ASIEN/LIBANON - Gibt es Destabilisierungsversuche in dem von einer Wirtschaftskrise und dem Konflikt im Nahen Osten erschütterten Land?

Dienstag, 16 April 2024 gewalt   terrorismus  

Beirut (Fides) – Will man versuchen, den Libanon durch die Reaktivierung von sektiererischen Konflikten destabilisieren? Diese Frage stellt man sich im Land der Zedern nach einigen Ereignissen, die die lokalen Spannungen verschärft haben, während die gesamte Region des Nahen Ostens durch den Konflikt in Gaza und den Angriff auf Israel durch den Iran und seine regionalen Verbündeten geprägt ist.
Die Ermordung von Pascal Sleiman, Koordinator der „Christian Lebanese Forces Party“ in Jbeil (Byblos), wurde einer syrischen Bande von angeblichen „Autodieben“ zugeschrieben (vgl. Fides 9/4/2024)
Während des Verhörs gaben die Entführer an, sie hätten Sleimans Auto stehlen wollen. Ihre Geständnisse erwiesen sich jedoch sofort als falsch, da sie das Fahrzeug stehen ließen und Sleimans Leiche nach Syrien transportierten, nachdem er an seinen Verletzungen gestorben war. Nach Angaben syrischer Medien überquerten sie die syrische Grenze über nicht genehmigte Grenzübergänge und gelangten in ein von der Hisbollah kontrolliertes Gebiet. Diese Ereignisse haben zahlreiche Fragen zu den Motiven der Operation und ihren Auftraggebern aufgeworfen.
Es wird befürchtet, dass die möglichen unbekannten Hintermänner der Operation zum einen einen Konflikt zwischen Christen und Muslimen anzetteln wollten, indem sie mächtige lokale Kräfte beschuldigten, hinter dem Verbrechen zu stecken, und zum anderen Zwietracht zwischen libanesischen Christen und Syrern säen wollten. Im Libanon sind etwa 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge untergebracht, die vor dem 2011 in ihrem Land ausgebrochenen Bürgerkrieg geflohen sind. Eine Präsenz, die von der libanesischen Bevölkerung, die von der Wirtschafts- und Finanzkrise geplagt ist, nicht immer gut geheißen wird.
Ebenfalls am 9. April wurde Mohammad Ibrahim Srour, ein libanesischer Geldwechsler, der von den US-Behörden wegen des Transfers von Geldern an die Hamas im Auftrag der iranischen Revolutionswächter sanktioniert worden war, in einer Villa im Dorf Beit Meri östlich von Beirut tot aufgefunden. Nach Angaben seiner Familie war Srour eine Woche lang vermisst worden, bevor seine Leiche mit mehreren Schüssen und Folterspuren gefunden wurde. Die libanesischen Behörden beschuldigen den israelischen Geheimdienst Mossad des Verbrechens, das angeblich von syrischen und libanesischen Söldnern begangen wurde.
Darüber hinaus wurde eine Reihe von Anschlägen auf das Hauptquartier der „Syrischen Sozialen Nationalistischen Partei“ (SSNP) in Jdita in der Region Bekaa verübt. Die Täter ließen eine Fahne der libanesischen Streitkräfte am Tatort zurück und schürten so die Spannungen und verschärften die konfessionellen Spaltungen, die in den sozialen Netzwerken durch Trolle und Provokateuren angeheizt wurden.
(L.M.) (Fides 16/4/2024)


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