AFRIKA/SUDAN - Erhalt des Bildungssektors in Norddafur: Eine Frage des Überlebens

Freitag, 9 Januar 2026

RD

Port Sudan (Fides) – Seit Ausbruch des Krieges im Sudan am 15. April 2023 ist der Bildungssektor einer der am stärksten betroffenen Bereiche, insbesondere in fragilen Staaten wie Norddarfur. Armut, Naturkatastrophen und der Zusammenbruch staatlicher Institutionen sowie bewaffnete Gewalt bedrohen die die Zukunft von Zehntausenden von Kindern. Dies geht aus zwei aktuellen Berichten der „Darfur Victims Support Organisation“ hervor, die beklagt, dass die Bildungssituation insbesondere in den Orten Saraf Omra mit einer geschätzten Einwohnerzahl von 301.000 und Kutum katastrophal ist. In diesen Orten haben Kinder seit über drei Jahren keinen Zugang zu Bildung. Nach Schätzungen von UNICEF werden aufgrund der Schließung von Schulen und der Eskalation der Gewalt bis Ende 2025 7,9 Millionen Kinder im Sudan keine Schule besuchen.
Aus Berichten der lokalen Presse geht zudem hervor, dass die Aussetzung des Schulunterrichts zu einer strukturellen Krise geführt hat, die aufgrund der Unsicherheit, der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und des Zusammenbruchs der Grundversorgung in einem Gebiet, in dem sowohl sesshafte als auch nomadische Gemeinschaften leben, das soziale Gefüge bedroht.
In Saraf Omra wurden unterdessen die Gehälter der Lehrkräfte über zwei Jahre lang fast vollständig ausgesetzt, mit Ausnahme von begrenzten Teilzahlungen von höchstens 60 % für einen Zeitraum von nur acht Monaten, die nicht einmal die Mindestlebenshaltungskosten deckten. Das Ausbleiben von Gehältern und Anreizen führte zu einer weit verbreiteten Abwanderung von Schulpersonal auf der Suche nach Sicherheit oder alternativen Einkommensquellen, was den Mangel an qualifizierten Lehrern verschärfte und alle Versuche einer Wiederaufnahme des Unterrichts, wenn auch unter sehr prekären infrastrukturellen Bedingungen, zunichtemachte. Darüber hinaus kam es 2024 zu starken Regenfällen und Überschwemmungen, die Schulgebäude schwer beschädigten und viele davon unbenutzbar machten. Ohne Instandhaltung und Unterstützung sind die Schulen zu baufälligen Gebäuden geworden, die keine sichere Lernumgebung mehr bieten können.
Die anhaltende Aussetzung der Gehälter, die Vertreibung einer großen Anzahl von Schülern, der Mangel an Lehrbüchern und Unterrichtsmaterialien sowie das Fehlen einer angemessenen Infrastruktur werden die Wiedereröffnung der Schulgebäude ohne angemessene, sofortige, organisierte und nachhaltige humanitäre Hilfe und Unterstützung von außen unmöglich machen. Den Berichten zufolge führt die anhaltende Schließung der Schulen zu einem alarmierenden Anstieg der Schulabbrecherquoten und der Kinderarbeit. Viele waren gezwungen, als letzten Ausweg traditionelle Koranschulen zu besuchen, während andere auf Märkten arbeiten mussten, um ihre Familien zu ernähren.
Die „Darfur Victims Support Organisation“ kommt zu dem Schluss, dass Bildung in Nord-Darfur nicht mehr nur eine öffentliche Dienstleistung ist, sondern eine Frage des Überlebens und des sozialen Schutzes. Die Fortsetzung der Bildung, selbst in ihrer grundlegendsten Form, ist die letzte Verteidigungslinie gegen Unwissenheit, Gewalt und den Verlust einer ganzen Generation.
(AP) (Fides 9/1/2026)


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