SVD
Mumbai (Fidesdienst) – Die Steyler Missionare engagieren sich im indischen Bundesstaat Maharashtra im mittleren Westen Indiens für die Stammesvölker und bekämpfen dort insbesondere die Kinderheirat. Wie der P. John Singarayar (SVD), Anthropologe und Soziologe, gegenüber Fides berichtet, „bekämpft die Gesellschaft des Göttlichen Wortes durch ihre Mission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung seit über einem Jahrzehnt im Distrikt Raigad eines der hartnäckigsten sozialen Übel Indiens: die Kinderheirat“.
Wie P. Singarayar erklärt, hat die „Janseva Society“, eine Initiative der Mission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (Justice, Peace and Integrity of Creation Mission, JPIC) der Ordensprovinz Mumbai der Steyler Missionare, die in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Bombay gegründet wurde, kürzlich eine einmonatige Tür-zu-Tür-Aufklärungskampagne abgeschlossen, insbesondere in Gebieten, die von staatlichen Dienstleistungen nicht erfasst werden und in denen alte Bräuche der Stammeskultur oft Vorrang vor gesetzlichen Bestimmungen haben.
Die von den Missionaren erhobenen Zahlen sind besorgniserregend. Eine kürzlich in über zwanzig Siedlungen der Katkari-Ureinwohner durchgeführte Studie ergab, dass 111 Jungen und 81 Mädchen in 258 Familien vor Erreichen des gesetzlichen Mindestalters geheiratet haben. Die Katkari-Stammesangehörigen leben in großer Armut, die durch Landmangel und erzwungene Arbeitsmigration noch verschärft wird. Die Schulbildung der Kinder ist lückenhaft und wird oft abgebrochen, wodurch die Jugendlichen in eine prekäre Lage geraten und die Familien unter diesen Umständen eine frühe Heirat als unvermeidlich betrachten.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage der Kasten. „Wir haben Katkari-Siedlungen gefunden, die in Dörfern liegen, in denen Menschen höherer Kasten leben, wo Katkari-Kinder ausgegrenzt werden und sich unerwünscht fühlen“, erklärte Pater John Singarayar (SVD) der seit Gründung der „Janseva Society“ in der Region tätig ist. „ Mit zwölf oder dreizehn Jahren haben die meisten Kinder die Schule komplett abgebrochen. Dann beginnt die eigentliche Gefährdung“, erklärt er.
Was den Ansatz der Initiative der Steyler Missionare auszeichnet, ist das Engagement für Begleitung statt moralischer Verurteilung. Verwurzelt in der Vision von Gerechtigkeit und Mitgefühl, versuchen die Missionare, Christus durch authentische Solidarität und systemischen Wandel unter den Ausgegrenzten präsent zu machen.
„Wir kommen nicht als Fremde, um den Menschen zu sagen, was sie tun sollen“, sagt Manisha Kapare, eine Katkari-Frau und Koordinatorin der Kampagne bei der „Janseva Society“. „Wir setzen uns zu den Familien, hören uns ihre Schwierigkeiten an und helfen ihnen, die Zusammenhänge zwischen Frühehen und dem Leid, das sie bereits kennen, zu erkennen: Mädchen, die bei der Geburt sterben, Kinder, die nicht überleben, junge Paare, die in Armut gefangen sind.“
Die Mitarbeiter der Steyler Missionare arbeiten aktiv mit lokalen Beamten und Dorfvorstehern zusammen und schlagen so eine Brücke zwischen glaubensbasiertem sozialem Engagement und lokaler Regierungsführung, wodurch die Kampagne wesentlich effektiver wird. „Das ist die eigentliche Arbeit der Mission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“, bemerkt Pater John Singarayar. „Gerechtigkeit bedeutet, sich mit Strukturen auseinanderzusetzen, die die Menschenwürde mit Füßen treten. Frieden bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen Familien nicht zwischen dem Überleben und dem Wohlergehen ihrer Kinder wählen müssen. Und die Bewahrung der Schöpfung umfasst den Schutz der Kindheit selbst als etwas Heiliges.“
Die einmonatige Kampagne umfasste achtzehn Dörfer und erreichte über 100 Familien. Die ehrenamtlichen Helfer bezogen die Dorfältesten mit ein, sprachen separat mit den Jugendlichen und wandten sich an die Mütter, die oft einen stillen Einfluss auf Familienentscheidungen ausüben. Sie erklärten, dass das gesetzliche Heiratsalter keine willkürliche „bloße bürokratische Regel” sei, sondern eine Garantie für das Wohlergehen der Menschen.
Die Resonanz war sehr positiv. Mehrere ältere Menschen in den Dörfern verpflichteten sich, Kinderheiraten in ihren Gemeinden zu verhindern. Drei Familien verschoben die von ihnen bereits geplanten Hochzeiten. Mädchen, die nie nach ihrer Zukunft gefragt worden waren, begannen, ihre Hoffnung auf eine Fortsetzung ihres Bildungswegs zum Ausdruck zu bringen.
Die „Janseva Society“, die 2013 offiziell gegründet wurde, steht für das langfristige Engagement der Steyler Missionare für die am stärksten marginalisierten Gemeinschaften in Tala Taluka und verbindet Seelsorge mit sozialem Engagement.
Die „Janseva Society“ plant, die Kampagne auf benachbarte Stammesgebiete auszuweiten und gleichzeitig die Besuche in den bereits besuchten Dörfern fortzusetzen, indem sie den Stammesgemeinschaften zur Seite steht und sich auch für den Zugang zu Bildung und zur Sicherung des Lebensunterhalts und die Emanzipation der jungen Frauen einsetzt.
(PA) (Fides 24/1/2026)