EUROPA/ITALIEN - Der „Da Vinci Code“ hat kurze Beine

Donnerstag, 18 Mai 2006

Rom (Fidesdienst) - Der von Sony produzierte Film „Da Vinci Code“ des Regisseurs Ron Howard, ein Verfilmung des Romans von Dan Brown stieß nicht auf das Wohlwollen der rund 3.000 Experten aus aller Welt, die ihn gestern bei der Welturaufführung in Cannes sahen. Am Ende der Vorführung herrschte im Saal stille. Eisige Kälte, kein Applaus. „Dies zeigt, dass Lügen kurze Beine haben“, so Giuseppe Corigliano, Pressesprecher der Personalprälatur „Opus Dei“ für Italien, gestern in Rom. „Unser Glaube verbietet es uns jedoch, dass wir und über das Unglück anderer freuen, weshalb wir uns nicht wirklich über den Ausgang des von Sony produzierten Films freuen können“.
„Auch das Buch ist kein Meisterwerk“, so die Kritiker, „und der Film leidet unter der schweren ideologischen Last“. So geht eines der spektakulärsten Medienereignisse des Jahres zu Ende. Das Buch von Dan Brown, das millionenfach verkauft wurde, berichtet von der angeblichen Ehe Jesu (der nie gekreuzigt und damit auch nicht auferstanden sein soll), den Nachkommen aus dieser Ehe, aus denen die spätere französische Königsfamilie hervorgegangen sein soll und von einer Reihe von Morden, mit denen das „Opus Dei“ dies alles geheim halten wollte.
„Der Film zeigt die Szenen des Romans, die nicht der Wahrheit entsprechen, und für Christen ungerecht und beleidigend sind. Vielmehr wird im Film der beleidigende Effekt des Buchs durch die Kraft der Bilder noch verstärkt. Außerdem wird bestätigt, dass dem Film kein Vorspann vorausgeht, in dem darauf hingewiesen wird, dass jede Ähnlichkeit mit tatsächlich geschehenen Dingen als zufällig zu betrachten sei. Obschon wir mehrmals um einen solchen gebeten haben. Im Gegenteil, auf unsere Bitte um ein Treffen mit den Verantwortlichen von Sony haben wir nie eine Antwort erhalten“, so Corigliano. Die Reaktion des „Opus Dei“ war für viele überraschend, anstelle einer Forderung nach Zensur oder der Organisation von Protestveranstaltungen, die sich Sony wahrscheinlich erwartete, und die indirekt werbewirksam gewesen wären, veranstaltete das Opus Dei“ die Operation „Open House“.
„Über Jahre hinweg haben wir versucht ohne großen Erfolg unsere tägliche Erfahrung der Nächstenliebe und Bildung bekannt zu machen“, so Corigliano. „Dies ist uns jetzt gelungen, mit der Werbung, die der Film für uns gemacht hat. Vorher waren wir für die Medien nicht interessant. Jetzt nach diesem Roman und dem Film, recherchieren die Zeitungen in aller Welt nach allen möglichen Nachrichten über uns. Wir haben nun endlich die Möglichkeit der Welt die Pforten unserer Gemeinschaft zu öffnen und allen davon zu berichten, was wir für unsere Mitmenschen tun“.
Der aus Madrid stammende 74jährige Prälat Javier Echevarria, der dreißig Jahre lang Sekretär des Gründers Escrivá de Balaguer und sein Nachfolger als Prälat der „Gesellschaft des Heiligen Kreuzes und des Opus Die ist“, erklärte: „Dieser Herr mit einer ausgeprägten Phantasie hat einen Gewinn gemacht - nicht nur was die Dollarbeträge anbelangt - so wie dies auch für alle anderen gilt, die uns angreifen: unser Vater lehrt uns, dass wir mit derselben Inbrunst für diejenigen beten die uns loben und für diejenigen, die uns diffamieren. Ich habe das Buch nur durchgeblättert. Ich habe keine Zeit für Romane für Unbedarfte. Doch man kann nicht übersehen, was über uns geschrieben wird: die üblichen Dinge, die uns nur ein Lächeln entlocken. Was mich mehr schmerzt ist jedoch das groteske Delirium über unsern Herrn und unsere heilige Mutter Kirche. Sie können über unser Werk sagen, was sie wollen, doch den Glauben darf man nicht beleidigen. Weshalb ist man so negativ gegenüber dem „Opus Dei“ eingestellt? Weil bekannt ist, wie sehr wir dem Papst verbunden sind, wie treu wir der Kirche sind, wir streng wir den orthodoxen Glauben vertreten. Wir werden angegriffen, wenn es um diese Dinge geht: wir währen nur ein heuchlerisches Geschöpf eine katholischen Kirche, die nichts anderes hervorbringt als vergiftete Früchte. Und ich frage mich, warum erfindet man einen eingebildeten Teufel, wenn man nicht mehr an den Teufel glaubt? Der Verlust des Glaubens führt immer zum Aberglauben.“
In den vergangenen Monaten haben viele Katholiken, Christen verschiedener Konfessionen, Juden, Muslime, andere Gläubige und Menschen guten Willens „respektvoll“, was Corigliano mit einem Lächeln hervorhebt, ihre Stimme erhoben und um Respekt gebeten. Doch ihre Bitte scheint keinen Erfolg gehabt zu haben. „Die Bitte um Respekt ist ganz einfach das Ergebnis des gesunden Menschenverstands und bezieht sich auf die Verpflichtungen, die Sony gegenüber der Gesellschaft hat“, so Corigliano, „Im Verhaltenskodex der Sony-Gruppe heißt es unter anderem: Indem wir anerkennen, dass ein soziales und unter professionellen Gesichtspunkten akzeptables Verhalten in verschiedenen Regionen unterschiedlich bewertet werden kann, sollen die Mitarbeiter von Sony kulturelle und regionale Unterschiede bei der Erfüllung der eigenen Pflichten berücksichtigen.“ Weiter heißt es dort auch, dass kein Mitarbeiter der Sony „rassistische oder religiöse Beleidigungen äußern und von Witzen und anderen Kommentaren absehen soll, die ein feindlich gesinntes Arbeitsumfeld entstehen lassen.“ Die Verantwortlichen von Sony haben diese ethischen Verpflichtungen immer wieder betont. In einer kürzliche Veröffentlichung des Unternehmens wird anerkannt, dass dessen „Geschäfte direkt oder indirekt auf die Gesellschaften Einfluss nehmen, in denen es tätig ist.“
In einem weitren Papier wird bekräftigt, dass „Ethik und die Integrität Teil des DANN von Sony sein sollen“. Und in einer andren Verlautbarung wird sogar erklärt, dass „es für ein Unternehmen, das das Umfeld und die Gesellschaft, in der es lebt, nicht respektiert keinen Wohlstand geben kann“. Niemand hat es in den vergangenen Monaten gewagt, derart kühne Positionen zu vertreten, wie die Verantwortlichen bei Sony, obschon diese Äußerungen schließlich durch den bedauernswerten Mangel an Respekt gegenüber Millionen von Christen dementiert wurden. Wirtschaftliche Ziele rechtfertigen keine beleidigenden Mittel. Dabei ist es nicht das Opfer, das seine Würde verliert; vielmehr verzeichnet der Aggressor Einbussen. Die Ereignisse der vergangenen Monate haben viele Gläubige dazu angeregt, ihren christlichen Glauben zu vertiefen und sich eingehend mit dem Evangelium zu befassen, mit ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart. Wie vor zweitausend Jahren ist Jesus Christus auch heute für einige noch „Skandal und Wahnsinn“ Doch die Zahl derjenigen ist viel größer, die - dank einer empfangenen Gnade und nicht aus eigenem Verdienst - glauben, dass Jesus Christus wirklich der Sohn Gottes und der Erlöser der Menschen ist, der auf die Welt gekommen ist um die Liebe zu verbreiten.“ Wie es in einem amerikanischen Sprichwort heißt, das besagt, dass „aus Zitronen Limonade wird“, hat die Personalprälatur „Opus Dei“ auf diese Weise nicht nur jeder Art der Polemik vermieden, sondern auch die Diffamierung auf positive Weise genutzt.
Die offizielle Website der Personalprälatur - für Italien www.opusdei.it - hat heute weltweit rund drei Millionen Besucher im Monat, und es wird in Zeitungen und im Fernsehen häufig über das Werk berichtet. Die Strategie der Transparenz („Wir zeigen wie das Opus Dei wirklich ist und streiten uns nicht darüber, wie es nicht ist“) hat überraschend gute Ergebnisse erzielt und die Zahl der Freunde und Gönner steigen lassen. „In Rom entsteht auf Initiative unsere Mitglieder eine große Klinik, der so genannte ‚Campus biomedico’, der allen zugänglich sein wird, bei denen Bedarf besteht“, so Giuseppe Corigliano. „Die Bauarbeiten sind bereits weit fortgeschritten und wir werden insgesamt rund 250 Millionen Euro investieren. Ebenfalls in Rom gibt es seit über vierzig Jahren das Berufausbildungszentrum ‚Elis’, an dem über zehntausend junge Fachkräfte ausgebildet wurden. Jugendliche aus den Stadtrandgebieten werden hier zu kompetenten Handwerkern ausgebildet. In aller Welt erdenken Mitglieder des Opus Dei soziale Initiativen und bringen diese voran; hunderte Millionen Dollar, die nicht dem Werk gehören - denn dies stellt sich nur in den Dienst der geistlichen Ausbildung - sondern von 85.000 Männern und Frauen zur Verfügung gestellt werden, die zu uns gehören und die sich an unserem Gründer inspirieren“. Prälat Javier Echevarria vertritt die Ansicht: Für uns, die wir an die Vorsehung glauben, gibt es kein offensichtliches Übel, das sich nicht als etwas wirklich Gutes erweist.“ (Andrea Piersanti) (Fidesdienst 18/05/2006 - 97 Zeilen, 1.259 Worte)


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