.
„Als Katholiken in Nepal (eine kleine Minderheit von 8.000 Gläubigen bei 32 Millionen Einwohnern) unterstützen wir eine gute Regierungsführung und fördern Werte wie Integrität, Frieden und Geschwisterlichkeit. Wir beten dafür, dass die Wahlen friedlich und innerhalb der Grenzen stattfinden und dass der politische Prozess im Zeichen des Gemeinwohls des Landes steht“, schließt Pfarrer Bogati.
Nach dem Rücktritt des ehemaligen Premierministers Sharma Oli ernannte Präsident Ramchandra Paudel am 12. September 2025 die Richterin Sushila Karki, ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, zur Interim-Premierministerin. Seit ihrem Amtsantritt hat Karki den politischen Übergang gesteuert, die Gewalt beendet und Neuwahlen angekündigt, die nach Ablauf ihrer Amtszeit stattfinden sollen.
Angesichts der Unruhen im September hat sich die politische Landschaft Nepals unterdessen radikal verändert. Eine Rekordzahl von 120 Parteien tritt zur Wahl an, darunter neben den traditionellen Parteien auch Listen mit jungen Kandidaten und Kandidatinnen (mindestens 25 Parteien sind nach den Protesten entstanden). Die historisch dominierende nepalesische Kongresspartei ist zersplittert, hat aber versucht, ihre Kandidaten zu erneuern und jüngere Vertreter aufzunehmen, während das „Maoistisches Zentrum“ und die „Vereinigten Sozialisten“ zu einem einzigen Block fusioniert sind. In der 2022 gegründeten Nationalen Unabhängigkeitspartei kandidiert Sudan Gurung, Studentenführer und Koordinator der Proteste von 2025.
Vor dem Hintergrund sozialer Spannungen hat die Übergangsregierung 340.000 Polizisten und Soldaten eingesetzt, „um freie, faire und angstfreie Wahlen zu gewährleisten”. Die Sicherheitskräfte werden etwa 10.800 Wahllokale in 165 Wahlkreisen überwachen. Damit soll auch dem Risiko von Unruhen nach den Wahlen vorgebeugt werden, insbesondere wenn die Wahlergebnisse als Fortsetzung des Status quo vor den Protesten wahrgenommen werden.
(PA) (Fides 5/2/2026)