AMERIKA/CHILE - “Dialog für mehr Einheit”: Kardinal Aos empfliehlt Gebet als Grundlage für den Dialog

Donnerstag, 24 November 2022   zivilgesellschaft   politik   ortskirchen   universität   einheit  

Santiago (Fides) - In der Demokratie gebe es zwei wesentliche aber gegensätzliche Instrumente der Konfrontation: Debatte und Dialog. Eine Debatte werde geführt mit dem Ziel durch Argumentation, zu gewinnen. Ein Dialog sei hingegen etwas ganz anderes, denn das Ziel sei nicht, zu gewinnen, sondern durch Zuhören zu verstehen. Man suche dabei auch nach der Stärke des Gegenübers, was Selbstdisziplin, Toleranz und das Vermögen, sich Dinge anzuhören, die durchaus unbequem sein können, erfordere. Diese Konzepte wurden von Alfredo Zamudio, Leiter der chilenischen Niederlassung des Nansen-Zentrums für Frieden und Dialog, im Eröffnungsvortrag des VI. Sozialkongresses der Katholische Universität von Chile hervorgehoben, mit Blick auf die Notwendigkeit, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, in der nicht unbedingt Einigkeit herrscht, die aber in der Vielfalt konstruktiv geteilt werden kann.
An dem Kongress, der unter dem Motto "Dialog für mehr Einheit" stand, nahmen rund 300 Delegierte aus 100 Organisationen der Zivilgesellschaft, darunter verschiedene Stiftungen, Institutionen und Unternehmen, teil. In seinem Grußwort betonte der er Rektor der Universität, Ignacio Sánchez, die Bedeutung der dieser Art von Zusammenkünften: "Unsere öffentliche Rolle als Universität zeigt sich in der Fähigkeit unserer Institution, den Dialog in unserem Land zu fördern und zu stärken. Das ist so notwendig für unsere Gesellschaft. Diese sechsten Ausgabe des Kongresses versteht sich auch als Antwort auf die Einladung von Papst Franziskus reagieren, der uns bei seinem Besuch in Chile zum Dialog für die Einheit aufgefordert hat".
Der Erzbischof von Santiago und Großkanzler der UC, Kardinal Celestino Aós, betete gemeinsam mit den Anwesenden das Friedensgebet des heiligen Franz von Assisi und betonte zur Bedeutung des Gebets: "Der heilige Franz von Assisi wuchs dadurch in seiner Liebe zur Kirche und zur Gesellschaft und wurde zu einem Friedensstifter und Instrument des Friedens. Deshalb wissen wir, dass Intelligenz allein nicht ausreicht. Wenn wir wirklich einen Dialog wollen, müssen wir viel Zeit damit verbringen, auf Jesus am Kreuz zu schauen und zu beten. Ohne dies werden wir nicht in der Lage sein, unsere Herzen zu öffnen".
Pater Jorge Merino, Großkaplan der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile, hob abschließend die konstruktive Atmosphäre und Einstellung der Kongressteilnehmer hervor: "Wir haben mit großer Freude gesehen, dass viele Menschen teilgenommen haben; wir haben gesehen, dass es einen Wunsch gab, zu teilen, zu lernen, einen Dialog zu führen, um Frieden und Einheit zu schaffen". Auch er wies auf die Rolle der Universität in diesem Zusammenhang hin: "Wir schließen uns den Worten von Papst Franziskus an, wenn er sagt, dass die Universität einen Beitrag zur Gesellschaft leisten muss. Heute sehen wir, dass in Chile ein großer Bedarf an Dialog und Einigkeit besteht, und deshalb wollen wir mit der Einfachheit der Universität, angeführt von der Pastoral, dazu beitragen, den Dialog zu fördern".
Benjamin Cruz, der die Pastoralabteilung der Universität leitet, hob hervor, dass der Kongress zum ersten Mal wieder „in Präsenz“ stattgefunden habe: "Es war wertvoll, sich wieder persönlich zu treffen, um Netzwerke und Verbindungen zwischen Institutionen und Menschen zu erneuern. Die große Herausforderung, mit der wir aus diesem Kongress hervorgehen, ist der Wunsch, einen Beitrag zu Chile, zu einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft zu leisten". "Der diesjährige Kongress“ so Cruz, „ist besonders relevant mit Blick auf den Kontext, in dem wir gesellschaftlich, politisch und kulturell leben".
Mehr als zwei Monate nach dem Referendum, bei dem der Entwurf einer neuen Verfassung von den chilenischen Bürgern abgelehnt wurde, befindet sich das Land immer noch in einer tiefgreifenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise, die das tägliche Leben der Menschen beeinträchtigt und eine tiefe Spaltung in der Gesellschaft verursacht hat (vgl. Fides 15/11/2022; 22/11/2022).
(SL) (Fides 24/11/2022)


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